{"id":18161,"date":"2019-12-11T08:00:13","date_gmt":"2019-12-11T07:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=18161"},"modified":"2019-12-10T15:47:45","modified_gmt":"2019-12-10T14:47:45","slug":"maschinenbau-muss-sich-in-schwierigem-umfeld-behaupten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=18161","title":{"rendered":"Maschinenbau muss sich in schwierigem Umfeld behaupten"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li>\u00a0<strong>Produktion sinkt um 1,8 Prozent in den ersten zehn Monaten 2019<\/strong><\/li>\n<li><strong>Verunsicherung der Kunden sorgt f\u00fcr Minus in den Auftragsb\u00fcchern<\/strong><\/li>\n<li><strong>Prognose f\u00fcr 2020 best\u00e4tigt: R\u00fcckgang um 2 Prozent erwartet<\/strong><\/li>\n<li><strong>VDMA fordert sp\u00fcrbare Entlastung der Betriebe und Festhalten an der Schuldenbremse<\/strong><\/li>\n<li><strong>Maschinenbau treibt Klimaschutz mit neuen Technologien voran und warnt vor neuen Belastungen durch die EU<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Maschinenbauer aus Deutschland m\u00fcssen sich in einem zunehmend schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld behaupten. Das Jahr 2019 war gepr\u00e4gt von einer schwachen Weltkonjunktur, immer h\u00e4rteren Drohungen und Sanktionen in den globalen Handelsstreitigkeiten, sowie einem tiefgreifenden Strukturwandel in der Autoindustrie. \u201eDiese drei Entwicklungen waren ma\u00dfgeblich daf\u00fcr verantwortlich, dass Auftragseing\u00e4nge und Produktion im Jahr 2019 deutlich unter das Vorjahresniveau gerutscht sind\u201c, sagte VDMA-Pr\u00e4sident Carl Martin Welcker auf der Jahrespressekonferenz des Verbands in Frankfurt.<\/p>\n<p>Die Produktion im deutschen Maschinenbau sank in den ersten zehn Monaten des Jahres um real 1,8 Prozent zum Vorjahr, die Auftragseing\u00e4nge gingen im selben Zeitraum um 9 Prozent zur\u00fcck. Die Kapazit\u00e4tsauslastung lag im Oktober mit 83,9 Prozent unter dem langj\u00e4hrigen Durchschnitt von 86,2 Prozent. \u201eUnsere Industrie steckt nicht in einer Krise, aber viele unserer Kunden sind verunsichert und verschieben oder stoppen derzeit ihre Investitionen. Wir werden 2019 daher voraussichtlich mit einem Produktionsminus von 2 Prozent auf rund 218 Milliarden Euro abschlie\u00dfen\u201c, sagte Welcker.<\/p>\n<p><strong>2020 noch kein neuer Schwung in Sicht<\/strong><br \/>\nF\u00fcr das kommende Jahr rechnen die VDMA-Volkswirte nach wie vor mit einem weiteren Produktionsr\u00fcckgang von real 2 Prozent. Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Die Auftragsb\u00fccher werden sich, positivere Gesch\u00e4ftsklimadaten vorausgesetzt, erst im Laufe des Jahres wieder f\u00fcllen. Aufgrund technisch bedingter Durchlaufzeiten werden diese Auftr\u00e4ge nicht vor dem zweiten Halbjahr wieder zu Produktionswachstum f\u00fchren. Voraussetzung daf\u00fcr ist, dass sich insbesondere der Handelskrieg zwischen den USA und China nicht weiter versch\u00e4rft. \u201eDie aktuell zu beobachtende konjunkturelle Entspannung in Deutschland und auf wichtigen Auslandsm\u00e4rkten ist nicht viel mehr als ein Ende des Abw\u00e4rtsprozesses. Sie kann eine leichte Belebung im Jahresverlauf 2020 einleiten und hoffentlich wird sie das auch. F\u00fcr eine Entwarnung ist es aber zu fr\u00fch, denn die weltwirtschaftliche Entwicklung wird nach wie vor durch ein hohes Ma\u00df an Unsicherheit belastet\u201c, sagte der VDMA-Pr\u00e4sident.<\/p>\n<p><strong>Gute Besch\u00e4ftigungslage kommt unter Druck<\/strong><br \/>\nAuch die gute Besch\u00e4ftigungslage im deutschen Maschinenbau k\u00f6nnte somit unter Druck geraten. Im September 2019 waren es insgesamt 1,073 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Unternehmen mit mehr als 50 Besch\u00e4ftigten, plus 0,6 Prozent zum Vorjahr. Damit bleibt der Maschinenbau gr\u00f6\u00dfter industrieller Arbeitgeber in Deutschland und ist zugleich auch wichtigster Ingenieur-Arbeitgeber. Hier wurde zuletzt ein Rekordwert von 200.000 im Maschinenbau besch\u00e4ftigten Ingenieurinnen und Ingenieuren erreicht. \u201eWir m\u00fcssen aber davon ausgehen, dass wir den H\u00f6chststand der Besch\u00e4ftigung gesehen haben. Die Unternehmen werden zwar alles tun, um ihre Fachkr\u00e4fte auch in schwierigen Zeiten zu halten &#8211; aber ob das jedem gelingt, ist fraglich. Bisher profitierten zahlreiche Unternehmen noch von Auftragsbest\u00e4nden. Doch die Decke wird d\u00fcnner. Jeder dritte Betrieb, exakt 35 Prozent, klagen inzwischen \u00fcber Auftragsmangel\u201c, sagte Welcker.<\/p>\n<p><strong>Lob und Kritik f\u00fcr die Industriestrategie 2030<\/strong><br \/>\nDer VDMA bewertet die von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier j\u00fcngst vorgelegte Industriestrategie 2030 im Grundsatz positiv. \u201eDer Minister hat die Kritik aus der Industrie geh\u00f6rt und gr\u00f6\u00dftenteils ber\u00fccksichtigt. Er bekennt sich zu Wettbewerb und Sozialer Marktwirtschaft\u201c, lobte Welcker. Positiv zu werten sei auch das Bekenntnis zu offenen M\u00e4rkten und Technologieneutralit\u00e4t. \u201eWir stimmen insbesondere dem Bekenntnis f\u00fcr technologieoffene Mobilit\u00e4tsans\u00e4tze zu, von der Verbesserung des Verbrennungsmotors \u00fcber Power-to-X bis hin zu batterieelektrischen Antriebsformen\u201c, sagte der VDMA-Pr\u00e4sident. Jetzt m\u00fcsse die Regierung aber auch liefern. Die Maschinenbauer fordern in der Steuerpolitik die komplette Abschaffung des Solidarit\u00e4tszuschlags sowie eine dauerhafte Einf\u00fchrung der degressiven Abschreibung auf alle Wirtschaftsg\u00fcter. Au\u00dferdem sollte die Regierung die Besteuerung einbehaltener Gewinne bei Personengesellschaften auf maximal 25 Prozent beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>\u201eDar\u00fcber hinaus muss die Entsendung von Arbeitnehmern ins europ\u00e4ische Ausland dringend wieder deutlich vereinfacht werden. Hier wurde mit nationalen Umsetzungen der EU-Entsenderichtlinie ein B\u00fcrokratiemonster geschaffen, das den Mittelstand sch\u00e4digt\u201c, warnte Welcker. Keine Zustimmung erh\u00e4lt der Wirtschaftsminister f\u00fcr den Plan, eine staatliche Beteiligungsfazilit\u00e4t \u2013 den Zukunftsfonds Deutschland \u2013 zu schaffen. \u201eDer Staat ist nicht der bessere Unternehmer, das wissen wir aus langj\u00e4hriger Erfahrung\u201c, betonte der VDMA-Pr\u00e4sident. \u201eAuch die geplante Versch\u00e4rfung der Investitionskontrolle bei \u00dcbernahmen aus Drittstaaten durch die Einf\u00fchrung des Kriteriums ,kritische Technologien\u2018 lehnen wir ab. So sind zum Beispiel Roboter per se nicht sicherheitsrelevant.\u201c<\/p>\n<p><strong>Klares Bekenntnis zur Schuldenbremse und der \u201eschwarzen Null\u201c<\/strong><br \/>\nDer VDMA bekennt sich &#8211; zusammen mit anderen gro\u00dfen Industrieverb\u00e4nden und der Mehrheit im Sachverst\u00e4ndigenrat &#8211; zur Einhaltung der Schuldenbremse und zur \u201eschwarzen Null\u201c. Denn die Investitionsschw\u00e4che in Deutschland liegt nicht an zu geringen Staatseinnahmen. Ausgeglichene Haushalte hindern die Politik auch nicht daran, bestehende Barrieren f\u00fcr Investitionen abzubauen, sprich: lange Planungsverfahren zu verk\u00fcrzen, die Infrastruktur auszubauen oder die ineffiziente Netzregulierung zu verbessern. \u201eWer jetzt die schwarze Null oder gar die Schuldenbremse in Frage stellt, spielt mit dem Feuer, weil eine Abkehr von der bisherigen Politik neue Belastungen f\u00fcr k\u00fcnftige Generationen bedeutet\u201c, mahnte Welcker. Das Motto der Gro\u00dfen Koalition m\u00fcsse vielmehr lauten: \u201eInvestitionsbremsen l\u00f6sen statt Geldhahn aufdrehen!\u201c<\/p>\n<p><strong>Staat darf nicht noch weiter in die Tarifautonomie eingreifen<\/strong><br \/>\nEbenso wichtig ist nach Ansicht der Maschinenbauer, dass die Regierung ihre Pl\u00e4ne einstellt, noch st\u00e4rker in die Tarifautonomie einzugreifen. \u201eDen Vorschlag des Bundesarbeitsministers, tarifgebundene Unternehmen zu privilegieren, lehnen wir entschieden ab\u201c, betonte der VDMA-Pr\u00e4sident. Schon jetzt sind nur noch 29 Prozent der Unternehmen im Maschinenbau in einem Fl\u00e4chentarifvertrag gebunden. Viel hilfreicher w\u00e4re mit Blick auf die schwache Konjunktur dagegen, jetzt Regeln f\u00fcr die Kurzarbeit zu beschlie\u00dfen, die den Betrieben bereits in der Krise 2008\/09 geholfen haben. Denn die Zahl der Kurzarbeiter im Maschinenbau hat sich in den vergangenen Monaten sp\u00fcrbar erh\u00f6ht. Waren im Mai 2019 erst 6.400 Personen davon betroffen, zeigten die Unternehmen im September bereits 14.500 Personen in Kurzarbeit an. \u201eWir fordern daher beispielsweise eine Ausweitung der Kurzarbeit auf 24 Monate. Und bereits jetzt sollten M\u00f6glichkeiten geschaffen werden, dass die Bundesagentur f\u00fcr Arbeit wieder die Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge \u00fcbernimmt, wenn die Betriebe zugleich ihre Mitarbeiter weiterbilden. Dies darf jedoch nicht zu einer Ausweitung der Mitbestimmung und der staatlichen Einflussnahme f\u00fchren\u201c, erl\u00e4uterte Welcker.<\/p>\n<p><strong>Die neue EU-Kommission und ihr Green Deal<\/strong><br \/>\nVon der neuen EU-Kommission unter der Pr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen erwarten die Maschinenbauer, dass sie die Bedeutung des industriellen Mittelstands anerkennt und in den Fokus ihrer Politik r\u00fcckt. \u201eEs ist gut, dass die neue Kommission endlich im Amt ist und beginnen kann, die vielf\u00e4ltigen Herausforderungen Europas anzupacken. Aber die Industrie darf nicht nur als Erf\u00fcllungsgehilfe f\u00fcr andere Ziele betrachtet werden. Die EU muss gerade jetzt die Belastungen f\u00fcr die Unternehmen konsequent abbauen und so endlich die Freir\u00e4ume schaffen, die wir brauchen, um innovative und wettbewerbsf\u00e4hige L\u00f6sungen zu schaffen\u201c, betonte Welcker. Gefordert sei die Kommission, den Binnenmarkt endlich zu vollenden &#8211; und zum Beispiel europaweite digitale Gesch\u00e4ftsmodelle zu erm\u00f6glichen. \u201eDazu darf es nicht zu einer vorschnellen \u00dcberregulierung oder einer zu weitgehenden Haftungsregulierung f\u00fcr solche digitalen Gesch\u00e4ftsmodelle kommen\u201c, betonte der VDMA-Pr\u00e4sident.<\/p>\n<p>Den Fokus der neuen Kommission auf Klimaschutz und einen European Green Deal h\u00e4lt der VDMA im Grundsatz f\u00fcr richtig. Denn der Maschinenbau liefert oder entwickelt die Technologien, um den Klimawandel zu bek\u00e4mpfen. \u201eEs gibt keinen Klimaschutz ohne Maschinenbau\u201c, betonte Welcker. Aber: \u201eDer Green Deal muss mit marktwirtschaftlich basierten Instrumenten gesteuert werden, es darf kein neues Umverteilungs- und B\u00fcrokratiemonster werden.\u201c Daher d\u00fcrfe es keine Ausweitung der Non-Financial-Reporting-Directive auf mittelst\u00e4ndische Unternehmen geben, und eine CO<sub>2<\/sub>-Grenzsteuer d\u00fcrfe auf keinen Fall neue b\u00fcrokratischen H\u00fcrden aufstellen, die den Freihandel behindern. Positiv an den Green Deal-Pl\u00e4nen der Kommission sei dagegen, dass Energietr\u00e4ger nach Ihrem CO<sub>2<\/sub>-Gehalt bepreist werden sollen, sowie die vorgesehene Fokussierung auf den Zertifikatehandel als Marktpreisinstrument.<\/p>\n<p><strong>USA h\u00e4ngen China in der Exportrangliste ab<\/strong><br \/>\nDie Exporte der Maschinenbauer aus Deutschland legten in den ersten neun Monaten 2019 insgesamt um nominal 0,6 Prozent zum Vorjahr auf 134,6 Milliarden Euro zu. Der wichtigste Absatzmarkt war weiterhin <strong>USA<\/strong> (plus 6,2 Prozent auf 15 Milliarden Euro). Das Gesch\u00e4ft mit <strong>China<\/strong> (Platz 2 der Exportrangliste) schrumpfte dagegen um 0,7 Prozent auf 14,1 Milliarden Euro. Hier zeigten sich die Folgen des schw\u00e4cheren Binnenwachstums der Volksrepublik sowie des Handelskriegs mit den Vereinigten Staaten. Die Ausfuhren in die USA konnten dagegen noch von den Impulsen der dortigen Unternehmenssteuerreform profitieren, allerdings rechnen die VDMA-Volkswirte mit weniger Dynamik im US-Wachstum 2020. Deutliche Auswirkungen zeigt inzwischen auch die immer wieder verschobene Brexit-Entscheidung, die Exporte ins <strong>Vereinigte K\u00f6nigreich<\/strong> gingen um 4,8 Prozent auf knapp 5,7 Milliarden Euro zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Damit rutscht das Land auf Platz sechs in der Rangliste ab. In die Nachbarl\u00e4nder der <strong>Europ\u00e4ischen Union<\/strong> insgesamt exportierten die Maschinenbauer aus Deutschland in den ersten neun Monaten Waren im Wert von 64,6 Milliarden Euro \u2013 ein Plus von 1,1 Prozent zum Vorjahr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Maschinenbauer aus Deutschland m\u00fcssen sich in einem zunehmend schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld behaupten. 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