{"id":16206,"date":"2019-09-30T08:29:35","date_gmt":"2019-09-30T06:29:35","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=16206"},"modified":"2019-09-24T13:33:43","modified_gmt":"2019-09-24T11:33:43","slug":"wir-wollen-etwas-gegen-den-muell-in-den-meeren-unternehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=16206","title":{"rendered":"Wir wollen etwas gegen den M\u00fcll in den Meeren unternehmen"},"content":{"rendered":"<p>\u2022 Alte Fischernetze werden gesammelt und recycelt<br \/>\n\u2022 Aufkl\u00e4rung ist erster Schritt f\u00fcr M\u00fcllvermeidung<br \/>\n\u2022 Regulierung ist unverzichtbar<\/p>\n<p>Interview mit David Stover, Mitgr\u00fcnder und COO von Bureo<\/p>\n<p><strong>Bureo ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das aus alten Fischernetzen neue Produkte wie Skateboards macht. Wie kamen Sie als Start-up auf Fischernetze?<\/strong><\/p>\n<p><strong>David Stover:<\/strong> Wenn man sich das Kunststoffproblem insgesamt ansieht, machen Fischernetze aus Kunststoff je nach Sch\u00e4tzung zwischen 10 und 40 Prozent der Meeresverschmutzung durch Altkunststoffe aus. Das ist ein bedeutender Anteil f\u00fcr gerade einmal eine Art von M\u00fcll. Wir bei Bureo wollen etwas gegen den M\u00fcll auf den Meeren unternehmen und haben uns deshalb die Fischernetze ausgesucht. Wir betrachten Fischernetze als eine der sch\u00e4dlichsten Formen von Kunststoffm\u00fcll f\u00fcr die maritime Umwelt. Bislang gibt es kaum irgendwo eine \u00dcberlegung, was mit den nicht mehr brauchbaren Netzen zu tun ist.<\/p>\n<p><strong>Wie sammelt Bureo die ausgedienten Fischernetze ein?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stover:<\/strong> Wir sind mit unserer Firma in Chile t\u00e4tig. Dort haben wir damit angefangen, in den H\u00e4fen gro\u00dfe Recycling-Eimer aufzustellen. So eine Art M\u00fclleimer, wo die Fischer ihre alten Netze loswerden konnten. Das funktioniert an einigen Stellen, dort wo es gut gemanagt wird. Aber die Situation ist von Hafen zu Hafen und von Fischereibetrieb zu Fischereibetrieb verschieden. Dann haben wir erkannt, dass es besser ist \u2013 statt passiv abzuwarten, bis sich die M\u00fclleimer f\u00fcllen \u2013 aktiv an die Fischereien heranzugehen. Wir bekommen heute von den Fischereien die Information, wann welche Netze ausgemustert werden.<\/p>\n<p><strong>Bezahlt Bureo daf\u00fcr?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stover:<\/strong> Ja, denn der finanzielle Anreiz hat zur Folge, dass die Fischer die alten Netze nicht als Abfall betrachten, sondern als Gesch\u00e4ftsm\u00f6glichkeit. Wir bezahlen die Fischer, sammeln die Netze ein, recyceln sie und bringen sie zur\u00fcck in die Produktion.<\/p>\n<p><strong>Macht Ihr Beispiel auch anderswo Schule?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stover:<\/strong> Wir expandieren in Chile und dar\u00fcber hinaus. Wir sprechen jetzt mit Fischereien auch im Norden und S\u00fcden des Landes und in den angrenzenden L\u00e4ndern. Wir sind gerade dabei, auch ein Projekt in Peru aufzusetzen und verhandeln dar\u00fcber hinaus mit den zust\u00e4ndigen Stellen in Argentinien und Equador. Die Volumina, die wir sammeln und verarbeiten, werden zwar immer gr\u00f6\u00dfer, aber unser Radius bleibt damit doch eher lokal. Wenn man sich die Menge an Altnetzen ansieht, die wir im Jahr recyceln, wird klar, dass wir sicherlich noch keinen gro\u00dfen Einfluss auf das gro\u00dfe Problem der Kunststoffverm\u00fcllung haben. Aber wir zeigen eine M\u00f6glichkeit, die Art und Weise zu ver\u00e4ndern, wie Fischer mit Netzen umgehen.<\/p>\n<p><strong>Wie kann man das Problem denn weltweit angehen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stover<\/strong>: Weil die Verm\u00fcllung durch alte Fischernetze ein weltweites Problem ist, sind wir in Kontakt zu Gruppen, die das Problem auch global angehen wollen. Wir sind zum Beispiel Gr\u00fcndungsmitglied von GGGI, also der Global Ghost Gear Initiative. In dieser Arbeitsgruppe suchen alle Parteien, die mit dem Thema zu tun haben, nach L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten, die \u00fcberall angewendet werden k\u00f6nnen. Ein ganz wichtiger Punkt f\u00fcr uns ist dar\u00fcber hinaus die Aufkl\u00e4rung. Wir zeigen den Fischern und Fischereien, dass es Wege gibt, die Verschmutzung zu vermeiden.<\/p>\n<p><strong>Wie gehen denn die USA mit dem Problem des Kunststoffm\u00fclls um?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stover:<\/strong> Nach meiner Beobachtung sind wir dort sicher hinter der EU. In einigen Orten und Regionen, etwa in New York City oder Kalifornien, gibt es eine Reihe gro\u00dfartiger Initiativen. In Kalifornien wird es bald ein Gesetz geben, das es Herstellern von Kunststoffen und Kunststoffprodukten vorschreibt, auch in das Recycling zu investieren. Auf lokaler Ebene sind schon vielfach Verbote von Einwegprodukten ausgesprochen worden. Es gibt also vereinzelte gute Initiativen, aber als Land haben die USA ein Problem, mit ihrem eigenen M\u00fcll vern\u00fcnftig umzugehen. Wir haben uns sehr lange Zeit darauf verlassen, dass wir unseren Kunststoffm\u00fcll einfach exportieren k\u00f6nnen. Derzeit ist Recycling in den USA noch sehr ineffizient. Selbst von dem M\u00fcll, der gesammelt wird, geht nur ein Teil ins Recycling, weil der andere Teil gar nicht recycelt werden kann. Die Infrastruktur und sicher auch die technischen M\u00f6glichkeiten sind unzureichend. Grunds\u00e4tzlich werden wir die Art und Weise, wie wir Material benutzen, verarbeiten und recyceln, ver\u00e4ndern m\u00fcssen und zwar weltweit.<\/p>\n<p><strong>Brauchte es politische Vorgaben, um das Recycling ins Rollen zu bringen, so wie in der EU?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stover:<\/strong> Das w\u00e4re sicherlich gut, aber in der gegenw\u00e4rtigen politischen Situation in den USA ist das sehr unwahrscheinlich. Wir sind zwar \u00fcberzeugt, dass Verbraucher auf Unternehmen Druck aus\u00fcben k\u00f6nnen, ihre Produkte besser zu designen und mehr nachhaltige Produkte herzustellen, aber das funktioniert nur bis zu einem bestimmten Punkt. Verbraucher wollen nicht auf ihre Bequemlichkeit verzichten, sie wollen alles zum m\u00f6glichst g\u00fcnstigsten Preis, und die Unternehmen, die solche Produkte herstellen, wollen vom Kunststoff nicht weg, weil er f\u00fcr sie g\u00fcnstig ist. Also braucht man wirklich Regulierung durch die Politik, auch auf kommunaler Ebene. Man muss die Unternehmen dadurch beeinflussen und sie auch bestrafen, wenn sie die Vorschriften nicht beachten. Gerade die multinationalen Konzerne haben sich der Verantwortung bislang oft entzogen.<\/p>\n<p><strong>Aber viele dieser Firmen haben sich anspruchsvolle Nachhaltigkeitsziele gesetzt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stover:<\/strong> Es stimmt schon, dass von au\u00dfen Druck auf diese Unternehmen ausge\u00fcbt wird. Niemand kann schlie\u00dflich die Bilder der verm\u00fcllten Meere verstecken und unsere M\u00fcllkrise verbergen. Diese Unternehmen haben jetzt Initiativen gestartet, sie geben sich Ziele f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre. Das ist ein guter Anfang, aber man muss den Druck halten. Bei genauem Hinsehen sind die Initiativen und Vorhaben dieser Unternehmen verglichen mit ihrer Gr\u00f6\u00dfe doch recht klein. Manche sind ambitioniert, aber bei vielen macht das alles nicht viel aus. Ich denke, man muss die Geschwindigkeit und den Umfang deutlich erh\u00f6hen. Die Kunststoffindustrie produziert von Jahr zu Jahr mehr Kunststoff. Wenn wir tats\u00e4chlich so viel recyceltes Material einsetzen w\u00fcrden, wie alle versprechen, w\u00fcrde man einen R\u00fcckgang der Produktion von Neuware sehen.<\/p>\n<p>Quelle: VDMA<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man sich das Kunststoffproblem insgesamt ansieht, machen Fischernetze aus Kunststoff je nach Sch\u00e4tzung zwischen 10 und 40&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":16207,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-16206","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16206","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16206"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16206\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16209,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16206\/revisions\/16209"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/16207"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16206"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16206"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16206"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=16206"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}