{"id":14583,"date":"2019-07-17T15:32:13","date_gmt":"2019-07-17T13:32:13","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=14583"},"modified":"2019-07-15T16:29:44","modified_gmt":"2019-07-15T14:29:44","slug":"der-pvc-fensterkreislauf-funktioniert-in-deutschland-sehr-gut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=14583","title":{"rendered":"Der PVC-Fensterkreislauf funktioniert in Deutschland sehr gut"},"content":{"rendered":"<p>Interview mit J\u00f6rg Fr\u00f6mming, Vertriebsleiter der Dekura GmbH<\/p>\n<p><strong>Seit 2001 gibt es die Selbstverpflichtung der europ\u00e4ischen PVC-Industrie zur Wiederverwertung von Abf\u00e4llen. Wie gut funktioniert sie?<\/strong><\/p>\n<p><strong>J\u00f6rg Fr\u00f6mming<\/strong>: Diese Selbstverpflichtung war die Antwort der Industrie auf Kritik in der \u00d6ffentlichkeit an diesem Werkstoff. F\u00fcr Fenster kann ich sagen, die Selbstverpflichtung hat dazu gef\u00fchrt, dass heute schon 88,6 Prozent der erfassbaren, verf\u00fcgbaren Menge an Altfenstern recycelt werden. Wir haben einen funktionierenden Recycling-Kreislauf f\u00fcr PVC-Altfenster und Altrolladen in Deutschland.<\/p>\n<p><strong>Dann sind Sie bei Dekura als einem Recyclingspezialisten f\u00fcr PVC-Altfenster ein Vorreiter?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fr\u00f6mming:<\/strong> Hart-PVC im Fensterbereich wird in der Tat oft als Vorbild hingestellt. In dieser Nische des PVC-Marktes gibt es schon alle Schritte, die man f\u00fcr einen Kreislauf braucht: Es gibt Sammelsysteme, es gibt Produkte, in die Rezyklate eingebracht werden k\u00f6nnen, und es gibt einen Wettbewerbsmarkt um die Rohstoffe. Wir haben au\u00dferdem auf der Umweltseite eine gute CO2-Bilanz. Wenn man den CO2-Footprint eines PVC-Rezyklats aus dem Produktionsprozess der Dekura mit Neuware vergleicht, kommt das PVC-Rezyklat nur auf 12 Prozent der Emissionen der Neuware.<\/p>\n<p><strong>Bekommt Dekura gen\u00fcgend Altfenstermengen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fr\u00f6mming:<\/strong> Wir erhalten die Altfenster aus zwei Quellen. Zum einen von Fensterbauern, die alte Fenster aus Geb\u00e4uden ausbauen, um sie gegen neue auszutauschen, und von Entsorgungsunternehmen, die die Altfenster aus dem Bauabfallstrom aussortieren. Wir recyceln im Jahr in der Summe etwa 50.000 Tonnen Alt-Fenster und Produktionsabf\u00e4lle von Profilextrudeuren und Fensterbauern. Daraus produzieren wir etwa 35.000 Tonnen Rezyklat, das dann zum gro\u00dfen Teil bei der Herstellung von Fensterprofilen wiederverwendet wird.<\/p>\n<p><strong>Dennoch ist und bleibt PVC ein Kunststoff und leidet damit unter einem schlechten Image.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fr\u00f6mming:<\/strong> Nat\u00fcrlich sind wir als Teil der Kunststoffindustrie von dem allgemein schlechten Image grunds\u00e4tzlich betroffen. Auf unsere Branche hat das bislang aber keine direkten Auswirkungen. Hart-PVC hat unbestreitbare Vorteile f\u00fcr den Fensterbau. Es ist sehr langlebig, sehr schlagz\u00e4h und au\u00dferdem viel w\u00e4rmeisolierender als alternative Werkstoffe wie beispielsweise Metall. Die Produktvorteile \u00fcberwiegen. Und das sehen die Verbraucher auch so. Dennoch wollen auch wir etwas tun, um das Image des Kunststoffs zu verbessern. Wir wollen uns in die \u00f6ffentliche Diskussion einbringen, indem wir zeigen, was in der Kreislaufwirtschaft schon geht.<\/p>\n<p><strong>Welche Rolle spielt das Produktdesign f\u00fcr die Recyclingf\u00e4higkeit von PVC-Fenstern?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fr\u00f6mming:<\/strong> Um eine m\u00f6glichst hohe Recyclingquote zu erreichen, muss ein Produkt so konzipiert sein, dass es mit den aktuell verf\u00fcgbaren Trennsystemen auch aufgetrennt und recycelt werden kann. Bei manchen Kunststoffen ist das ja sehr schwer, zum Beispiel bei den schwarzen Kunststoffen. Auch im Fensterbereich werden Materialien eingesetzt, die sich f\u00fcr die Wiederverwertung schlecht auftrennen lassen, etwa eingeklebte Scheiben. Idealerweise sollte es so sein, dass die einzelnen Bestandteile eines Fensters beim Schreddern auseinanderfallen. Das ist die eine Anforderung an das Produktdesign. Zweitens muss ein Design es auch erlauben, Rezyklate in ein Produkt einzubringen. In der Regel ist ein solches Rezyklat heute noch nicht so einheitlich wie Neuware, deshalb muss ein Produkt so gestaltet sein, dass man trotzdem Material, das suboptimal ist, darin unterbringen kann.<\/p>\n<p><strong>Und das ist bei den PVC-Fenstern heute so?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fr\u00f6mming:<\/strong> Die Fenster sind so konstruiert, dass Rezyklate in den Innenkernen der Fensterprofile eingesetzt werden k\u00f6nnen. Das machen inzwischen fast alle Fensterprofilhersteller so, jedenfalls die Extrudeure in Deutschland. Auf die Au\u00dfenseite der Fensterprofile kommt eine Schicht Neuware, damit das Profil<br \/>\noptisch identisch ist mit einem reinen Neuwareprofil. Die mechanischen und verarbeitungstechnischen Eigenschaften des Rezyklats sind identisch mit Neuwarerezepturen, deshalb kann man sie in den Innenkernen sehr gut einsetzen. Um ein Optimum an Einsatzquote und Qualit\u00e4t zu erreichen, arbeiten wir auch sehr eng mit den Systemgebern, also den Extrudeuren zusammen. Als Beispiel ist hier das Fenstersystem SYNEGO der Firma REHAU zu nennen. Diese Profile aus hochwertigem Kunststoff sind vollst\u00e4ndig wiederverwertbar und haben einen Kern aus dem im geschlossenen Wertsch\u00f6pfungskreislauf gewonnenen Rezyklat.<\/p>\n<p><strong>Gibt es schon Rezyklat in derselben Qualit\u00e4t wie Neuware, mit dem man komplette Fenster herstellen k\u00f6nnte?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fr\u00f6mming:<\/strong> Aktuell gibt es \u00fcber den Recyclingweg noch kein qualitativ so hochwertiges PVC. Aber es ist doch immer die Frage, welchen Aufwand man f\u00fcr welchen Nutzen betreiben sollte. Bis vor etwa 15 Jahren hat sich niemand vorstellen k\u00f6nnen, dass man reines Altfenster-Rezyklat \u00fcberhaupt wiederverwenden kann. Es ist die Frage, ob es sinnvoll ist, mit viel Entwicklungsarbeit so saubere Rezyklate zu erreichen, dass sie auch f\u00fcr das gesamte Fensterprofil eingesetzt werden k\u00f6nnen. Die Entwicklung und Anwendung solcher Technologien w\u00e4re sehr aufw\u00e4ndig und machte das Altfensterrezyklat vermutlich so teuer, dass es aus Kostengr\u00fcnden nicht mehr eingesetzt wird. Wenn es politisch gewollt w\u00fcrde, dass Fenster nur aus Rezyklat hergestellt werden, dann m\u00fcsste die Politik das vermutlich allen vorschreiben. Aber selbst dann h\u00e4tte man im Fensterbereich mit unseren aktuell hohen Recyclingquoten keine gro\u00dfen Hebel mehr, die Verwertungsquoten zu steigern. Unsere Industrie geht einen Mittelweg. Wir haben eine hohe Recyclingquote und gleichzeitig wird das Rezyklat betriebswirtschaftlich sinnvoll eingesetzt.<\/p>\n<p><strong>Was verspricht sich Dekura von seinem Engagement f\u00fcr die Kreislaufwirtschaft auf der K 2019?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fr\u00f6mming:<\/strong> Wir haben einen begrenzten Markt. Wir erhoffen uns mit der Kreislaufwirtschaft, auch unseren Markt noch st\u00e4rker nach Europa hinauszutragen und st\u00e4rker in die anderen L\u00e4nder zu kommen. Sowohl in die M\u00e4rkte zu der Ressource \u201eAltfenster\u201c als auch hinterher in die M\u00e4rkte f\u00fcr Rezyklate.<\/p>\n<p>Quelle: VDMA<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Selbstverpflichtung war die Antwort der Industrie auf Kritik in der \u00d6ffentlichkeit an diesem Werkstoff. 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