{"id":13873,"date":"2019-06-11T11:25:41","date_gmt":"2019-06-11T09:25:41","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=13873"},"modified":"2019-06-11T11:25:41","modified_gmt":"2019-06-11T09:25:41","slug":"wir-europaeer-sollten-mit-gutem-beispiel-vorangehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=13873","title":{"rendered":"Wir Europ\u00e4er sollten mit gutem Beispiel vorangehen"},"content":{"rendered":"<p>Interview mit Dr. Christoph Steger, CSO ENGEL AUSTRIA GmbH.<\/p>\n<p><strong>Die EU geht mit Tempo daran, die Kreislaufwirtschaft zu implementieren und Recycling voranzutreiben. Anderswo in der Welt ist das nicht so. Macht es da Sinn, in Europa mit dieser Wucht voranzuschreiten?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Christoph Steger<\/strong>: Das macht auf jeden Fall Sinn. Wenn niemand beginnt, wird niemand folgen. Wir Europ\u00e4er sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Die Unternehmen in unserer Industrie sind heute weltweit vernetzt. Das ist eine Riesenchance, von Europa aus dazu beizutragen, die Situation in anderen Regionen wie Asien zu verbessern. Zum Beispiel indem dort Sammelsysteme nach europ\u00e4ischem Vorbild aufgebaut werden. Als einzelnes Unternehmen haben wir ja nur begrenzt Einfluss. Genau deshalb haben wir uns auch der New Plastics Economy-Initiative der Ellen Mac Arthur Foundation angeschlossen. Auch sie vernetzt die weltweiten Akteure und verschafft unserem gemeinsamen Anliegen mehr Geh\u00f6r. Es ist aber auch so, dass wir in Europa noch viel Optimierungspotenzial haben. Noch immer werden in vielen L\u00e4ndern Europas Kunststoffabf\u00e4lle deponiert. Das ist eine enorme Verschwendung von wertvollen Rohstoffen.<\/p>\n<p><strong>Was sehen Sie als gr\u00f6\u00dfte Herausforderung?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Christoph Steger<\/strong>: Um die Kreislaufwirtschaft wirklich voranzutreiben, brauchen wir ein sortenreines Sammelsystem. Das haben wir heute noch nicht. Es reicht nicht, einfach alle Kunststoffabf\u00e4lle in den Gelben Sack zu stecken. Die Vorschriften dar\u00fcber, was hineingeh\u00f6rt und was nicht, sind von Kommune zu Kommune verschieden. Da kommen Kunststoffe zusammen, die man aufgrund ihrer chemischen und physikalischen Eigenschaften gar nicht<br \/>\nmiteinander verwerten kann und dann ist das Resultat oft ist ein minderwertiges Produkt. Um hochwertige Produkte herzustellen, und das muss das Ziel im Sinne des Ressourcenschutzes sein, m\u00fcssen gleichartige Kunststoffe verwertet werden und dazu m\u00fcssen sie von vornherein getrennt gesammelt werden.<\/p>\n<p><strong>Was halten Sie von chemischem Recycling?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Christoph Steger:<\/strong> Chemisches Recycling steckt in den Kinderschuhen. Es gibt erste Ans\u00e4tze und erste Anlagen, die in Betrieb genommen wurden. Da sind vor allem die Rohmaterialienhersteller gefragt. Aber auch dort wird man eine gewisse Vortrennung ben\u00f6tigen, um vern\u00fcnftig chemisch recyceln zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Ist die Kreislaufwirtschaft ein Innovationstreiber?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Christoph Steger<\/strong>: Sie ist ein starker Innovationstreiber und eine Chance f\u00fcr europ\u00e4ische Unternehmen, hier als Vorreiter auch die Technologief\u00fchrerschaft weiter zu behaupten. So ist zum Beispiel Industrie 4.0 ein wichtiger Wegbereiter der Kreislaufwirtschaft. Wir werden auf der K zeigen, wie sich bei der Verarbeitung von Rezyklat mit Hilfe intelligenter Assistenz Schwankungen im Rohmaterial zuverl\u00e4ssig ausgleichen lassen. Diese Innovation macht es m\u00f6glich, Rezyklate breiter und eben auch f\u00fcr h\u00f6herwertige Anwendungen einzusetzen. Ein weiteres Beispiel ist der thermoplastbasierte Composite-Leichtbau, den sowohl die Automobilhersteller als auch die Flugzeugbauer verst\u00e4rkt nachfragen, weil damit zuk\u00fcnftig auch Faserverbundbauteile recycelbar sein werden. Auch hierzu pr\u00e4sentieren wir auf der K eine Anwendung. In erster Linie ist die Kreislaufwirtschaft aber eine Verpflichtung, wertvolle Ressourcen zu schonen und zu verhindern, dass Kunststoffe in die Umwelt entsorgt werden. Daf\u00fcr brauchen wir innovative Ideen und L\u00f6sungen, und es ist wichtig, dass alle an einem Strang ziehen. Ich setze auf das Schneeballprinzip.<\/p>\n<p><strong>Ist die K eine gute Plattform, um diesen Schneeball ins Rollen zu bringen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Christoph Steger<\/strong>: Die K ist auf jeden Fall eine gute Plattform, um zu zeigen, was heute schon technisch geht und was in wenigen Jahren m\u00f6glich sein wird. Am Ende des Tages darf man aber nicht vergessen, dass die K eine Fachmesse ist und die Unternehmen der Kunststoffindustrie allein einen Kreislauf nicht in Gang setzen k\u00f6nnen. Wichtig ist, dass wir unter anderem auch die Entsorger und vor allem die Konsumenten mitnehmen.<\/p>\n<p><strong>Verpackungen machen als Gruppe den gr\u00f6\u00dften Teil des Kunststoffm\u00fclls aus. Haben wir zu viele Verpackungen? Gibt es Alternativen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Christoph Steger<\/strong>: Verpackungen dienen dazu, das Produkt so zu sch\u00fctzen, dass es auf dem Weg vom Hersteller \u00fcber den Handel bis zum Konsumenten nicht kaputt geht. In der Praxis spielen aber auch andere Faktoren eine Rolle, wie Marketing und Logistik. Zahnpastatuben sind beispielsweise in Kartons leichter zu stapeln. Die Notwendigkeit dieser Umverpackungen gilt es tats\u00e4chlich strenger zu hinterfragen. Wie es das Beispiel Zahnpasta zeigt, betrifft dies allerdings nicht nur Umverpackungen aus Kunststoff-, sondern auch zum Beispiel aus Karton. Was Alternativen, also alternative Verpackungsmaterialien, betrifft, muss genau abgewogen werden. Gerade im Lebensmittelbereich sind Kunststoffverpackungen meistens am effizientesten \u2013 in der Energie- und Materialbilanz, bei der Herstellung und beim Transport. Die Umkehr vieler Verbraucher zu Glasverpackungen derzeit bewirkt gerade das Gegenteil dessen, was eigentlich angestrebt wird.<br \/>\n<strong>Welche Rolle kommt der Politik bei der Durchsetzung der Kreislaufwirtschaft in Europa zu?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Christoph Steger<\/strong>: Der Politik kommt eine entscheidende Rolle zu. Bislang nimmt sie sie aber nicht gut wahr. Kunststoffprodukte zu verbieten, ist keine Unterst\u00fctzung der Kreislaufwirtschaft. Wenn man Strohhalme aus Kunststoff verbietet, kommen welche aus Papier auf den Markt, die mit vielen chemischen Additiven versetzt sind und zudem eine schlechtere CO2-Bilanz aufweisen. Das ist ja genau das, was Kreislaufwirtschaft nicht will. Au\u00dferdem tr\u00e4gt die Politik mit Produktverboten zur weiteren Emotionalisierung des Kunststoffthemas bei, anstatt sich intensiver an der Aufkl\u00e4rung der Verbraucher zu beteiligen.<\/p>\n<p><strong>Und was w\u00fcnschen Sie sich konkret?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Christoph Steger<\/strong>: Ganz konkret w\u00fcnschen wir uns Ma\u00dfnahmen, die besser auf die Situation in unserem Land zugeschnitten sind. Zu den vorrangigen Themen hier in \u00d6sterreich oder auch in Deutschland geh\u00f6rt, dass wir die Recyclingkapazit\u00e4ten aufstocken und daf\u00fcr sorgen, dass Rezyklate breiter eingesetzt werden k\u00f6nnen. Daf\u00fcr ist es zudem wichtig, die Vorgaben, f\u00fcr welche Produkte aufbereitete Kunststoffabf\u00e4lle eingesetzt werden d\u00fcrfen und f\u00fcr welche nicht, neu zu definieren. F\u00fcr Lebensmittelverpackungen oder in der Medizintechnik haben Rezyklatverbote ihren Sinn, bei M\u00fclltonnen beispielsweise aber nicht. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen wir daran arbeiten, dass die Verbrennung von Kunststoffabf\u00e4llen zur Energie- und W\u00e4rmeerzeugung ihr schlechtes Image verliert.<\/p>\n<p>Quelle: VDMA<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EU geht mit Tempo daran, die Kreislaufwirtschaft zu implementieren und Recycling voranzutreiben. 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