{"id":24911,"date":"2021-03-10T09:37:28","date_gmt":"2021-03-10T08:37:28","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=24911"},"modified":"2021-03-10T09:37:28","modified_gmt":"2021-03-10T08:37:28","slug":"diskussionspapier-fuer-den-nachhaltigen-umgang-mit-kunststoffen-pro-kreislaufwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=24911","title":{"rendered":"Diskussionspapier: F\u00fcr den nachhaltigen Umgang mit Kunststoffen \u2013 pro Kreislaufwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Der VDMA setzt sich f\u00fcr eine funktionierende Kreislaufwirtschaft f\u00fcr Kunststoffprodukte ein. Damit setzt er ein Zeichen gegen die Verm\u00fcllung der Umwelt durch Plastikabf\u00e4lle und f\u00fcr einen sorgsamen Umgang mit Ressourcen. Kunststoffprodukte bieten in ihrer Lebensphase gro\u00dfe Vorteile bei den Themen Hygiene, Leichtbau oder CO2-Einsparung. Voraussetzung f\u00fcr eine Kreislaufwirtschaft sind ihre Rezyklierbarkeit nach Gebrauch und die Wiederverwendbarkeit in neuen Produkten.<br \/>\nEntscheidend f\u00fcr das Gelingen der Kreislaufwirtschaft ist ein funktionierender Markt f\u00fcr den Einsatz von Kunststoff-Rezyklaten. Das betrifft sowohl die Menge, die Qualit\u00e4t als auch das Preisgef\u00fcge. Dieser Markt ist unter Druck, weil der Preis von Kunststoff-Neuware (Prim\u00e4rkunststoff) volatil und teilweise g\u00fcnstiger ist als der f\u00fcr Rezyklate (Sekund\u00e4rkunststoff). Der Prim\u00e4rkunststoffpreis wird stark vom schwankenden \u00d6lpreis beeinflusst. Dadurch ger\u00e4t der Rezyklat Markt erheblich unter Druck.<br \/>\nAbhilfe k\u00f6nnte eine angemessene CO2 Bepreisung schaffen. Daf\u00fcr setzen wir uns ein. Der CO2 Rucksack von Rezyklaten ist im Verh\u00e4ltnis zur Neuware um 1,5 bis 3,2 t leichter pro Tonne Kunststoff. W\u00fcrde diese positive Klimabilanz eingerechnet werden, k\u00f6nnte eine Parit\u00e4t zwischen Prim\u00e4r- und Sekund\u00e4rkunststoff hergestellt werden. Dies ist das marktwirtschaftliche Instrument der Wahl, bleibt aber seit vielen Jahren unber\u00fccksichtigt. Solange dieses Instrument nicht greift, sehen wir folgende Handlungsoptionen auf europ\u00e4ischer Ebene:<\/p>\n<p><strong>1. Pro Einsatzquote f\u00fcr Rezyklate (produktspezifisch)<\/strong><br \/>\nSolange die Preisparit\u00e4t zwischen Prim\u00e4r- und Sekund\u00e4rkunststoffen nicht hergestelltist, sollte eine tempor\u00e4re Rezyklat- Einsatzquote differenziert nach Anwendungsf\u00e4llenins Auge gefasst werden. Damit kann der Markt neu ausgerichtet und die preislicheSchieflage zwischen Rezyklaten und Neuware besser ausgeglichen werden. DieAusgestaltung der Quoten sollte schrittweise und dynamisch erfolgen, ausgehend von einfachen Anwendungsf\u00e4llen au\u00dferhalb der Lebensmittelverpackung, bei denen Standardkunststoffe (PE, PP, PET, PS und PVC) eingesetzt werden. Ein guter Startpunkt k\u00f6nnte der sonstige Verpackungsbereich sein. Eine konsequent durchgesetzte Quotenregelung f\u00fchrt zu mehr Verwendung von Rezyklaten im Markt, trotz h\u00f6herer Kosten und Mehraufwand bei der Verarbeitung. Gleichzeitig wird sie die Materialentwicklung bei Rezyklaten hin zu besseren Qualit\u00e4ten bef\u00f6rdern.<br \/>\nWichtig ist allerdings, dass die Quoten-Regelung und die Markt\u00fcberwachung europaweit gilt und z\u00fcgig umgesetzt wird. Voraussetzung ist, dass die Umsetzung b\u00fcrokratiearm und ohne erhebliche negative wirtschaftliche Auswirkungen, insbesondere auf KMU und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit, erfolgt.<\/p>\n<p><strong>2. Pro Design f\u00fcr Recycling<\/strong><br \/>\nKunststoffprodukte sollten grunds\u00e4tzlich so designt werden, dass ihre Rezyklierbarkeitam Lebensende gew\u00e4hrleistet ist. Es geht darum, ein Bewusstsein zu schaffen,Kunststoffe in Produkten so zu kombinieren, dass eine klar definierte Materialtrennungbei den Abfallstr\u00f6men erfolgen und damit die Recyclingf\u00e4higkeit hergestellt werdenkann. Dabei darf es keine allgemeing\u00fcltigen horizontalen Design-Vorschriften geben,vielmehr sollten Best-Practice Verfahren am Markt geteilt werden.<\/p>\n<p><strong>3. Pro digitale Identifizierbarkeit von Altkunststoffen<\/strong><br \/>\nEin entscheidender Faktor bei der Kreislauff\u00fchrung wird die transparente Verfolgbarkeitvon Kunststoffen \u00fcber ihren Lebenszyklus sein. Die Kombination aus einemrecyclingf\u00e4hig designten Produkt und dessen digitaler Nachverfolgbarkeit erm\u00f6glichteine gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Material-Wiederverwertung. Hier kann der digitale Produktpass, beirichtiger Ausgestaltung, ein L\u00f6sungsansatz sein.<\/p>\n<p><strong>4.Pro Standardisierung von Kunststoff-Rezyklaten<\/strong><br \/>\nKunststoffprodukte, unabh\u00e4ngig davon, ob aus Neuware oder Rezyklat, m\u00fcssen hohenQualit\u00e4tsanforderungen gen\u00fcgen. Umso wichtiger ist es, gesicherte Qualit\u00e4tsstandardsauch f\u00fcr Rezyklate und deren Wiedereinsatz zu definieren. Das schafft Sicherheit f\u00fcrdie Industrie und Vertrauen bei den Verbrauchern.<\/p>\n<p><strong>5. Keine unn\u00f6tigen Einschr\u00e4nkungen bei der Verwendung von Rezyklaten<\/strong><br \/>\nAktuell bestehen Widerspr\u00fcche in der Zielrichtung verschiedener Regelsysteme.Einerseits sollen die Recyclingquoten deutlich erh\u00f6ht werden. Andererseits verhindernoder bremsen Verordnungen und Gesetze bzw. \u00f6ffentliche Ausschreibungen denEinsatz von Rezyklaten. Beispielsweise wird der Rezyklateinsatz bei M\u00fclltonnen undAbwasserrohren unterbunden. Im Bereich der Lebensmittelanwendungen gibt es zwarinzwischen M\u00f6glichkeiten des Rezyklateinsates bei PET-Verpackungen, diese lassensich allerdings aufgrund des abweichenden Polymerverhaltens nicht auf Polyolefine\u00fcbertragen. Hier stehen starre Vorgaben einer Belebung der Kreislaufwirtschaft imWege. Einige dieser Regelsysteme m\u00fcssen aktualisiert werden, um den Stand derTechnik besser zu spiegeln, und sie m\u00fcssen gleichzeitig deutlicher an den umweltpolitischen Vorstellungen ausgerichtet werden. Auch dieser Prozess sollte schrittweise erfolgen.<\/p>\n<p><strong>6. Exportstopp von Plastikabf\u00e4llen aus der EU in Drittstaaten mit geringerenUmweltauflagen<\/strong><br \/>\nKunststoffabf\u00e4lle sind eine wichtige Ressource und damit wertvoll. Diese Ressource istder Grundstock f\u00fcr neue Kunststoffgranulate und damit neue Kunststoffprodukte. DerExport dieser Ressource schm\u00e4lert den heimischen Grundstock und f\u00fchrt zuUmweltproblemen, wenn die Exporte in L\u00e4nder gelangen mit niedrigeren \u00f6kologischenAuflagen als in der EU. Die geplante \u00dcberarbeitung der Waste Shipment Directivekann hier L\u00f6sungen liefern. Deshalb sollten die Kunststoffabf\u00e4lle im Kreislauf der EUverbleiben, und es sollte ein Exportstopp in L\u00e4nder au\u00dferhalb der EU mit niedrigerenUmweltauflagen verh\u00e4ngt werden.<\/p>\n<p><strong>7. Kunststoff f\u00fcr Klima<\/strong><br \/>\nKunststoffprodukte helfen in vielen Anwendungsfeldern den CO2-Fu\u00dfabdruck zureduzieren, sowohl in der Herstellungs- als auch in der Produkt-Lebensphase.Leichtbauteile aus Kunststoff im Automobil sparen Kraftstoff, Geb\u00e4udeisolierungenmindern den Verbrauch von Heiz\u00f6l, Verpackungen verhindern den Verderb vonLebensmitteln, deren CO2-Fu\u00dfabdruck besonders gro\u00df ist. Kunststoffe tragen zurVerbesserung der CO2-Bilanz bei und schaffen damit echte Vorteile f\u00fcr denKlimaschutz. Um diese Leistungen deutlich zu machen und auch, um noch mehrbeitragen zu k\u00f6nnen, sind Transparenz und wirtschaftliche Anreize notwendig. ImSinne einer besseren Transparenz sollten Standards f\u00fcr die Bilanzierung des CO2-Fu\u00dfabdrucks erarbeitet werden.<\/p>\n<p>Ansprechpartner im VDMA<br \/>\nDr. Sarah Br\u00fcckner. Abfall- und Recyclingtechnik\/Technik, Umwelt und Nachhaltigkeit 069\/6603-1226, sarah.brueckner@vdma.org<br \/>\nThorsten K\u00fchmann, Kunststoff- und Gummimaschinen\/Hybride Leichtbautechnologie 069\/6603-1831, thorsten.kuehmann@vdma.org<br \/>\nDer VDMA vertritt rund 3300 deutsche und europ\u00e4ische Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus. Die Industrie steht f\u00fcr Innovation, Exportorientierung, Mittelstand und besch\u00e4ftigt rund vier Millionen Menschen in Europa, davon mehr als eine Million allein in Deutschland.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der VDMA setzt sich f\u00fcr eine funktionierende Kreislaufwirtschaft f\u00fcr Kunststoffprodukte ein. 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