{"id":18438,"date":"2020-01-09T14:41:55","date_gmt":"2020-01-09T13:41:55","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=18438"},"modified":"2020-01-09T14:41:55","modified_gmt":"2020-01-09T13:41:55","slug":"euler-hermes-insolvenzstudie-in-vier-von-fuenf-laendern-fuer-2020-mehr-pleiten-erwartet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=18438","title":{"rendered":"Euler Hermes Insolvenzstudie: In vier von f\u00fcnf L\u00e4ndern f\u00fcr 2020 mehr Pleiten erwartet"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li><strong>Weltweite Insolvenzen steigen 2020 um weitere 6%, Chile mit st\u00e4rkstem Anstieg<\/strong><\/li>\n<li><strong>Schw\u00e4chelnde Weltwirtschaft, politische Unsicherheiten und Handelskonflikte als Ursache<\/strong><\/li>\n<li><strong>In vier von f\u00fcnf L\u00e4ndern weltweit nehmen Insolvenzen zu, Brasilien gro\u00dfe Ausnahme (-3%)<\/strong><\/li>\n<li><strong>Westeuropa +3%: Deutschland erstmals wieder mit Zuwachs (+3%), Frankreich gegen den weltweiten Trend (0%)<\/strong><\/li>\n<li><strong>USA und Kanada erstmals seit vielen Jahren wieder mit Anstieg (+4% und +5%) sowohl 2019 als auch 2020<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Neues Jahr, neues Gl\u00fcck? Was die Entwicklung von Exportrisiken und weltweiten Insolvenzen angeht, ist auch 2020 keine Trendwende in Sicht. Die weltweiten Pleiten sind weiter auf dem Vormarsch \u2013 zum vierte Mal in Folge. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Studie des weltweit f\u00fchrenden Kreditversicherers Euler Hermes. Die Experten der Allianztochter gehen davon aus, dass 2020 weltweit rund 6% mehr Insolvenzen mit sich bringt. Das bedeutet zwar eine etwas langsamere Zunahme als noch 2019 (+9%), allerdings daf\u00fcr praktisch \u00fcberall auf der Welt.<\/p>\n<p>\u201eIn vier von f\u00fcnf L\u00e4ndern steigen 2020 voraussichtlich die Pleitef\u00e4lle an\u201c, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz. \u201e2019 war der Zuwachs zwar insgesamt h\u00f6her, aber daf\u00fcr waren im vergangenen Jahr nur zwei von drei L\u00e4nder von steigenden Insolvenzen betroffen. Das bedeutet, dass Exportrisiken praktisch \u00fcberall lauern \u2013 einen &#8216;sicheren Hafen&#8217; gibt es kaum noch.\u201c<\/p>\n<p><strong>Ursachenforschung: Anhaltende Konjunkturschw\u00e4che, politische und soziale Unsicherheiten<\/strong><\/p>\n<p>Die Ursachen f\u00fcr den anhaltenden Anstieg der weltweiten Insolvenzen sieht Euler Hermes dabei in der anhaltenden Konjunkturschw\u00e4che, insbesondere in den Industriestaaten und dem produzierenden Gewerbe. Die schwache Nachfrage hat die Lagerbest\u00e4nde vielerorts steigen lassen und zu \u00dcberkapazit\u00e4ten gef\u00fchrt, vor allem in der Automobilindustrie. Auch die weiter nachhallenden Folgen aus Handelskonflikten, politischen Unsicherheiten und sozialen Spannungen werden die Unternehmen 2020 in Atem halten.<\/p>\n<p>\u201eBeim schw\u00e4chelnden Welthandel sehen wir 2020 keine wirkliche Entspannung\u201c, sagt Van het Hof. \u201eMit +1,7% d\u00fcrfte das Wachstum in diesem Jahr eher mager ausfallen und Protektionismus ist das &#8216;neue Normal&#8217;, auf das sich Unternehmen einstellen m\u00fcssen. Zwar profitieren Betriebe weiterhin von der anhaltend expansiven Geldpolitik \u2013 allerdings m\u00fcssen sie sich im Gegenzug auf einen st\u00e4rkeren Preiskampf durch die schwache Nachfrage einstellen. Teilweise kommen h\u00f6here Material- und Produktionskosten hinzu, die an die Margen gehen. Die hohen Fixkosten und Lagerbest\u00e4nde sind f\u00fcr manche Unternehmen eine schwere Last, der in einer Vielzahl von L\u00e4ndern nicht alle standhalten k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p><strong>China weiterhin im Keller \u2013 aber rote Laterne geht erstmals an Chile mit 21% Zuwachs<\/strong><\/p>\n<p>China reicht 2020 die rote Laterne nach drei Jahren an Chile weiter. F\u00fcr S\u00fcdamerikaner d\u00fcrften im laufenden Jahr Insolvenzen um 21% zunehmen. Nach Chile, der Slowakei (+12%) und Indien (+11%) ist China allerdings auch weiterhin am ganz unteren Ende des Rankings zu finden. Im Reich der Mitte erwarten die Volkswirte f\u00fcr 2020 eine weitere Pleitewelle und einen Anstieg der Fallzahlen um erneut 10% (nach einem bereits massiven Anstieg um rund 20% im vergangenen Jahr), ebenso wie in Singapur (+10%) und Hongkong (+9%).<\/p>\n<p><strong>Europa: Verbreitet mehr Insolvenzen \u2013 auch in Deutschland. Frankreich pl\u00f6tzlich Klassenbester<\/strong><\/p>\n<p>Auch in Westeuropa steigen die Insolvenzen 2020 um voraussichtlich 3% an (2019: 2%). Viele L\u00e4nder wachsen in Zeiten der Konjunkturflaute langsamer, als es notwendig w\u00e4re, um die Insolvenzen stabil zu halten. In Westeuropa hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass diese Schwelle bei einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 1,7% liegt. Zum Insolvenzanstieg in Europa tragen insbesondere D\u00e4nemark (+6%), Spanien, die Niederlande und Irland (jeweils +5%) sowie Italien (+4%) bei. Aber auch Gro\u00dfbritannien sieht im Brexit-Sog einen erneuten Zuwachs von rund 3% bei den Pleiten entgegen. Erstmals reiht sich nach zehn Jahren voraussichtlich auch Deutschland wieder in diesen Reigen ein, mit ebenfalls 3% mehr Pleiten als noch im vergangenen Jahr. R\u00fchmliche Ausnahme in Europa sind ausgerechnet die franz\u00f6sischen Nachbarn, f\u00fcr die die Volkswirte 2020 nach langen wirtschaftlich eher schwierigen Zeiten eine Stagnation der Insolvenzen prognostizieren.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt drei Gr\u00fcnde, warum Frankreich pl\u00f6tzlich mit vorne liegt\u201c, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt von Allianz und Euler Hermes. \u201eZum einen hat das Land wichtige \u00f6konomische Entscheidungen getroffen. Zum anderen zahlt sich das rund 17 Milliarden Euro schwere Konjunkturpaket mit Steuererleichterungen f\u00fcr Rentner aus, das Pr\u00e4sident Macron im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht hat, um die &#8216;Gelbwesten&#8217; wieder von der Stra\u00dfe zu holen. Dies hat den privaten Konsum angekurbelt. Zu guter Letzt profitiert die franz\u00f6sische Wirtschaft in Zeiten von Handelskonflikten und schw\u00e4chelndem Welthandel auch von einer weitaus geringeren Exportabh\u00e4ngigkeit als beispielsweise Deutschland.\u201c<\/p>\n<p><strong>Brasilien schafft nach 8 Jahren Trendwende und mausert sich zum Klassenprimus<\/strong><\/p>\n<p>Auch weltweit ist der Klassenprimus bei der Insolvenzentwicklung durchaus \u00fcberraschend: F\u00fcr Brasilien erwartet Euler Hermes gegen den weltweiten Trend voraussichtlich 3% weniger Pleiten als 2019, gleichauf mit Ungarn (-3%). Auch Griechenland und Litauen (jeweils -2%) sowie Neuseeland, Polen, Norwegen, Luxemburg und eben Frankreich (alle 0%) k\u00f6nnen sich der allgemeinen Entwicklung entziehen.<\/p>\n<p>Die USA und Kanada verzeichnen 2019 und auch 2020 hingegen eine Trendwende ins Negative. Seit 2010 waren die Pleiten in den USA jedes Jahr r\u00fcckl\u00e4ufig. Erst 2019 und 2020 kommt es hier mit +3% und +4% wieder zu einem Zuwachs. In Kanada zeigten Insolvenzen sogar bereits seit 2002 einen stetigen Abw\u00e4rtstrend vor dem nun erwarteten Anstieg um jeweils 5% im Jahr 2019 und 2020.<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfinsolvenzen: Ums\u00e4tze und damit Sch\u00e4den f\u00fcr die Lieferkette steigen drastisch an<\/strong><\/p>\n<p>Beunruhigend ist auch die Entwicklung bei den Gro\u00dfinsolvenzen bei Unternehmen mit einem Umsatz oberhalb der 50-Millionen-Euro-Grenze. In den ersten neun Monaten 2019 sind diese weltweit zwar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (248) nur um einen Fall auf 249 gestiegen. Allerdings sind die Ums\u00e4tze der insolventen Gro\u00dfunternehmen auf \u00fcber 145 Milliarden Euro (Mrd. EUR) geklettert (106 Mrd. EUR). Damit liegen diese mehr als 39 Mrd. EUR und rund 38% h\u00f6her als noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres.<\/p>\n<p>\u201eDer Dominoeffekt bei Gro\u00dfinsolvenzen auf die Lieferkette ist meist sehr gro\u00df\u201c, sagt Van het Hof. \u201eJe h\u00f6her die Ums\u00e4tze der Pleitekandidaten, desto gr\u00f6\u00dfer die Sch\u00e4den bei den einzelnen Lieferanten. Deshalb sollte man sich von gro\u00dfen Namen nicht t\u00e4uschen lassen.\u201c<\/p>\n<p>Gerade in Deutschland hat es zuletzt zahlreiche namhafte Gro\u00dfunternehmen getroffen, manche von ihnen bereits zum zweiten Mal. Der Anstieg der gro\u00dfen Insolvenzen lag in Deutschland in den ersten neun Monaten bei 42% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bei den Ums\u00e4tzen war der Anstieg mit +81% auf rund 339 Mio. EUR noch dramatischer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neues Jahr, neues Gl\u00fcck? 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