{"id":15176,"date":"2019-08-12T08:28:41","date_gmt":"2019-08-12T06:28:41","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=15176"},"modified":"2019-08-08T13:29:15","modified_gmt":"2019-08-08T11:29:15","slug":"unsere-kaffeebecher-zersetzen-sich-in-der-erde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=15176","title":{"rendered":"Unsere Kaffeebecher zersetzen sich in der Erde"},"content":{"rendered":"<p>Interview mit Bernd Niemann, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer FM Kunststofftechnik GmbH, und Korbinian Kiesl, President Billion SAS<\/p>\n<p>\u2022 Kompostierung von Biopolymeren ist im Erdreich m\u00f6glich<br \/>\n\u2022 Kreislaufwirtschaft hat heute andere Treiber<br \/>\n\u2022 Schlechtes Image erschwert die Rekrutierung von Fachkr\u00e4ften<\/p>\n<p><strong>Herr Niemann, Ihr Unternehmen produziert langlebige Kunststoffteile f\u00fcr die Industrie. Jetzt stellen Sie aber auch einen Mehrweg-Kaffeebecher aus Kunststoff her, der vollst\u00e4ndig kompostierbar ist. Warum machen Sie das?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bernd Niemann:<\/strong> Wir sehen angesichts des zunehmenden Problems des Kunststoffabfalls eine moralische Verpflichtung, etwas Gutes zu tun. Zugleich wollen wir damit zeigen, dass wir bei der Verarbeitung von Biopolymeren weit vorne sind. Unser Ziel ist es, f\u00fcr unsere Schwesterfirma, die das Material herstellt, zus\u00e4tzliche Argumente zu liefern und dadurch auch unsere Marktposition abzusichern. Wir k\u00f6nnen mit dem Kaffeebecher zeigen, dass wir innovativ sind.<\/p>\n<p><strong>Was ist das f\u00fcr ein Material, das sie verarbeiten?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Niemann:<\/strong> F\u00fcr den Kaffeebecher verwenden wir ein Material mit dem Namen Golden Compound Green. Es ist ein Biopolyester, der mit bis zu 40 Prozent Sonnenblumenschalen angereichert wird. Diese Schalen sind ein Abfallprodukt bei der Herstellung von Sonnenblumen\u00f6l. Sie erm\u00f6glichen erstens eine Einsparung des Bio-Kunststoffes und zweitens erh\u00f6hen sie die Stabilit\u00e4t des Produkts. Die Kaffeebecher sind sogar sp\u00fclmaschinenfest. Der gr\u00f6\u00dfere Vorteil ist aber, dass sich die Kaffeebecher im Erdreich zersetzen und nicht, wie etwa PLA, auf eine Temperatur von 60 Grad gebracht werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Kann man diesen Materialmix auch recyceln?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Niemann:<\/strong> Ja, man muss es nicht kompostieren. Das Recyceln geht aber nur, wenn man sortenrein sammelt. Das ist im Moment noch ein Problem, denn es gibt das Material nicht in so gro\u00dfen Mengen, dass sich Sammelsysteme lohnen w\u00fcrden. Aber grunds\u00e4tzlich kann man das Material genauso wie ein glasfaserverst\u00e4rktes Polyamid einmahlen und wiedereinsetzen.<\/p>\n<p><strong>Herr Kiesl, Billion hat die Maschine f\u00fcr die Herstellung der Kaffeebecher geliefert. Welche besonderen Anforderungen muss sie erf\u00fcllen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Korbinian Kiesl:<\/strong> Im Verfahrensteil muss die Schnecke besonders ausgelegt sein. Dann muss man den Verschlei\u00dfschutz an das Material anpassen. Besonders wichtig ist auch die intelligente Steuerung der Maschine. Wenn der Kaffeebecher zus\u00e4tzlich noch mit einer glatten Au\u00dfenhaut hergestellt wird, um etwa die Optik zu verbessern, kommt unsere Mehrkomponententechnologie zum Tragen. Darin haben wir eine lange Erfahrung. Das gleiche k\u00f6nnen wir anwenden bei M\u00fclleimern, Sto\u00dff\u00e4ngern und vielen anderen Produkten. F\u00fcr uns ist der spezielle Kundenansatz der Treiber unseres Gesch\u00e4fts.<\/p>\n<p><strong>Die EU setzt auf die Kreislaufwirtschaft bei Kunststoffen. Wird sie sich durchsetzen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kiesl:<\/strong> Die Kreislaufwirtschaft ist an sich nichts Neues in der Kunststoffwelt. Schon im Jahr 2000 wurde \u00fcber biologisch abbaubare Stoffe diskutiert. Wir haben 2005 schon eine Maschine f\u00fcr die Herstellung von Kunststoffeimern geliefert, bei denen die Au\u00dfenhaut aus jungfr\u00e4ulichem Polypropylen bestand und die Innenhaut aus recyceltem Material von Farbeimern, die dieser Hersteller zur\u00fcckgenommen hat. Das gibt es also schon. Ver\u00e4ndert hat sich nur der Treiber. Damals waren es Kostengr\u00fcnde, heute ist es der Verbraucher, die \u00f6ffentliche Meinung.<\/p>\n<p><strong>Die \u00f6ffentliche Meinung hat ein sehr schlechtes Bild von Kunststoffen, besonders in Deutschland. Wie ist das in Frankreich, wo Billion zuhause ist?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kiesl:<\/strong> Da sehe ich keinen gro\u00dfen Unterschied zu Deutschland. Die Auswirkungen des Plastic-Bashing sind auch bei uns im Markt sp\u00fcrbar. Wir sind zwar kein Kunststoffhersteller, aber wir sind Teil der Kunststoffindustrie, deshalb kann uns das schlechte Image nicht egal sein. Wir merken das noch<br \/>\nnicht im eigenen Haus, aber grunds\u00e4tzlich ist das schlechte Image f\u00fcr uns problematisch.<\/p>\n<p><strong>Schadet das schlechte Image Ihrem Betrieb, Herr Niemann?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Niemann:<\/strong> Wenn eine ganze Branche unter den Generalverdacht ger\u00e4t, die Umwelt zu zerst\u00f6ren, strahlt das nat\u00fcrlich ab. Wir sp\u00fcren das zum Beispiel bei der Rekrutierung von Fachpersonal. Ein Betriebselektriker oder Mechatroniker oder ein Sch\u00fcler, der eine Ausbildungsstelle sucht, unterscheidet nicht zwischen dauerhaften Kunststoffteilen und Kunststoffverpackung. Viele sind der Meinung, Kunststoff sei per se schlecht. Unsere Mitarbeiter wissen, dass wir nachhaltig wirtschaften, dass bei uns die Reste aus der Produktion wiederverwertet werden und auch unsere Bauteile. Sie sind alle mit einer Materialkennzeichnung ausgestattet, damit sie gut recycelt werden k\u00f6nnen. Unsere Leute wissen das, aber au\u00dferhalb unseres Betriebs ist die Wahrnehmung eine andere. Wir haben in unserem Landkreis eine Arbeitslosenquote von gerade einmal 3 bis 4 Prozent. Da ist es sowieso schon schwierig, Mitarbeiter zu finden. Wenn man dann auch noch gegen ein schlechtes Image ank\u00e4mpfen muss, muss man sehen, dass man sich abgrenzt. Dabei hilft uns auch der Kaffeebecher beziehungsweise der breite Einsatz von Biopolymeren an sich.<\/p>\n<p><strong>Kann die Kreislaufwirtschaft wirtschaftlichen Schwung bringen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kiesl:<\/strong> Ja. Es funktioniert ungef\u00e4hr so: Man realisiert, dass man mit dem Auto nicht mehr in die Stadt fahren kann, weil es zu viel Verkehr gibt und man beginnt, sich mit dem Fahrrad zu besch\u00e4ftigen. Dann stellt man fest, dass man mit dem Fahrrad gut vorankommt und das Sitzen im Stau vermeiden kann. Das Fahrradfahren ist also eine gute L\u00f6sung. Man muss aber die erste M\u00fche auf sich nehmen und radeln. Genauso m\u00fcssen wir technologische L\u00f6sungen f\u00fcr die Kreislaufwirtschaft hervorbringen. Dann ist sie auch eine gute Chance f\u00fcr k\u00fcnftiges Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p><strong>Niemann:<\/strong> Das sehe ich \u00e4hnlich. Man muss innovativ sein, man muss anfangen und dann zeigen, dass es funktioniert. Wir bei FM Kunststofftechnik sind mit der Verarbeitung von Biopolymeren bei uns in der Region schon weit vorne. Das spricht viele an.<\/p>\n<p>Quelle: VDMA<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sehen angesichts des zunehmenden Problems des Kunststoffabfalls eine moralische Verpflichtung, etwas Gutes zu tun&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15177,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-15176","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15176","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15176"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15176\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15180,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15176\/revisions\/15180"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/15177"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15176"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15176"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15176"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=15176"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}