{"id":26249,"date":"2021-05-20T11:54:14","date_gmt":"2021-05-20T09:54:14","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=26249"},"modified":"2021-05-20T11:54:14","modified_gmt":"2021-05-20T09:54:14","slug":"design-pro-oder-contra-recycling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=26249","title":{"rendered":"Design \u2013 Pro oder Contra Recycling?"},"content":{"rendered":"<p>Wohin werden sich Konsumg\u00fcterverpackungen entwickeln? Design for Recycling sollte nicht alleine wegen des europ\u00e4ischen Green Deals bei allen Beteiligten des Papierkreislaufs ganz oben auf der Agenda stehen. Dies war ein Fazit der vortragenden Fachexperten auf dem 23. Internationalen bvse-Altpapiertag.<\/p>\n<p><strong>Vorgaben zur Recyclingf\u00e4higkeit bergen auch Zielkonflikte<\/strong><\/p>\n<p>In der Novelle der Verpackungsrichtlinie, mit der die EU-Richtlinie 2019\/904 in deutsches Recht umgesetzt werden soll, bergen insbesondere die Vorgaben zur Recyclingf\u00e4higkeit Zielkonflikte. Dies machte der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Verpackung + Umwelt (AGVU), Dr. Carl Dominik Klepper, in seinem Vortrag deutlich.<\/p>\n<p>Der im Gesetzentwurf angedachte Vorschlag von 95 Prozent Recyclingf\u00e4higkeit bis 2030 klinge zwar zun\u00e4chst gut, erkl\u00e4rte Klepper, allerdings k\u00f6nne dies in Zielkonflikt mit anderen \u00f6kologischen Vorgaben, wie beispielsweise der Ressourcenminimierung, geraten. So sei gut recycelbares Monomaterial h\u00e4ufig schwerer als mehrschichtig aufgebautes Verpackungsmaterial.<\/p>\n<p>Auch gelte es Fehlanreize durch ehrgeizige Zielvorgaben zu vermeiden. Eine H\u00f6chstmarke von 5 Prozent f\u00fcr nicht-recyclingf\u00e4hige Materialien in Verpackungen k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass die Anteile recyclingf\u00e4higer Materialien \u00fcberproportional erh\u00f6ht w\u00fcrden, um die nicht f\u00fcr das Recycling geeigneten Materialien, wie beispielsweise Sealings in Kronkorken, weiter verwenden zu d\u00fcrfen, warnte Klepper.<\/p>\n<p><strong>Wiederverwertung muss Ziel f\u00fcr Industriegesellschaft sein<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDer Einsatz von faserbasierten Verpackungen ist ein sehr sinnvoller Megatrend im Zuge der \u00d6kologisierung der Gesellschaft\u201c, erkl\u00e4rte Philipp Kosloh, Chief Operating Officer des Papier- und Verpackungsherstellers Progroup. Die hohe Altpapierverwertungsquote von 90 Prozent und der exzellent aufgebaute Recyclingkreislauf f\u00fcr Verpackungen seien Treiber daf\u00fcr, dass ca. 25 Prozent der Kunststoffverpackungen in Zukunft durch faserbasierte Produkte ersetzt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>\u201eWichtig ist jedoch, dass es kein Trend des Greenwashings wird\u201c, machte Kosloh deutlich. Mittlerweile sei zu beobachten, dass der Anteil papierbasierter Verpackungen, in die Barriereschichten aus Kunststoff integriert seien, zunehme. Diese sind jedoch nur schwer oder gar nicht recycelbar und f\u00fchrten zu Verunreinigungen im Altpapier, die mit 3-4 Prozent heute schon zu hoch seien. \u201eEs ist keinesfalls das Ziel, von gut recycelbaren Monoverpackungen wegzukommen und auf Verbundverpackungen umzusteigen\u201c, machte Kosloh deutlich.<\/p>\n<p>Beim Produktdesign m\u00fcsse die Recyclingf\u00e4higkeit im Blick behalten und darauf fokussiert werden, dass der Verbraucher die Verpackung eindeutig einer Fraktion f\u00fcr eine sortenreine Sammlung zuordnen kann. Die Verbraucher werden sensibler und den Markt weiter in Richtung Nachhaltigkeit treiben, zeigte sich Kosloh \u00fcberzeugt.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bewertung der Recyclingf\u00e4higkeit<\/strong><\/p>\n<p>Wichtig im Kontext des Verpackungsrecyclings sei eine klare, europaweit harmonisierte Definition f\u00fcr das Testen der Recyclingf\u00e4higkeit, so Dipl.-Ing. Lydia Tempel, Head of Department Recycling and Digitalisation in der PTS Papiertechnische Stiftung. \u00dcber die CEPI, Br\u00fcssel, wurde eine Bewertungsmethode erarbeitet, die bald zur Anwendung kommen werde.<\/p>\n<p>Der Forschungsbedarf ist weiterhin hoch, nicht jede Verpackung eigne sich f\u00fcr ein hochwertiges stoffliches Recycling und Design for Recycling sei entsprechend wichtig im fr\u00fchestm\u00f6glichen Stadium. Die Forschung k\u00f6nne hier mit Daten \u00fcber die jeweiligen Materialien und \u00fcber die Prozesse unterst\u00fctzen, so dass eine flexible Sortierung und Aufbereitung in Abh\u00e4ngigkeit vom Material m\u00f6glich werde. Dabei k\u00f6nne die digitale Transformation und Daten\u00fcbermittlung zwischen den Stakeholdern eine unterst\u00fctzende Rolle spielen.<\/p>\n<p>Auch die Erkennung der Altpapierzusammensetzung bei der Altpapiereingangskontrolle wird sich weiter entwickeln, um fr\u00fchzeitig die optimale Rezeptur f\u00fcr die Papiermaschine durch Auswahl der Ballen erreichen zu k\u00f6nnen. Dabei k\u00f6nne in der Zukunft auch k\u00fcnstliche Intelligenz eine Rolle einnehmen.<\/p>\n<p><strong>Recyclingf\u00e4higkeit bis ans Ende der Kette denken<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDas Kunststoffbashing f\u00fchrt dazu, dass Konsumg\u00fcterverpackungen zu sehr in die Papierverpackung gedr\u00e4ngt werden, obwohl dies auch aus \u00d6kobilanzsicht nicht immer sinnvoll ist\u201c, beklagte Henry Forster, Mitglied des gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden bvse-Pr\u00e4sidiums und Vorsitzender des bvse-Kreislaufwirtschaftsausschusses.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfes Manko sei zudem, dass die Recyclingf\u00e4higkeit bei der Produktion der Verpackung festgestellt wird und nicht etwa nach deren Gebrauch. Eine ung\u00fcnstige Handhabung, wie beispielsweise das Aufbringen von Aufklebern oder die intensive Verwendung von Paketklebeband f\u00fcr den Transport, k\u00f6nnen dazu f\u00fchren, dass die Verpackungen am Ende f\u00fcr das Recycling nur noch stark eingeschr\u00e4nkt oder ganz unbrauchbar sind, machte Henry Forster deutlich.<\/p>\n<p><strong>Welches Erfassungsgef\u00e4\u00df ist das Geeignete?<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Mit der Zunahme kunststoffbasierter Barriereschichten in Papierverpackungen spiele zudem die Wahl des richtigen Erfassungssystems eine entscheidende Rolle. Die Altpapierbranche k\u00e4mpfe schon bislang mit einer zunehmenden Verschlechterung von Qualit\u00e4ten, erkl\u00e4rte Henry Forster. Die erreichten hohen Standards im Papierrecyclingkreislauf d\u00fcrfen nicht verw\u00e4ssert werden.<\/p>\n<p>Weder das Szenario, dass minderwertige Verbundverpackungen in einem hochwertigen Altpapiersammelsystem (blaue Tonne) landen, noch jenes, dass hochwertige Fasern in der gelben Tonne\/Sack verschwinden \u2013 und damit unwiderruflich f\u00fcr das Altpapierrecycling verloren gehen, seien im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft akzeptabel, hob Forster hervor.<\/p>\n<p>\u201eDie Kunststoff-Barriereschicht l\u00e4sst sich durch eine trockene Sortierung bislang nicht von der Faser trennen. Und da Papierfabriken strenge Grenzwerte f\u00fcr papierfremde Bestandteile vorgeben, ist es denkbar, dass es zunehmend zu Akzeptanzproblemen im Rahmen der Altpapiereingangskontrolle in den Fabriken kommen wird\u201c, erg\u00e4nzte bvse-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Thomas Braun die Problematik der Aufbereiter.<\/p>\n<p>Dies lie\u00dfe sich zwar durch den Einsatz von zus\u00e4tzlicher, aufw\u00e4ndiger Aufbereitungstechnik in den Sortierbetrieben vermeiden. Nur stelle sich die Frage, wer die Kosten daf\u00fcr tr\u00e4gt und wohin denn dann mit den aussortierten Barriereverpackungen?<\/p>\n<p><strong>Gemeinsame Plattform f\u00fcr Produktverantwortung notwendig<\/strong><\/p>\n<p>Die Entwicklung kreislauff\u00e4higer Packstoffe erfordert das Zusammenspiel aller an der Kreislaufwirtschaft Beteiligten. Industrie, Beh\u00f6rden und Verb\u00e4nde m\u00fcssen sich ebenso wie Sammler, Recycler und Verbraucher gleicherma\u00dfen verantwortlich in diesen Prozess involvieren und an einem Strang ziehen, erkl\u00e4rte Martin Luh, Global Packaging Base Material Management (Paperboards) bei Nestl\u00e9, \u00d6sterreich. Als Unternehmen versucht man, Prozesse, Rohstoffe und Verpackungen klimaneutral zu gestalten. Eine gro\u00dfe Herausforderung sei, Widerspr\u00fcche zwischen politischen W\u00fcnschen und technischen M\u00f6glichkeiten unter einen Hut zu bringen und einen gemeinsamen Nenner zu finden.<\/p>\n<p>Der Hauptfokus bei der Entwicklung alternativer Packstoffe liege vordergr\u00fcndig auf der Substitution von Materialien, die nicht oder nur schwer recyclingf\u00e4hig sind. Dazu z\u00e4hlen verschiedene Verbunde. Betrachtet man die Verpackung, so darf dies nicht isoliert geschehen, sondern man muss das verpackte Produkt und seinen Schutzbedarf in seiner Umgebung sehen, danach l\u00e4sst sich die Verpackung denken. Einen restlosen Austausch von Kunststoff gegen faserbasierte Materialien sieht Luh nicht \u201etop on the list\u201c. Dies, weil eine Reihe von Kunststoffen recyclingf\u00e4hig sind und sie Barriereeigenschaften mit sich bringen, die dem Produktschutz dienen und somit der Vermeidung von Lebensmittelverlust. Als global agierendes Unternehmen zielt Nestl\u00e9 auf eine weitl\u00e4ufige Recyclingf\u00e4higkeit ab, nicht auf eine rein regionale L\u00f6sung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Wohin werden sich Konsumg\u00fcterverpackungen entwickeln? Design for Recycling sollte nicht alleine wegen des europ\u00e4ischen Green Deals&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6837,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-26249","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26249","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26249"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26249\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26250,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26249\/revisions\/26250"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6837"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26249"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26249"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26249"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=26249"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}