{"id":31838,"date":"2022-05-19T09:24:58","date_gmt":"2022-05-19T07:24:58","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=31838"},"modified":"2022-05-19T09:24:58","modified_gmt":"2022-05-19T07:24:58","slug":"es-fehlt-an-hochwertigeren-rezyklaten-konstanteren-inputstroemen-und-standards","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=31838","title":{"rendered":"Es fehlt an hochwertigeren Rezyklaten, konstanteren Inputstr\u00f6men und Standards"},"content":{"rendered":"<p><strong>Way2K: Branchen-Interviews auf dem Weg zur K-Messe 2022<\/strong><strong><\/p>\n<p>Interview mit Prof. Dr.-Ing. Hans-Josef Endres, Institutsleiter des IKK (Institut f\u00fcr Kunststoff- und Kreislauftechnik an der Leibniz Universit\u00e4t Hannover)<\/p>\n<p>Herr Prof. Endres, die Kunststoffindustrie steht vielfach am Pranger. Was muss sie tun, damit ihr Werkstoff von den Menschen wertgesch\u00e4tzt wird?<\/strong><br \/>\nWir m\u00fcssen aufzeigen, dass unser t\u00e4gliches Leben ohne Kunststoffe undenkbar ist. Wir m\u00fcssen verdeutlichen, dass Kunststoffe einen entscheidenden Beitrag zu einem nachhaltigen Wirtschaften leisten. Nur mit und nicht ohne Kunststoff k\u00f6nnen wir unsere Klimaziele erreichen und unseren CO2-Fu\u00dfabdruck deutlich verringern. Ein Weg zu diesem Ziel ist es, immer effizienter mit Ressourcen wie etwa Energie umzugehen. Ein weiterer ist die Etablierung einer Kreislaufwirtschaft. Ein entscheidender Hebel zur Erreichung dieser Ziele ist auch eine verbesserte Recyclingtechnologie. Die Aufgabe ist riesig und extrem facettenreich, aber sie ist zu schaffen.<\/p>\n<p><strong>Wo liegen derzeit die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen?<\/strong><br \/>\nEs ist ein Dreiklang: Wir haben noch nicht gen\u00fcgend h\u00f6herwertige Rezyklate, wir haben noch keine ausreichenden Inputstr\u00f6me und es gibt noch zu wenige Standards in diesem Bereich. Und alle diese Herausforderungen h\u00e4ngen zusammen. Um einmal mit dem Markt anzufangen: Es gibt derzeit schon eine hohe Nachfrage nach hochwertigen Rezyklaten, aber sie kann nicht befriedigt werden. Ich will als Beispiel die Automobilindustrie nennen. Einmal angenommen, es gebe k\u00fcnftig eine Quote von 25 Prozent Rezyklat pro Fahrzeug. Der Kunststoffanteil pro Fahrzeug betr\u00e4gt heute etwa 300 Kilogramm. Es m\u00fcssten dann also k\u00fcnftig 75 Kilogramm Rezyklat eingesetzt werden. Im vorigen Jahr wurden in Deutschland etwa 2,6 Millionen Fahrzeuge gebaut, es war wegen der Corona-Pandemie ein sehr schlechtes Jahr. Man brauchte bereits daf\u00fcr also knapp 200.000 Tonnen eines hochwertigen Rezyklats, beispielsweise mit konstanter Farbqualit\u00e4t und Liefergarantie, nur um die Quoten in dieser einen Industriebranche erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen. Ein anderes Beispiel ist das Bottleneck von wei\u00dfen oder transparenten Rezyklaten.<\/p>\n<p><strong>Wie bekommt man die Inputstr\u00f6me, die n\u00f6tig sind, um hinreichende Mengen an konstanter Rezyklatqualit\u00e4t zu generieren?<\/strong><br \/>\nDas ist eine Riesenaufgabe. Noch sind diese Inputstr\u00f6me vor allem im Post-Consumer-Bereich ein stark limitierender Faktor. Denn ein Verwender kann sich heute noch nicht darauf verlassen, dass er sortenreines Material in ausreichender Menge mit l\u00e4ngerfristiger Liefergarantie bekommt. Nat\u00fcrlich braucht man f\u00fcr sortenreines Material eine bessere Sortierung des Kunststoffabfalls. Aber es geht auch darum, die verschiedenen Recyclingverfahren zu verbessern. Deren Reifegrade sind derzeit noch sehr unterschiedlich.<\/p>\n<p><strong>Welches ist am weitesten?<\/strong><br \/>\nDie mechanischen Verfahren sind schon etabliert. F\u00fcr die physikalischen Verfahren, bei denen der Kunststoff durch ein spezifisch wirksames L\u00f6sungsmittel aus anderen Stoffen herausgel\u00f6st wird, gibt es erste industrielle Anlagen. Die chemischen Verfahren, bei denen die Kunststoffe depolymerisiert oder noch weiter in Kohlenwasserstoffe zerlegt werden, m\u00fcssen insbesondere in puncto Energieeffizienz und Ausbeute noch verbessert werden. Sie haben aber grunds\u00e4tzlich auch einige Vorteile. Die Qualit\u00e4t ihrer Rezyklate ist hoch, sie erreichen Farbreinheit und eine konstante Materialperformance. Solche Rezyklate bekommen auch viel leichter die Zulassung f\u00fcr kritische Anwendungen, etwa im Lebensmittelbereich. Vereinfacht kann man sagen, je h\u00f6her die Rezyklatqualit\u00e4t, desto h\u00f6her sind der technische Aufwand und damit die Kosten.<\/p>\n<p><strong>Wie weit ist man im Setzen von Regeln und Standards im Recycling?<\/strong><br \/>\nBeides ist enorm wichtig, und zwar auf allen Ebenen. Es gibt schon Ans\u00e4tze, wenngleich noch sehr grobe, wie man Inputstr\u00f6me charakterisiert. Diese wurden wesentlich von den dualen Systemen entwickelt. Wir brauchen zus\u00e4tzlich insbesondere Standards f\u00fcr die Definition der resultierenden Rezyklatqualit\u00e4ten. Da muss etwa festgelegt werden, welche fl\u00fcchtigen Substanzen noch enthalten sein d\u00fcrfen, wie das genau zu messen ist, wer daf\u00fcr die Verantwortung tr\u00e4gt. Bisher sagt man, wenn im Inputstrom nichts Bedenkliches ist, ist auch im Rezyklat nichts Bedenkliches. Man muss auch Standards f\u00fcr Farben haben. Jedes Rezyklat braucht einen Handelsnamen, damit man bei der n\u00e4chsten Bestellung das gleiche Produkt bekommt. Zudem fehlen bei allen Rezyklaten Angaben zu den Langzeiteigenschaften oder den Kennwerten zur Verarbeitungs- oder Crashsimulation. Das alles ist nicht sehr schwierig. Die Hersteller von Virgin-Material machen es ja vor. Sie liefern zu jedem Produkt sehr viele Informationen und Kennwerte.<\/p>\n<p><strong>Welchen Beitrag leisten die einzelnen Verfahren zur Nachhaltigkeit?<\/strong><br \/>\nDas ist nicht ganz einfach zu sagen. Grunds\u00e4tzlich ist es so, dass durch chemisches Recycling gro\u00dfe Mengen hochwertigen Rezyklats verf\u00fcgbar gemacht werden k\u00f6nnten. Umgekehrt ist das mechanische Recycling in den meisten F\u00e4llen deutlich nachhaltiger, da dabei der Energie- und Ressourcenaufwand deutlich geringer ist und zudem die Polymerstrukturen erhalten bleiben. Es ist auch schwierig festzulegen, welchen Akteuren in der Recyclingwertsch\u00f6pfungskette jeweils die erzielten Nachhaltigkeitsvorteile zugesprochen werden, beispielsweise dem Inputlieferanten, dem Recycler oder dem Nutzer des Rezyklates. Im chemischen Recycling, zum Beispiel, wird der Kohlenstoff zwar recycelt, aber nicht der eigentliche Werkstoff. Zudem bekommt\u00a0der Anwender nicht den physikalisch recycelten Kohlenstoff, sondern erh\u00e4lt ein massenbilanziertes Zertifikat, welches sogar extra zus\u00e4tzlich mitgekauft werden muss. Verzichtet der Anwender auf das Zertifikat, erh\u00e4lt er den gleichen Werkstoff, nur eben ohne das Zertifikat.<br \/>\nVideo Statement Prof. Dr.-Ing. Hans-Josef Endres: <a href=\"https:\/\/vimeo.com\/695610913\">https:\/\/vimeo.com\/695610913<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir m\u00fcssen aufzeigen, dass unser t\u00e4gliches Leben ohne Kunststoffe undenkbar ist. Wir m\u00fcssen verdeutlichen, dass Kunststoffe einen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15655,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-31838","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31838","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=31838"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31838\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31839,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31838\/revisions\/31839"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/15655"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=31838"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=31838"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=31838"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=31838"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}