{"id":14902,"date":"2019-07-30T08:36:51","date_gmt":"2019-07-30T06:36:51","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=14902"},"modified":"2019-07-29T10:49:56","modified_gmt":"2019-07-29T08:49:56","slug":"der-maschinenbau-kann-einen-grossen-beitrag-leisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=14902","title":{"rendered":"Der Maschinenbau kann einen gro\u00dfen Beitrag leisten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Interview mit Peter Steinbeck, CSO Windm\u00f6ller &amp; H\u00f6lscher Gruppe<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u2022 Effizienz, Funktionalit\u00e4t und Recyclingf\u00e4higkeit m\u00fcssen vereinbar gemacht werden<\/strong><br \/>\n<strong>\u2022 Brand-Owner beschleunigen den Prozess zur Kreislaufwirtschaft<\/strong><br \/>\n<strong>\u2022 Neue L\u00f6sungen f\u00fcr besser recycelbare Produkte werden auf der K 2019 vorgestellt<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kunststoff ist \u00f6ffentlich in Verruf geraten. Was bedeutet das f\u00fcr einen Maschinenbauer?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Peter Steinbeck:<\/strong> Wir sind Teil der Wertsch\u00f6pfungskette, deshalb geht uns das schlechte Image nat\u00fcrlich auch an. Auch wir als Maschinenbauer erschrecken, wenn wir Bilder von verm\u00fcllten Meeren sehen, und selbstredend sind wir auch f\u00fcr Umweltschutz. Trotz der Herausforderungen d\u00fcrfen aber die gro\u00dfen Vorteile von Kunststoff \u2013 und insbesondere der flexiblen Verpackung \u2013 nicht ignoriert werden. Als Branche sind wir gefordert, Kunststoff in seinen verschiedenen Einsatzgebieten gemeinsam weiterzuentwickeln, die Herausforderungen anzugehen und die St\u00e4rken zu f\u00f6rdern. Als Maschinenbauer k\u00f6nnen wir mit unserer Technologie im Bereich der flexiblen Verpackungen dazu einen gro\u00dfen Beitrag leisten.<\/p>\n<p><strong>Wie sollte das M\u00fcllproblem denn angegangen werden?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Steinbeck:<\/strong> Wir sehen hier eine zweigeteilte Aufgabe. Zum einen m\u00fcssen wir zusehen, dass sich in den entwickelten M\u00e4rkten die Recyclinganteile deutlich erh\u00f6hen. Politische Vorgaben vor allem innerhalb der EU sind dabei durchaus sinnvoll, weil sie einen sicheren Rahmen schaffen. Technologisch m\u00fcssen<br \/>\nEffizienz, Funktionalit\u00e4t und Recyclingf\u00e4higkeit vereinbar gemacht werden. Zum anderen m\u00fcssen L\u00e4nder unterst\u00fctzt werden, die noch keine funktionierende Abfallwirtschaft haben und deshalb im Wesentlichen f\u00fcr die Meeresverschmutzung verantwortlich sind. Wir m\u00fcssen ihnen bei der Einf\u00fchrung von Sammelsystemen helfen und auch dabei, dass sie Kunststoff als Wertstoff erkennen, den man wiederholt nutzen kann.<\/p>\n<p><strong>Welche M\u00f6glichkeiten hat man denn als deutscher Maschinenbauer, in den L\u00e4ndern Einfluss zu nehmen, in denen es gar keine Sammelsysteme gibt?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Steinbeck<\/strong>: Ich glaube, wir sind hier mit dem deutschen und europ\u00e4ischen Maschinenbau sehr gut aufgestellt und k\u00f6nnen L\u00f6sungen pr\u00e4sentieren, die eben nicht nur Kunststoffherstellung auf m\u00f6glichst ressourcenschonende Art und Weise bedeuten, sondern auch Recycling erm\u00f6glichen. Wir haben \u00fcberdies auch schon L\u00f6sungen f\u00fcr die komplette Abfallwirtschaft. Und wir k\u00f6nnen zeigen, dass dies alles bei uns in Deutschland und in Nordeuropa schon sehr gut funktioniert. Diese L\u00f6sungen lassen sich gut transferieren auf L\u00e4nder wie Indonesien, Vietnam oder die Philippinen, die hier noch nicht ganz so weit sind. Die Kreislaufwirtschaft ist auch au\u00dferhalb Europas, beispielsweise in China, durchaus ein pr\u00e4sentes Thema.<\/p>\n<p><strong>Auf der diesj\u00e4hrigen Chinaplas gab es eine Konferenz zum Thema Kreislaufwirtschaft. Was war Ihr Eindruck?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Steinbeck:<\/strong> Mein Eindruck ist, dass das Thema Kreislaufwirtschaft auch in China in den K\u00f6pfen schon w\u00e4chst. Das konnte man auf der Konferenz deutlich sp\u00fcren. Einen gro\u00dfen Beitrag leisten die Brand-Owner, wenn sie Recyclinganteile vorschreiben oder mit der Forderung der Recyclingf\u00e4higkeit von Verpackungen an ihre Lieferanten gehen. Dadurch gewinnt der Prozess an Geschwindigkeit. Wenn es Recyclingvorgaben gibt, dann muss es einen Markt und eine Infrastruktur f\u00fcr recyceltes Material geben \u2013 auch f\u00fcr den Einsatz im Lebensmittelbereich. Das ist sicherlich eine gro\u00dfe Herausforderung, aber hier kann der deutsche Maschinenbau als Technologief\u00fchrer bereits heute seinen Beitrag leisten. Wichtig ist: Kunststoff erh\u00e4lt einen Wert auch \u00fcber das Lebensende des ersten Einsatzes hinaus.<\/p>\n<p><strong>Neben der Kreislaufwirtschaft geht es heute auch darum, den Kunststoffverbrauch zu verringern, etwa bei Verpackungen. Verlieren Sie als Hersteller von Maschinen f\u00fcr flexible Verpackungen dadurch Gesch\u00e4ft?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Steinbeck:<\/strong> Die Bef\u00fcrchtung haben wir nicht. Unsere Kunden und wir sind seit Jahren bestrebt, mit m\u00f6glichst wenig Materialeinsatz auszukommen, und das<br \/>\nmit m\u00f6glichst d\u00fcnnen Folien und m\u00f6glichst ressourcenschonenden Verpackungsl\u00f6sungen bei den flexiblen Verpackungen. Wir denken auch nicht, dass alles verpackt werden muss. Aber es gibt gerade im Lebensmittelbereich das Problem, dass rund ein Drittel aller weltweit hergestellten Lebensmittel wegen schlechter Verpackung verderben. Man muss sich in jedem Einzelfall fragen, was besser ist, und zwar f\u00fcr den gesamten Prozess. Wenn eine Gurke beim lokalen Bauern geerntet wird, in den Handel kommt und am selben Tag vom Verbraucher gekauft wird, ist alles gut. Dann w\u00e4ren wir die letzten, die sagten, die Gurke m\u00fcsste noch verpackt werden. Aber wenn man Gem\u00fcse aus Spanien bezieht und ein erheblicher Teil verdirbt vor dem Verzehr, dann ist der Verzicht auf die Kunststoffverpackung keine gute L\u00f6sung.<\/p>\n<p><strong>In Folien lassen sich viele Eigenschaften einbauen, etwa Barrieren, die Lebensmittel sch\u00fctzen und l\u00e4nger haltbar machen. Aber diese Multi-Layer-Folien sind auch viel schwerer zu recyceln, weil sie aus verschiedenen Kunststoffen bestehen. Wie kann man das Paradox aufl\u00f6sen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Steinbeck:<\/strong> Man muss sich fragen, ist da die Technologie schon am Ende und ist schon alles erfunden, was in dem Bereich noch kommen wird? Das ist sicher nicht so. Es gibt bereits heute besser recycelbare Rezepturen aus Mono-Material, die die volle Barrierefunktion von Multi-Layer-Folien leisten k\u00f6nnen. Auf der K 2019 werden diese und weitere L\u00f6sungen vorgestellt werden. Neben Mono-Materialien auch solche, die eine bessere Aufl\u00f6sung von Verbundstrukturen erm\u00f6glichen. Es gibt auch heute schon M\u00f6glichkeiten, Verbundstrukturen zumindest f\u00fcr bestimmte Endprodukte wieder nutzbar zu machen. Und es gibt das chemische Recycling, wo man quasi alle Kunststoffabf\u00e4lle zu einer Art Ursuppe verkocht und daraus wieder neue Kunststoffketten aufbaut. Aber diese Entwicklung steht erst am Anfang. Wir sind \u00fcberzeugt, dass feste Vorgaben f\u00fcr Recycling-Anteile in Kunststoffprodukten dem aktuellen Innovationsschub eine konzentrierte Richtung geben k\u00f6nnen und dann schnell weitere L\u00f6sungen entwickelt werden.<\/p>\n<p>Quelle: VDMA<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind Teil der Wertsch\u00f6pfungskette, deshalb geht uns das schlechte Image nat\u00fcrlich auch an. 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