{"id":26072,"date":"2021-05-10T09:57:38","date_gmt":"2021-05-10T07:57:38","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=26072"},"modified":"2021-05-07T13:01:08","modified_gmt":"2021-05-07T11:01:08","slug":"grossteil-des-plastikmuells-in-weltmeeren-aus-der-fischerei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=26072","title":{"rendered":"Gro\u00dfteil des Plastikm\u00fclls in Weltmeeren aus der Fischerei"},"content":{"rendered":"<p><strong>Geisternetze \u2013 die versteckten Meeresverschmutzer<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kunststoffverpackungen stehen zu Unrecht am Pranger<\/strong><\/p>\n<p>Zum Thema Plastik in den Ozeanen geistern meist Bilder von Plastikm\u00fcll durch die Medien, die suggerieren, dass insbesondere Kunststoffverpackungen f\u00fcr diese Verschmutzung der Weltmeere die Hauptursache seien. Doch dieses Vorurteil l\u00e4sst sich bei genauerem Hinsehen nicht aufrechterhalten. Denn wahrscheinlich rund die H\u00e4lfte des Plastikm\u00fclls in den Meeren der Welt machen R\u00fcckst\u00e4nde aus der Fischerei aus. Die renommierte Umwelt- und Tierschutzorganisation WWF meint sogar, dass ein Gro\u00dfteil des Plastikm\u00fclls von der Fischerei stammt \u2013 in Form von Netzen, Tauen etc. Und jedes Jahr kommen hiervon 1 Million Tonnen hinzu, warnt der WWF.<\/p>\n<p>Die geringe Wahrnehmung dieses gravierenden Problems h\u00e4ngt nach Ansicht von Experten nicht zuletzt damit zusammen, dass man es meist nicht sieht: Die zur\u00fcckgelassenen Fischereiger\u00e4te treiben nicht wie leere Plastikflaschen auf der Wasseroberfl\u00e4che, sondern vagabundieren unter ihr durch die Weltmeere oder sinken auf deren Grund. Damit sind sie jedoch keinesfalls weniger gef\u00e4hrlich als anderer M\u00fcll im Meer \u2013 im Gegenteil. Denn die Schn\u00fcre und Netze sind gef\u00e4hrliche Fallen, in denen sich Fische, Meeress\u00e4uger, Schildkr\u00f6ten und sogar V\u00f6gel verfangen k\u00f6nnen, um anschlie\u00dfend elend zugrunde zu gehen. Au\u00dferdem zersetzen sich die Fischereinetze nur \u00e4u\u00dferst langsam. Deshalb warnen Umwelt- und Tiersch\u00fctzer ganz besonders vor diesem Plastikabfall von Fischern, der verborgen vor den Augen der Welt\u00f6ffentlichkeit zu einem erheblichen Teil f\u00fcr das Plastikm\u00fcllproblem in den Meeren verantwortlich ist.<\/p>\n<p>Ob es nun daran liegt, dass sie in der Regel im Verborgenen bleiben, oder weil sie \u201eherrenlos\u201c durch die Gew\u00e4sser treiben, die alten Fischernetze werden auch \u201eGeisternetze\u201c genannt. Dieser m\u00f6glicherweise angenehm gruselig klingende Begriff sorgt bei Umweltsch\u00fctzern jedoch f\u00fcr echten Grusel: eben wegen der Gef\u00e4hrdung f\u00fcr die Tierwelt und Gew\u00e4sser, die von den Geisternetzen ausgeht.<\/p>\n<p><strong>1.000 Kilometer Geisternetze j\u00e4hrlich<\/strong><\/p>\n<p>Und insbesondere auch wegen ihrer schieren Menge. So sollen nach Sch\u00e4tzung des WWF weltweit Jahr f\u00fcr Jahr etwa ein Drittel aller Leinen und Angelschn\u00fcre in der Fischerei verloren gehen. Allein in den europ\u00e4ischen Meeren verschwinden laut WWF j\u00e4hrlich mehr als 1.000 Kilometer Fischnetze im Wasser. Dies entspreche einer Strecke von der Ostsee bis zu den Alpen, verdeutlicht die Umweltorganisation. Die Weltern\u00e4hrungsorganisation (FAO) wiederum geht allein f\u00fcr europ\u00e4ische Gew\u00e4sser von 25.000 verloren gegangenen Netzen aus mit einer Gesamtl\u00e4nge von 1.250 Kilometern.<\/p>\n<p>Wobei auch \u201everloren gegangen\u201c eine irref\u00fchrende Bezeichnung f\u00fcr Geisternetze ist. Denn diese Fischereiutensilien werden oft bewusst aufgegeben, wenn Boote bei illegaler Fischerei erwischt werden, oder einfach auch nur deshalb, weil die korrekte Entsorgung ausgedienter Netze mit so hohen Kosten verbunden ist, dass sie einigen Fischereien untragbar erscheinen. Schleppnetze k\u00f6nnen sich aber auch an Gegenst\u00e4nden auf dem Meeresgrund verfangen und abrei\u00dfen. Wie auch immer: Die oft kilometerlang umhertreibenden Geisternetze stellen eine immense Gefahr f\u00fcr Meeresbewohner dar \u2013 sowie letztlich auch f\u00fcr den Menschen, weil sie sich \u00fcber Jahrhunderte zu sogenanntem Mikroplastik zersetzen und so \u00fcber die Fische auf unsere Teller gelangen.<\/p>\n<p>Angesichts des Risikos, das herrenlose Netze im Meer f\u00fcr den Schutz von Gew\u00e4ssern, Umwelt und Tieren darstellen, hat der WWF nun in Mecklenburg-Vorpommern das bundesweit erste Pilot-Projekt zur Bergung von Geisternetzen gestartet. Im Rahmen dieses Vorhabens wird der WWF zwei Jahre lang die Suche, Bergung und Entsorgung von Geisternetzen mit einer eigens zu diesem Zweck entwickelten Methode federf\u00fchrend durchf\u00fchren und dabei mit Fischern sowie Beh\u00f6rden eng zusammenarbeiten. Wie die internationale Natur- und Umweltorganisation weiter erl\u00e4utert, sollen f\u00fcr das Projekt erstmals auch Kapazit\u00e4ten von Beh\u00f6rden genutzt werden, etwa indem ein landeseigenes Schiff zur Bergung eingesetzt wird. Das Pilotvorhaben wird mit Fischereigeldern finanziert, die von dem K\u00fcstenbundesland verwaltet werden. Zudem will das Umweltbundesamt gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium (BMU) das WWF-Projekt zur Sonarsuche in Nord- und Ostsee im Rahmen der Verb\u00e4ndef\u00f6rderung unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>Mit Sonar auf Geisternetzjagd<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Suche nach Geisternetzen geht der WWF mithilfe modernster Technik vor: Von Sonar-Ger\u00e4ten wird der Meeresboden nach den Netzen abgesucht. Das Sonar sei die effizienteste Art, verlorene Netze aufzusp\u00fcren, betont der WWF. Denn das Sonar kann bis zu 50 Meter weit zu beiden Seiten des Schiffes \u201esehen\u201c. Ein Sonarger\u00e4t tastet mit Schallwellen den Meeresboden ab und erzeugt so ein detailliertes Bild von allen Strukturen dort unten. Dabei werden nicht nur Steine, Sandwellen, Autoreifen und F\u00e4sser sichtbar, sondern eben auch Geisternetze. Der besondere Vorteil bei dieser Technik: Dank der Schallwellen kann auch bei schlechter Sicht der Meeresboden kartiert und nach Geisternetzen abgesucht werden.<\/p>\n<p>Inzwischen scheinen nun auch die Entscheidungstr\u00e4ger in der Politik erkannt zu haben, dass das Aufkommen von Plastikm\u00fcll in den Meeren nicht prinzipiell den Kunststoffverpackungen angelastet werden darf. So k\u00fcndigte der Minister f\u00fcr Landwirtschaft und Umwelt des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, unterdessen eine politische Initiative zur L\u00f6sung der Geisternetzproblematik an. Denn sich an \u201elieb gewordenen\u201c Feindbildern abzuarbeiten, tr\u00e4gt nun mal selten zur L\u00f6sung der eigentlichen Probleme bei. Und so fordert der WWF auch ganz klipp und klar, die Geisternetzsuche m\u00fcsse zur staatlichen Aufgabe gemacht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Thema Plastik in den Ozeanen geistern meist Bilder von Plastikm\u00fcll durch die Medien, die suggerieren, dass insbesondere&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":26073,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-26072","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26072","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26072"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26072\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26074,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26072\/revisions\/26074"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/26073"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26072"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26072"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26072"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=26072"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}