{"id":16536,"date":"2019-10-11T10:22:05","date_gmt":"2019-10-11T08:22:05","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=16536"},"modified":"2019-10-11T10:22:05","modified_gmt":"2019-10-11T08:22:05","slug":"kunststoffabfall-wird-der-neue-rohstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=16536","title":{"rendered":"Kunststoffabfall wird der neue Rohstoff"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u2022 Auch in anderen Weltregionen wird \u00fcber Kreislaufwirtschaft nachgedacht<\/strong><br \/>\n<strong>\u2022 Kunststoff bringt klare \u00f6kologische Vorteile<\/strong><br \/>\n<strong>\u2022 Chemisches und werkstoffliches Recycling k\u00f6nnen sich erg\u00e4nzen<\/strong><\/p>\n<p>Interview mit Johannes Musseleck, Director Global Strategy bei der INEOS Styrolution<\/p>\n<p><strong>Die EU strebt eine Kreislaufwirtschaft f\u00fcr Kunststoffe an. Sehen Sie \u00e4hnliche Bestrebungen auch anderswo?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Johannes Musseleck:<\/strong> Wir sehen schon, dass in anderen Teilen der Welt auch \u00fcber die Kreislaufwirtschaft diskutiert wird. Zum Beispiel auch in den USA. Da findet die Diskussion in vielen Bundesstaaten statt und auch in einzelnen geographischen Regionen. Da gibt es vielfach auch schon entsprechende regulatorische Vorgaben. Auch in Asien sehen wir schon \u00e4hnliche Bestrebungen, eine Kreislaufwirtschaft einzurichten. Die EU hat den Vorteil, dass wir hier einheitliche Regelungen f\u00fcr einen gro\u00dfen Wirtschaftsraum mit \u00fcber 500 Millionen Menschen haben. Was die EU beschlie\u00dft, ist also viel weitreichender.<\/p>\n<p><strong>Und wie steht INEOS Styrolution zur Kreislaufwirtschaft?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Musseleck:<\/strong> Wir sind der festen Meinung, dass man sie entwickeln muss, und wir f\u00fchlen uns selber verpflichtet mitzuhelfen, das Problem des Kunststoffm\u00fclls in den Griff zu bekommen. Grunds\u00e4tzlich m\u00fcssen alle, die mit Kunststoffen zu tun haben, dazu ein Beitrag leisten. Denn Kunststoff ist ein wertvoller Werkstoff, der Vorteile gegen\u00fcber fast allen anderen Werkstoffen hat. Man kann damit sehr leichte Anwendungen, sehr dauerhafte Anwendungen, sehr sichere Anwendungen realisieren. Kunststoff macht Autos leichter und damit verbrauchs\u00e4rmer. Er h\u00e4lt Lebensmittel frisch und beugt so dem Verderben vor. Das sind ganz klare \u00f6kologische Vorteile. Aber es ist f\u00fcr uns auch sonnenklar, dass Kunststoff nicht ins Meer geh\u00f6rt und auch nicht auf die Deponie, sondern dass er ein so wertvoller Werkstoff ist, dass man ihn idealerweise wiederverwerten sollte.<\/p>\n<p><strong>Wird der Einsatz von Roh\u00f6l in der Kunststoffherstellung sinken?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Musseleck:<\/strong> In der Kunststoffherstellung nutzen wir seit langem Roh\u00f6l als Rohstoff f\u00fcr unsere Produkte. Wenn wir die Kreislaufwirtschaft zu Ende denken, dann wird Kunststoffabfall der neue Rohstoff. Das ist f\u00fcr uns gut, weil es unser Ziel unterst\u00fctzt, wertvolle Werkstoffe wiederzuverwenden. Aber das hei\u00dft auch, den Kunststoffabfall so zu bearbeiten, dass am Ende ein qualitativ einwandfreies Produkt herauskommt. Dieses Produkt muss dieselben mechanischen und hygienischen Eigenschaften haben, wie das aus Roh\u00f6l. Es muss so beschaffen sein, dass es auch unter regulatorischen Aspekten \u00fcberall gut einsetzbar ist.<\/p>\n<p><strong>Wie lange wird es bis dahin dauern?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Musseleck:<\/strong> Qualitativ hochwertige Kunststoffe aus Kunststoffabfall herzustellen ist nat\u00fcrlich eine sehr gro\u00dfe Entwicklungsaufgabe. Es wird je nach Ansatz Jahre dauern, bis wir hier zu Produkten kommen, die die gleichen Eigenschaften haben, wie die Produkte, die heute aus Roh\u00f6l hergestellt werden.<br \/>\nWoran arbeiten Sie bei INEOS Styrolution im Augenblick?<br \/>\nMusseleck: Es gibt beim chemischen Recycling unterschiedliche Ans\u00e4tze, die jeweils sehr komplex sind. Wir befinden uns da derzeit in verschiedenen Entwicklungsstufen. Wir versuchen zum Beispiel Polystyrol \u00fcber die so genannte Depolymerisation mithilfe von W\u00e4rme in Monomere zu \u00fcberf\u00fchren. Das w\u00e4re dann wieder der Ausgangsstoff f\u00fcr unsere Produktion. Wir machen also aus Polystyrol wieder Styrol. Das ist eine Methode, die es uns erm\u00f6glicht, am Ende wieder mit der Produktion von vorne anzufangen. Das ist ein sehr klarer Kreislauf. Es entstehen neue Produkte mit der gleichen Qualit\u00e4t, mit den gleichen Anforderungen, mit den gleichen Einsatzgebieten wie bisher aus Roh\u00f6l. Werkstoffliches Recycling ist sinnvoll, aber es gibt Anwendungen, wo man mit werkstofflich recyceltem Material nicht weiterkommt.<\/p>\n<p><strong>Aber der angelieferte Kunststoffabfall ist doch in der Regel nicht frei von st\u00f6renden Fremdstoffen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Musseleck:<\/strong> Die Fremdstoffe m\u00fcssen wir entfernen. Aus Kunststoffabfall wieder hochwertiges Granulat zu machen, erfordert mehrstufige Prozesse. Beim chemischen Recycling kann man das ganze Repertoire der chemischen Prozesse anwenden. Unerw\u00fcnschte Reststoffe lassen sich zum Beispiel mittels Destillation entfernen. Wir haben das auch schon auf Laborma\u00dfstab sehr gut umgesetzt und k\u00f6nnen dort tats\u00e4chlich ohne weiteres wieder hervorragendes Polystyrol herstellen. Von der Technik her geht es also. Jetzt m\u00fcssen Prozesse entwickelt werden, damit das Ganze auch im Industriema\u00dfstab funktioniert. Das ist die Aufgabe, die wir in den n\u00e4chsten Jahren alle vor uns haben, um die geforderten Recyclingquoten erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Ist chemisches Recycling dem werkstofflichen \u00fcberlegen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Musseleck:<\/strong> Es gibt viele verschiedene Ans\u00e4tze, wie man Produkte recyceln kann. Das werkstoffliche Recyling macht bei bestimmten Produktanwendungen durchaus Sinn. Chemisches und werkstoffliches Recycling sind zwei Methoden, die sich erg\u00e4nzen, weil sie verschiedene Endanwendungen erm\u00f6glichen. Es ist nicht so, dass die eine der anderen grunds\u00e4tzlich \u00fcberlegen w\u00e4re.<\/p>\n<p><strong>Bei beiden Methoden erleichtert ein kluges Produktdesign die Aufgabe, oder?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Musseleck:<\/strong> Auf jeden Fall. Es ist immens wichtig, beispielsweise ein Auto und seine verschiedenen Teile so zu designen, dass man am Ende des Tages gut recycelbare Materialien bekommt. In der Frage des Produktdesigns arbeiten wir mit unseren Kunden eng zusammen. Wir k\u00f6nnen ihnen sagen, was man von der Materialseite her tun kann, um leichter zu recycelnde Produkte herzustellen.<\/p>\n<p><strong>Was kann INEOS Styrolution zur Verbesserung des Kunststoffimages tun?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Musseleck:<\/strong> Als Unternehmen arbeiten wir an L\u00f6sungen f\u00fcr die Wiederverwertung von Kunststoffabf\u00e4llen. Wir zeigen also, dass man etwas machen kann. Aber die Verbesserung des schlechten Rufs von Kunststoffen ist eine Aufgabe der gesamten Lieferkette. Wir m\u00fcssen uns hier gemeinsam aufstellen und gemeinsam eine Kommunikation an ganz verschiedene Adressaten erreichen. Die Botschaft ist, dass eine Kreislaufwirtschaft gut funktionieren kann, wenn alle mitmachen. Auf diese Weise k\u00f6nnen wir die Vorteile dieses effizienten Materials wieder ins Bewusstsein holen. Es gibt Studien, die sagen, dass sich der globale Energiebedarf verdoppeln w\u00fcrde, wenn man Kunststoffe durch andere Materialien ersetzen w\u00fcrde. Auch der CO2-Aussto\u00df l\u00e4ge deutlich h\u00f6her. Kein Staat w\u00fcrde seine Klimaziele erreichen ohne Kunststoffe.<\/p>\n<p>Quelle: VDMA<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p> Wir sehen schon, dass in anderen Teilen der Welt auch \u00fcber die Kreislaufwirtschaft diskutiert wird. Zum Beispiel auch in den USA. 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