{"id":16395,"date":"2019-10-08T10:54:51","date_gmt":"2019-10-08T08:54:51","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=16395"},"modified":"2019-10-07T10:58:32","modified_gmt":"2019-10-07T08:58:32","slug":"kunststoffverpackungen-werden-noch-lange-gebraucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=16395","title":{"rendered":"\u201eKunststoffverpackungen werden noch lange gebraucht\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u2022 Chinas Importstopp f\u00fcr Kunststoffabf\u00e4lle treibt Recycling an<\/strong><br \/>\n<strong>\u2022 Der Verbraucher ist ein Schl\u00fcssel zur funktionierenden Kreislaufwirtschaft<\/strong><br \/>\n<strong>\u2022 Je gr\u00f6\u00dfer die Sortiertiefe, desto besser ist die Qualit\u00e4t des Rezyklats<\/strong><\/p>\n<p>Interview mit Martina Schmidt, Leiterin des Gesch\u00e4ftsbereichs Recycling\/Waste der Vecoplan AG<\/p>\n<p><strong>Die Kreislaufwirtschaft f\u00fcr Kunststoffe kommt auf Druck der EU in Schwung. Vecoplan ist schon lange im Recyclingbereich aktiv. Sp\u00fcren Sie eine gestiegene Nachfrage?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Martina Schmidt:<\/strong> In Schwung kam die Kreislaufwirtschaft meines Erachtens nicht nur durch die EU-Kunststoffstrategie und die damit einhergehenden Vorgaben von Recyclingquoten. Ein wichtiger Faktor war auch die fast gleichzeitig getroffene Entscheidung Chinas, keinen Kunststoffabfall mehr zu importieren. Dieser Importstopp war eine Initialz\u00fcndung. Ab diesem Zeitpunkt konnte man sp\u00fcren, dass die Nachfrage nach Zerkleinerungs- und Sortiertechnik deutlich gestiegen ist und dass dort in Kapazit\u00e4ten und in Qualit\u00e4ten investiert wurde und weiter wird. Man musste schlie\u00dflich sehen, wohin mit dem Kunststoffabfall und man erkannte, dass sehr viel Aufbereitungstechnik gebraucht wird, um bessere Materialqualit\u00e4ten f\u00fcr den Markt zu erzeugen. Wir bei Vecoplan sp\u00fcren daher eine gestiegene Nachfrage. Der Markt ist sehr agil und dynamisch. Aber Vecoplan w\u00e4chst nicht nur mit dem Markt, sondern gewinnt auch im Markt weitere Marktanteile. F\u00fcr unsere Kernkompetenz, das Schreddern, haben wir in den letzten Jahren eine Entwicklungsoffensive mit Integration von Industriedesign gestartet. Den nachhaltigen Erfolg erleben wir tagt\u00e4glich.<\/p>\n<p><strong>Was sind die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen auf dem Weg zu einer gut funktionierenden Kreislaufwirtschaft?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schmidt:<\/strong> Die Akzeptanz der Verbraucher ist eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen. Lebensmittelverpackungen landen beispielsweise im Privathaushalt im Abfall. Allein das Wort Abfall ist schon negativ belegt, dabei sind Verpackungen ein Wertstoff. Wir Maschinen- und Anlagenbauer und unsere Kunden hegen den Anspruch, diese Verpackungen wieder in den Kreislauf als neue Verpackung oder andere hochwertige Produkte zur\u00fcckzuf\u00fchren. Viele Verbraucher verbinden Kunststoffrecycling nur mit Parkb\u00e4nken oder M\u00fcllbeuteln. Die Entwicklung der Technologie ist heute aber schon sehr viel weiter und wird auch in Zukunft deutlich ausgebaut werden. Wir sprechen bei Recycling von Upcycling und nicht von Downcycling. Schlussendlich ist die Identifikation des Verbrauchers mit den neuen Produkten aus recyceltem Kunststoff der ma\u00dfgebliche Schl\u00fcssel f\u00fcr eine gut funktionierende Kreislaufwirtschaft.<\/p>\n<p><strong>Die Verbraucher zeigen oft auf die Hersteller als Verursacher des Problems.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schmidt:<\/strong> Als Beispiel reden wir wieder von Lebensmittelverpackungen. W\u00fcrde sich der Produktanbieter f\u00fcr eine andere Art der Umverpackung als Kunststoff entscheiden, dann w\u00e4ren damit die Probleme auch nicht gel\u00f6st. Wenn kein Kunststoff verwendet wird, k\u00f6nnen die Nachteile mannigfaltig sein. Kunststoff hat eine nat\u00fcrliche Barriere, die unter anderem Frische, Sterilit\u00e4t und Hygiene bietet. Kunststoffverpackungen sind leichte Verpackungen. W\u00e4hrend mehr als 50 Prozent aller europ\u00e4ischen Waren in Kunststoff verpackt werden, machen sie nur 17 Prozent des Gesamtverpackungsgewichts aus. Leichtgewichtige Verpackung bedeutet auch leichtere Ladungen und weniger LKW, die f\u00fcr den Transport der Produkte notwendig sind. Das senkt den Kraftstoffverbrauch, reduziert den Aussto\u00df an Treibhausgasen und verringert die Versandkosten. Es hilft auch, die Menge an produziertem Abfall zu verringern. Ich stelle die Gegenfrage: Welches andere Verpackungsmaterial kann bei gleichen Eigenschaften Kunststoff substituieren? Der Verbraucher wird noch sehr lange Kunststoffverpackungen brauchen. Und es wird k\u00fcnftig auch noch verschiedene Arten von Kunststoffen f\u00fcr die verschiedenen Nutzungsgegenst\u00e4nde geben m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Je sortenreiner Altkunststoff ist, desto bessere Qualit\u00e4ten lassen sich f\u00fcr das Rezyklat erzeugen. Ist es besser, darauf schon beim Sammeln zu achten oder auf Maschinentechnik zu setzen, die die Sortenreinheit herstellt?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schmidt:<\/strong> F\u00fcr das Erkennen von Kunststoffen existieren unterschiedliche Bestimmungsmethoden wie zum Beispiel die visuelle Pr\u00fcfung, die Haptik-Pr\u00fcfung oder auch Brenn- und Geruchsproben. Keine davon eignet sich aus meiner Sicht f\u00fcr den Hausgebrauch. Kennzeichnungssysteme funktionieren auch nur bedingt. Der Verbraucher wei\u00df schlicht nicht zwischen unterschiedlichen Kunststoffsorten wie PP, PE oder PET zu unterscheiden. Automatische Sortieranlagen k\u00f6nnen das aber bereits heute. Sie trennen sogar nach Farben. Denn richtig ist nat\u00fcrlich: Je gr\u00f6\u00dfer die Sortiertiefe, desto h\u00f6her wird die Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Die EU geht davon aus, dass die Kreislaufwirtschaft einen Innovationsschub bringen wird. Sehen Sie das auch so?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schmidt:<\/strong> Ein klares \u201eJa\u201c. Durch die h\u00f6heren Quoten stehen gr\u00f6\u00dfere Mengen an Rezyklaten zur Verf\u00fcgung, die verwertet werden m\u00fcssen. Die Akzeptanz der Rezyklate zur Verwendung in der Herstellung neuer Produkte kann nur nachhaltig gest\u00e4rkt und ausgebaut werden, wenn kontinuierlich an der Qualit\u00e4t gearbeitet und diese stabil gehalten wird. Ein Einflussfaktor beim Recycling ist beispielsweise schon die erste Verarbeitungsstufe, das Zerkleinern. Die Kunststoffe haben unterschiedliche Materialeigenschaften. Es ist wichtig beim Shreddern darauf zu achten, dass die Charakteristiken nicht ver\u00e4ndert werden, zum Beispiel durch W\u00e4rmeeintrag. Wir haben in den letzten Jahren sehr viel Know-how entwickelt, um hier mit bestm\u00f6glicher Schnittgeometrie und Energieeffizienz optimale Ergebnisse f\u00fcr das weiterf\u00fchrende Recycling zu erzielen.<\/p>\n<p><strong>Glauben Sie, dass die Kreislaufwirtschaft in der EU zu einem besseren Kunststoffimage f\u00fchren wird?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schmidt:<\/strong> Nicht unbedingt. Der M\u00fcll in den Meeren, der zu einem Gro\u00dfteil zum schlechten Image des Kunststoffs beitr\u00e4gt, entsteht \u00fcberwiegend in L\u00e4ndern, in denen mit Abfall falsch umgegangen wird. Dort gibt es nicht einmal in Ans\u00e4tzen eine Kreislaufwirtschaft, Sammelsysteme beispielsweise fehlen meist v\u00f6llig. In Deutschland sind wir schon auf einem guten Weg, und wir werden uns auch noch weiter nach vorne entwickeln. Wir sollten anderen L\u00e4ndern helfen, denn wir wissen ja schon, dass man trennen muss und wie man das macht.<\/p>\n<p><strong>Deutschland sollte also Vorbild sein?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schmidt:<\/strong> Es wird viel zu wenig dar\u00fcber geredet, wo Materialien heute schon gut recycelt werden und wo Prozesse sicherstellen, dass die Umwelt nicht gesch\u00e4digt wird. Die Kreislaufwirtschaft hat in Deutschland schon vor Jahrzehnten angefangen. Seitdem \u00fcben wir und werden immer besser. Bei Papier und Glas haben wir schon Recyclingquoten von \u00fcber 90 Prozent erreicht. So wird es uns auch im Kunststoff gelingen. Wir h\u00e4tten durchaus die M\u00f6glichkeit, als Vorreiter oder als Best Practice in L\u00e4ndern aktiv zu werden, die Nachholbedarf haben. Ich mache die Erfahrung derzeit in Russland. Viele Menschen dort sagen, sie wollen keine Deponien mehr in ihrer Umgebung haben. Nirgendwo sehe ich derzeit ein gr\u00f6\u00dferes Interesse als in Russland, eine Kreislaufwirtschaft einzuf\u00fchren. Den Menschen ist es ein Bed\u00fcrfnis, nicht mehr alles auf den M\u00fcll zu werfen. Sie m\u00fcssen einfach nur die M\u00f6glichkeiten haben.<\/p>\n<p>Quelle: VDMA<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p> In Schwung kam die Kreislaufwirtschaft meines Erachtens nicht nur durch die EU-Kunststoffstrategie und die damit einhergehenden&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":16396,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-16395","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16395","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16395"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16395\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16397,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16395\/revisions\/16397"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/16396"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16395"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16395"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16395"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=16395"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}