{"id":14792,"date":"2019-07-25T11:28:07","date_gmt":"2019-07-25T09:28:07","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=14792"},"modified":"2019-07-23T13:32:14","modified_gmt":"2019-07-23T11:32:14","slug":"es-gibt-gar-keine-alternative-zu-rezyklaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=14792","title":{"rendered":"Es gibt gar keine Alternative zu Rezyklaten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Interview mit Karl-Heinz Bu\u00dfbach, Global Business Director AZO CHEM\/POLY.<\/strong><\/p>\n<p>\u2022 Im Recycling geht es zunehmend um hochwertige Endprodukte<br \/>\n\u2022 Biobasierte und kompostierbare Kunststoffe sind im Kommen<br \/>\n\u2022 Kreislaufwirtschaft ist Innovationstreiber<\/p>\n<p><strong>In der EU-Kunststoffstrategie kommt dem Recycling eine wichtige Rolle zu. Sp\u00fcren Sie schon, ob das bei Ihren Kunden ankommt?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Karl-Heinz Bu\u00dfbach:<\/strong> Wir sehen schon seit Jahren eine kontinuierliche quantitative Zunahme an Investitionen aus dem Recycling-Bereich. Im Unterschied zu fr\u00fcher werden bei diesen Projekten komplexere, technisch aufw\u00e4ndigere Anlagen eingesetzt, um eine bestm\u00f6gliche Aufarbeitung bei der Wiederverwertung von Reststoffen sicherzustellen. Wurden fr\u00fcher eher minderwertige, einfache Endprodukte aus den rezyklierten Rohstoffen hergestellt, geht es heute darum, mit den Rezyklaten m\u00f6glichst nah an die Qualit\u00e4tsstandards von Neuware zu kommen.<br \/>\nAls Spezialist f\u00fcr Rohstoffhandling z\u00e4hlen alle Glieder der Wertsch\u00f6pfungskette Kunststoff zu ihren Kunden. Ist die Zahl der Recycling-Kunden gestiegen?<br \/>\nBu\u00dfbach: Fr\u00fcher war der Recycling-Bereich f\u00fcr uns eine Sonderbranche in einem niedrigen Preissegment. Heute ist er ein eigenst\u00e4ndiger Bereich geworden. Die Anlagen, die f\u00fcr den Einsatz im Recycling n\u00f6tig sind, brauchen zum Teil h\u00f6herwertige technische Ausf\u00fchrungen, als die Anlagen, die f\u00fcr Neuware eingesetzt werden. F\u00fcr AZO ist das ein Gesch\u00e4ftsfeld mit guter Wachstumsperspektive.<\/p>\n<p><strong>W\u00fcrden Sie sagen, dass die Kreislaufwirtschaft insgesamt wirtschaftliche Vorteile bringt?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bu\u00dfbach:<\/strong> Die wirtschaftlichen Vorteile sind zun\u00e4chst einmal abh\u00e4ngig vom Preis im Vergleich mit dem von Neuware. Dieser ist zumindest indirekt vom \u00d6lpreis abh\u00e4ngig, und der schwankt bekanntlich. Es ist daher schwierig, mit Rezyklaten immer konkurrenzf\u00e4hig zur Neuware zu sein, auch weil die Herstellprozesse komplizierter werden. Man muss au\u00dferdem auch an die zu rezyklierenden Produkte herankommen, man braucht Systeme zum Einsammeln. Und jeder, der an diesem Prozess beteiligt ist, will auch noch Geld daran verdienen.<br \/>\nDer eigentliche Punkt ist ein anderer: Fast alle Global Player in diesem Bereich haben das Thema Nachhaltigkeit in ihrer Firmenstrategie verankert. Noch st\u00e4rker ist das bei den Konsumg\u00fcterherstellern, deren Produkte verpackt werden m\u00fcssen. Jeder dieser Konzerne setzt auf nachhaltige L\u00f6sungen aus dem Bereich Recycling. Da ist etwas in Gang gekommen, das vor allem durch die Wahrnehmung in der \u00d6ffentlichkeit getrieben wird. Daraus folgt: Es wird in Zukunft immer wichtiger f\u00fcr die unterschiedlichsten Anwendungen, hochwertige Produkte aus Rezyklat herstellen zu k\u00f6nnen, um die Anforderungen der Verarbeiter zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p><strong>Es wird viel mit Bio-Kunststoffen experimentiert. K\u00f6nnen sie ein Rohstoff der Zukunft sein?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bu\u00dfbach:<\/strong> Man ist heute schon in der Lage, viele Polymere durch einen biobasierten Kunststoff zu ersetzen. Da wird sehr viel geforscht. Vieles funktioniert schon. F\u00fcr PLA gibt es zum Beispiel schon gro\u00dfe Produktionsanlagen. In der Regel ist der Bio-Compound aber immer noch teurer als der erd\u00f6lbasierte Kunststoff. Dennoch wird er in Zukunft eine Rolle spielen. Wegen des Trends zur Nachhaltigkeit und der letztlich endlichen Erd\u00f6lreserven und dadurch steigenden Preise kann man es sich schlicht nicht leisten, darauf zu verzichten. Au\u00dferdem gibt es hier schon viele Produkte, welche nicht nur biobasiert, sondern auch kompostierbar sind.<\/p>\n<p><strong>Dr\u00fcckt das schlechte Image den Verbrauch von Kunststoff?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bu\u00dfbach:<\/strong> Die Menge an Kunststoff wird eher steigen, ob biobasiert oder nicht. Die Plastikt\u00fcte, einige andere Verpackungsl\u00f6sungen und bestimmte Anwendungen, welche sich ersetzen lassen, werden zur\u00fcckgehen, aber zum Beispiel Leichtbau wird daf\u00fcr in der Zukunft viel wichtiger werden. Man denke nur an E-Mobility. Die kann ohne Kunststoff gar nicht realisiert werden. Trotz des vergleichsweise kleinen Teils von Verpackungsm\u00fcll in der EU ist durch Bilder von den verschmutzten Weltmeeren gerade bei uns in Europa ein riesiger Imageschaden entstanden. Die positiven Dinge, die Anwendungen aus dem Bereich Kunststoff f\u00fcr uns t\u00e4glich leisten, werden in der \u00d6ffentlichkeit gar nicht mehr wahrgenommen. Die heutige Medizin w\u00fcrde ohne Kunststoff gar nicht funktionieren. Man stelle sich einmal ein Krankenhaus und die Hygiene dort ohne Kunststoff vor.<\/p>\n<p><strong>Inwieweit sollte die Politik die Kreislaufwirtschaft regeln?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bu\u00dfbach:<\/strong> In Europa funktioniert sie schon sehr gut. Grunds\u00e4tzlich sollte man immer mit politischen Verboten, zus\u00e4tzlichen Steuern, Subventionen und Vorschriften zur\u00fcckhaltend sein. Dadurch entstehen Effekte, die sich nur schwer vorhersagen und kontrollieren lassen. Aus meiner Sicht ist das Verhalten der Verbraucher der wichtigste Faktor, allein dadurch entwickelt sich die Sache in die richtige Richtung. Dar\u00fcber hinaus sind Forschungsmittel von EU, Bund und L\u00e4ndern wichtige Faktoren. Es gibt schon viele Projekte, es wird an neuen Herstellungsverfahren, neuen Werkstoffen, neuen Recyclingprodukten geforscht. Vieles wird auch von Global Playern getrieben. Deshalb finde ich, dass man keine Verbote braucht. Bei PVC-Fenstern gibt es schon einen geschlossenen Kreislauf, der ohne Vorschriften funktioniert. Dort gibt es zum Beispiel seit Langem eine Selbstverpflichtung von Herstellern, welche auch durch das damals vorhandene schlechte Image des PVC eingeleitet wurde.<\/p>\n<p><strong>Welche Rolle spielt die Digitalisierung in der Kreislaufwirtschaft?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bu\u00dfbach:<\/strong> Sie ist von entscheidender Bedeutung. Wenn man zum Beispiel mit biobasierten oder rezyklierten Rohstoffen arbeitet, hat man schwankende Rohstoffqualit\u00e4ten. Man muss die Schwankungen fr\u00fch genug erkennen und gegensteuern. Da spielt die Vernetzung der Anlage innerhalb des Herstellungsprozesses eine Rolle. Was n\u00fctzt es, wenn man mit der Materialversorgung smart ist, aber der Extruder, der das Produkt verarbeitet, nichts davon mitbekommt. Es sollten daher alle beteiligten Anlagen mit smarter Sensorik und Datenauswertung ausgestattet und miteinander vernetzt sein, um eine gleichbleibend hohe Qualit\u00e4t im Endprodukt sicherzustellen.<\/p>\n<p>Quelle: VDMA<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p> Wir sehen schon seit Jahren eine kontinuierliche quantitative Zunahme an Investitionen aus dem Recycling-Bereich. Im Unterschied zu fr\u00fcher&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14793,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-14792","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14792","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14792"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14792\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14795,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14792\/revisions\/14795"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/14793"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14792"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14792"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14792"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=14792"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}