{"id":15332,"date":"2019-08-21T14:02:44","date_gmt":"2019-08-21T12:02:44","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=15332"},"modified":"2019-08-20T14:04:59","modified_gmt":"2019-08-20T12:04:59","slug":"europaeische-kunststoffindustrie-aufs-beste-hoffen-fuers-schlimmste-wappnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=15332","title":{"rendered":"Europ\u00e4ische Kunststoffindustrie: Aufs Beste hoffen, f\u00fcrs Schlimmste wappnen"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Im Vorfeld der K 2019 hat die europ\u00e4ische Kunststoffindustrie an mehreren Fronten zu k\u00e4mpfen: Die Wirtschaft bewegt sich insgesamt auf einem gleichbleibenden Niveau, der hinausgez\u00f6gerte Austritt des Vereinigten K\u00f6nigreichs aus der EU sorgt f\u00fcr Unruhe, wichtige traditionelle Exportm\u00e4rkte wanken und eine zunehmend drastischere Einstellung der Verbraucher gegen\u00fcber Kunststoffverpackungen f\u00fchren zu \u00fcbereilten \u2013 manche meinen un\u00fcberlegten \u2013 Ma\u00dfnahmen seitens der Gesetzgeber, um einen Weg hin zur Kreislaufwirtschaft vorzugeben.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die deutsche Wirtschaft, eigentlich der Motor Europas, befindet sich in einer derzeit eher angespannten Situation. In den letzten Monaten sind sowohl die Exporte als auch die Importe des Landes zur\u00fcckgegangen. Eine Umfrage unter F\u00fchrungskr\u00e4ften in der Industrie ergab, dass die Produktionsaktivit\u00e4t im M\u00e4rz noch unter den ohnehin schon pessimistischen Erwartungen lag. Analysten des Informationsdienstleisters IHS Markit kamen zu dem Schluss, dass sich das verarbeitende Gewerbe in Deutschland \u201eeindeutig in einer tiefen Rezession befindet\u201c. Damit ist Deutschland nicht allein. In Italien beispielsweise steigt die Arbeitslosigkeit wieder. Der durchschnittliche Einkaufsmanagerindex (EMI) f\u00fcr die Eurozone, bestehend aus den 19\u00a0L\u00e4ndern, die den Euro als W\u00e4hrung nutzen, ist nun sogar unter den (neutralen) Wert 50 gefallen. Von den vier gr\u00f6\u00dften Volkswirtschaften befindet sich nur Spanien in einer guten Position. Einige Analysten erwarten dennoch ein wenn auch nur geringf\u00fcgiges Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der Eurozone. Auf der anderen Seite des \u00c4rmelkanals ist das verarbeitende Gewerbe im Vereinigten K\u00f6nigreich im M\u00e4rz so schnell gewachsen wie seit \u00fcber einem Jahr nicht mehr. Das liegt allerdings haupts\u00e4chlich daran, dass Produktionsst\u00e4tten angesichts des Brexits Waren horten.<\/p>\n<p>Laut Oliver M\u00f6llenst\u00e4dt, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Gesamtverbands Kunststoffverarbeitende Industrie e.V. (GKV), sei der Umsatz der kunststoffverarbeitenden Industrie in Deutschland im vergangenen Jahr eigentlich sogar um \u00fcber 3\u00a0% gestiegen \u2013 und damit etwa doppelt so schnell gewachsen wie das BIP. \u201eDas ist bemerkenswert angesichts dessen, dass sich die Wirtschaft in einem zunehmend ungewissen internationalen Umfeld bewegt\u201c, so M\u00f6llenst\u00e4dt. Doch das solide Wachstum in weiten Teilen der Industrie \u201edarf nicht \u00fcber die Tatsache hinwegt\u00e4uschen, dass die Kunststoffindustrie vor gro\u00dfen Herausforderungen steht. Die Debatte \u00fcber Kunststoff in der Umwelt, die in den Medien und der \u00d6ffentlichkeit teilweise sehr emotional ist, hat erhebliche Folgen f\u00fcr Kunststoffverarbeiter.\u201c Laut M\u00f6llenst\u00e4dt gehe aus der j\u00e4hrlichen Unternehmensbefragung des GKV hervor, dass die gro\u00dfe Mehrheit der Unternehmen betroffen sei. \u201eAus unserer Sicht entwickelt sich die politische und \u00f6ffentliche Debatte bisher in die falsche Richtung\u201c, so M\u00f6llenst\u00e4dt. \u201eDie EU-Kommission und die Regierungen der einzelnen L\u00e4nder versuchen, mit symbolischen Gesten, wie der Einschr\u00e4nkung der Nutzung von Einwegkunststoff (SUP) und Plastikt\u00fcten, auf die Bedenken der Verbraucher einzugehen. Diese Vorgehensweise mag zwar die \u00f6ffentliche Diskussion auf kurze Sicht beruhigen und den Eindruck vermitteln, dass viel getan wird, doch im Hinblick auf die Umwelt und Nachhaltigkeit zeigt sie nicht die gew\u00fcnschte Wirkung.\u201c<\/p>\n<p>Der Kunststoffindustrie in Europa \u201edroht ein b\u00f6ses Erwachen\u201c, meint Martin Wiesweg, Leiter des Bereichs f\u00fcr Chemikalien (PS, EPS und PET) bei IHS Markit. \u201eDie Branche verzeichnete jahrelang ein gem\u00e4\u00dfigtes und doch best\u00e4ndiges Wachstum sowie solide Ertr\u00e4ge, leistete einen herausragenden Beitrag zu Produkt- und Prozessinnovationen und der Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen und bereicherte das Leben der Menschen durch Zweckm\u00e4\u00dfigkeit, Komfort und \u00c4sthetik. Doch sie verliert zunehmend die Gunst der \u00d6ffentlichkeit. \u201eGrund f\u00fcr diese Dissonanz ist die gro\u00dfe Kunststoffabfallproblematik. Verbraucher und Beh\u00f6rden in Europa gehen immer schneller und versch\u00e4rfter Hand in Hand gegen Kunststoffe vor und ergreifen umfassende Ma\u00dfnahmen, um deren Nutzung einzuschr\u00e4nken und eine strikte Abfallhierarchie zu befolgen\u201c, so Wiesweg. \u201eDie Tatsache, dass die Beh\u00f6rden bereit sind, das Risiko einzugehen, Verbrauchern erhebliche Kosten und Unannehmlichkeiten zu verursachen, zeigt, wie sehr die positive Haltung der \u00d6ffentlichkeit gegen\u00fcber Kunststoffen br\u00f6ckelt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Richtlinie zur Beschr\u00e4nkung von Einwegkunststoff<\/strong><\/p>\n<p>Das EU-Parlament stimmte im M\u00e4rz der SUP-Richtlinie zu. Sie wird voraussichtlich bis 2021 in den Mitgliedstaaten umgesetzt. Die Richtlinie betrifft die zehn Objekte, die am h\u00e4ufigsten an den Str\u00e4nden der EU zu finden sind. Zu den Ma\u00dfnahmen z\u00e4hlt ein Verbot von ausgew\u00e4hlten Einwegkunststoffprodukten, zu denen der Markt Alternativen bietet, wie Wattest\u00e4bchen, Besteck, Teller, Strohhalme, R\u00fchrst\u00e4bchen, Becher, Lebensmittelbeh\u00e4lter aus expandiertem Polystyrol (EPS) und alle Produkte aus oxo-abbaubarem Kunststoff, sowie von Luftballonst\u00e4ben. Die Richtlinie setzt dar\u00fcber hinaus das Ziel, dass 90\u00a0% der Kunststoffflaschen bis 2029 getrennt gesammelt werden (77\u00a0% bis 2025). Mit der Richtlinie werden auch Gestaltungsvorgaben eingef\u00fchrt, laut denen Deckel an Flaschen zu befestigen sind. Au\u00dferdem werden Ziele f\u00fcr den Gehalt an Recyclingkunststoff gesetzt: Ab 2025 sollen PET-Flaschen zu 25\u00a0% aus recyceltem Material bestehen und ab 2030 sollen alle Plastikflaschen 30\u00a0% Recyclingmaterial enthalten.<\/p>\n<p>PlasticsEurope, der Verband der europ\u00e4ischen Kunststofferzeuger, sagte, er begr\u00fc\u00dfe die Annahme der Richtlinie und die Bekr\u00e4ftigung, \u201edass die Abfallbek\u00e4mpfung in der gemeinsamen Verantwortung der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden, Produzenten und Verbraucher liegt.\u201c Der Verband fordert, umgehend Leitf\u00e4den zu Definitionen und Kategorien auszuarbeiten, um zu verhindern, dass die einzelnen EU-Mitgliedstaaten die Begriffe wom\u00f6glich unterschiedlich auslegen. Die Richtlinie folgte auf die Anfang 2018 durch die EU-Kommission ver\u00f6ffentlichte \u201eEurop\u00e4ische Strategie f\u00fcr Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft\u201c. Diese enth\u00e4lt Pl\u00e4ne, wie man Abf\u00e4lle eind\u00e4mmen, das Einbringen von Abf\u00e4llen ins Meer aufhalten und das Kunststoffrecycling f\u00fcr EU-ans\u00e4ssige Unternehmen wirtschaftlicher gestalten kann. Bis 2030 m\u00fcssen alle Kunststoffverpackungen auf dem EU-Markt recycelbar sein.<\/p>\n<p>Alexandre Dangis, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verbands europ\u00e4ischer Kunststoffverarbeiter (EuPC) mit Sitz in Br\u00fcssel, \u00e4u\u00dfert sich sehr negativ \u00fcber die k\u00fcrzlich ergriffenen rechtlichen Ma\u00dfnahmen zur Beschr\u00e4nkung von Kunststoffen. \u201eDie Vorteile von Kunststoff werden viel zu oft vernachl\u00e4ssigt\u201c, so Dangis. \u201eKunststoffe unterst\u00fctzen uns im Kampf gegen den Klimawandel, denn mit ihnen k\u00f6nnen wir den CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df in allen Bereichen unseres Lebens senken. Sie erm\u00f6glichen unter anderem die Vermeidung von Lebensmittelabf\u00e4llen, den Leichtbau und die W\u00e4rmed\u00e4mmung. Der Kreislauf von Kunststoff ist ein wichtiges Thema f\u00fcr die Kunststoffindustrie und sie unternimmt gro\u00dfe Anstrengungen, um sich dahingehend zu verbessern.\u201c Dangis betont, es h\u00e4tten zahlreiche Verb\u00e4nde und Unternehmen zugesichert, mehr Kunststoffabf\u00e4lle zu recyceln und vermehrt recycelte Polymere einzusetzen.<\/p>\n<p>Die EU gibt vor, dass zwischen 2025 und 2030 j\u00e4hrlich 10\u00a0Millionen Tonnen recycelte Polymere verwendet werden sollen. Um die Fortschritte der Industrie bei der Erreichung des Ziels zu \u00fcberwachen und zu registrieren, lancierte der EuPC k\u00fcrzlich die Onlineplattform <a href=\"http:\/\/www.moreplatform.eu\">MORE (MOnitoring Recyclates for Europe)<\/a>. \u201eMit dem zentralen Onlinetool MORE wird k\u00fcnftig an einem Ort \u00fcberwacht, wie viele recycelte Polymere bei europ\u00e4ischen Kunststoffverarbeitern ihren Weg in neue Produkte finden\u201c, so Dangis. \u201eSo kann die Industrie ihre Anstrengungen deutlich machen und konsolidierte Zahlen zur EU-weiten Verwendung von Rezyklaten nennen.\u201c Um die ambitionierten Ziele der EU zu erreichen, muss die Qualit\u00e4t von Rezyklaten verbessert werden. Studien des EuPC aus den Jahren 2017 und 2018 zufolge haben Kunststoffverarbeiter aktuell Schwierigkeiten, eine geeignete Bezugsquelle f\u00fcr recycelte Polymere zu finden.<\/p>\n<p>Vor fast drei Jahren, auf der K\u00a02016, riefen der EuPC, PlasticsEurope und Plastics Recyclers Europe die Polyolefin Circular Economy Platform (PCEP) ins Leben. Venetia Spencer, Secretary General der Initiative, beschreibt sie als Forum f\u00fcr gemeinsame Anstrengungen, das alle Akteure im Bereich der Polyolefine an einem Strang ziehen l\u00e4sst, um einen Wandel in unserer Industrie zu bewirken und die Kreislaufwirtschaft voranzubringen. \u201eAlle Beteiligten entlang der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette k\u00f6nnen Mitglied unserer Initiative werden \u2013 von Herstellern, Verarbeitern, Recyclingbetrieben, Markeninhabern, Einzelh\u00e4ndlern und Unternehmen der Abfallwirtschaft bis hin zu allen \u00fcbrigen Akteuren, die an einem beliebigen Punkt mit dem Materialkreislauf in Ber\u00fchrung kommen\u201c, so Spencer. PCEP sagte zu, den Gehalt an recycelten Polyolefinen in europ\u00e4ischen Produkten um eine Million Tonnen zu steigern. Das ist die gr\u00f6\u00dfte Zusage, die im Rahmen der Selbstverpflichtungskampagne der EU getroffen wurde. Ziel dieser Kampagne ist es, dass durch freiwillige Ma\u00dfnahmen seitens der Industrie im Jahr 2025 in Europa 10\u00a0Millionen Tonnen Rezyklate in Produkten verwendet werden. \u201eWir wollen au\u00dferdem bis 2030 60\u00a0% der gesammelten Polyolefin-Verpackungen wiederverwenden oder -verwerten und \u00fcber 75\u00a0% der Polyolefin-Verpackungen recycelbar gestalten\u201c, so Spencer.<\/p>\n<p>\u201eDie Umstellung von der heutigen Linearwirtschaft auf ein regeneratives System ist eine komplexe Herausforderung. Sie erfordert Innovationen und die Zusammenarbeit auf Seiten der Industriepartner\u201c, meint der Polyolefin-Hersteller Borealis, dessen Produktionsst\u00e4tten sich \u00fcberwiegend in Europa befinden. Borealis bietet nach eigener Aussage vielf\u00e4ltige L\u00f6sungen f\u00fcr die neue Kreislaufwirtschaft an. Das Unternehmen packte den Stier bei den H\u00f6rnern und konzentriert sich seit den letzten Jahren st\u00e4rker auf das werkstoffliche Recycling. So kaufte das Unternehmen 2016 beispielsweise zwei der gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen Betriebe in diesem Bereich auf, die nun unter dem Namen mtm plastics bekannt sind. Vergangenes Jahr wurden diese beiden \u00dcbernahmen um den Kauf eines weiteren f\u00fchrenden Recyclingunternehmens, Ecoplast, erweitert. Borealis entwickelte in diesem Bereich unter anderem die Full-PE-Laminat-L\u00f6sung, eine Monomateriall\u00f6sung f\u00fcr flexible Verpackungen auf Polyethylenbasis, die sich gut recyceln l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Chemisches Recycling auf dem Vormarsch<\/strong><\/p>\n<p>Dass das chemische Recycling zunehmend wichtiger wird, spiegelte sich diesen Januar auch in der Gr\u00fcndung eines neuen Verbands, <a href=\"http:\/\/www.chemicalrecyclingeurope.eu\">Chemical Recycling Europe (ChemRecEurope)<\/a>, wider. Dieser soll neue, innovative L\u00f6sungen f\u00f6rdern und umsetzen. \u201eDie Entwicklung von Technologien f\u00fcr das chemische Recycling, die eine L\u00f6sung f\u00fcr schwer recycelbare Kunststoffabf\u00e4lle bieten, schreitet schneller voran als die Gesetzgebung und Politik darum herum\u201c, so ChemRecEurope.<\/p>\n<p>Im Dezember unterzeichnete SABIC, ein gro\u00dfer Materiallieferant, mit Plastic Energy, einem im Vereinigten K\u00f6nigreich ans\u00e4ssigen Vorreiter f\u00fcr die chemische Verwertung von Kunststoffen, eine Absichtserkl\u00e4rung \u00fcber die Rohstoffversorgung f\u00fcr die petrochemischen Prozesse bei SABIC in Europa. Die beiden Unternehmen beabsichtigen, eine kommerzielle Anlage in den Niederlanden zu errichten, in der durch das Wiederverwerten und Aufbereiten von minderwertigen Mischkunststoffabf\u00e4llen, die sonst verbrannt oder deponiert werden w\u00fcrden, ein von Plastic Energy patentierter Rohstoff namens Tacoil hergestellt wird. Die Anlage wird ihren kommerziellen Betrieb voraussichtlich im Jahr 2021 aufnehmen.<\/p>\n<p>Eine weitere Gr\u00f6\u00dfe in der Polymerindustrie, die sich die F\u00f6rderung des chemischen Recyclings zum Ziel gesetzt hat, ist BASF. \u201eMit dem neuen ChemCycling-Projekt von BASF wollen wir einen wesentlichen Beitrag zur Wiederverwendung von Kunststoffabf\u00e4llen als Rohstoff in der Produktion leisten\u201c, erkl\u00e4rt ein Unternehmensvertreter. \u201eIn Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Partnern konnten wir die ersten Pilotprodukte basierend auf chemisch recycelten Kunststoffabf\u00e4llen entwickeln und herstellen.\u201c BASF beteiligt sich au\u00dferdem am PolyStyreneLoop-Projekt. In der aktuellen Projektphase wird eine Pilotanlage errichtet, in der eine l\u00f6sungsmittelbasierte Recycling-Technologie zum Einsatz kommt. Mit ihr sollen D\u00e4mmstoffe aus expandiertem Polystyrol (EPS) wiederverwertet werden k\u00f6nnen. Anders als bestehende werkstoffliche Recyclingverfahren k\u00f6nnte sich die Technologie auch f\u00fcr die Wiederverwertung von Stoffen eignen, die fr\u00fcher verwendete und heute verbotene Flammschutzmittel beinhalten.<\/p>\n<p><strong>Anstieg der Biokunststoffe<\/strong><\/p>\n<p>Welche Rolle spielen Biokunststoffe zuk\u00fcnftig in der Kreislaufwirtschaft? Europa zumindest erweist sich als wichtiges Produktionszentrum f\u00fcr diese Materialien. Aktuelle Marktdaten, die von European Bioplastics (EUBP) (in Zusammenarbeit mit dem nova-Institut) erhoben wurden, zeigen, dass rund 20\u00a0% der weltweiten Produktionskapazit\u00e4t von Biokunststoffen \u2013 die 2018 bei 2,11\u00a0Mio. Tonnen lag \u2013 in Europa anzusiedeln sind. Dank k\u00fcrzlicher politischer Initiativen in mehreren EU-Mitgliedstaaten, insbesondere Italien und Frankreich, soll diese Zahl bis 2023 auf 27\u00a0% steigen.<\/p>\n<p>Es \u00fcberrascht nicht, dass EUBP nach eigenen Angaben voll und ganz hinter dem Wandel Europas von einer Linearwirtschaft hin zu einer \u201el\u00fcckenlosen\u201c biobasierten Kreislaufwirtschaft steht. \u201eDoch in bestimmten Verordnungen, wie der SUP-Richtlinie zu Einwegkunststoff, wird das Potenzial von kompostierbaren und als biologisch abbaubar zertifizierten Kunststoffen nicht f\u00fcr die F\u00e4lle ber\u00fccksichtigt, in denen EU-Vorschriften f\u00fcr Hygiene und den Lebensmittelkontakt erf\u00fcllt werden m\u00fcssen, aber keine Mehrwegl\u00f6sungen genutzt werden k\u00f6nnen\u201c, so EUBP. \u201eSchlie\u00dflich ist die F\u00f6rderung des organischen Recyclings ein St\u00fctzpfeiler der Kreislaufwirtschaft in der EU.\u201c<\/p>\n<p><strong>Auswirkungen des Brexit<\/strong><\/p>\n<p>Wird das Vereinigte K\u00f6nigreich jemals aus der EU austreten? Zum Entstehungszeitpunkt dieses Artikels lautet die Antwort \u201eJa\u201c, doch das Wann und Wie ist noch unklar. Urspr\u00fcnglich h\u00e4tte das Vereinigte K\u00f6nigreich bereits dieses Jahr, am 29.\u00a0M\u00e4rz 2019, austreten sollen, doch bisher konnte sich das britische Parlament nur darauf festlegen, welche Art von \u201eScheidungspapieren\u201c es nicht mit der EU unterzeichnen will. Diese Unsicherheit treibt viele in den Wahnsinn. Als neues Austrittsdatum wurde nun der 31.\u00a0Oktober vereinbart.<\/p>\n<p>Niemand wei\u00df, wie sich der Brexit auf die Kunststoffindustrie auswirken wird. Doch viele Unternehmen mit Produktionsstandorten im Vereinigten K\u00f6nigreich und\/oder Handelsbeziehungen dorthin wappnen sich f\u00fcrs Schlimmste und hoffen aufs Beste. Sie besch\u00e4ftigt eine m\u00f6glicherweise erforderliche umfassendere Lagerhaltung, das Risiko von Verz\u00f6gerungen an den Grenzen sowie neue Zollsysteme und Codenummern. Zu bedenken ist dabei auch, dass neue Rechtsvorschriften aus dem Vereinigen K\u00f6nigreich eingehalten werden m\u00fcssen, beispielsweise ein britisches Pendant zur EU-Verordnung REACH.<\/p>\n<p>Trotz alledem zeigte sich Philip Law, Generaldirektor des Industrieverbands British Plastics Federation, im April \u201esehr optimistisch\u201c, was die langfristigen Aussichten f\u00fcr die Kunststoffindustrie im Vereinigten K\u00f6nigreich anbelangt. \u201eIn der Gesch\u00e4ftswelt gibt es stets Widrigkeiten in irgendeiner Form, doch unsere ma\u00dfgebliche F\u00e4higkeit ist es, Wege zu suchen, bei der Probleml\u00f6sung Chancen zu erkennen\u201c, so Law. Der nie enden wollende Brexit f\u00fcllte f\u00fcr viele vor den Fernsehbildschirmen die Leere, die Game of Thrones hinterlassen hatte \u2013 auch hier verschwanden reihenweise wichtige Pers\u00f6nlichkeiten von der Bildfl\u00e4che. Laut Law drohe sich der Brexit in ein \u201eMartyrium f\u00fcr das ganze Land\u201c zu verwandeln. \u201eUnternehmen im Vereinigten K\u00f6nigreich sind vern\u00fcnftigerweise vorsichtiger geworden und sehen von mutigen Schritten ab, doch es gibt viele andere Faktoren, die in der Kunststoffindustrie weltweit f\u00fcr Unsicherheit sorgen: Die Handelsspannungen zwischen China und den USA, die Konjunkturflaute in China und Deutschland und die Strapazen der Luft- und Raumfahrtindustrie\u201c, so Law. Doch er gibt dem Ganzen eine positive Wendung: \u201eWas das Vereinigte K\u00f6nigreich betrifft, m\u00fcssen wir uns auf die Grundlagen konzentrieren, die die Ergebnisse der Kunststoffindustrie auch in den n\u00e4chsten Jahrzehnten weiterhin in neue H\u00f6hen bef\u00f6rdern werden. Wir verf\u00fcgen \u00fcber eine solide Plattform f\u00fcr die Rohstofferzeugung und -versorgung (&#8230;) und eine dynamische Recyclingindustrie. Es sind alle Elemente einer Kreislaufwirtschaft vorhanden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWenn es zu einem Brexit-Deal kommt, sollten wir mit den Auswirkungen des Brexits auf die Kunststoffmaschinenbranche in Europa umgehen k\u00f6nnen\u201c, meint Thorsten K\u00fchmann, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des deutschen Fachverbands Kunststoff- und Gummimaschinen VDMA. \u201eBisher gehen ca. 3\u00a0% aller Exporte von Kunststoff- und Gummimaschinen, die in Europa produziert werden, ins Vereinigte K\u00f6nigreich. Seit dem Referendum [im Juni 2016] sind die Exporte ins Vereinigte K\u00f6nigreich durchweg stabil geblieben. [Selbst] wenn die Exporte f\u00fcr einige Zeit auf die H\u00e4lfte zur\u00fcckgehen sollten, sollten europ\u00e4ische Kunststoff- und Gummimaschinenhersteller damit umgehen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Laut K\u00fchmann erfreuten sich europ\u00e4ische Hersteller von Kunststoff- und Gummimaschinen in den zur\u00fcckliegenden 10 Jahren einer sehr guten Entwicklung mit einer nahezu Verdoppelung des Branchenumsatzes. Der Wendepunkt ist jetzt erreicht und auf das Jahr 2019 gerechnet prognostiziert der VDMA ein Umsatzminus von 10 Prozent f\u00fcr deutscher Hersteller von Kunststoff- und Gummimaschinen. \u201eGrund hierf\u00fcr ist zum einen der zyklische Abschwung, der nach zehn Jahren des Wachstums \u00fcberf\u00e4llig war. Dieser Abschwung wird jedoch verst\u00e4rkt durch die hohe Verunsicherung, die derzeit im Automobilbereich herrscht. Bei den Investitionen besteht hier gewisserma\u00dfen Stillstand. Aber auch im Verpackungssektor wird der Einsatz von Kunststoffen immer st\u00e4rker hinterfragt. Hier schl\u00e4gt das schlechte Image, das dem Kunststoff heute anhaftet, voll durch\u201c, erl\u00e4utert K\u00fchmann und erg\u00e4nzt: \u201eZum anderen sorgt der Handelskonflikt zwischen den USA und China f\u00fcr weltweite Verschiebungen in den Lieferketten und verunsichert die M\u00e4rkte sp\u00fcrbar. In Europa bestehen zudem Unw\u00e4gbarkeiten auf Grund der weiterhin unklaren Modalit\u00e4ten \u00fcber den EU-Austritt Gro\u00dfbritanniens sowie der immensen Staatsverschuldung in Italien.\u201c<\/p>\n<p><strong>Seitw\u00e4rtstrend des Marktes aus Sicht der Maschinenhersteller<\/strong><\/p>\n<p>Engel, einer der gro\u00dfen europ\u00e4ischen Maschinenproduzenten, der sich auf Spritzgie\u00dfmaschinen spezialisiert hat, gibt ab, seine Ums\u00e4tze seien im Gesch\u00e4ftsjahr 2018\/19 um rund 6\u00a0% gestiegen und bezeichnet dieses Wachstum als moderat. Doch nun befindet sich der Markt im Seitw\u00e4rtstrend. \u201eIn Europa bewegt sich vor allem die DACH-Region weiterhin auf einem guten Niveau. Doch wir bemerken seit dem letzten Quartal 2018 einen deutlichen Produktionsr\u00fcckgang in der deutschen Automobilindustrie. Noch ist unklar, wie sich der Brexit, Strafz\u00f6lle und Sanktionen sowie die Debatte \u00fcber Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr Dieselfahrzeuge und Dieselfahrverbote auswirken.\u201c Das Unternehmen erkl\u00e4rt, dass zunehmend niedrigere Grenzwerte f\u00fcr Fahrzeugemissionen den Einsatz von Kunststoffen beg\u00fcnstigen, da Kunststoffe das ideale Material f\u00fcr die Gewichtsreduktion sind. Die EU geht seit Langem rigoros gegen Stickstoffoxid-, Kohlenwasserstoff-, Partikel- und Kohlenmonoxidemissionen vor und regulierte k\u00fcrzlich auch CO<sub>2<\/sub>-Emissionen. Zwischen 2012 und 2015 wurde f\u00fcr Pkw dabei schrittweise ein Ziel von 130\u00a0g\/km eingef\u00fchrt. Ab 2021 gilt das neue Ziel von 95\u00a0g\/km.<\/p>\n<p>Die Kreislaufwirtschaft erweist sich als starker Motor f\u00fcr Innovationen auf Seiten der Maschinenhersteller und Kunststoffunternehmen. \u201eDa die Qualit\u00e4t von recyceltem Material in der Regel unbest\u00e4ndiger ist als die von Neumaterial, kam Recyclingmaterial f\u00fcr viele Anwendungen bisher nicht in Frage\u201c, so Engel. \u201eIntelligente Assistenzsysteme \u2013 eine zentrale Funktion der Industrie 4.0 \u2013 sind im Begriff, das zu \u00e4ndern.\u201c Auf der K\u00a02019 stellt Engel erstmals seine intelligente Softwarel\u00f6sung \u201eiQ weight control\u201c in der Praxis vor. Zum Einsatz kommt dabei Recyclingmaterial. Die Software \u00fcberwacht das Spritzgie\u00dfverfahren Schuss f\u00fcr Schuss und gleicht Schwankungen automatisch und in Echtzeit aus.<\/p>\n<p>Auch Hans Ulrich Golz, President des Segments Spritzgie\u00dftechnik der KraussMaffei Gruppe, eine weitere namhafte Branchengr\u00f6\u00dfe, nimmt den Seitw\u00e4rtstrend der europ\u00e4ischen Kunststoffindustrie wahr. \u201eBesonders die Automobilindustrie ist aktuell kein Wachstumsmotor\u201c, meint Golz. \u201eBeim Thema E-Mobilit\u00e4t ist in Europa der Funke bisher noch nicht wie erwartet \u00fcbergesprungen. Gleichzeitig investieren die Anbieter aber auch nicht in herk\u00f6mmliche Antriebe. Der Markt erfordert zunehmend Maschinen und Technologien, die in hohem Ma\u00dfe standardisiert und zugleich flexibel einsetzbar sind. So k\u00f6nnen in sich schnell ver\u00e4ndernden M\u00e4rkten Investitionen \u00fcber den gesamten Lebenszyklus der Maschine hinweg gewinnbringend eingesetzt werden.\u201c Wie Golz ank\u00fcndigt, pr\u00e4sentiert KraussMaffei auf der K\u00a02019 zukunftsorientierte L\u00f6sungen, die genau diese und weitere wichtige aktuelle Entwicklungen aufgreifen. Ohne Frage haben zahlreiche weitere Aussteller genau dasselbe vor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Vorfeld der K 2019 hat die europ\u00e4ische Kunststoffindustrie an mehreren Fronten zu k\u00e4mpfen: Die Wirtschaft bewegt sich insgesamt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":9722,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-15332","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15332","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15332"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15332\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15333,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15332\/revisions\/15333"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/9722"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15332"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15332"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15332"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=15332"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}