{"id":31389,"date":"2022-04-27T09:00:05","date_gmt":"2022-04-27T07:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=31389"},"modified":"2022-04-27T09:00:05","modified_gmt":"2022-04-27T07:00:05","slug":"recycling-muss-sich-auch-finanziell-lohnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=31389","title":{"rendered":"Recycling muss sich auch finanziell lohnen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Way2K: Branchen-Interviews auf dem Weg zur K-Messe 2022<\/strong><strong><\/p>\n<p>Interview mit Patrick Henzler, Sales Director bei der WEIMA Maschinenbau GmbH<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herr Henzler, wie entwickelt sich das Recycling-Gesch\u00e4ft bei WEIMA?<\/strong><br \/>\nSehr gut, denn die Bedeutung des Recyclings steigt. Weil das Umweltbewusstsein zunimmt, weil die Ressourcen begrenzt sind und weil man auf Kunststoff nicht verzichten kann. Also muss immer mehr Rezyklat eingesetzt werden. Bei WEIMA stehen wir mit unseren Zerkleinerungsmaschinen am Anfang der Recyclingkette und leisten hier einen wichtigen Beitrag. Beim Post-Consumer-Recycling sehen wir seit Jahren den Trend stetig steigender Verarbeitungsmengen. Wir haben unsere Maschinen so angepasst, dass sie h\u00f6here Durchsatzleistungen erm\u00f6glichen und auch noch kosteneffizient sind. Eine hohe Zug\u00e4nglichkeit f\u00fcr Wartungszwecke und variable Antriebstechnologien zeichnen die WEIMA Zerkleinerungsmaschinen \u00fcberdies aus. Bei j\u00e4hrlich \u00fcber 1.200 ausgelieferten Maschinen k\u00f6nnen wir da auf einen einzigartigen Erfahrungsschatz zur\u00fcckgreifen.<\/p>\n<p><strong>Wie gut funktioniert die Beschaffung des Kunststoffabfalls?<\/strong><br \/>\nDie Beschaffung f\u00e4ngt mit dem Sammeln der Wertstoffe an. Durch die hohe Bedeutung unserer Exportgesch\u00e4fte sind wir in vielen L\u00e4ndern unterwegs und sehen ganz unterschiedlich weit entwickelte Abfallsysteme. Teilweise sind sie auch nur rudiment\u00e4r vorhanden. Aber selbst die Abfallsysteme in Europa und sogar in Deutschland sind noch nicht optimal. Und auch wenn sie bereits einen fortgeschrittenen Entwicklungsstand erreicht haben, sind einige der Folgeschritte noch unterentwickelt.<\/p>\n<p><strong>Wo hakt es bei uns noch?<\/strong><br \/>\nZum Beispiel bei der Sortierbarkeit der Materialien. Die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr kosteneffizientes Kunststoffrecycling nehmen zu, wenn das Material sortenrein ist. Wenn man etwa kaschierte Mehrschichtfolien mit einer zus\u00e4tzlichen Papier- oder Aluminiumschicht hat, wird das Recycling so teuer und komplex, dass es f\u00fcr potenzielle Verarbeiter uninteressant wird. Recycling muss sich aber auch finanziell lohnen. Technologisch ist viel m\u00f6glich, und es entwickelt sich auch stetig Neues. Aber wenn die Kosten davonlaufen, macht es keiner. Das ist ein Grund daf\u00fcr, dass in Deutschland noch sehr viel wertvoller Kunststoffabfall einfach in die Verbrennung geht.<\/p>\n<p><strong>Wie kann man das besser machen?<\/strong><br \/>\nDas ist in erster Linie eine politische Aufgabe. Es m\u00fcssen hier noch viele Schritte gemacht werden, damit wir zu einem besseren Management der Materialstr\u00f6me kommen. Eine vereinheitlichte Gesetzgebung zur Verwendung von Rezyklaten mit Lebensmittelkontakt w\u00e4re ein Beispiel \u2013 das w\u00e4re auch eine Voraussetzung f\u00fcr die Schaffung von Verbrauchervertrauen. In Deutschland ist es aktuell doch so, dass die Materialsammlung in jedem Landkreis anders funktioniert. Ein fehlender Standard und eine mangelnde \u00dcberwachung der Stoffstr\u00f6me f\u00fchren zu schwankenden Verarbeitungsmengen f\u00fcrs Recycling und somit zu einer volatilen Verf\u00fcgbarkeit an Rezyklaten.<\/p>\n<p><strong>Sollte auch das Produktdesign st\u00e4rker geregelt werden?<\/strong><br \/>\nUnbedingt brauchen wir Regeln und Vorgaben in Bezug auf das Produktdesign. Momentan haben die Verpackungshersteller noch v\u00f6llig freie Hand. Verpackungen d\u00fcrfen entwickelt werden, deren Recycling praktisch nicht m\u00f6glich ist. Eine nachhaltige L\u00f6sung f\u00fcr dieses Problem bietet zum Beispiel der Ansatz \u201eDesign for Recycling\u201c. Dazu geh\u00f6ren recycelbare Materialien, helle Farben f\u00fcr bessere Sortierbarkeit, Monomaterialien statt Materialmix, bessere Etikettierung und Verschlussl\u00f6sungen. All das verbessert die Recyclingf\u00e4higkeit. Die Hauptmotivation f\u00fcr mehr Recycling wird aktuell jedoch vom einem zunehmenden Verbraucherbewusstsein geschaffen. Je mehr die Verbraucher Wert darauf legen, nur noch Produkte zu kaufen, die sich in Verpackungen aus recyceltem Kunststoff befinden, desto h\u00f6her werden die Recyclinganteile \u2013 ganz automatisch.<\/p>\n<p><strong>Technologisch gibt es keine Probleme?<\/strong><br \/>\nWir haben im Recyclingbereich eine gro\u00dfe Vielfalt an technologischen Ans\u00e4tzen. Unser Interesse als Unternehmen ist es, unsere Technologien weiterzuentwickeln, damit wir auch in Zukunft die besten und effizientesten L\u00f6sungen haben. Aber die effizienteste L\u00f6sung bringt nichts, wenn es die Organisation von Stoffstr\u00f6men nicht erlaubt, die Technologien wirklich kosteneffizient einzusetzen. Bislang haben wir da in der Europ\u00e4ischen Union nur kleine Fortschritte gemacht.<\/p>\n<p><strong>Bei Post-Industrial-Abf\u00e4llen hat man meistens Sortenreinheit. Wird es hier mehr Recycling geben?\u00a0<\/strong><br \/>\nDas Inhouse-Recycling wird zunehmen und zwar aus zwei Gr\u00fcnden: Erstens wird man die Ressourcen in der Zukunft so effizient wie m\u00f6glich nutzen m\u00fcssen, um unabh\u00e4ngiger zu werden. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie desastr\u00f6s sich Lieferengp\u00e4sse bei Rohstoffen auf die Produktion auswirken k\u00f6nnen. Man ist abh\u00e4ngig von der Petrochemie, deren Preisen f\u00fcr Virgin-Materialien und deren Verf\u00fcgbarkeiten. Diese Abh\u00e4ngigkeiten werden viele verringern wollen und deshalb st\u00e4rker auf das Recycling ihrer Produktionsabf\u00e4lle setzen. Zweitens wird mehr inhouse recycelt, wenn Rezyklat auf dem Markt zu teuer ist. Ein Beispiel: Eine Firma stellt Kunststoffteile f\u00fcr die Autoindustrie her. Der Abnehmer verlangt nun einen Rezyklatanteil von 30 Prozent. Dieses Rezyklat kostet auf dem Markt mehr als Neuware. Das f\u00fchrt dazu, dass er sich gezwungen sieht, sich selbst um das Recycling seiner Produktionsabf\u00e4lle zu k\u00fcmmern. Die ver\u00e4nderte Preissituation f\u00fcr Rohstoffe f\u00fchrt die Verarbeiter zum Recycling.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unbedingt brauchen wir Regeln und Vorgaben in Bezug auf das Produktdesign. 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