{"id":15901,"date":"2019-09-16T08:46:14","date_gmt":"2019-09-16T06:46:14","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=15901"},"modified":"2019-09-12T13:51:56","modified_gmt":"2019-09-12T11:51:56","slug":"die-technik-ist-da-man-muss-sie-nur-anwenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=15901","title":{"rendered":"Die Technik ist da, man muss sie nur anwenden"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u2022 Glasrecycling ist oft energieintensiver als das von Kunststoffen<\/strong><br \/>\n<strong>\u2022 Chemisches Recycling ist m\u00f6glicherweise eine weitere Option<\/strong><br \/>\n<strong>\u2022 Thermogeformte Verpackungen sind leichter als Spritzgie\u00dfverpackungen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Interview mit Sven Engelmann, Leiter Verpackungstechnologie bei der ILLIG Maschinenbau GmbH &amp; Co. KG<\/strong><br \/>\n<strong>Was bedeutet Kreislaufwirtschaft f\u00fcr ILLIG?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sven Engelmann:<\/strong> F\u00fcr uns ist die Kreislaufwirtschaft wichtig, weil wir unseren Kunden nachhaltige L\u00f6sungen anbieten k\u00f6nnen, die die Gesellschaft wiederum fordert. Momentan herrscht die Meinung, die Kreislaufwirtschaft sei eine L\u00f6sung f\u00fcr Nachhaltigkeit. Aus der Kreislaufwirtschaft kommen Rezyklate. Wir als Anbieter von Maschinen- und Werkzeugsystemen passen die Thermoformprozesse unserer Systeme so an, dass die rezyklierten Kunststoffe zu qualitativ hochwertigen Formteilen verarbeitet werden. Im Prinzip gibt es das schon seit mehreren Jahrzehnten. Viele unserer Kunden arbeiten nur mit Rezyklaten, allerdings nur mit industriell gesammelten, die aus Kunststoffabf\u00e4llen in der Produktion entstehen. Die Thermoformsysteme m\u00fcssen die Qualit\u00e4tsschwankungen, die es bei Rezyklaten immer gibt, ausgleichen k\u00f6nnen. Nun geht man einen Schritt weiter und will auch die Verarbeitung von Post-Consumer-Abf\u00e4llen zu Rezyklaten intensivieren.<\/p>\n<p><strong>Bei Post-Consumer-Abf\u00e4llen hat man mehr Probleme mit dem Recycling, oder?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Engelmann:<\/strong> Ja, der Aufwand ist gr\u00f6\u00dfer. Man braucht aufw\u00e4ndigere Sortieranlagen, auch Waschanlagen, die den Schmutz entfernen. Beim wertstofflichen Recycling von Kunststoffen versucht man daher schon vorher, die Kunststoffe m\u00f6glichst sortenrein zu trennen. Die f\u00fcr das Thermoformen aus den Post-Consumer-Abfallstr\u00f6men vornehmlich nutzbaren Kunststoffe sind derzeit Polypropylen und das PET. Und hier muss noch weiter getrennt werden. Allein das Heraussortieren von PET schafft ja kein einheitliches PET, sondern man hat immer eine Mischung aus verschiedenen PET-Anwendungen.<br \/>\nWir sind auch gar nicht sicher, ob das wertstoffliche Recycling in der mittelfristigen Zukunft die L\u00f6sung ist. Es k\u00f6nnte am Ende auch auf das chemische Recycling hinauslaufen. Diese Verfahren der Depolymerisation zerlegen beispielsweise einen thermoplastischen Kunststoff in seine einzelnen Bausteine, die Monomere. Diese werden dann anschlie\u00dfend wieder zusammengesetzt, zu einem neuen Kunststoff polymerisiert. Da entstehen in gewissem Sinne komplett neue Werkstoffe. Auf der K wird man vielleicht schon erste Konzepte von den Rohstoffherstellern sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Wie gro\u00df ist die Bereitschaft der Kunden, Rezyklate einzusetzen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Engelmann:<\/strong> Die Bereitschaft ist gro\u00df. Fr\u00fcher haben unsere Kunden Rezyklate in daf\u00fcr geeigneten Anwendungen eingesetzt, um Kosten zu sparen. Und unsere Maschinen haben die allf\u00e4lligen Chargenschwankungen ausgeglichen. Jetzt argumentieren wir, dass der Einsatz von Rezyklaten das Herstellen nachhaltigerer Verpackungen erm\u00f6glicht. Die Kunden gehen darauf gerne ein. Maschinenseitig hat sich nicht viel ge\u00e4ndert.<br \/>\nWertstoffliches Recycling verbraucht viele Ressourcen, wenden Kritiker manchmal ein.<br \/>\nEngelmann: Ja, es stimmt schon, dass man hierf\u00fcr viel Energie braucht. Da muss man die Relation sehen und die \u00d6kobilanzen der einzelnen Packmittel betrachten. So ben\u00f6tigt eine Kreislaufwirtschaft der Kunststoffe weitaus weniger Energie als beispielsweise jene f\u00fcr Glas oder Metall. F\u00fcr das Wiederverwerten eines Joghurtglases ist der Ressourcenaufwand im Vergleich zu einem thermogeformten Kunststoffbecher viel gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p><strong>Viele Konsumg\u00fcterhersteller wollen den Kunststoffeinsatz bei Verpackungen verringern. Ist das m\u00f6glich?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Engelmann:<\/strong> Ja, das ist gut m\u00f6glich. Dieser Trend hat sich vor allem in den letzten Monaten deutlich beschleunigt. Man kann ein Reduktionsziel von 20 bis 25 Prozent schon erreichen, wenn man vom Spritzgie\u00dfen auf das Thermoformen umsteigt. Das funktioniert bei vielen Verpackungen. Das Gewicht sinkt, aber die mechanischen Eigenschaften sind dieselben. Immer mehr Verpackungshersteller steigen deshalb, wo immer m\u00f6glich, auf thermogeformte Verpackungen um. Einen Margarinebecher kann man zum Beispiel hervorragend thermoformen, dennoch wird er oft noch gespritzt.<\/p>\n<p><strong>Wodurch erreicht man das geringere Gewicht denn?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Engelmann:<\/strong> Wir gehen beim Thermoformen von einem Halbzeug, der Kunststofffolie, aus, das wir umformen. Das Umformen erfolgt durch eine Verstreckung. Die bewirkt, dass sich mechanische Eigenschaften verbessern, weil wir im Ausgangswerkstoff, zum Beispiel PP, l\u00e4ngere Molek\u00fclketten haben. Die ergeben eine h\u00f6here Festigkeit.<\/p>\n<p><strong>Gibt es auch einen Trend zu weniger Verpackung?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Engelmann:<\/strong> Man muss sich fragen, welche Aufgabe eine Verpackung hat. Sie muss Schutz bieten, den Transport sichern, Hygiene garantieren, sie hat Barriereeigenschaften zur Verl\u00e4ngerung der Haltbarkeit \u2013 und sie muss einen Kaufanreiz am Point of Sale setzen. Momentan ist es so, dass man Letzteres gerne vergisst. Aber der Kaufanreiz ist nach wie vor extrem wichtig. Der Verbraucher kauft nun einmal nichts, das ihn nicht auch optisch anspricht. Viele Verpackungen fallen mir nicht ein, bei denen unsinnig viel Material eingesetzt wird. Wir erwarten deshalb, dass es auch weiterhin Kunststoffverpackungen geben wird. Im \u00dcbrigen erleben wir nicht die erste Krise im Kunststoff, vor zwanzig Jahren wurde diese Diskussion schon einmal intensiv gef\u00fchrt. Am Ende hat sich bislang immer die Erkenntnis durchgesetzt, dass Kunststoff viele Vorteile hat.<\/p>\n<p><strong>Was ist die wichtigste Voraussetzung f\u00fcr eine funktionierende Kreislaufwirtschaft?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Engelmann:<\/strong> Wir brauchen einfach mehr Aufkl\u00e4rung. Die meisten jungen Menschen, die f\u00fcr das Klima auf die Stra\u00dfe gehen, sind nicht in der Lage, bei einem Joghurtbecher den metallischen Deckel und den Kunststoffbeh\u00e4lter voneinander zu trennen und getrennt zu sammeln. Die Kreislaufwirtschaft kann nur ein Erfolg werden, wenn auch der Verbraucher seinen Beitrag leistet. Er muss aufgekl\u00e4rt werden, wie er seinen Verpackungsm\u00fcll trennen muss.<\/p>\n<p>Quelle: VDMA<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr uns ist die Kreislaufwirtschaft wichtig, weil wir unseren Kunden nachhaltige L\u00f6sungen anbieten k\u00f6nnen, die die Gesellschaft wiederum&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15903,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-15901","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15901","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15901"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15901\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15904,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15901\/revisions\/15904"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/15903"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15901"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15901"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15901"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=15901"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}