{"id":16542,"date":"2019-10-11T10:25:51","date_gmt":"2019-10-11T08:25:51","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=16542"},"modified":"2019-10-11T10:25:51","modified_gmt":"2019-10-11T08:25:51","slug":"digitaler-protektionismus-der-erfolg-von-industrie-4-0-ist-in-gefahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=16542","title":{"rendered":"Digitaler Protektionismus \u2013 der Erfolg von Industrie 4.0 ist in Gefahr"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine neue Studie der IMPULS-Stiftung des VDMA zur digitalen Marktabschottung belegt, dass der freie Datenaustausch massiv beeintr\u00e4chtigt wird. Die Auswirkungen treffen insbesondere den Mittelstand hart.<\/strong><\/p>\n<p>Digitaler Protektionismus hat in den letzten Jahren immer st\u00e4rker an Bedeutung gewonnen. Die digitale Marktabschottung ist zu einer gro\u00dfen Bedrohung f\u00fcr den freien Datenverkehr geworden. Der Erfolg des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus h\u00e4ngt jedoch immer h\u00e4ufiger von weltweit verf\u00fcgbaren und zuverl\u00e4ssigen digitalen Gesch\u00e4ftsmodellen ab. Diese sind auf den ungehinderten, sicheren Datenfluss angewiesen. Besonders der Mittelstand leidet unter dem zunehmenden digitalen Protektionismus. Die neue Studie der IMPULS-Stiftung des VDMA \u2013 erstellt von Bird &amp; Bird LLP \u2013 zeigt erstmals die bedenklichen bis gravierenden Auswirkungen von Protektionismus auf Industrie 4.0 und Digitalisierung im Maschinen- und Anlagenbau.<\/p>\n<p><strong>Digitaler Protektionismus ist eine globale Bedrohung<\/strong><br \/>\nIm Rahmen der Studie wurde untersucht, wie sich der freie Datenfluss mit Fokus auf EU, USA, Russland sowie China darstellt. Ein Ergebnis der Studie lautet: Die Auswirkungen von protektionistischen Ma\u00dfnahmen sp\u00fcren die Unternehmen sowohl in den weltweiten Absatzm\u00e4rkten ihrer Maschinen als auch auf dem Heimatmarkt EU. Hohe Aufw\u00e4nde f\u00fcr lokale Datenspeicherung, lokale Pr\u00fcfvorschriften und die Sorge um die Offenlegung von Gesch\u00e4ftsgeheimnissen erschweren besonders kleinen und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen den Marktzugang. Die Unternehmen sind folglich gefordert, mit einem asymmetrischen Regulierungsumfeld umzugehen. Die Politik im Bund und in der EU muss Barrieren f\u00fcr einen freien Datenfluss abbauen und k\u00fcnftig vermeiden \u2013 vor der eigenen Haust\u00fcre und im globalen Ma\u00dfstab.<\/p>\n<p><strong>EU \u2013 Datenschutz f\u00fcr Maschinen?<\/strong><br \/>\nAuch mit Industrie 4.0 einhergehende digitale Gesch\u00e4ftsmodelle stehen unter \u201eBeobachtung\u201c des europ\u00e4ischen Datenschutzrechts. Der weite Anwendungsbereich der Datenschutz-Grundverordnung f\u00fchrt bei der Verarbeitung von Maschinendaten zu erheblichen, teils \u00fcberzogenen Anforderungen an Dokumentations- und Informationspflichten; zugleich fehlt es an ausreichenden Erleichterungen zur Verarbeitung pseudonymer Daten. Dies gilt insbesondere f\u00fcr Daten aus der Interaktion von Mensch und Maschine (HMI-Daten).<\/p>\n<p><strong>China \u2013 Schutzwall gegen freien Datenfluss<\/strong><br \/>\nChina entwickelt mit der Cyber-Gesetzgebung (Cyber Security Law) ein dichtes Regelwerk mit erheblichen Auswirkungen auf den freien Austausch von Maschinendaten. Es betrifft alle Unternehmen, die digital vernetzte Produkte auf dem chinesischen Markt in Verkehr bringen. Angesichts der hohen Bedeutung des chinesischen Marktes f\u00fcr die Industrie besteht gro\u00dfer Bedarf f\u00fcr einen politischen Dialog. Ziel muss hier sein, neue digitale Gesch\u00e4ftsmodelle im Maschinen- und Anlagenbau durch einen freien und sicheren Datenfluss auch aus China in die EU zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p><strong>Russland \u2013 Nationale Abschottung contra Datenfluss<\/strong><br \/>\nIn Russland k\u00f6nnen die Anforderungen an Lokalisierung personenbezogener Daten von russischen Staatsb\u00fcrgern eine beachtliche Beschr\u00e4nkung darstellen. Dasselbe gilt f\u00fcr Anforderungen an die Nutzung lokaler Internetknoten. Es ist, wie in China auch, mit einem hohen lokalen Umsetzungsaufwand f\u00fcr digitale Dienste (zum Beispiel Cloud-Services) zu rechnen. Unternehmen ben\u00f6tigen eine klare Strategie, wie sie mit diesen (lokalen) Beschr\u00e4nkungen umgehen und ihre Gesch\u00e4ftsmodelle darauf anpassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>USA \u2013 Handelssanktionen sorgen f\u00fcr zus\u00e4tzliche Kosten<\/strong><br \/>\nIn den USA bestehen grunds\u00e4tzlich keine erheblichen regulatorischen Beschr\u00e4nkungen, die sich unmittelbar auf Digitalisierungsvorhaben der Industrie auswirken. Allerdings k\u00f6nnen sich Regelungen der Ausfuhrkontrolle und Handelssanktionen mittelbar auf den grenz\u00fcberschreitenden Datenaustausch auswirken \u2013 zum Beispiel dann, wenn Verschl\u00fcsselungstechnologien aus den USA stammen und auch in den Zielm\u00e4rkten Russland und China eingesetzt werden sollen. Zus\u00e4tzliche Entwicklungskosten f\u00fcr technologische Alternativen k\u00f6nnen oft nur von gro\u00dfen Unternehmen getragen werden.<\/p>\n<p><strong>Deckmantel Cybersecurity<\/strong><br \/>\nHinzu kommen zunehmende Regulierungen im Bereich der Cyber-Sicherheit, die prim\u00e4r auf den Schutz sogenannter \u201eKritischer Infrastrukturen\u201c abzielen. Diese k\u00f6nnen beil\u00e4ufig \u2013 soweit die Lieferbeziehung mit einem Betreiber einer Kritischen Infrastruktur besteht \u2013 oder auch unmittelbar den Maschinen- und Anlagenbau erfassen. In China k\u00f6nnen Maschinen- und Anlagenbauer bereits nach der bestehenden Rechtslage als Netzwerkbetreiber gelten und von damit verbundenen hohen regulatorischen Auflagen betroffen sein. Ein freier Fluss von Maschinendaten nach Europa erscheint hier kaum umsetzbar.<\/p>\n<p><strong>Security by Design ist unerl\u00e4sslich<\/strong><br \/>\nUnternehmen m\u00fcssen sich bereits in der Entwicklung digital vernetzter Produkte mit den Anforderungen und Vorgaben f\u00fcr den cyber-sicheren Betrieb besch\u00e4ftigen. Mit einem sorgf\u00e4ltigen Konzept f\u00fcr Security by Design werden technische Anforderungen und Marktanspr\u00fcche fr\u00fchzeitig in Produkte, Systeme und Dienste integriert. Die damit verbundene Cyber-Resilienz hilft, dass Maschinen und Anlagen im Dauerbetrieb robust genug sind, Angriffen zu widerstehen. Das Maschinenbau-Institut (MBI) des VDMA hat ein hierf\u00fcr passendes Konzept zur Weiterbildung entworfen.<\/p>\n<p><strong>VDMA leistet umfassende Unterst\u00fctzung<\/strong><br \/>\nDer VDMA bietet seinen Mitgliedsunternehmen umfassende Unterst\u00fctzung im Feld der digitalen Dienste. Im Mittelpunkt hierbei steht die Hilfe zur Selbsthilfe, zur Formulierung technischer Regelwerke, zum Erfahrungsaustausch sowie zur politischen Unterst\u00fctzung auf nationaler und internationaler Ebene. Mehrere Gremien, umfassende Publikationen und Veranstaltungen rund um Security, OPC UA, 5G, KI und Industrie 4.0 stehen Mitgliedern offen. Auch vor Ort im Ausland bietet der VDMA gezielte Hilfe f\u00fcr Unternehmen.<\/p>\n<p>Das VDMA Competence Center Industrial Security in Frankfurt b\u00fcndelt zudem die Verbandsaktivit\u00e4ten des VDMA und seiner 3.200 Mitgliedsunternehmen zur Informationssicherheit, zu Security in der Produktion und zur Security in den Maschinenbauprodukten. Das Competence Center ist erster Ansprechpartner f\u00fcr Mitglieder, Beh\u00f6rden und Politik.<\/p>\n<p>Quelle: VDMA<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Digitaler Protektionismus hat in den letzten Jahren immer st\u00e4rker an Bedeutung gewonnen. 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