{"id":13610,"date":"2019-05-28T10:14:34","date_gmt":"2019-05-28T08:14:34","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=13610"},"modified":"2019-05-28T10:14:34","modified_gmt":"2019-05-28T08:14:34","slug":"kunststoffmuell-ist-ein-gesamtgesellschaftliches-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=13610","title":{"rendered":"Kunststoffm\u00fcll ist ein gesamtgesellschaftliches Problem"},"content":{"rendered":"<p><strong>Interview mit Ulrich Reifenh\u00e4user, CSO der Reifenh\u00e4user Gruppe<\/strong><\/p>\n<p>Die Menge der Kunststoffabf\u00e4lle weltweit w\u00e4chst stetig. Wenn wir mit Ressourcen nachhaltig umgehen wollen, m\u00fcssen wir dem Abfall einen Wert geben und ihn verwerten und nicht deponieren, wie in vielen L\u00e4ndern der Welt noch \u00fcblich. Es braucht einen umfassenden Bewusstseinswandel in den Gesellschaften, ist Ulrich Reifenh\u00e4user \u00fcberzeugt. Hier ist die Aufkl\u00e4rung der Endverbraucher ebenso wichtig wie der politische Rahmen. Der Maschinenbau unterst\u00fctzt mit ressourceneffizienter Produktion und Recyclingtechnologien, aber auch den Brand-Ownern kommt eine Schl\u00fcsselstellung zu, wenn es darum geht, die Akzeptanz f\u00fcr Produkte aus Rezyklat zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p><strong>Warum ist Kreislaufwirtschaft f\u00fcr Kunststoffe wichtig?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ulrich Reifenh\u00e4user<\/strong>: Das Thema Kunststoffabfall hat an Wichtigkeit zugenommen, weil es immer mehr M\u00fcll gibt. Das liegt an der steigenden Weltbev\u00f6lkerung ebenso wie an dem zunehmenden Wohlstand in vielen Schwellenl\u00e4ndern. Vor allem im asiatischen Raum wachsen die M\u00fcllberge. Auch in Europa haben wir da Probleme. In Skandinavien, den Niederlanden, Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz ist die Verwertungsquote zwar hervorragend. In den mediterranen L\u00e4ndern ist sie dagegen eher schlecht. Die Kunststoffwelt muss sich deshalb ver\u00e4ndern. Die \u00dcberlegungen dazu sind im Gange, aber in der Abfallwelt ist dies noch nicht sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p><strong>Woran liegt das?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ulrich Reifenh\u00e4user<\/strong>: Das ist ein sehr komplexes und vielschichtiges Problem. Es ist schon paradox. Kunststoff ist ein ideales Material f\u00fcr viele Anwendungen. Er ist leicht, einfach zu verarbeiten, relativ g\u00fcnstig und in ausreichenden Mengen verf\u00fcgbar. Wegen dieser Vorteile nimmt seine Bedeutung im Wettbewerb mit anderen Materialien stetig zu. Das ist gut. Auf der anderen Seite wird Kunststoff nach der Verwendung meist nicht richtig behandelt. Er wird nicht gesammelt, sondern weggeschmissen. Das ist schlecht, und das ist das eigentliche, gro\u00dfe Problem.<\/p>\n<p><strong>Wie \u00e4ndert man das Verhalten von ganzen Nationen von Verbrauchern?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ulrich Reifenh\u00e4user<\/strong>: Indem man aufkl\u00e4rt und indem man an die Verantwortung der Verbraucher appelliert. Das geht au\u00dferdem \u00fcber Gesetze. Ganz wichtig ist es, dass man dem Kunststoffabfall einen Wert beimisst. Das muss politisch organisiert werden. Der beste Ansatz hier sind Recycling-Quoten f\u00fcr neue Kunststoffprodukte. Wenn es Quoten gibt, brauchen die Kunststoffverarbeiter auf einmal Recyclingmaterial. Da wird sich ein Markt auftun. Es kann dann durchaus sein, dass gutes Recyclingmaterial doppelt so viel kostet wie Neuware. Die Verdoppelung im Preis macht dem Kunststoffprodukt nichts aus, denn es ist in seinen Eigenschaften anderen Materialien wie Glas, Metall oder Papier weit \u00fcberlegen.<\/p>\n<p><strong>Aber die Endverbraucher schauen doch auf jeden Cent.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ulrich Reifenh\u00e4user<\/strong>: Das ist richtig, aber das h\u00f6rt auf, wenn wir einen Gesetzgeber haben, der vorschreibt, dass alle Kunststoffprodukte 30 Prozent Recyclingmaterial brauchen. Dann sind die Voraussetzungen f\u00fcr alle gleich. Es braucht dann vielleicht drei Jahre bis man bei uns in Europa und auch in Deutschland auf einmal eine ganz andere Recyclingindustrie hat.<\/p>\n<p><strong>Es geht also nicht ohne politische Vorgaben?<\/strong><\/p>\n<p>Ulrich Reifenh\u00e4user: Die Politik ist n\u00f6tig, weil wir es beim Kunststoffabfall mit einem gesamtgesellschaftlichen Problem zu tun haben. Eine Gruppe allein kann da nicht viel ausrichten. Es geht um ein Bewusstsein, den Dreck nicht einfach wegzuschmei\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Was kann der Maschinenbau tun?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ulrich Reifenh\u00e4user<\/strong>: Der Maschinenbau kann den Prozess der nachhaltigen Kunststoffwirtschaft unterst\u00fctzen. Als Hersteller von Maschinen zur Verarbeitung von Kunststoffen entwickeln wir Ressourcen schonende Prozesse, die es erlauben, den Einsatz von Kunststoff zu reduzieren. Zum Beispiel durch d\u00fcnnere Folien, die dieselben Schutzeigenschaften haben wie dickere. Gleichzeitig entwickeln wir Maschinen, die absolut abfallfrei produzieren. Der gesamte Abfall in der Produktion wird sofort wieder recycelt. Dies alles betrifft die Produktion. Auf der Seite der Verwendung stellt der Maschinenbau alle Technologien bereit, die ein Recycling von Kunststoffabf\u00e4llen erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p><strong>Mancher Kunststoffabfall l\u00e4sst sich schlecht recyceln. Was sollte man tun?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ulrich Reifenh\u00e4user<\/strong>: Die Recyclingf\u00e4higkeit muss von Anfang an mitgedacht werden. Schon beim Produktdesign. Heute werden verschiedene Materialien in einem Produkt oft ohne wirkliche Notwendigkeit eingebracht. Das schr\u00e4nkt die Recyclingf\u00e4higkeit ein. Einzelne Kunststoffe vertragen sich beim Recycling nun einmal nicht miteinander. Es ist n\u00e4mlich nicht so, dass man aus unterschiedlichen Kunststoffen immer problemlos einen neuen, brauchbaren machen k\u00f6nnte. Zur Weiterentwicklung der Recyclingf\u00e4higkeit ist die Chemieindustrie gefragt, aber es m\u00fcssen oft auch die Anforderungen an ein Kunststoffprodukt zur\u00fcckgenommen werden. Ein Beispiel: Heute werden in den Folien zur Verpackung von K\u00e4se Sperrschichten eingebaut, die dessen Haltbarkeit verl\u00e4ngern. Die Sperrschichten sind extrem schwer zu trennen und damit zu recyceln. Verringerte man die Sperrschichten unter f\u00fcnf Prozent, verringerte sich gegebenenfalls auch die Haltbarkeit, aber die Folien k\u00f6nnten viel leichter recycelt werden. Es stellt sich ohnehin die Frage, ob ein K\u00e4se mehrere Wochen oder sogar Monate haltbar sein muss.<\/p>\n<p><strong>Sind da die Kunststoffverwender in der Pflicht?<\/strong><\/p>\n<p>Ulrich Reifenh\u00e4user: Die Brand-Owner m\u00fcssen vorgeben, dass bestimmte Kunststoffprodukte nur f\u00fcr gewisse Anwendungen genutzt werden d\u00fcrfen. Das passiert heute schon, aber es dauert eine Weile, bis das dann durchgesetzt wird. Der Maschinenbau ist jedenfalls nicht der Engpass. Oft sind es auch gesetzliche Vorgaben, die den Einsatz von Rezyklaten heute noch behindern.<\/p>\n<p><strong>Die L\u00e4nder Skandinaviens gehen einen anderen Weg. Sie setzen auf Verbrennung der Kunststoffabf\u00e4lle.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ulrich Reifenh\u00e4user<\/strong>: Verbrennung ist eine sehr gute Sekund\u00e4rnutzung. In Nordeuropa gibt es schon lange keine Deponien mehr. Dort setzt man sehr stark auf die M\u00fcllverbrennung. Um M\u00fcll, und hierbei geht es um den gesamten nicht recycelbaren Hausm\u00fcll, zu verbrennen und gleichzeitig Energie aus dem Verbrennungsprozess zu gewinnen, braucht man Brennmittel. Wenn man die Brenntemperaturen mit gebrauchtem Kunststoff erreicht, hat man damit zwei Vorteile. Erstens nutzt man den Kunststoff zum zweiten Mal, auch und vor allem den, der nicht recycelbar ist. Zweitens kann man die Energie aus dem<br \/>\nVerbrennungsprozess weiter nutzen, etwa f\u00fcr industrielle Prozesse. Die Verbrennung ist \u00fcbrigens auch dann besonders gut, wenn man das Abfallproblem schnell angehen will, etwa in Schwellenl\u00e4ndern, wo Kunststoffabf\u00e4lle bislang noch gar nicht verwertet werden.<\/p>\n<p><strong>Wie l\u00f6st man das Problem des Kunststoffm\u00fclls am besten?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ulrich Reifenh\u00e4user<\/strong>: Es gibt nicht den goldenen Weg, man muss verschiedene Wege gehen. Wir brauchen ver\u00e4nderte Kunststoffe, wir brauchen ver\u00e4nderte Produkte. Aber vor allem m\u00fcssen die Menschen Verantwortung lernen. Sie m\u00fcssen erkennen, dass sie Kunststoffe nicht wegwerfen sollen, sondern daf\u00fcr sorgen m\u00fcssen, dass er richtig weiterverwendet wird. Hier muss aufgekl\u00e4rt werden, durch die Politik, in der Schule, an den Hochschulen. Es braucht zum Beispiel viel mehr Lehrst\u00fchle f\u00fcr Recyclingwirtschaft.<\/p>\n<p>Quelle: VDMA<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Menge der Kunststoffabf\u00e4lle weltweit w\u00e4chst stetig. 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