{"id":19197,"date":"2020-02-18T07:49:30","date_gmt":"2020-02-18T06:49:30","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=19197"},"modified":"2020-02-17T15:50:47","modified_gmt":"2020-02-17T14:50:47","slug":"45-prozent-weniger-erstsemester-fuer-die-kunststoffverarbeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=19197","title":{"rendered":"45 Prozent weniger Erstsemester f\u00fcr die Kunststoffverarbeitung"},"content":{"rendered":"<p>Diesen R\u00fcckgang der Erstsemester f\u00fcr die Studienf\u00e4cher Kunststofftechnik\/Kunststoffverarbeitung f\u00f6rderte eine kurzfristig angesetzte GKV\/TecPart-Erhebung Anfang Dezember zu Tage.<\/p>\n<p>Angeschrieben wurden insgesamt 33 Universit\u00e4ten und Fachhochschulen in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz, die ein Studium in den F\u00e4chern Kunststofftechnik und Kunststoffverarbeitung anbieten, entweder als eigenst\u00e4ndigen Studiengang oder als Vertiefungsrichtung, etwa innerhalb eines Maschinenbaustudiums. Angefragt wurde die Anzahl der Studierenden bzw. der Erstsemester jeweils zu Studienbeginn in den letzten drei Jahren. Der R\u00fcckgang von Studierenden, der sich aus dem Vergleich des Durchschnitts der Jahre 2017 und 2018 zu 2019 ergibt, ist durchweg negativ, startet bei minus 25 Prozent und liegt absolut bei 45% weniger Erstsemestern!<\/p>\n<p>Besonders betroffen von dem dramatischen R\u00fcckgang waren die Hochschulen, die den Studiengang Kunststofftechnik bzw. -verarbeitung eigenst\u00e4ndig anbieten. Etwas besser sieht es aus, wenn die Kunststofftechnik als Vertiefungsschwerpunkt angeboten wird.<\/p>\n<p>Das Institut f\u00fcr Kunststofftechnik (IKT) berichtet von hoher Nachfrage der Studierenden, bis zu 80 Masterarbeiten werden pro Jahr eingereicht. Dennoch ist auch in Stuttgart im Vergleich zu 2016 die Studierendenzahl in 2019 um 25 Prozent zur\u00fcckgegangen. Die derzeit rund 450 Studierenden, die sich die Grundlagenvorlesung Kunststofftechnik anh\u00f6ren, setzen sich aus einer Bandbreite verschiedener Studieng\u00e4nge zusammen. Kunststofftechnik kann dort nur und erst im Masterstudiengang als Vertiefungsmodul oder Spezialisierungsfach gew\u00e4hlt werden. Die FAU Erlangen mit Kunststofftechnik als Vertiefungsschwerpunkt des Maschinenbaus konstatiert noch Schwankungen in den Anmeldezahlen, allerdings ohne diese schon als Negativ-Trend zu bewerten.<\/p>\n<p>Im Gesamtvergleich der Hochschullandschaft sind die kunststoffbezogenen Studieng\u00e4nge deutlich unterrepr\u00e4sentiert. Professor Thomas Seul, Hochschule Schmalkalden, sieht entschiedenen Handlungsbedarf bei den Lehrinstituten selbst: \u201eIm Vergleich zu ingenieurwissenschaftlichen Studieng\u00e4ngen (\u2026), werden Studieng\u00e4nge, die speziell auf die Kunststoffbranche zugeschnitten sind, in viel zu geringer Anzahl angeboten. Dies gilt f\u00fcr alle Hochschultypen. Es ist ein gro\u00dfer Unfug, diesbez\u00fcglich regionale Wettbewerbsstrukturen der Hochschulen untereinander auszuleben. Die Branche braucht jede verf\u00fcgbare Lehr- und Forschungsinstitution, um die Bedarfe zu decken.<br \/>\nGefragt sind hier nicht partikulare, regionale Interessen, sondern die kooperative Zusammenarbeit im Sinne der Studierendengewinnung.\u201c<\/p>\n<p>Proaktives Vorgehen der Hochschulen und die Differenzierung des Ansatzes ist gefragt: \u201eWenn den jungen Menschen interessante und lohnenswerte Karrierem\u00f6glichkeiten aufgezeigt werden, die nachhaltig wirken, ist schon mal ein gro\u00dfer Schritt in Richtung \u00dcberzeugung f\u00fcr die Studienwahl Kunststofftechnik\/Kunststoffverarbeitung getan. Den Fokus auf die klassische Metallverarbeitung im Vergleich zur Kunststoffverarbeitung zu legen ist nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df und entspricht auch nicht mehr der wirtschaftlichen Marktsituation. Wer bei Kunststofftechnik und -verarbeitung nur in chemischen Strukturen denkt, hat die Vielf\u00e4ltigkeit der Branche nicht verstanden. Chemie liegt nicht jedem, Technik und Ingenieurbegeisterung jedoch dagegen vielen. Das ist ein Ansatz. Und auch ein Argument der \u00dcberzeugung\u201c, so Professor Seul.<\/p>\n<p>Der Worst-Case kann, mangels Studierendenzahlen, sogar das generelle Ende der Eigenst\u00e4ndigkeit des Studiengangs der Kunststoffverarbeitung\/Kunststofftechnik bedeuten, wie uns seitens einer weiteren Hochschule mitgeteilt wurde. Dass eine direkte Nachfrage nach qualifizierten Nachwuchskr\u00e4ften f\u00fcr die Kunststoffverarbeitung seitens der Industrie die Lehrinstitute bereits vor massive Probleme stellt, ist bereits eine traurige Tatsache.<\/p>\n<p>Auch au\u00dferhalb der Lehrinstitute wird die Suche nach Auszubildenden im Lehrberuf des Verfahrensmechanikers f\u00fcr Kunststoff- und Kautschuktechnik f\u00fcr die Unternehmen immer schwieriger. Die Zahl der neuabgeschlossenen Ausbildungsvertr\u00e4ge ging laut GKV 2018 abermals gegen\u00fcber dem Vorjahr um 0,9 Prozent zur\u00fcck. Verglichen mit den Zahlen der Studieng\u00e4nge ist dies als robuste Entwicklung zu werten.<\/p>\n<p>Professor Tobias Walcher, Hochschule Aalen, bringt das Gebot der Stunde f\u00fcr die Branche und deren Interessenvertretung auf den Punkt: \u201eUnseres Erachtens sollte[n] der Verband [und die] kunststofftechnische Industrie \u00fcber alle Facetten der Kunststofftechnik informieren und die Notwendigkeit der Kunststofftechnik f\u00fcr alle Bereiche des Lebens darstellen.\u201c<\/p>\n<p>Michael Weigelt, Verbandsgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des GKV\/TecPart, best\u00e4tigt diese Notwendigkeit, \u201edie aber auch einen h\u00f6heren Organisationsgrad der Branche erfordert. Derzeit finanzieren die Arbeit f\u00fcr das Kunststoffimage \u00fcber die GKV-Tr\u00e4gerverb\u00e4nde nur ein Drittel der in Deutschland registrierten Unternehmen. GKV\/TecPart, die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen und auch PlasticsEurope haben auf ihren Mitgliederversammlungen dazu ein Sonderbudget beschlossen, um eine Kampagne zu finanzieren, die deutlich macht, welche wichtige Rolle klimafreundliche Kunststoffprodukte f\u00fcr die CO2-Reduzierung haben. Um dies umsetzen zu k\u00f6nnen, braucht es dringend Fachkr\u00e4fte, die auch zuk\u00fcnftig noch die wichtigen Innovationen und damit die notwendigen Produkte entwickeln und umsetzen k\u00f6nnen\u201c. Diese Kampagne k\u00f6nnen alle Unternehmen in der Wertsch\u00f6pfung mit einer Mitgliedschaft in einem der Tr\u00e4gerverb\u00e4nde des GKV f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Weigelt betont, dass es wichtig ist, das hier etwas passiert, denn \u201esonst verfestigen sich Aussagen von Umweltverb\u00e4nden, die eine radikale Reduzierung von Kunststoffprodukten fordern, ohne sich jedoch Gedanken \u00fcber die CO2-Emmisionen der Alternativprodukte gemacht zu haben.\u201c<\/p>\n<p>Zudem muss wieder st\u00e4rker ins Bewusstsein r\u00fccken, dass Digitalisierung, Leichtbau, Geb\u00e4udeisolierung, Landwirtschaft, Operationen, Beleuchtung, Automobilbau und eben auch Verpackungen ohne Kunststoffe nicht oder nur mit erheblich mehr CO2-Emisionen zu haben sind. Weigelt schlie\u00dft mit der provokanten These, \u201edass das Klima sich wegen h\u00f6herer CO2-Emissionen \u00e4ndert, nicht wegen mehr Kunststoffm\u00fcll! Und Kunststoffm\u00fcll ist ein Wertstoff \u2013 was wir in Deutschland t\u00e4glich durch eine Verwertungsquote von 99 Prozent und steigende Rezyklatanteile in den Produkten nachweisen. Weitere Innovationen werden folgen, wenn wir die Jugend wieder mit Argumenten und Emotionen erreichen und sie f\u00fcr eine Ausbildung mit dem Werkstoff des 21. Jahrhunderts begeistern k\u00f6nnen!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angeschrieben wurden insgesamt 33 Universit\u00e4ten und Fachhochschulen in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz, die ein Studium&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6917,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-19197","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19197","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19197"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19197\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19198,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19197\/revisions\/19198"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6917"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19197"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19197"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19197"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=19197"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}