{"id":14156,"date":"2019-06-26T15:37:10","date_gmt":"2019-06-26T13:37:10","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=14156"},"modified":"2019-06-26T09:40:49","modified_gmt":"2019-06-26T07:40:49","slug":"kunststoffe-sind-oft-die-nachhaltigere-alternative","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=14156","title":{"rendered":"Kunststoffe sind oft die nachhaltigere Alternative"},"content":{"rendered":"<p>Interview mit Alfred Stern, CEO der Borealis AG<\/p>\n<p><strong>Warum begr\u00fc\u00dfen Kunststoffhersteller die Kreislaufwirtschaft?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alfred Stern<\/strong>: F\u00fcr unsere Branche bricht eine neue \u00c4ra an. Je fr\u00fcher wir uns auf eine echte Kreislaufwirtschaft einstellen, desto positiver wird sich das auf unser wirtschaftliches Wachstum, auf die Umwelt, auf unsere Kunden und auf die gesamte Gesellschaft auswirken. Wir sehen die Kreislaufwirtschaft auch als Gesch\u00e4ftschance, wir erwarten ein Wachstum des Marktes f\u00fcr rezyklierte Polyolefine. Kunststoffe sind zu wertvoll, um weggeworfen zu werden, davon sind wir bei Borealis \u00fcberzeugt. Unsere Vision ist, dass es keinen Kunststoffm\u00fcll mehr gibt und dass Kunststoff als Rohstoff wiederverwendet wird.<\/p>\n<p><strong>\u00d6l gilt als endliches Gut. Die Prognosen \u00fcber Peak Oil gehen zwar auseinander, aber ein Ende sagen viele voraus. Ist die Kreislaufwirtschaft f\u00fcr Kunststoffe vor diesem Hintergrund ein Beispiel f\u00fcr vorausschauendes Wirtschaften?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stern:<\/strong> Die Steinzeit wurde nicht von der Metallzeit abgel\u00f6st, weil unseren Vorfahren die Steine ausgingen, sondern weil neue und bessere L\u00f6sungen gefunden wurden. \u00c4hnlich ist es beim \u00d6l: Mit immer h\u00f6herem Aufwand werden wir der Erde noch lange \u00d6l abringen k\u00f6nnen, aber zu einem gewissen Zeitpunkt wird sich das nicht mehr auszahlen, weil dann hoffentlich bessere, einfachere und nachhaltigere L\u00f6sungen zur Verf\u00fcgung stehen werden. Bis dahin ist es wichtig, aus \u00d6l m\u00f6glichst vern\u00fcnftige Dinge zu machen \u2013 etwa Kunststoffprodukte, die am Ende ihrer Nutzungsphase rezykliert werden k\u00f6nnen. Unser gro\u00dfer Fokus liegt auf der Etablierung einer echten Kreislaufwirtschaft.<\/p>\n<p><strong>Immer wieder werden Forderungen laut, Kunststoffe durch andere Materialien zu ersetzen. Zuletzt etwa beim Materialienersatz bei Trinkhalmen. Ist das sinnvoll?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stern<\/strong>: Da habe ich einen ganz pragmatischen Zugang: Kunststoff sollte dort eingesetzt werden, wo er eindeutig besser ist als andere Werkstoffe. Und es steht fest, dass Kunststoffe in vielen Bereichen des t\u00e4glichen Lebens die nachhaltigere Alternative sind, etwa im Automobil-Bereich, wo durch den Leichtbau Kunststoffe einen wesentlichen Beitrag zur Treibstoffreduktion liefern. Oder im medizinischen Bereich, dort gibt es zu Blutkonserven- und Infusionsbeuteln aus sterilem Kunststoff kaum sinnvolle Alternativen. Und auch im Bereich der Lebensmittelverpackungen helfen Kunststoffe, unsere Lebensmittel l\u00e4nger frisch und hygienisch zu halten. Die meisten alternativen Materialien sind wesentlich schwerer und verursachen daher h\u00f6here Umweltbelastung beim Transport, oder sie k\u00f6nnen nicht die gleiche Funktion im Hinblick auf Dampf- oder Sauerstoffbarriere erf\u00fcllen. Die Nachhaltigkeit sollte ein wesentliches Kriterium bei der Wahl des richtigen Materials sein.<\/p>\n<p><strong>Vonseiten von Plastics Europe hei\u00dft es, Kreislaufwirtschaft biete auch eine M\u00f6glichkeit, Europas Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Ressourceneffizienz zu verbessern. Wie k\u00f6nnte das gehen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stern<\/strong>: Die Kreislaufwirtschaft bietet die M\u00f6glichkeit, die Ressourceneffizienz zu verbessern, wenn Rohstoffe und Materialien bestm\u00f6glich eingesetzt werden und am Ende ihrer Lebensdauer im Kreislauf bleiben. Die Weltbev\u00f6lkerung w\u00e4chst kontinuierlich, und erfreulicherweise steigen auch die verf\u00fcgbaren Einkommen. Damit wird der Bedarf an Werkstoffen im Allgemeinen und an Kunststoffen im Speziellen weiterhin steigen. Wenn das aktuelle lineare Wirtschaftsmodell bestehen bleibt, dann wird dies zu mehr Abfall f\u00fchren, unabh\u00e4ngig vom Werkstoff, der eingesetzt wird. Die L\u00f6sung liegt im Wechsel zu einer Kreislaufwirtschaft, die gleichzeitig auch die Verbrauchsreduktion von Prim\u00e4r-Rohstoffen und damit auch die Senkung der CO2 Emissionen erm\u00f6glicht. Kunststoffe sind dabei in den meisten Anwendungen die \u00f6koeffizientesten Werkstoffe.<\/p>\n<p><strong>Welche Rahmenbedingungen m\u00fcsste die Politik in der EU setzen, damit die Kreislaufwirtschaft f\u00fcr Kunststoffe auch wirtschaftlich funktioniert?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stern<\/strong>: Verbote tragen nicht zu einer nachhaltigen L\u00f6sung bei, sie sind im Gegenteil eher hinderlich f\u00fcr das Entstehen von Innovation. Besser ist es, die<br \/>\nlangfristigen Ziele konkret vorzugeben, den Weg zu diesen Zielen aber offen zu lassen, um die volle Wirksamkeit des Wettbewerbs und der Innovation zu gew\u00e4hrleisten. Au\u00dferdem braucht es eine vereinheitlichte, konstruktive Gesetzgebung auf europ\u00e4ischer und internationaler Ebene. Nationale Alleing\u00e4nge bringen uns nicht weiter.<\/p>\n<p><strong>Wo liegen in der Wertsch\u00f6pfungskette die Engp\u00e4sse bei einer Kreislaufwirtschaft?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stern<\/strong>: Die Zusammenarbeit aller Akteure in der Wertsch\u00f6pfungskette ist eine Notwendigkeit, aber auch eine Herausforderung. Daher haben wir die Plattform EverMinds lanciert &#8211; die erste ihrer Art in der Branche. Dort k\u00f6nnen wir gemeinsam mit unseren Kunden und unseren Partnern konkrete Ma\u00dfnahmen setzen, um die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfstab in der Industrie zu implementieren. EverMinds soll als Ideenf\u00f6rderer und -beschleuniger zu neuen, hochwertigen und innovativen Polyolefinl\u00f6sungen inspirieren. Die Kreislaufwirtschaft verf\u00fcgt \u00fcber das Potential, verkrustete Strukturen in der Branche aufzubrechen. Diese Herausforderung nehmen wir gerne an, denn wir wollen kundenspezifische L\u00f6sungen mit \u00fcberragenden Leistungseigenschaften entwickeln.<\/p>\n<p><strong>Das Produktdesign spielt bei der Rezyklierbarkeit von Kunststoffen eine gro\u00dfe Rolle. Inwieweit betrifft das auch einen Hersteller von Kunststoffen? Wohin geht die Entwicklung?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stern:<\/strong> Die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft treiben uns dazu, neue Produkte mit verbesserter Recyclingf\u00e4higkeit zu entwickeln. Wir ber\u00fccksichtigen das bereits in der Designphase und arbeiten eng mit unseren Kunden und Partnern zusammen, nicht nur um Produkte zu entwerfen, die einfacher rezykliert werden k\u00f6nnen, sondern auch um neuartige Anwendungen f\u00fcr diese Rezyklate zu finden. Aus diesem Grund geben wir einen erheblichen Teil unserer Innovationsressourcen f\u00fcr Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich Recycling aus. Wir untersuchen den kompletten Lebenszyklus eines Produkts: wie es produziert, verarbeitet, eingesetzt und schlie\u00dflich r\u00fcckgewonnen oder rezykliert werden kann.<\/p>\n<p>Quelle: VDMA<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr unsere Branche bricht eine neue \u00c4ra an. 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