{"id":25183,"date":"2021-03-24T08:08:39","date_gmt":"2021-03-24T07:08:39","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=25183"},"modified":"2021-03-23T13:32:02","modified_gmt":"2021-03-23T12:32:02","slug":"resilienz-in-die-anwendung-bringen-fraunhofer-stellt-gesamtkonzept-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=25183","title":{"rendered":"Resilienz in die Anwendung bringen \u2013 Fraunhofer stellt Gesamtkonzept vor"},"content":{"rendered":"<p><strong>Entwicklungen wie der Klimawandel oder die Digitalisierung haben auch das Thema Resilienz in die \u00f6ffentliche Diskussion ger\u00fcckt. Durch die Corona-Pandemie wird die Resilienz neu auf die Probe gestellt. Fraunhofer-Forschende haben nun ein neues anwendungsorientiertes Konzept vorgestellt. Es bietet eine systemisch orientierte Betrachtung und zeigt praxisnah L\u00f6sungswege auf, wie Unternehmen und Organisationen sich in Zukunft besser auf Krisen und Schocks vorbereiten k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<p>Die f\u00fcnf Phasen bei der Bew\u00e4ltigung einer Krise: Prevent, Prepare, Protect, Respond und Recover. Wird die Leistung im Zeitverlauf betrachtet, wird deutlich, wie gut das Unternehmen oder die Organisation reagiert und in welcher Phase es noch Verbesserungsbedarf gibt.<\/p>\n<p>Das Thema Resilienz wurde in den vergangenen Jahren h\u00e4ufig im Zusammenhang mit Herausforderungen wie Klimawandel oder \u00f6ffentliche Sicherheit diskutiert. Durch die COVID-19-Pandemie ist der Begriff abermals in den Blickpunkt ger\u00fcckt. Wie k\u00f6nnen Wirtschaft, Staat und Gesellschaft solche extremen Herausforderungen und Krisen meistern? Und was k\u00f6nnte man aus der aktuellen Situation f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung k\u00fcnftiger Krisen lernen?<\/p>\n<p>\u00bbSouver\u00e4nit\u00e4t und Resilienz in zentralen, strategisch wichtigen Technologiebereichen sind essentielle Eckpfeiler, um die Versorgung mit wichtigen G\u00fctern, die Stabilit\u00e4t von Lieferketten und damit die Innovationsf\u00e4higkeit deutscher Unternehmen zu sichern\u00ab, erkl\u00e4rt Fraunhofer-Pr\u00e4sident Prof. Reimund Neugebauer. \u00bbDenn der Indikator daf\u00fcr, ob und wie Organisationen und Gesellschaften kritische Situationen technologisch, sozial und wirtschaftlich souver\u00e4n meistern, ist ihre Resilienz. Fraunhofer legt hierf\u00fcr nun ein ganzheitliches Kompetenzangebot vor, das praxisnahe L\u00f6sungen im Lichte der aktuellen Pandemie und zuk\u00fcnftiger Krisen offeriert.\u00ab<\/p>\n<p>Das Fraunhofer-Konzept \u00bbResilienz von Organisationen, Infrastrukturen und anderen komplexen Systemen\u00ab bewertet den Begriff Resilienz im Lichte der aktuellen Krisen und Erfahrungen neu und bettet ihn in eine umfassende Betrachtung ein. Die Fraunhofer-Forschenden wollen damit einen Beitrag zu einem besseren Verst\u00e4ndnis der komplexen Thematik leisten. Zugleich wollen sie aber auch L\u00f6sungswege f\u00fcr Entscheidungstr\u00e4ger aus Staat, Wirtschaft und Politik aufzeigen, um bestm\u00f6glich f\u00fcr k\u00fcnftige Krisen gewappnet zu sein.<\/p>\n<h4>Resilienz praxisnah definiert<\/h4>\n<p>Was macht das Thema eigentlich so komplex? Ein auch langfristig erfolgreiches Resilienz-Konzept beinhaltet viel mehr als nur die F\u00e4higkeit, Schocks und Krisen mit einer gewissen Robustheit zu begegnen und danach schnell wieder den alten Zustand herzustellen. Ziel ist es vielmehr, w\u00e4hrend einer Krise die Kernfunktionen in Bereichen wie Wirtschaft, Gesundheits- oder Bildungswesen aufrechtzuerhalten, sowie aus den Erfahrungen zu lernen und dementsprechend gest\u00e4rkt aus der Krise hervorzugehen. Voraussetzungen hierf\u00fcr sind aus Sicht der Autorinnen und Autoren der Studie drei wesentliche Kompetenzen. Erstens m\u00fcssen Organisationen oder Unternehmen in der Lage sein, schnell und agil auf St\u00f6rereignisse zu reagieren. Zweitens sollten sie Warnzeichen oder Indikatoren f\u00fcr das Aufziehen von Krisen fr\u00fchzeitig erkennen und schnell Gegenma\u00dfnahmen einleiten. Und drittens ist es entscheidend, kontinuierlich aus Krisen zu lernen und diese Erkenntnisse in innovative Ma\u00dfnahmen und dynamische Strukturen zu verwandeln. Prof. Jakob Edler vom Fraunhofer-Institut f\u00fcr System- und Innovationsforschung ISI, einer der Autoren der Studie, fasst zusammen: \u00bbResilienz bedeutet, schnell und flexibel auf Schocks und Krisen zu reagieren und sich mittels Innovation an neue Situationen anzupassen.\u00ab<\/p>\n<h4>Transformationsprozesse aktiv gestalten<\/h4>\n<p>Edler weist zudem auf die Rolle von Entwicklungen wie Digitalisierung und Energiewende hin: \u00bbDiese tiefgreifenden Transformationsprozesse m\u00fcssen wir aktiv gestalten und dabei die Resilienz von Anfang an mitdenken\u00ab. Gerade die Digitalisierung erh\u00f6ht die Komplexit\u00e4t der Systeme und damit die Gefahr von St\u00f6rungen. Durch Kaskadeneffekte k\u00f6nnten aus begrenzten regionalen St\u00f6rf\u00e4llen ernste systemische Bedrohungen werden.<\/p>\n<p>Um dies zu verhindern, fordert das Fraunhofer-Konzept ein tiefgehendes und ganzheitliches Verst\u00e4ndnis der eigenen Strukturen. Das gilt f\u00fcr Unternehmen ebenso wie f\u00fcr Beh\u00f6rden oder Einrichtungen der lebenswichtigen Bereiche wie Gesundheitswesen, Energie- und Wasserversorgung. Erst eine tiefe Analyse aller Strukturen und Arbeitsabl\u00e4ufe bringt die verborgenen Schwachstellen und Risiken an den Tag. Entscheidend dabei: Die technische Betrachtung allein gen\u00fcgt nicht. Eine nachhaltige, systemische Resilienz ber\u00fccksichtigt immer auch den menschlichen Faktor. Die Technik muss robust und die Mitarbeitenden m\u00fcssen auf St\u00f6rf\u00e4lle vorbereitet sein. \u00bbWir nutzen systemische Ans\u00e4tze, um die Resilienz sowohl von einzelnen Organisationen als auch beispielsweise von komplexen Lieferketten und ganzen Volkswirtschaften holistisch zu betrachten. Die Erkenntnisse daraus tragen zu deren St\u00e4rkung bei\u00ab, erkl\u00e4rt Dr. Florian Roth, Projektleiter am Fraunhofer ISI.<\/p>\n<h4>Bessere Resilienz, bessere Wettbewerbsf\u00e4higkeit<\/h4>\n<p>Nach \u00dcberzeugung der Forscherinnen und Forscher zahlen sich Investitionen in Resilienz auch \u00f6konomisch aus. Unternehmen, die proaktiv und flexibel agieren, meistern nicht nur Krisen viel besser. Eine hohe Resilienz zahlt sich im Business-Alltag aus, weil sie Gesch\u00e4ftsprozesse flexibilisiert und die F\u00e4higkeit zu Innovationen st\u00e4rkt. \u00bbPolitik und Wirtschaft haben mittlerweile erkannt, dass Resilienz ein zentrales Element der strategischen Planung sein muss. Wer jetzt schnell und entschlossen Prozesse und Infrastrukturen resilient gestaltet, der hat auch klare Wettbewerbsvorteile\u00ab, sagt Prof. Stefan Hiermaier vom Fraunhofer-Institut f\u00fcr Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut, EMI.<\/p>\n<p>Von dieser Einsicht k\u00f6nnen auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) profitieren. Extra f\u00fcr diese haben Fraunhofer-Forschende das Online-Tool Fraunhofer Resilience Evaluator (FReE) entwickelt. Unternehmen k\u00f6nnen mithilfe eines webbasierten, interaktiven Fragebogens ihre Resilienz-F\u00e4higkeiten erfassen, analysieren und visualisieren. Auf dieser Basis lassen sich konkrete technische oder organisatorische Ma\u00dfnahmen entwickeln, um die Resilienz weiter zu verbessern. Die Nutzung des Tools ist kostenlos.<\/p>\n<h4>Interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit<\/h4>\n<p>Die Fraunhofer-Gesellschaft besch\u00e4ftigt sich seit \u00fcber zehn Jahren interdisziplin\u00e4r und unter Einbindung verschiedener Institute und Kompetenzfelder mit der Frage, wie man lebenswichtige Systeme in Wirtschaft und Gesellschaft widerstandsf\u00e4higer machen kann. So haben neben dem Fraunhofer ISI auch das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut, EMI, das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF und das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Materialfluss und Logistik IML an der Studie mitgewirkt. Als gemeinn\u00fctzige Organisation kann die Fraunhofer-Gesellschaft hier als glaubw\u00fcrdiger und unabh\u00e4ngiger Partner von Politik und Wirtschaft auftreten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entwicklungen wie der Klimawandel oder die Digitalisierung haben auch das Thema Resilienz in die \u00f6ffentliche Diskussion ger\u00fcckt. 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