{"id":15657,"date":"2019-09-05T11:17:39","date_gmt":"2019-09-05T09:17:39","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=15657"},"modified":"2019-09-04T13:36:10","modified_gmt":"2019-09-04T11:36:10","slug":"vdma-fordert-schulfach-technik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=15657","title":{"rendered":"VDMA fordert Schulfach Technik"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der L\u00e4ndervergleich zur Technikbildung an Schulen zeigt Licht und viel Schatten. Dabei ist Technikwissen heute ein fundamentaler Bestandteil der Allgemeinbildung. Eine umfangreiche Analyse der Lehrpl\u00e4ne an allgemeinbildenden Schulen, die der VDMA in allen Bundesl\u00e4ndern durchgef\u00fchrt hat, zeigt jedoch:<br \/>\nDie \u00fcberwiegende Mehrheit der jungen Leute kann die Schule abschlie\u00dfen, ohne je mit ausgewiesener Technikbildung in Ber\u00fchrung zu kommen.<\/strong><\/p>\n<p>Die Untersuchung des VDMA zeichnet ein insgesamt unbefriedigendes Bild f\u00fcr die Techniknation Deutschland. Technische Bildung (das T in MINT) ist im allgemeinbildenden Schulsystem deutlich unterrepr\u00e4sentiert. Das ist bemerkenswert, denn: \u201eDeutschlands Wohlstand basiert auf einer starken Industrie, wie dem Maschinen- und Anlagenbau, und ihren technischen Innovationen. Die Digitalisierung wird den technischen Fortschritt weiter beschleunigen und wir stehen im internationalen Wettbewerb mit aufstrebenden Nationen wie China. Gleichzeitig versch\u00e4rft sich hierzulande der Fachkr\u00e4ftemangel. Vor diesem Hintergrund ist es nicht akzeptabel, dass technische Bildung in den meisten Schulen unserer Techniknation nur ein Nischendasein f\u00fchrt. Wir brauchen ein verpflichtendes Schulfach Technik in allen Schulformen\u201c, kommentiert Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des VDMA, die Ergebnisse.<\/p>\n<p><strong>Die Untersuchung<\/strong><br \/>\nZiel der Analyse der Schul-Curricula war, herauszufinden, welchen Stellenwert die schulische Technikbildung in Deutschland genie\u00dft und ob dabei Unterschiede zwischen Bundesl\u00e4ndern festzustellen sind. Hierzu wurden alle \u201eTechnikinhalte\u201c der Curricula aller F\u00e4cher der Sekundarstufen 1 und 2 erfasst, sortiert nach Bundesland, Schulart, Jahrgangsstufe und Fach. Diese wurden auf Basis eines Kriterienkatalogs bewertet. Dem Kriterium \u201eFach Technik\u201c wurde dabei die gr\u00f6\u00dfte Bedeutung zugemessen. Zu den weiteren Kriterien geh\u00f6ren zum Beispiel \u201ePraxis- und Berufsorientierung\u201c oder \u201eInterdisziplinarit\u00e4t\u201c in der Schule. Aus der Bewertung der Themenfelder ergibt sich eine Gesamtwertung der verschiedenen Bundesl\u00e4nder.<\/p>\n<p>Daraus entstanden sind 16 L\u00e4nderdossiers mit entsprechenden Handlungsempfehlungen an die jeweiligen Landesregierungen und ein zusammenfassender L\u00e4ndervergleich (Kompendium).<\/p>\n<p><strong>Die Ergebnisse<\/strong><br \/>\nTechnikbildung kommt in Deutschland zu kurz. Nur 10 Bundesl\u00e4nder bieten Ihren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern ein eigenst\u00e4ndiges Fach Technik an, 8 davon nur im Wahlpflichtbereich und nicht an allen Schulformen. Bemerkenswert ist die Situation an Gymnasien: Denn nur 3 von 16 Bundesl\u00e4ndern sehen dort echten Technikunterricht vor, keins davon im Pflichtbereich.<\/p>\n<p>Stattdessen neigen die L\u00e4nder zu Mischf\u00e4chern oder verlegen technische Bildung direkt in die naturwissenschaftlichen F\u00e4cher. \u201eOft sollen Lehrkr\u00e4fte der Naturwissenschaften in ihrem Fach technische Inhalte unterrichten, obwohl sie daf\u00fcr an den Hochschulen nicht ausgebildet wurden\u201c, erkl\u00e4rt Dr. J\u00f6rg Friedrich, Leiter der Abteilung Bildung im VDMA. \u201eWer Physik oder Biologie auf Lehramt studiert hat, ist noch lange nicht dazu bef\u00e4higt, Technik-Kompetenzen, wie Erfinden, Konstruieren und Fertigen zu vermitteln.<em>\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nur durch ein eigenst\u00e4ndiges Schulfach Technik wird hingegen sichergestellt, dass eine entsprechende fachliche und didaktische Ausbildung an den Hochschulen und im daran anschlie\u00dfenden Referendariat erfolgt.<\/p>\n<p><strong>Bundesl\u00e4nder im Vergleich<\/strong><br \/>\nWie es gehen kann, zeigen Baden-W\u00fcrttemberg, Sachsen-Anhalt und Th\u00fcringen, die allesamt sehr gut abschneiden. Sie zeichnen sich insbesondere durch ein eigenst\u00e4ndiges Wahlpflichtfach \u201eTechnik\u201c an den meisten Schulformen aus. Sachsen-Anhalt bietet als bundesweit einziges Bundesland f\u00fcr alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ein \u201eFach Technik\u201c an, auch im Gymnasium und dort auch in der Oberstufe.<\/p>\n<p>Auf diese Spitzengruppe folgt ein breites Mittelfeld, in dem 10 Bundesl\u00e4nder relativ nahe beieinander liegen. Diese L\u00e4nder punkten jeweils in unterschiedlichen Kategorien. Beispiel: Brandenburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern erreichen beim Thema Berufsorientierung hohe Punktzahlen. Sie zeigen, dass gute Berufsorientierung heute mehr umfasst als Standard-Praktika. Instrumente wie Betriebserkundungen, Potenzialanalysen, Berufswahlp\u00e4sse, Praxis- und Projekttage sind hier zu finden. Sie sind dort in einzelnen Fachcurricula oder als fach\u00fcbergreifende Leitperspektive verankert.<\/p>\n<p>Eine unterdurchschnittliche Bewertung erzielen die L\u00e4nder Berlin, Rheinland-Pfalz und Hessen. Derzeit wird in keinem dieser Bundesl\u00e4nder ein eigenst\u00e4ndiges \u201eFach Technik\u201c angeboten. Auch ein technikorientiertes Pflichtfach ist nicht \u00fcberall etabliert. Zudem besteht in allen 3 L\u00e4ndern Nachholbedarf bei den Themen \u201eProjektorientiertes Lernen\u201c und \u201eF\u00e4cherkooperationen\u201c. So werden in Hessen Naturwissenschaften im Rahmen eines losen \u201eLernbereichs\u201c unterrichtet, der lediglich ein Dach f\u00fcr die F\u00e4cher Biologie, Chemie und Physik mit jeweils eigenen Kerncurricula bildet, anstatt konsequent ein gemeinsames Kerncurriculum zu verwenden.<\/p>\n<p><strong>Hintergrund: Warum Technikbildung?<\/strong><br \/>\nTechnische Innovationen sind die entscheidende Grundlage f\u00fcr den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands, auch zuk\u00fcnftig. Herausforderungen wie Klimawandel, erneuerbare Energien oder Elektromobilit\u00e4t sind ohne technische L\u00f6sungen un\u00fcberwindbar. Sie erfordern gut ausgebildete Fachleute, an denen es aber immer mehr mangelt. Dem gilt es fr\u00fchestm\u00f6glich entgegenzuwirken.\u00a0<em>\u201e<\/em>Der Grundstein f\u00fcr die Faszination von Technik wird sp\u00e4testens in der Schule gelegt\u201c, betont Friedrich.\u00a0\u201eIm Technikunterricht erleben Kinder den Spa\u00df an der Probleml\u00f6sung. Das f\u00f6rdert Kreativit\u00e4t und erschlie\u00dft berufliche Perspektiven. Nicht zuletzt hilft fr\u00fche Technikbildung dabei, geschlechterspezifische Vorurteile abzubauen<em>.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Neben der Vermittlung von Handlungskompetenz wird so auch die Technikm\u00fcndigkeit der jungen Leute gest\u00e4rkt. So kann Technikbildung dazu beitragen, Chancen und Risiken neuer Technologien ausgewogen zu betrachten und zu beurteilen.\u00a0 Technik-Didaktiker machen darauf aufmerksam, dass technische Bildung bei Kindern die F\u00e4higkeit f\u00f6rdert, sich als verantwortliche Mitgestalter der uns umgebenden Welt zu betrachten. Ein Selbstverst\u00e4ndnis, das insbesondere im Zeitalter der Digitalisierung und st\u00e4ndiger technischer Neuerungen immer wichtiger wird.<\/p>\n<p><strong>L\u00e4nderdossiers<\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/bildung.vdma.org\/technikunterricht\">Die gesamte Untersuchung, die Ergebnisse der einzelnen Bundesl\u00e4nder sowie weitere n\u00fctzliche Pressinfos finden Sie auf bildung.vdma.org\/technikunterricht<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Quelle: VDMA<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der L\u00e4ndervergleich zur Technikbildung an Schulen zeigt Licht und viel Schatten. 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