{"id":31026,"date":"2022-04-05T13:32:19","date_gmt":"2022-04-05T11:32:19","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=31026"},"modified":"2022-04-05T13:32:19","modified_gmt":"2022-04-05T11:32:19","slug":"nachhaltigkeit-kostet-geld-keine-frage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=31026","title":{"rendered":"Nachhaltigkeit kostet Geld, keine Frage"},"content":{"rendered":"<p><strong>Way2K: Branchen-Interviews auf dem Weg zur K-Messe 2022<\/strong><strong><br \/>\n\u201eNachhaltigkeit kostet Geld, keine Frage\u201c<\/p>\n<p>Interview mit Uwe Rothaug, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Kurtz GmbH &amp; Co. KG<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herr Rothaug, Kurtz Ersa ist ein sehr altes und traditionsreiches Unternehmen. Was bedeutet Nachhaltigkeit f\u00fcr Sie?<\/strong><br \/>\nGerade weil wir ein Unternehmen mit so langer Tradition sind, hat Nachhaltigkeit bei uns oberste Priorit\u00e4t. Deshalb haben wir uns auch zum Ziel gesetzt, zu unserem 250. Firmenjubil\u00e4um im Jahr 2029 komplett CO2-frei zu sein. Wir sind mit Hochdruck dran, sowohl in den internen Prozessen \u2013 nachhaltig entwickeln, nachhaltig verkaufen, nachhaltig einkaufen \u2013 als auch in den Produkten, die wir an unsere Kunden liefern.<\/p>\n<p><strong>Ist dieses Ziel intern leichter zu erreichen als \u00fcber Ihre Produkte?<\/strong><br \/>\nIntern hat man es mehr selbst in der Hand, extern h\u00e4ngt es davon ab, ob der Kunde ein Produkt, das nachhaltiger ist und dem Klimaschutz dient, auch kaufen will. Wir haben zum Beispiel eine Maschine entwickelt, mit der man Partikelsch\u00e4ume, wie zum Beispiel EPS, ohne den Einsatz von Dampf verschwei\u00dfen kann. Man braucht also keine Dampferzeugungsanlage oder K\u00fchlturm-Installation mit Wasserbecken mehr. Dadurch spart man nicht nur Wasser, sondern in erheblichem Ma\u00dfe auch Energie und damit CO2-Emissionen ein. Aber diese Maschine setzt auf eine v\u00f6llig neue Technologie und viele Kunden sind noch nicht bereit, sie gegen ihre herk\u00f6mmlichen Anlagen zu tauschen. Die verdienen mit ihren derzeitigen Prozessen Geld. Im t\u00e4glichen Produktionsprozess sind Klimaziele, wie sie der europ\u00e4ische Green Deal f\u00fcr 2050 postuliert, weit weg.<\/p>\n<p><strong>Was ist so grundlegend anders an der neuen Maschine?<\/strong><br \/>\nBei dieser Maschine, die wir Wave Foamer nennen, arbeiten wir mit einem Radiofrequenzprozess. Er bringt die Molek\u00fclketten mit Wechselspannung in Schwingungen, sie reiben sich aneinander und die dadurch entstehende W\u00e4rme f\u00fchrt zum Verschwei\u00dfungsprozess. Bisher haben wir von au\u00dfen Dampf hereingebracht, wir haben also vorher das Wasser erhitzt, bis es zu Dampf wurde. Das war ein CO2-fressender Prozess. Wir k\u00f6nnen jetzt dieselben gesch\u00e4umten Teile herstellen wie vorher, also beispielsweise Automobilteile wie Sto\u00dfd\u00e4mpfer oder Sonnenblenden. Nur emittieren wir viel weniger sch\u00e4dliches Treibhausgas. Der elektromagnetische Prozess ist auch viel feiner einstellbar, und man kann die elektromagnetische Energie sehr gut dosieren. Damit kann man Materialien verarbeiten, die man vorher nicht verarbeiten konnte.<\/p>\n<p><strong>Welche Auswirkungen hat der neue Prozess auf das Recycling?<\/strong><br \/>\nWir k\u00f6nnen mit dem neuen Prozess viel besser recyceltes EPS gegen neues Styropor ersetzen. Schon heute werden in gesch\u00e4umten Teilen bis zu 20 Prozent recyceltes EPS eingesetzt. Mit unserer Methode kann man bis zu 100 Prozent EPS verarbeiten. Das ist eine ganz andere Welt, wenn man bedenkt, welche Mengen an EPS allein in der globalen Verpackungsindustrie verwendet werden. EPS in der Verpackung wird nicht \u00fcberleben ohne Recycling. Das muss man ganz klar sehen.<\/p>\n<p><strong>Trotz all dieser Vorteile sind Ihre Kunden aber noch zur\u00fcckhaltend gegen\u00fcber der Neuerung<\/strong><br \/>\nF\u00fcr die Kunden ist das ein Paradigmenwechsel \u2013 der am Anfang auch teuer ist. Man braucht l\u00e4ngere Zeit, bis man unseren neuen Prozess richtig im Griff hat. Nachhaltigkeit kostet Geld, keine Frage, aber diejenigen, die rechtzeitig anfangen, ihre Prozesse nachhaltig zu machen, werden die Gewinner sein. Mit unserer neuen Maschine und Verarbeitungsmethode l\u00e4sst sich der Energieverbrauch um 90 Prozent verringern, der Wasserverbrauch um bis zu 100 Prozent. Wir haben eine CO2-Einsparung \u00fcber den gesamten Prozess von 70 Prozent errechnet. Das ist unser Beitrag zum Klimaschutz.<\/p>\n<p><strong>Wird sich durch technologische Neuerungen, die dem Klima- und Ressourcenschutz dienen, das Image des Kunststoffs verbessern?<\/strong><br \/>\nDas hoffe ich. Noch ist es ja so, dass die Kunststoffindustrie viele Anstrengungen unternimmt, die zum Klimaschutz beitragen und auch zur Kreislaufwirtschaft. Aber sie werden in der \u00d6ffentlichkeit nicht wahrgenommen. Wir m\u00fcssen sichtbarer werden, nach dem Motto \u201etue Gutes und rede dar\u00fcber\u201c. Wir m\u00fcssen die \u00d6ffentlichkeit breit informieren. Dazu m\u00fcssen wir alle m\u00f6glichen Kommunikationskan\u00e4le nutzen. In der heutigen Zeit hei\u00dft das auch, verst\u00e4rkt die sozialen Medien zu bedienen.<\/p>\n<p><strong>Wird ein besseres Image auch helfen, den Fachkr\u00e4ftemangel zu lindern?<\/strong><br \/>\nDie jungen Menschen der Generation Y und Z, die schauen sich ganz genau an, f\u00fcr welche Firma sie arbeiten wollen. Sie wollen nicht in Branchen t\u00e4tig sein, die sie f\u00fcr sch\u00e4dlich oder schmutzig halten. Deshalb ist ein gutes Image von zentraler Bedeutung im Recruiting. Wir haben in Deutschland jetzt schon einen Mangel an Arbeitskr\u00e4ften und der wird in den n\u00e4chsten Jahren wegen der demographischen Entwicklung noch gr\u00f6\u00dfer werden. Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass nur ein nachhaltig agierendes Unternehmen k\u00fcnftig die Fachkr\u00e4fte finden wird, die es braucht.<br \/>\nVideo Statement Uwe Rothaug: <a href=\"https:\/\/vimeo.com\/685384005\">https:\/\/vimeo.com\/685384005<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade weil wir ein Unternehmen mit so langer Tradition sind, hat Nachhaltigkeit bei uns oberste Priorit\u00e4t. 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