{"id":14873,"date":"2019-07-29T10:34:17","date_gmt":"2019-07-29T08:34:17","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=14873"},"modified":"2019-07-26T14:39:11","modified_gmt":"2019-07-26T12:39:11","slug":"von-der-rolle-in-die-dritte-dimension","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=14873","title":{"rendered":"Von der Rolle in die dritte Dimension"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die LEONHARD KURZ Stiftung &amp; Co. KG mit Ihrem Headquarter in F\u00fcrth entwickelt und produziert dekorative und funktionelle Beschichtungen f\u00fcr unterschiedlichste Kunststoffanwendungen, die mittels Tr\u00e4gerfolien beim Spritzgie\u00dfen auf Kunststoffbauteile \u00fcbertragen werden. Wesentliches Entwicklungsziel ist die Technologie- und Prozessentwicklung, sowie der Ausbau \u00a0der 3D-Verformung, an Ecken und entlang des Formteil-Umrisses. Dazu unterh\u00e4lt LEONHARD KURZ ein umfangreiches Spritzgie\u00df-Technologie-Centrum. Hier zu finden u. a. \u00a0zwei Produktionszellen auf Basis von servohydraulischen WITTMANN BATTENFELD <em>SmartPower<\/em>-Spritzgie\u00dfmaschinen mit 1.200 und 2.100 kN Schlie\u00dfkraft. <\/strong><\/p>\n<p>Das Automobil ist f\u00fcr viele von uns zu einer Art zweitem Wohnzimmer geworden, in dem wir tendenziell immer mehr Zeit verbringen, der Zunahme der Verkehrsdichte sei Dank. Aber anders, als dort zu entspannen, sind wir einer Reihe von Stressfaktoren ausgesetzt. Als Kompensationsma\u00dfnahmen haben die Autohersteller in den letzten Jahren zunehmend in die Verbesserung der Ergonomie, in Assistenzsysteme, aber auch in die \u201eWohnlichkeit\u201c des Fahrerumfeldes investiert, insbesondere durch die Verbesserung der Oberfl\u00e4chen-Umgebung. Dazu z\u00e4hlt das Beschichten harter Verkleidungsteile mit Softtouch-Elastomeren, das Lackieren, das Bedrucken oder die Kombination aus dekorierten Oberfl\u00e4chen und Struktur\u00adteilen. Insbesondere Letzteres erweist sich durch die Fortschritte in der Folientechnik als Methode mit dem gr\u00f6\u00dften Innovationspotenzial, deutliche Zuwachsraten hier belegen dies.<\/p>\n<p><strong>Mehr als nur Glanz, Dekor und Kratzschutz<\/strong><\/p>\n<p>Bereits seit den 1980er-Jahren spielen Folien eine zunehmend wichtige Rolle f\u00fcr die Oberfl\u00e4chengestaltung von Kunststoffteilen. Zu Beginn haupts\u00e4chlich als Tr\u00e4gerfolien f\u00fcr Metallschichten zur \u00dcbertragung auf einen Kunststoffteil durch Hei\u00dfpr\u00e4gen. Daraus abgeleitet erlangte die Folie als Transfermedium zur \u00dcbertragung von Designschichten \/ Druckdekors w\u00e4hrend des Spritzgie\u00dfprozesses wachsende Bedeutung. Daf\u00fcr wird das Rolle-zu-Rolle-Transferverfahren (IMD = In-Mold-Decoration im Transferverfahren) eingesetzt. Ein speziell von KURZ entwickeltes Folienvorschubger\u00e4t zieht die beschichtete Folienbahn (meist aus Polyester) zyklussynchron durch das offene Spritzgie\u00dfwerkzeug, dabei k\u00f6nnen Endlosdesigns mittels Wegsteuerung und auch Einzelbilddekore mittels Lichtleiterpositionierung gesteuert werden. Die IMD werkzeugspezifische Klemmrahmen und Vakuumtechnik sorgt dann f\u00fcr eine passgenaues halten und einziehen in die Werkzeugkavit\u00e4t. Anschlie\u00dfend wird das Lacksystem \u201ehinterspritzt\u201c und geht dabei eine haftende Verbindung mit dem Kunststoff ein. Nach der Trennung des Folientr\u00e4gers vom Lacksystem beim Werkzeug\u00f6ffnungsvorgang, wird das inline dekoriert Bauteil normal entformt. Bei dieser Dekorationsmethode spricht man auch von einem \u201eTrockenlack- Dekorationssystem\u201c (Schutzlack inkludiert).<\/p>\n<p>LEONHARD KURZ im fr\u00e4nkischen F\u00fcrth ist der Marktf\u00fchrer bei Transferprodukten f\u00fcr die Oberfl\u00e4chengestaltung von Kunststoffteilen. \u00dcber die traditionellen Hei\u00dfpr\u00e4gefolien und die IMD-Folien hinaus bietet Kurz ein weites Spektrum an Spezialeffekt- bzw. Funktionsdekoren an. Beispielsweise so genannte PMD (Print Mould Design)-Folienbauteile. Es sind dies glasklare Polycarbonat-Folien, die auf beiden Seiten mit einem pr\u00e4zise aufeinander abgestimmten Design bedruckt werden. Dadurch lassen sich Dekors mit 3D-Anmutung darstellen. Wegen der relativ hohen Steifigkeit und der hohen Erweichungstemperaturen eignen sich die PC-Folien nicht f\u00fcr die Direktverarbeitung auf der Spritzgie\u00dfmaschine, sondern m\u00fcssen au\u00dferhalb derselben durch Tiefziehen und nachfolgende Bearbeitungsschritte zu Einlegteilen konfektioniert werden. Im Spritzgie\u00dfwerkzeug hinterspritzt werden daraus Armaturen- oder Mittelkonsolen f\u00fcr Automobile<\/p>\n<p><strong>Varioform-IMD verschiebt Anwendungsgrenzen und St\u00fcckkosten<\/strong><\/p>\n<p>Das IMD-Rollendurchzugsverfahren, bei dem Polyesterfolien verarbeitet werden, als auch das PMD-Folien-Einlegeverfahren sind keine Universall\u00f6sungen f\u00fcr Dekoraufgaben. Sie unterscheiden sich sowohl hinsichtlich der Anwendungsgrenzen als auch der Kosten. So lassen sich die, von der Rolle weg verarbeiteten IMD-Polyester-Folien innerhalb eines Spritzgie\u00dfzyklus nur in relativ engen Grenzen dreidimensional verstrecken.<\/p>\n<p>Um einen weiteren Schritt in Richtung dreidimensionaler Design\u00fcbertragung zu gehen, wurden Verfahrenskombinationen von KURZ intelligent prozesstechnisch zusammengef\u00fchrt und hieraus das \u201eEinschritt-Varioform-IMD-Rolle zu Rolle Verfahren\u201c entwickelt.<\/p>\n<p>Martin Hahn, verantwortlich f\u00fcr den Bereich Application, Technologie &amp; Innovation, erl\u00e4utert: \u201eDurch diese applikationstechnische zus\u00e4tzliche Technologieentwicklung er\u00f6ffnet sich ein breites Spektrum in der Auswahl der Foliensysteme im Schulterschluss mit den Spritzgie\u00dfsubstratmaterialien (z. B. PP, ABS-TPU). Dadurch ergeben sich neue Variationsm\u00f6glichkeiten auch im Bauteilaufbau bei gleichzeitiger Nutzung einer vielseitigen Designperspektive, sowie unter der wirtschaftlichen Betrachtung mittels einem \u201eONE SHOT Rolle zu Rolle IMD \u2013Verfahren\u201c eine noch gr\u00f6\u00dferen 3D-Formbarkeit zu erreichen.<\/p>\n<p>Designwechsel erfolgen analog zum Standard-IMD-Verfahren durch einfaches Austauschen der Folienrolle. Ebenso k\u00f6nnen verschiedenste Einzelbild- und Endlosdekore, sowie Funktionsfolien verarbeitet werden. Dadurch sind nun auch besonders hochwertige Oberfl\u00e4chengestaltungen wirtschaftlich realisierbar. IMD Varioform bildet somit ein weiteres Bindeglied in der KURZ Applikationstechnologie.<\/p>\n<p>Prozesse und Applikationstechnik sind f\u00fcr KURZ mit entscheidend f\u00fcr den Erfolg. Dementsprechend wurde unser Anwendungstechnikum Spritzgie\u00dfen um eine darauf ausgerichtete Versuchs- und Testanlage erweitert. Dabei haben wir uns nach einer umfassenden Kosten\/Nutzen-Analyse f\u00fcr zwei Spritzgie\u00dfzellen von WITTMANN BATTENFELD entschieden. Den Ausschlag daf\u00fcr gab deren \u201eAll-in-one\u201c-Konzept, d.h. dass zur Spritzgie\u00dfmaschine alle Peripheriekomponenten, wie Handling-Roboter, Teilef\u00f6rderanlage, die Materialf\u00f6rderung, die Werkzeugtemperierger\u00e4te, sowie die allumfassende Reinraum-Einhausung ebenfalls aus der WITTMANN Gruppe stammen und daher kompromisslos aufeinander abgestimmt und zus\u00e4tzlich \u00fcber die WITTMANN 4.0-Softwaretools miteinander und nach au\u00dfen hin vernetzt sind.\u201c<\/p>\n<p><strong>Gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Serienn\u00e4he durch <em>SmartPower<\/em>-Spritzgie\u00dfmaschinen<\/strong><\/p>\n<p>Um die Weiterentwicklung der KURZ Verfahrenstechnologien mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Praxis- und Serienn\u00e4he zu betreiben, entschied sich \u00a0KURZ f\u00fcr zwei Maschinen aus der servohydraulischen <em>SmartPower<\/em>-Reihe, konkret f\u00fcr eine <em>SmartPower<\/em> 210\/750 (2.100 kN Schlie\u00dfkraft) und eine <em>SmartPower<\/em> 120\/350 (1.200 kN Schlie\u00dfkraft), jeweils ausger\u00fcstet mit einem WITTMANN W918-Roboter und getakteten Teilef\u00f6rderb\u00e4ndern. Beide Maschinen-Schlie\u00df\u00adeinheiten wurden von \u00a0KURZ \u00a0mit je einer Rolle-zu-Rolle-Folienvorschubeinheit ausger\u00fcstet.<\/p>\n<p>Die Detailkonzeption der Anlagen \u00fcbernahmen Projektleiter Fabian B\u00fcrkel, LEONHARD KURZ und Marcus Otto, Vertriebsingenieur f\u00fcr Spritzgie\u00dftechnik bei WITTMANN BATTENFELD \/ N\u00fcrnberg. Dazu Fabian B\u00fcrkel in einem R\u00fcckblick: \u201eUns kam es vor allem auf die \u00dcbertragbarkeit der im Versuch ermittelten Verarbeitungsparameter auf die reale Betriebspraxis potenzieller Anwender unserer Folien an. Dabei wollten wir m\u00f6glichst unabh\u00e4ngig von variablen Einfl\u00fcssen aus der Produktionsperipherie sein. Das WITTMANN BATTENFELD-Konzept der untereinander vernetzten und kapazit\u00e4tsm\u00e4\u00dfig aufeinander abgestimmten Hilfseinrichtungen bietet uns die M\u00f6glichkeit, uns ganz auf die Abstimmung des Spritzgie\u00dfprozesses mit den entsprechenden unterschiedlichsten Foliensystemen zu konzentrieren.\u201c\u00a0 <strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Auf dem Sprung zu dreidimensionalen H\u00f6hen<\/strong><\/p>\n<p>Im Fokus der neuen Versuchskapazit\u00e4ten stehen die Erh\u00f6hung der dreidimensionalen Folienverstreckung (durch Infrarot-Vorw\u00e4rmung und anschlie\u00dfendem Vakuumformen im Spritzgie\u00dfwerkzeug) als integraler Verfahrensteil des Spritzgie\u00dfvorganges, sowie eine systematische Optimierung der Angussposition zur Minimierung der \u00dcbertragung von Schubeinfl\u00fcssen aus der Kunststoffschmelze auf die elastisch eingestellte Tr\u00e4gerfolie. Ein wichtiger Teilaspekt des aktuellen Entwicklungsprogramms ist die Faltenfreiheit an Formteilecken und der prozesssichere Umbugprozess f\u00fcr die Folie entlang des Formteil-Umrisses (Anmerkung: Als Umbugen wird das Umlegen eines Dekormaterials, z. B. einer Kunststofffolie, um eine Tr\u00e4gerteilkante um 90\u00b0 bzw. 180\u00b0 bezeichnet, mit anschlie\u00dfender Befestigung des umgebogenen Folienrandes auf der Tr\u00e4gerteilr\u00fcckseite).<\/p>\n<p>Welches Potenzial in den KURZ Applikationsprozessen steckt, demonstriert eine preisgekr\u00f6nte Anwendung f\u00fcr eine PKW-T\u00fcr-Innenblende. Dabei wurde eine partiell lichtdurchl\u00e4ssige Dekorfolie \/ IMD Einzelbildsystem mit einem gedruckten kapazitiven PolyIC Sensor auf der Formteil-Innenseite mittels IML Technik kombiniert. Beide werden innerhalb eines Spritzgie\u00dfzyklus hinterspritzt. Der Sensor dient zur Touch-Bedienung der Licht-Schalt- und Dimmfunktion, mit der auch der Farbton der dahinterliegenden LED-Lichtquelle variiert werden kann.<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnliches Projekt wird auf der K-2019 auf dem WITTMANN BATTENFELD-Messestand in Halle 15 Stand C06 im Produktionsbetrieb zu sehen sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die LEONHARD KURZ Stiftung &#038; Co. 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