{"id":20899,"date":"2020-05-25T08:13:12","date_gmt":"2020-05-25T06:13:12","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=20899"},"modified":"2020-05-25T08:13:46","modified_gmt":"2020-05-25T06:13:46","slug":"leichte-bauteile-in-schweren-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=20899","title":{"rendered":"Leichte Bauteile in schweren Zeiten"},"content":{"rendered":"<p>Seit Monaten sind Motorsportler weltweit coronabedingt keinen Meter gefahren. Zumindest nicht auf einer<br \/>\nRennstrecke. Das gilt auch f\u00fcr den Reutlinger Rennstall Four Motors und dessen prominentestes Teammitglied,<br \/>\nMusiker Smudo. W\u00e4hrend die Fahrer zun\u00e4chst bei der digitalen N\u00fcrburgring Langstrecken-Serie im SimRacing<br \/>\nantreten, gehen die technischen Entwicklungen des Teams ungebremst weiter. Schon heute zeichnet sich ab,<br \/>\ndass diese Entwicklungen auch die automobile Zukunft nachhaltig mitgestalten werden. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn das vor rund 20 Jahren gestartete Motorsportprojekt spielt eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung nachhaltiger Mobilit\u00e4t im Rennsport und dar\u00fcber hinaus. Eine zentrale S\u00e4ule stellt dabei der Einsatz von ultraleichten Bioverbundwerkstoffen dar, die mit finanzieller F\u00f6rderung des Bundesministeriums f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) \u00fcber dessen Projekttr\u00e4ger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) durch das Anwendungszentrum f\u00fcr Holzfaserforschung HOFZET im Fraunhofer-Institut f\u00fcr Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut WKI, entwickelt werden.<\/p>\n<p>Begleitet wird das Projekt von Porsche Motorsport, die f\u00fcr die Produktion der pflanzenbasierten<br \/>\nBauteile verantwortlich zeichnen. Im Rahmen des auf drei Jahre angelegten F\u00f6rderprojekts des<br \/>\nBMEL kommen dabei die Fasern der Leinpflanze zum Einsatz. Die Materialingenieure in Hannover<br \/>\nverwenden dieses Flachsgewebe, da es gut verf\u00fcgbar, zugfest, besonders fein, homogen, flexibel<br \/>\nund drapierf\u00e4hig ist. Das sorgt daf\u00fcr, dass sich der Stoff den Bauteilformen gut anpasst. Ein Vorteil<br \/>\nim \u00dcbrigen, der besonders im Vergleich zu Kohlefasergeweben positiv ins Gewicht f\u00e4llt. So entstehen<br \/>\nbeim Flachsgewebe exakte Kanten, die f\u00fcr die Ma\u00dfhaltigkeit und Qualit\u00e4t der Bauteile wichtig sind.<br \/>\nDas Projekt der Fraunhofer WKI-Forscher gliedert sich in drei Arbeitspakete: die technische, die<br \/>\n\u00f6kologische und die \u00f6konomische Bewertung, die systematisch aufeinander aufbauen. W\u00e4hrend des<br \/>\nProjekts werden T\u00fcren, Heckfl\u00fcgel und Fronthaube aus Pflanzenfasern an einen Porsche Cayman<br \/>\nGT 4 Clubsport von Four Motors montiert und \u00fcber die Rennsaison evaluiert. So sorgen Smudo und<br \/>\nsein Team daf\u00fcr, dass die biobasierten Werkstoffe nicht nur im Labor, sondern auch unter den<br \/>\nHochleistungs- und Extrembedingungen des Rennsports auf ihre Serientauglichkeit getestet werden.<br \/>\nDurch die Zusammenarbeit mit der Porsche AG kann die Entwicklung zudem unter den realen<br \/>\nBedingungen eines Automobilherstellers erfolgen. Die mechanische Charakterisierung der<br \/>\nBiowerkstoffe und die Gegen\u00fcberstellung verschiedener Fertigungsverfahren dienen dazu, das<br \/>\nPotenzial einer m\u00f6glichen Serienfertigung aufzuzeigen. F\u00fcr die \u00f6kologische und \u00f6konomische<br \/>\nBetrachtung werden zus\u00e4tzliche Daten \u00fcber die gesamte Lebenszeit eines Bauteils zur Erstellung<br \/>\neiner Lebenszyklusanalyse (LCA) ermittelt.<\/p>\n<p>Besondere Relevanz bei der Bewertung des Projekts hat zwangsl\u00e4ufig die Frage, ob Bauteile aus<br \/>\nPflanzenfasern im Wettbewerb mit g\u00e4ngigen Verbundwerkstoffen bestehen k\u00f6nnen, allen voran den<br \/>\nim Automobilbau und insbesondere im Rennsport fest etablierten Kohlefaserverbundwerkstoffen,<br \/>\nbesser bekannt als Carbon. F\u00fcr Forscher Ren\u00e9 Schaldach, beim Fraunhofer WKI operativ f\u00fcr das<br \/>\nProjekt verantwortlich, sprechen einige grundlegende Aspekte bereits vor Abschluss des Vorhabens<br \/>\nf\u00fcr eine positive Entwicklung und st\u00e4rkere Verbreitung der Pflanzenbauteile: \u201eDie von uns<br \/>\nentwickelten biogenen Verbundwerkstoffe erf\u00fcllen einige Anspr\u00fcche, die unabh\u00e4ngig von den<br \/>\ntechnologischen Aspekten derzeit immer gr\u00f6\u00dfere Bedeutung erlangen. So sind die Rohstoffkosten<br \/>\nvergleichsweise g\u00fcnstig und der produktionsbedingt geringere Energieverbrauch sorgt f\u00fcr einen sehr<br \/>\nkleinen CO2-Fu\u00dfabdruck. Auch die Tatsache, dass die Bauteile nach ihrem Gebrauch nahezu CO2-<br \/>\nneutral und r\u00fcckstandsfrei thermisch verwertet werden k\u00f6nnen, tr\u00e4gt ganz sicher dazu bei, dass diese<br \/>\nWerkstoffe verst\u00e4rkt Eingang in die Serienproduktion finden werden. Von ihren reinen<br \/>\nMaterialeigenschaften her betrachtet spricht da jedenfalls nichts dagegen\u201c, so Schaldach.<\/p>\n<p>Die Frage, ob die Bauteile auch im praktischen Einsatz \u00fcberzeugen k\u00f6nnen, beantwortet Thomas<br \/>\nvon L\u00f6wis of Menar, Teamchef von Four Motors, mit einem klaren \u201eJa\u201c und erg\u00e4nzt: \u201eWir setzen<br \/>\nBioverbundwerkstoffe bereits seit 2006 in unseren Fahrzeugen ein. Die jetzt verf\u00fcgbare neueste<br \/>\nGeneration ist in Bezug auf Gewicht, Formg\u00fcte und Stabilit\u00e4t auf einem Niveau, das wir vor einigen<br \/>\nJahren so zwar erhofft, aber noch nicht als m\u00f6glich erachtet haben. Kein Wunder, dass derzeit<br \/>\nmehrere andere Teams und Fahrzeughersteller in die Thematik einsteigen. F\u00fcr uns ist das eine<br \/>\ngro\u00dfartige Best\u00e4tigung. Unser langj\u00e4hriges Engagement f\u00fcr mehr Nachhaltigkeit im Motorsport und<br \/>\nder Autoindustrie tr\u00e4gt erfolgreich Fr\u00fcchte.\u201c Wie das in der Praxis aussieht, demonstrierte Porsche<br \/>\nim vergangenen Jahr. Best\u00e4rkt durch die Ergebnisse des aktuellen F\u00f6rderprojekts und die<br \/>\nproblemlosen Renneins\u00e4tze durch Four Motors brachte die Porsche AG Anfang 2019 erstmals ein in<br \/>\nSerie produziertes Rennfahrzeug mit Karosseriebauteilen aus Biofaser-Verbundwerkstoffen auf den<br \/>\nMarkt. F\u00fcr den 718 Cayman GT 4 Clubsport werden die T\u00fcren, Heckfl\u00fcgel, Frontlippe und Diffusor<br \/>\naus einem Naturfasermix hergestellt. Ein wesentliches Zwischenziel der F\u00f6rderung des<br \/>\nBundeslandwirtschaftsministeriums ist damit bereits erreicht. Mittel- bis langfristig soll das<br \/>\nF\u00f6rderprojekt dazu beizutragen, dass Bio-Karosserieteile auch in der industriellen<br \/>\nGro\u00dfserienproduktion von Alltagsfahrzeugen im Sinne der Bio\u00f6konomie verst\u00e4rkt zum Einsatz<br \/>\nkommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Monaten sind Motorsportler weltweit coronabedingt keinen Meter gefahren. Zumindest nicht auf einerRennstrecke. 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