{"id":31701,"date":"2022-05-11T09:44:30","date_gmt":"2022-05-11T07:44:30","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=31701"},"modified":"2022-05-10T13:46:29","modified_gmt":"2022-05-10T11:46:29","slug":"wir-wollen-einen-kreislauf-in-gang-setzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=31701","title":{"rendered":"Wir wollen einen Kreislauf in Gang setzen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Way2K: Branchen-Interviews auf dem Weg zur K-Messe 2022<\/strong><strong><\/p>\n<p>Interview mit Dr. Andreas Hirschfelder, Senior Vice President, Member of the Managing Board bei der LEONHARD KURZ GmbH &amp; Co. KG<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herr Dr. Hirschfelder, wie treibt KURZ als Oberfl\u00e4chenveredler die Nachhaltigkeit voran?<\/strong><br \/>\nEs gibt verschiedene Wege, auf denen wir das tun. Kurz hat zum Beispiel \u00fcber Jahrzehnte einen Veredelungsprozess entwickelt und in der Kunststoffindustrie etabliert, der mit viel d\u00fcnneren Schichten arbeitet, als sie sonst in der Lackierindustrie verwendet werden und das bei gleichbleibender Oberfl\u00e4chen-Performance. Damit l\u00e4sst sich viel Material einsparen. Aber auch dieser d\u00fcnne Trockenlack braucht ein Tr\u00e4germedium, einen Polyestertr\u00e4ger, von dem er in den Verarbeitungsprozessen \u00fcbertragen wird. Der Polyester ist ein prozessbedingter Abfall, der bisher meistens in der Zementindustrie verwertet wird. Hier wollen wir einen Kreislauf in Gang setzen, damit das PET-Material ein weiteres Mal verwendet werden kann, im Idealfall sogar mehrfach.<\/p>\n<p><strong>Wie funktioniert der?<\/strong><br \/>\nUnsere Kunden sind oft Gro\u00dfverbraucher. Wir wissen also, wo unser Material verwendet wird. Deshalb haben wir mit ersten Kunden ein R\u00fcckholsystem gestartet. Wir holen ihr Abfallmaterial ab und recyceln es bei uns in einer eigenen Recyclinganlage so, dass daraus wieder hochwertige Spritzgussteile gefertigt werden k\u00f6nnen. Das ist technisch nicht ganz einfach, weil das Material naturgem\u00e4\u00df nicht ganz sortenrein und sauber ist. Das ist die Stufe eins in diesem Prozess. In einer zweiten Stufe geht es darum, das zur\u00fcckgewonnene Material wieder so in den Polyesterkreislauf hineinzubringen, dass Produkte mit allerh\u00f6chsten Anspr\u00fcchen daraus gemacht werden k\u00f6nnen, beispielsweise Folien. Das ist unser Endziel.<\/p>\n<p><strong>Haben Sie dabei Partner?<\/strong><br \/>\nWir haben als Verarbeiter viele gute Ans\u00e4tze und Ideen, das Material im idealen Kreislauf zu f\u00fchren. Wir brauchen aber die Industrie, die daraus wieder Polyester und Folien herstellt. Wir haben schon einige Hersteller von Virgin-Material als Kooperationspartner gewonnen. Wir arbeiten auch mit Folienherstellern zusammen. Ein wichtiger Punkt ist dabei auch, dass wir unser Transfer-Produkt so entwickeln, dass wir das Tr\u00e4germaterial gut recyceln k\u00f6nnen. Das ist ein Umdenken gegen\u00fcber fr\u00fcher, wo man linear gedacht hat. Man muss heute einen ganzheitlichen Blick entwickeln.<\/p>\n<p><strong>Abgesehen von der Materialersparnis durch d\u00fcnne Beschichtungen, welche nachhaltigen Entwicklungen gibt es bei Ihnen noch?<\/strong><br \/>\nUnsere Oberfl\u00e4chendekorationen sind mittlerweile in Ihrer Zusammensetzung den Spritzgussmaterialien sehr \u00e4hnlich. Wir konnten zeigen, dass Bauteile mit unseren Beschichtungen beliebig recycelt werden und mit unserer D\u00fcnnschichttechnologie wieder auf dasselbe optische Qualit\u00e4tsniveau gebracht werden k\u00f6nnen. Unsere Designs stellen durch die geringe Materialdicke keine St\u00f6rung dar. Zus\u00e4tzlich haben Studien in der Verpackungsindustrie gezeigt, dass Sortieranlagen bei Verpackungen mit unseren Beschichtungen immer noch den Grundkunststoff, etwa das Polypropylen oder das Polyethylen, erkennen k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich k\u00f6nnen alle unsere Methoden zur Oberfl\u00e4chenveredlung auch Recyclingmaterial genauso dekorieren und funktionalisieren wie neues Material.<\/p>\n<p><strong>KURZ verfolgt das Ziel, f\u00fcr Dekorationen bis zu 80 Prozent Rohstoffe organischen Ursprungs einzusetzen. Ist das zu schaffen?<\/strong><br \/>\nJa, wir setzten heute schon etwa 30 Prozent Rohstoffe organischen Ursprungs ein. Farben und Lacke gab es bereits vor der Erfindung der Kunststoffe, so gibt es in der Lackindustrie schon heute Beschichtungen auf der Basis nachwachsender Rohstoffe. Das sind zum Beispiel Zellulosederivate, die f\u00fcr viele Grundbeschichtungen ausreichen. Wir wollen immer mehr Material einsetzen, das entweder direkt aus nachwachsenden Rohstoffen besteht oder das biologisch abbaubar ist. Wir haben heute schon Produkte, die zu hundert Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Die Herausforderung ist es, mit der Performance sehr nahe an das Bestehende herankommen und es teilweise sogar zu \u00fcbertreffen. Dieser Rohstoffwechsel wird eine erhebliche Reduzierung im CO2-Footprint bringen.<\/p>\n<p><strong>Ist das auch ein Preisunterschied?<\/strong><br \/>\nIn der Regel ja. Es ist etwas Neues, das noch nicht in gro\u00dfen Mengen verf\u00fcgbar ist. Wir bemerken bei unseren OEM-Kunden und Brandownern ein Umdenken. Zunehmend werden nachhaltige Ans\u00e4tze honoriert. Teilweise taucht das schon in den Spezifikationsvorgaben auf. Dieses Bewusstsein w\u00e4chst. Es war noch vor zwei Jahren bei Weitem nicht so gro\u00df. Man findet heute eher ein offenes Ohr.<\/p>\n<p><strong>Welchen Vorteil hat es f\u00fcr die Firma KURZ, schon fr\u00fch solche nachhaltigen Wege zu gehen?<\/strong><br \/>\nWer sich an die Spitze einer Bewegung setzt, investiert in Chancen. Die Diskussion um ESG, die Kriterien Environment \u2013 Governance \u2013 Social, wird in Vorschriften und Gesetze m\u00fcnden, das steht fest. Wer, wie wir, fr\u00fch dabei ist, hat Gestaltungsm\u00f6glichkeiten. Wir gehen davon aus, dass die Menschen auch in Zukunft Wert auf \u00c4sthetik legen werden, auf wertige Oberfl\u00e4chen f\u00fcr langlebige Produkte. Hier k\u00f6nnen wir M\u00f6glichkeiten aufzeigen, wie das nachhaltig zu machen ist. Wir m\u00fcssen aufh\u00f6ren, beim Thema Nachhaltigkeit immer nur \u00fcber Verzicht zu sprechen. Im \u00dcbrigen arbeiten wir als Familienunternehmen schon seit 120 Jahren nachhaltig. Fr\u00fcher lag der Fokus mehr auf dem Umwelt- und Arbeitsschutz, heute verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz und \u00fcbernehmen auch im sozialen Bereich Verantwortung. Die logische Konsequenz daraus war f\u00fcr uns der Betritt zum UN Global Compact. Damit gestalten wir unser Engagement weltweit transparent.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt verschiedene Wege, auf denen wir das tun. 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