{"id":22498,"date":"2020-09-07T08:49:56","date_gmt":"2020-09-07T06:49:56","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=22498"},"modified":"2020-09-07T08:49:56","modified_gmt":"2020-09-07T06:49:56","slug":"steuerliche-beguenstigung-von-produktionsabfaellen-verhindern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=22498","title":{"rendered":"Steuerliche Beg\u00fcnstigung von Produktionsabf\u00e4llen verhindern"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Gr\u00fcne Punkt, das Reinigungsmittelunternehmen Werner &amp; Mertz sowie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) fordern eine einheitliche Definition f\u00fcr Kunststoffrecyclate<\/strong><\/p>\n<p>Das Thema Circular Economy wird im kommenden Jahrzehnt eine, wenn nicht DIE zentrale Aufgabe in puncto Umweltpolitik sein. Doch im Gegensatz zu Papier und Glas wird Kunststoff bisher immer noch zu einem deutlich geringeren Prozentsatz recycelt und danach zur Herstellung neuer Produkte genutzt: Bis 2025 m\u00fcssen laut EU-Verpackungsrichtlinie 50 Prozent der Kunststoffverpackungen in der EU recycelt werden. Da zudem k\u00fcnftig Aufbereitungsverluste nicht mehr in die Berechnung der Recyclingquote einflie\u00dfen d\u00fcrfen, bedeutet das, dass sich die Recyclingmenge von Kunststoffverpackungen europaweit von aktuell etwa 4,6 Millionen Tonnen in den n\u00e4chsten Jahren auf etwa acht Millionen Tonnen fast verdoppeln muss. Es bedarf deshalb einer erheblichen Kraftanstrengung und klarer politischer Rahmenbedingungen, um Umwelt und Rohstoffe durch das richtige Kunststoffrecycling zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die geringe Recyclingquote ist vor allem darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass die Verwendung von Neuware viel g\u00fcnstiger ist als der Einsatz von Recyclat \u2013 durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise hat sich dieser Kostenunterschied noch einmal verst\u00e4rkt: Mit dem sinkenden Roh\u00f6lpreis sind auch die Recyclingquoten rapide zur\u00fcckgegangen. Laut einer aktuellen Umfrage des BDE fragen Verpackungshersteller 30 % weniger Recyclat nach.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund ist eine finanzielle F\u00f6rderung von Verpackungen, die ganz oder teilweise aus Recyclat hergestellt werden, unumg\u00e4nglich. So schreibt es das seit 2019 geltende Verpackungsgesetz vor und das ist auch der Ansatz der ab 2021 geltenden von der EU beschlossenen sogenannten \u201ePlastiksteuer\u201c auf nicht recyceltes Plastik. Doch dabei ist eine Definition des Recyclat-Begriffs entscheidend: Wenn gesetzliche Regelungen Mindestquoten f\u00fcr Recyclatanteile in Verpackungen festsetzen oder der Einsatz von Recyclaten finanziell privilegiert werden soll, muss entsprechend klar definiert sein, worauf sich die Regelungen beziehen und zwar im zur Novellierung anstehenden Kreislaufwirtschaftsgesetz.<\/p>\n<p>Eine echte Kreislaufwirtschaft setzt voraus, dass Abf\u00e4lle, die beim Endverbraucher anfallen, hochwertig recycelt und wieder in den Produktkreislauf zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Die Verwertung von Produktionsabf\u00e4llen hingegen, sogenanntes \u201ePost-Industrial-Recyclat\u201c, hilft nicht dabei, der Plastikverm\u00fcllung unseres Planeten entgegenzuwirken.<\/p>\n<p>Deshalb fordern Der Gr\u00fcne Punkt, die Werner &amp; Mertz GmbH (u.a. Marke Frosch) sowie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) eine gesetzlich bindende Definition f\u00fcr Kunststoffrecyclate, bei der \u201ePost-Consumer-Recyclate\u201c (PCR) bei der F\u00f6rderung klar bevorzugt werden. Produktionsabf\u00e4lle hingegen sollten entsprechend nicht als f\u00f6rderw\u00fcrdiges Recyclat anerkannt werden und auch nicht in die Berechnung zuk\u00fcnftiger Mindestquoten f\u00fcr Recyclatanteile in Verpackungen einbezogen werden.<\/p>\n<p>Denn wenn industrieller Kunststoffabfall ebenfalls als Recyclat gilt, k\u00f6nnten sich viele Unternehmen f\u00fcr diesen einfacheren und billigeren Weg entscheiden, wie <strong>Reinhard Schneider, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter der Werner &amp; Mertz GmbH<\/strong>, betont: \u201eAls der Pionier der hochwertigen Verwendung von PCR aus dem Gelben Sack wissen wir, dass die von uns entwickelten marktf\u00e4higen L\u00f6sungen sich nicht weiter durchsetzen werden, wenn Industrieabf\u00e4lle f\u00fcr den Umweltschutz f\u00e4lschlicherweise als gleichwertig behandelt werden. Industrieabf\u00e4lle lassen sich deutlich g\u00fcnstiger aufbereiten und sind letztlich die Folge ineffizienter Prozesse. Dies sollte der Staat nicht auch noch subventionieren. Die Verbraucher erwarten hier zu recht nachhaltige Angebote und keine Tricks.\u201c<\/p>\n<p><strong>J\u00f6rg-Andreas Kr\u00fcger, Pr\u00e4sident des NABU,<\/strong> betont die gro\u00dfe Bedeutung des Recyclings f\u00fcr den Umweltschutz: \u201eUm Klima und Rohstoffe zu sch\u00fctzen, m\u00fcssen wir unseren Verpackungsaufwand minimieren und die Kunststoffe in engen Kreisl\u00e4ufen f\u00fchren. Daf\u00fcr braucht es Hersteller, die auf recyclingfreundliches Design achten und Recyclingmaterial in hochwertigen Anwendungen einsetzen. Doch zu oft rechnen Unternehmen ihre Recyclingerfolge sch\u00f6n, indem sie lediglich ihre Produktionsreste verwerten. Sie lassen damit wahre Produktverantwortung vermissen. Damit mehr in das technisch herausfordernde Recycling von Abf\u00e4llen aus dem Gelben Sack investiert wird, muss der Gesetzgeber die Verwertung dieser Abfallstr\u00f6me in besonderer Weise f\u00f6rdern und eine gesetzlich Definition f\u00fcr Kunststoffrecyclate einf\u00fchren.\u201c<\/p>\n<p><strong>Michael Wiener, CEO Der Gr\u00fcne Punkt,<\/strong> geht sogar noch einen Schritt weiter und macht deutlich, dass die gesamte Kreislaufwirtschaft von der richtigen Definition abh\u00e4ngt: \u201eWir werden die Plastikkrise nur l\u00f6sen, wenn Kunststoff kreislauff\u00e4hig wird. Dazu m\u00fcssen wir gerade an die Kunststoffabf\u00e4lle heran, die beim Endverbraucher anfallen und bei denen das Recycling eine echte Herausforderung ist. Das Recycling von Produktionsabf\u00e4llen braucht keine F\u00f6rderung \u2013 das Recycling von Post-Consumer-Abf\u00e4llen sehr wohl. Aus diesem Grund ist die Unterscheidung von grundlegender Bedeutung \u2013 und sie entscheidet \u00fcber das Gelingen oder Scheitern der Kreislaufwirtschaft f\u00fcr Kunststoff.\u201c<\/p>\n<p>Alle drei sind sich einig, dass nur eine klare Definition des Recyclatbegriffs die Kreislaufwirtschaft retten und damit Klima und Umwelt sch\u00fctzen wird. Der Herkunftsnachweis k\u00f6nnte \u00fcber das <a href=\"https:\/\/ral-rezyklat.de\/\">RAL G\u00fctezeichen \u201e%-Recycling Kunststoff\u201c<\/a> erfolgen, das den prozentualen Anteil recycelter Kunststoffmaterialien aus dem Gelben Sack oder der Gelben Tonne in Produkten angibt. Die Wiederverwertung von Gewerbe- und Industrieabf\u00e4llen wird in die Prozentangaben ausdr\u00fccklich nicht einbezogen, um gezielt Anreize f\u00fcr die Wiedernutzung von Plastikmaterialien aus Haushaltsabf\u00e4llen zu schaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema Circular Economy wird im kommenden Jahrzehnt eine, wenn nicht DIE zentrale Aufgabe in puncto Umweltpolitik sein. 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