{"id":15694,"date":"2019-09-06T08:05:42","date_gmt":"2019-09-06T06:05:42","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=15694"},"modified":"2019-09-05T14:19:57","modified_gmt":"2019-09-05T12:19:57","slug":"wir-muessen-dafuer-sorge-tragen-dass-verpackungen-und-muell-nicht-in-die-meere-gelangen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=15694","title":{"rendered":"Wir m\u00fcssen daf\u00fcr Sorge tragen, dass Verpackungen und M\u00fcll nicht in die Meere gelangen"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u2022 Das Problem des Kunststoffabfalls muss global angegangen werden<\/strong><br \/>\n<strong>\u2022 Ein Teil der L\u00f6sung liegt in der Reduzierung von Verpackungen<\/strong><br \/>\n<strong>\u2022 Das chemische Recycling ist eine Zukunftsoption<\/strong><\/p>\n<p>Interview mit Interview mit Gian de Belder, Principal Scientist und Packaging Technologist bei Procter &amp; Gamble<\/p>\n<p><strong>Kunststoffverpackungen machen einen gro\u00dfen Teil des Abfalls auf den Weltmeeren und an Land aus. Was unternimmt P&amp;G als bedeutender Konsumg\u00fcterhersteller dagegen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gian de Belder:<\/strong> Verpackungsabf\u00e4lle geh\u00f6ren nicht in die Natur, soviel ist klar. Wir sehen f\u00fcr uns eine Verantwortung, etwas dagegen zu tun. Und wir handeln entsprechend. Wir engagieren uns in unterschiedlichen Initiativen und eigenen Programmen um sicherzustellen, dass diese Herausforderung zielgerichtet angegangen wird. Dabei sind f\u00fcr uns wertsch\u00f6pfungs\u00fcbergreifende, globale Kooperationen von zentraler Bedeutung, da dies der wirkungsvollste Weg ist, um gro\u00dfe gesellschaftliche Herausforderungen wie die M\u00fcllproblematik anzugehen und geschlossene Kreislaufsysteme f\u00fcr Kunststoffe aufzubauen.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie ein Beispiel geben?<\/strong><\/p>\n<p><strong>De Belder:<\/strong> Es gibt eine ganze Reihe von Beispielen, ich m\u00f6chte hier zwei besonders wichtige nennen: Die Alliance to End Plastic Waste konzentriert sich in S\u00fcdostasien auf Infrastruktur, technologische Innovationen, Bildung und aktive Sanierungen, mit dem Hauptziel, dass keine Kunststoffabf\u00e4lle in die Umwelt gelangen. P&amp;G ist hier auf Top-Management-Ebene aktiv: Es ist eine CEO-gef\u00fchrte Allianz mit einem Investment von 1,5 Milliarden Dollar, die von den teilnehmenden Firmen zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Das zweite Beispiel ist das Projekt HolyGrail. Dies ist eine \u00fcbergreifende Zusammenarbeit \u00fcber die gesamte Wertsch\u00f6pfungskette. Dabei geht es darum, mit neuen Technologien die Herausforderungen der automatischen Sortierung bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen, etwa durch die Integration digitaler Wasserzeichen. Fakt ist: Die Sortierung ist heute noch eine Schwachstelle beim Recycling.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus treiben wir viele Projekte innerhalb unseres Unternehmens voran, denn unsere Nachhaltigkeitsziele sind eindeutig und sehr transparent: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Ozeane zu sch\u00fctzen und dass alle unsere Verpackungen vollst\u00e4ndig recycelbar oder wiederverwendbar sein sollen. Dar\u00fcber hinaus wollen wir neue Recycling-Technologien wie PureCycle vorantreiben. Das ist ein Verfahren, das gebrauchte Kunststoffe in nahezu reine Qualit\u00e4tskunststoffe umwandelt.<\/p>\n<p><strong>Ist Recycling der einzige Weg, um die M\u00fcllberge zu vermeiden?<\/strong><\/p>\n<p><strong>De Belder:<\/strong> Recycling bedeutet, Kunststoffe so lange wie m\u00f6glich im Kreislauf zu halten. Das hat gro\u00dfe Wirkung. Wenn dann gleichzeitig Materialeinsparungen hinzukommen, sind wir einen riesigen Schritt weiter. Es gibt f\u00fcnf S\u00e4ulen um sicherzustellen, dass Kreislaufwirtschaften tats\u00e4chlich funktionieren: das Produktdesign, Sammelsysteme, der Verbraucher, technische Innovationen und die Schaffung von Absatzm\u00e4rkten, die die Sekund\u00e4rrohstoffe aufnehmen. P&amp;G hat sich zum Beispiel zum Ziel gesetzt, die Menge von PCR zu verdoppeln.<br \/>\nGleichwohl man muss genau hinschauen, was man tut. Der Wechsel zu mehrschichtigen Materialien k\u00f6nnte eine M\u00f6glichkeit zur Reduzierung sein, bringt derzeit aber noch Herausforderungen beim Recycling mit sich. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bis 2030 den Einsatz neuer, fossiler Kunststoffe um die H\u00e4lfte zu verringern. Dar\u00fcber hinaus sind auch Mehrwegverpackungen eine M\u00f6glichkeit, zirkul\u00e4re Einsparungen zu erzielen. Wir sind Gr\u00fcndungspartner von LOOP, einer Initiative, die Mehrfachverwendungen von Verpackungen m\u00f6glich macht. Erste Projekte dazu wurden bereits in Paris und New York gestartet. Viele unserer Marken sind beteiligt. Also auf den Punkt gebracht: Der einzige Weg ist Recycling nicht, es kommt auf das Zusammenspiel verschiedener Ans\u00e4tze an. Die globalen Probleme lassen sich nicht im Alleingang l\u00f6sen.<\/p>\n<p><strong>Recycling erfordert Sammelsysteme. Aber in vielen L\u00e4ndern gibt es diese nicht. Was ist zu tun?<\/strong><\/p>\n<p><strong>De Belder:<\/strong> In den L\u00e4ndern, in denen es sie gibt, wie in der EU, m\u00fcssen wir sicherstellen, dass es eine Harmonisierung und \u00e4hnliche Sammelregeln gibt. Wo es keine Sammelsysteme gibt, wie etwa in den L\u00e4ndern S\u00fcdostasiens, m\u00fcssen wir die Infrastruktur aufbauen und das Bewusstsein f\u00fcr Umweltschutz sch\u00e4rfen. Hierauf fokussiert sich die angesprochene Alliance to End Plastic Waste.<\/p>\n<p><strong>Was sind die Haupthindernisse f\u00fcr das Recycling von Kunststoffverpackungen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>De Belder:<\/strong> Alle eben genannten f\u00fcnf S\u00e4ulen m\u00fcssen vorhanden und aufeinander abgestimmt sein, damit es funktioniert \u2013 Harmonisierung ist hier entscheidend. Eine gro\u00dfe Herausforderung ist die Vielfalt der verschiedenen Materialien, die in der Verpackung verwendet werden und deren Funktion jeweils einzigartig ist. Das Gute daran ist, dass heutzutage ein Schwerpunkt auf der Neugestaltung von Verpackungen liegt, um diese recyclingf\u00e4higer zu machen. Bisher verwenden wir haupts\u00e4chlich mechanisches Recycling, aber ich glaube, dass es auch f\u00fcr andere Technologien, wie zum Beispiel das chemische Recycling, Zukunftsperspektiven gibt.<\/p>\n<p><strong>Wird eine funktionierende Kreislaufwirtschaft das schlechte \u00f6ffentliche Image von Kunststoffen verbessern?<\/strong><\/p>\n<p><strong>De Belder:<\/strong> Das hoffe ich pers\u00f6nlich sehr. Kunststoffe sind nicht per se schlecht und in vielen F\u00e4llen sind die Alternativen auch nicht besser. Das grunds\u00e4tzliche Problem ist nicht Plastik, sondern Plastik in der Umwelt. Wir sollten also die emotionale Diskussion \u00fcber Kunststoffe versachlichen. Zudem hat der Kunststoff im Ozean ja nicht darum gebeten, dort zu landen. Das ist die Folge eines falschen Umgangs mit Plastik. Viele wissenschaftliche Studien belegen die Vorteile von Kunststoff. Das wird in der \u00f6ffentlichen Debatte leider vernachl\u00e4ssigt. Kunststoffe sind vielf\u00e4ltig einsetzbar und oft auch mit einem hohen Grad an Nachhaltigkeit zu vereinbaren. Dazu brauchen wir aber die richtige Materialwirtschaft \u2013 und auch das Bewusstsein der Verbraucher spielt dabei eine Schl\u00fcsselrolle.<\/p>\n<p>Quelle: VDMA<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verpackungsabf\u00e4lle geh\u00f6ren nicht in die Natur, soviel ist klar. Wir sehen f\u00fcr uns eine Verantwortung, etwas dagegen zu tun. 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