{"id":21360,"date":"2020-06-22T09:27:42","date_gmt":"2020-06-22T07:27:42","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=21360"},"modified":"2020-06-19T10:29:15","modified_gmt":"2020-06-19T08:29:15","slug":"versuchskaninchen-aus-plastik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=21360","title":{"rendered":"Versuchskaninchen aus Plastik"},"content":{"rendered":"<div class=\"news-detail-bodytext\">\n<p><strong>Bet\u00e4ubte Schweine, Glassplitterhagel im Selbstversuch \u2013 die Anf\u00e4nge von Fahrzeuginsassentests waren abenteuerlich. Heutige Crashtest-Dummies sind echte High-Tech-Puppen, die einen wesentlichen Anteil an der Fahrzeugsicherheit moderner Fahrzeuge haben. Die inneren Werte der Plastikkameraden stammen von hunderten von Sensoren, die Beschleunigungen und Kr\u00e4fte beim Aufprall aufzeichnen. Der Messtechnikspezialist Kistler baut die neueste Generation an Frontaldummies, die sogar Gesichtsverletzungen beim Eintauchen in den Airbag anzeigen k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<p>Bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts galt es als gesicherte Erkenntnis, dass der menschliche K\u00f6rper den Kr\u00e4ften von Autounf\u00e4llen nicht gewachsen ist. Todesfolgen seien daher unvermeidlich. Harte und scharfe Metallarmaturen und bis dato meist fehlende Sicherheitsgurte lieferten hinreichend Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Annahme. Diesen Glaubenssatz nahmen in den fr\u00fchen f\u00fcnfziger Jahren die ersten Forscher zum Anlass, erste Unfalltests durchzuf\u00fchren. Hierf\u00fcr schreckten sie nicht davor zur\u00fcck, menschliche Leichen in den Cockpits festzuschnallen, um typische innere und \u00e4u\u00dfere Verletzungen zu studieren. Diese wurden sp\u00e4ter durch Freiwilligentests ersetzt, bei denen sich Testpersonen Vollbremsungen oder Glassplitterhagel aussetzten. Da hier jedoch schnell die sprichw\u00f6rtliche Schmerzgrenze erreicht war, platzierten die Ingenieure f\u00fcr heftigere Tests bet\u00e4ubte Schweine, B\u00e4ren oder Affen hinterm Steuer.<\/p>\n<h2>Siegeszug der Sensoren<\/h2>\n<p>Erl\u00f6sung f\u00fcr Mensch und Tier versprach Sierra Sam, der weltweit erste <a class=\"pdf\" href=\"https:\/\/www.kistler.com\/de\/anwendungen\/automotive-research-test\/fahrzeugsicherheit\/crash-test-dummy-system\/\">Crashtest-Dummy<\/a>. Entwickelt bereits im Jahr 1949 f\u00fcr die amerikanische Luftwaffe war er der Prototyp f\u00fcr folgende Dummy-Modelle, die sich nur wenige Jahre sp\u00e4ter auch auf vier R\u00e4dern wiederfanden. Um die Realit\u00e4t so gut wie m\u00f6glich abzubilden, gab es sie in verschiedensten Ausf\u00fchrungen, m\u00e4nnlich wie weiblich, klein wie gro\u00df, jung wie alt. Das Revolution\u00e4re waren jedoch nicht die verschiedenen Formen der Puppen, sondern der Einzug von Technologie in ihr Inneres.<\/p>\n<p>Die Modellreihe Hybrid I bis III aus dem Hause General Motors besa\u00df Anfang der siebziger Jahre zun\u00e4chst erste Sensoren zur Kraft- und Beschleunigungsmessung in Kopf, Rumpf und Oberschenkeln. Im Zuge weiterer Verbesserungen statteten die Ingenieure die Puppe mit zus\u00e4tzlichen Sensoren beispielsweise in potenziell lebensbedrohlichen K\u00f6rperregionen wie Nacken und Wirbels\u00e4ule aus. Der Einsatz von Winkelgeschwindigkeitssensoren erm\u00f6glicht zudem, die Beugung der Gliedma\u00dfen durch den Aufprall zu messen.<\/p>\n<h2>Dummies werden intelligent<\/h2>\n<p>\u00dcber viele Jahre galt der Hybrid III in der Branche als das Ma\u00df aller Dinge \u2013 bis ihn der\u00a0<a class=\"pdf\" href=\"https:\/\/www.kistler.com\/de\/anwendungen\/automotive-research-test\/fahrzeugsicherheit\/thor-50m-crashtest-dummy\/\">THOR<\/a> vom Fahrersitz verdr\u00e4ngte. Im Gegensatz zu seinem Vorg\u00e4nger verf\u00fcgt das Test Device for Human Occupant Restraint, auf Deutsch Testger\u00e4t f\u00fcr menschlichen Insassenschutz, \u00fcber zus\u00e4tzliche Gesichtssensoren, die die verteilte Krafteinleitung beim Eintauchen in den Airbag besser aufl\u00f6sen k\u00f6nnen. Entsprechend eines durchschnittlichen, m\u00e4nnlichen Erwachsenen bringt THOR 77 Kilogramm auf die Waage und bemisst 1,76 Meter.<\/p>\n<p>Um die Crashpuppe der neuesten Generation einsatzbereit zu machen, wurde sie von den Messtechnikexperten von Kistler mit einer Datenerfassung f\u00fcr bis zu 288 Messkan\u00e4le ausgestattet. \u00dcber ein einziges Ethernetkabel im Brustkorb der Puppe finden die Daten ihren Weg aus dem Wrack. Die hochverkabelten Vorg\u00e4nger des THOR wirken dagegen wie Marionetten. Seit 2018 fertigt Kistler den THOR sogar komplett an ihrem Standort in Heidelberg.<\/p>\n<p>F\u00fcr Dummies ist die Entwicklung damit jedoch noch nicht am Ende: In Zukunft werden die Unfallpuppen noch intelligenter, um Sch\u00e4den beispielsweise der inneren Organe noch realistischer abbilden zu k\u00f6nnen. Damit tragen sie weiterhin dazu bei, dass Autounf\u00e4lle l\u00e4ngst nicht mehr als sichere Todesurteile wahrgenommen werden.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bet\u00e4ubte Schweine, Glassplitterhagel im Selbstversuch \u2013 die Anf\u00e4nge von Fahrzeuginsassentests waren abenteuerlich. 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