{"id":26788,"date":"2021-07-02T11:54:01","date_gmt":"2021-07-02T09:54:01","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=26788"},"modified":"2021-07-01T11:57:44","modified_gmt":"2021-07-01T09:57:44","slug":"webbasierte-planungshilfe-fuer-besseren-arbeitsschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=26788","title":{"rendered":"Webbasierte Planungshilfe f\u00fcr besseren Arbeitsschutz"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Sicherheit des Menschen in der Interaktion mit Robotern hat h\u00f6chste Priorit\u00e4t. Dies gilt umso mehr, wenn Mensch und Maschine nicht durch Sicherheitsz\u00e4une voneinander getrennt sind, sondern Seite an Seite zusammenarbeiten. Eine webbasierte Planungshilfe des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF unterst\u00fctzt Unternehmen bei der Auslegung ihrer kollaborativen Roboter. Der Cobot-Planer hilft, das Risiko f\u00fcr Unf\u00e4lle zu minimieren und erh\u00f6ht die Sicherheit der Besch\u00e4ftigten. Das Tool steht kostenlos als Web-Applikation zur Verf\u00fcgung. <\/strong><\/p>\n<p>Anwender haben mit dem Planungswerkzeug die M\u00f6glichkeit, unterschiedliche Roboter, Gef\u00e4hrdungssituationen und Werkzeuge zu kombinieren und sich so einen Katalog anzulegen und diesen laufend zu erweitern.<\/p>\n<p>In immer mehr Bereichen \u2013 sei es in der Produktion, der Logistik oder auch der Medizin \u2013 teilen sich Mensch und Roboter einen Arbeitsraum. Sicherheit spielt dabei eine zentrale Rolle. Bislang verhindern Abstandssensoren am Roboter schwere Zusammenst\u00f6\u00dfe oder Quetschungen bei Kollisionen. Doch die Sensoren funktionieren nicht, wenn Mensch und Maschine nah beieinander stehen m\u00fcssen, etwa in der Vormontage. Dann sind andere L\u00f6sungen gefragt. Mit dem Cobot-Planer haben Forscherteams des Fraunhofer IFF eine webbasierte Applikation entwickelt, die ermittelt, bei welchen Geschwindigkeiten des Roboters eine sichere Zusammenarbeit gew\u00e4hrleistet ist. Die Planungshilfe unterst\u00fctzt Programmierer bei der sicheren Auslegung von kollaborativen Robotern. Das Projekt wurde im Auftrag der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) durchgef\u00fchrt \u2013 ein Tr\u00e4ger der gesetzlichen Unfallversicherung f\u00fcr das Metall und Holz verarbeitende Gewerbe.<\/p>\n<h4><strong>Digitale Gefahrenpr\u00e4vention f\u00fcr kollaborative Roboterarbeitspl\u00e4tze<\/strong><\/h4>\n<p>Wer einen kollaborativen Roboter f\u00fcr seinen Betrieb anschafft, muss eine Risikobewertung vornehmen. Diese ist gesetzlich verpflichtend. Die Unternehmen m\u00fcssen im Vorfeld \u00fcberlegen, welche konkreten Gefahren auftreten k\u00f6nnen, welche vorhersehbaren Fehlanwendungen seitens des Mitarbeitenden m\u00f6glich sind. Bei der Sicherheitsabnahme wird die maximale Geschwindigkeit messtechnisch ermittelt, die der Roboter erreichen darf. Mit einem speziellen Ger\u00e4t werden dazu die Kollisionskr\u00e4fte und -dr\u00fccke gemessen, die bei Ber\u00fchrung des Roboters auf den Menschen wirken. Die Grenzwerte aus der Norm ISO\/TS 15066 d\u00fcrfen dabei nicht \u00fcberschritten werden. Andernfalls m\u00fcsste die Geschwindigkeit der Maschine reduziert werden, um eine Verletzung des Mitarbeitenden durch Klemmung oder Kollision zu vermeiden. Die Messung ist kostspielig und setzt Expertise voraus. Der Roboter muss programmiert und aufgebaut sein. \u00bbGerade kleine Betriebe k\u00f6nnen sich einen solchen Aufwand nicht leisten. Au\u00dferdem erfolgt die Messung zu sp\u00e4t, der Roboter ist ja bereits gekauft. Hier kommt unser Cobot-Planer f\u00fcr die digitale Gefahrenpr\u00e4vention ins Spiel\u00ab, sagt Dr. Roland Behrens, Wissenschaftler am Fraunhofer IFF. Unternehmen k\u00f6nnen mit dem interaktiven Werkzeug noch vor dem Kauf einsch\u00e4tzen, ob die Geschwindigkeit des Roboters ausreicht, um eine bestimmte Aufgabe produktiv und vor allem sicher zu erledigen. \u00bbDie H\u00f6he der Kraft h\u00e4ngt von der Schnelligkeit des Roboters ab\u00ab, sagt Behrens. Werden die Grenzwerte \u00fcberschritten, leidet in der Folge die Produktivit\u00e4t. \u00bbAngenommen, der Roboter muss eine Palette vorsortieren und hat daf\u00fcr eine Minute Zeit. Wenn jetzt die Geschwindigkeit aus Sicherheitsgr\u00fcnden um 50 Prozent reduziert werden muss, erh\u00f6ht sich die Taktzeit auf zwei Minuten, die Wirtschaftlichkeit des Roboters sinkt also um 50 Prozent\u00ab, erl\u00e4utert der Forscher und erg\u00e4nzt: \u00bbDeshalb w\u00e4re es w\u00fcnschenswert, wenn man eine solche Wirtschaftlichkeitsrechnung noch vor dem Kauf des Roboters durchf\u00fchren k\u00f6nnte.\u00ab<\/p>\n<h4><strong>Cobot-Planer soll Messung mit Pr\u00fcfger\u00e4t ersetzen<\/strong><\/h4>\n<p>Mit dem Cobot-Planer lassen sich Fehlk\u00e4ufe und weitere eventuell erforderliche Messungen vermeiden. So k\u00f6nnen Betriebe mit dem Planungswerkzeug den Engineering-Aufwand bei der Umsetzung zuk\u00fcnftiger MRK-Applikationen deutlich verringern. \u00bbZiel ist es, durch Computersimulation wie beim Cobot-Planer k\u00fcnftig komplett auf die Messungen zu verzichten.\u00ab Das Tool steht f\u00fcr alle, die einen MRK-Arbeitsplatz planen, unter www.cobotplaner.de kostenlos zur Verf\u00fcgung. Die digitale Planungshilfe l\u00e4uft in allen Browsern.<\/p>\n<p>Die Bedienung ist einfach: Der Anwender muss lediglich Parameter zum Roboter, zur Gef\u00e4hrdung und zum genutzten Werkzeug \u2013 etwa einem Greifer \u2013 eingeben. Der Cobot-Planer berechnet dann automatisch die Wirkung eines Kontakts zwischen Mensch und Maschine und berechnet die maximal zul\u00e4ssige Geschwindigkeit des Roboters. Auch die M\u00f6glichkeit, eigene, individuelle Robotermodelle zu laden, bietet das Tool. Die Eingabe von Parametern entf\u00e4llt dann.<\/p>\n<p>Die technologische Grundlage bilden verschiedene biomechanische Roboter- und Gef\u00e4hrdungsmodelle. Der Anwender hat die M\u00f6glichkeit, unterschiedliche Roboter, Gef\u00e4hrdungssituationen und Werkzeuge zu kombinieren und sich so einen Katalog anzulegen und diesen laufend zu erweitern. Alle eingegebenen Daten lassen sich herunterladen und zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt wiederverwenden. Aus Datenschutzgr\u00fcnden werden die Eingaben nicht auf dem Server des Cobot-Planers gespeichert.<\/p>\n<h4><strong>Belastungsversuche mit Probanden liefern Daten f\u00fcr biomechanisches Modell<\/strong><\/h4>\n<p>Das biomechanische Modell simuliert pr\u00e4zise, inwieweit der Mensch durch Klemmung und Kollision beansprucht wird. Es umfasst alle 29 relevanten K\u00f6rperteile, an denen Menschen Schmerz empfinden k\u00f6nnen, beispielsweise geh\u00f6rt der Kopf dazu. Dieses Modell geht zur\u00fcck auf Ergebnisse von Probandenstudien des Fraunhofer IFF, die das Institut weltweit einmalig und im Auftrag der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung DGUV und der BGHM zur Ermittlung biomechanischer Grenzwerte durchf\u00fchrte. Die Simulationsergebnisse des Cobot-Planers hat das Fraunhofer IFF zusammen mit \u00c4rzten der Klinik f\u00fcr Unfallchirurgie der Otto-von-Guericke-Universit\u00e4t und unter Einbindung der zust\u00e4ndigen Ethikkommission experimentell in Belastungsversuchen mit Probanden validiert. Die Tests liefen von 2015 bis 2019.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sicherheit des Menschen in der Interaktion mit Robotern hat h\u00f6chste Priorit\u00e4t. 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