{"id":32051,"date":"2022-06-08T13:36:24","date_gmt":"2022-06-08T11:36:24","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=32051"},"modified":"2022-06-08T13:36:24","modified_gmt":"2022-06-08T11:36:24","slug":"k-2022-trendreport-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=32051","title":{"rendered":"K 2022 &#8211; Trendreport Europa"},"content":{"rendered":"<div class=\"dim-chapter dim-chapter-text-media-module grid__item palm-one-whole\n\n        lap-one-whole\n\n    desk-one-whole desk-wide-one-whole\n\n\"><\/p>\n<div class=\"media-module\n\n    \"><\/p>\n<h2 class=\"gamma media-module__head\">Europ\u00e4ische Kunststoffindustrie r\u00fcstet sich f\u00fcr zunehmende Instabilit\u00e4t, h\u00f6here Preise und geringeres Wachstum<\/h2>\n<div class=\"media\">\n<div class=\"media__body\">\n<div class=\"media__body__txt media__body__txt--link-icons\">\n<p>Die europ\u00e4ische Kunststoffindustrie steht an etlichen Fronten vor Herausforderungen. In der Verpackungsbranche, ihrem bei weitem gr\u00f6\u00dften Markt, ist sie als Lieferant des idealen Materials f\u00fcr Einweganwendungen und Menschen, die viel unterwegs sind, zum Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden. Im Baugewerbe k\u00f6nnten einige Infrastrukturprojekte auf Eis gelegt werden, da die Regierungen einen Teil der Mittel von Infrastrukturprojekten auf die Verteidigung umleiten, obwohl die Gesch\u00e4fte dadurch angekurbelt werden, dass die Verbraucher Unterst\u00fctzung bei der Verbesserung der Energieeffizienz ihrer H\u00e4user erhalten. In der Automobilbranche leiden die Zulieferer unter den Produktionsk\u00fcrzungen der Autohersteller &#8211; nicht etwa als Reaktion auf r\u00fcckl\u00e4ufige Nachfrage, sondern weil sie die Chips, die sie f\u00fcr ihre Elektronik ben\u00f6tigen, nicht bekommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Seit Anfang 2019 hat sich COVID-19 stark auf die Produktion ausgewirkt, gelegentlich positiv, meist aber negativ. Und jetzt, wo Europa und der Rest der Welt dabei sind, sich von den verheerenden zwei Jahren der Pandemie zu erholen, kommt die Trag\u00f6die des Ukraine-Konflikts hinzu.<\/p>\n<p>Martin Wiesweg, Executive Director Polymers EMEA beim Beratungsunternehmen IHS Markit, sagte zur Lage Ende M\u00e4rz, dass die Krise nicht nur eine humanit\u00e4re Katastrophe verursache, sondern auch die Kunststoffbranche schwer belaste, da sie die Kosten in die H\u00f6he treibe, Engp\u00e4sse in der Versorgungskette, einschlie\u00dflich der Energieversorgung, versch\u00e4rfe und das Gespenst eines Nachfrageschocks aufkommen lasse, da eine weltweite Stagflation bef\u00fcrchtet wird.<\/p>\n<p>In der EU hat die Inflation im M\u00e4rz mit 7,5 % ein Allzeithoch erreicht. Laut Aussage von S&amp;P Global Economics am 30. M\u00e4rz wird das Wachstum in der Eurozone in diesem Jahr voraussichtlich 3,3 % betragen, gegen\u00fcber 4,4 % laut einer fr\u00fcheren Prognose, und die Inflation in diesem Jahr 5 % erreichen und auch 2023 \u00fcber 2 % bleiben.<\/p>\n<p>\u201eDie hohen Roh\u00f6lpreise haben sich in der Vergangenheit negativ auf die europ\u00e4ische Kunststoffnachfrage ausgewirkt (siehe Grafik)\u201c, so Wiesweg. Wenn die Preise weiter steigen, k\u00f6nnte das verf\u00fcgbare Einkommen der Verbraucher einbrechen, was sich auf die Einzelhandelsums\u00e4tze auswirken w\u00fcrde. Segmente, die abh\u00e4ngig von Verbraucherausgaben sind, die nicht zwingend notwendig sind, wie Haushaltsger\u00e4te, Konsumg\u00fcter und Autos, w\u00fcrden schlecht abschneiden, da die K\u00e4ufer versuchen, Geld zu sparen. \u201eKurz- bis mittelfristig k\u00f6nnte es in Europa zu einem Nachfrager\u00fcckgang bei Polymeren kommen\u201c.<\/p>\n<p><strong>Kunststoffverarbeitung auf Kurs zur Kreislaufwirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>Deutschland ist nach wie vor die \u201eKraftzentrale\u201c der europ\u00e4ischen Kunststoffindustrie mit seinen vielf\u00e4ltigen St\u00e4rken bei Werkstoffen, Ausr\u00fcstung und Verarbeitungsm\u00f6glichkeiten. Aber einige Sektoren sind dennoch angeschlagen. Nach Angaben des GKV (Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie) stieg der Umsatz der Branche im Jahr 2021 um 12,6 % auf 69,4 Mrd. Euro, aber die Mitgliedsunternehmen stehen weiterhin unter starkem Ergebnisdruck. Der Verband verweist dazu auf eine \u201eexorbitante Kostenexplosion\u201c bei Rohstoffen und Energie sowie auf die vielen Lieferverz\u00f6gerungen und daraus resultierenden Auftragsstopps, vor allem in der Automobilzulieferung.<\/p>\n<p>Die Automobilbranche bringt dabei eine einzigartige Problemstellung mit sich. Mehrere europ\u00e4ische Automobilhersteller haben in den letzten Monaten ihre Produktion vor\u00fcbergehend eingestellt, was erhebliche negative Auswirkungen auf die Lieferkette hatte, einschlie\u00dflich der dauerhaften Schlie\u00dfung einiger Verarbeitungsbetriebe. Gem\u00e4\u00df Angaben des Europ\u00e4ischen Verbandes der Automobilhersteller (ACEA) gingen die Pkw-Zulassungen in der EU-27 im Jahr 2021 um 2,4 % auf knapp unter 10 Mio. Einheiten zur\u00fcck. Zwar prognostiziert Jincy Varghese, Nachfrageanalystin bei ICIS, dass die Automobilproduktion in der EU im Jahr 2022 um 17 % steigen wird, aber sie wird damit immer noch 26 % unter dem Niveau von 2019 liegen. Eine gesunde Erholung sei erst in der zweiten Jahresh\u00e4lfte zu erwarten, sagte sie im Februar.<\/p>\n<p>Die gesamtwirtschaftlichen Aussichten bleiben f\u00fcr das Jahr 2022 sehr heterogen, sagte GKV-Pr\u00e4sident Roland Roth auf der j\u00e4hrlichen Bilanzkonferenz des Verbandes Anfang M\u00e4rz. Rund die H\u00e4lfte der im Vorfeld der Konferenz befragten Verbandsmitglieder rechnete mit einem Umsatzwachstum, ein gutes Viertel erwartete jedoch weitere R\u00fcckg\u00e4nge. Mehrere d\u00e4chten \u00fcber Produktionsverlagerungen oder -stilllegungen nach.<\/p>\n<p>Roth forderte eine Senkung der staatlichen Zuschl\u00e4ge auf die Energiepreise. In Bezug auf die Werkstoffpreise sagte er, dass die j\u00fcngsten Erh\u00f6hungen \u201efast irrsinnig\u201c seien. Im Durchschnitt stiegen die Preise f\u00fcr Kunststoffe in Europa in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2021 um mehr als 50 % im Vergleich zum Vorjahr und sind so hoch geblieben. Im Februar 2021 wurde beispielsweise PET-Prim\u00e4rrohstoff f\u00fcr rund 1 \u20ac\/kg verkauft. Im M\u00e4rz dieses Jahres lag der Preis bei etwa 1,7 \u20ac\/k. Die Preise f\u00fcr lineares PE niedriger Dichte stiegen im selben Zeitraum von etwa 1,2 \u20ac\/kg auf etwa 1,9 \u20ac.<\/p>\n<p>Doch der GKV-Pr\u00e4sident bleibt optimistisch: \u201eWir werden auch im Jahr 2022 als Kunststoffverarbeiter das Beste aus den polymeren Werkstoffen herausholen und die anstehenden Aufgaben erfolgreich bew\u00e4ltigen\u201c, sagte er.<\/p>\n<p>Bei Unionplast, dem Verband der italienischen Kunststoffverarbeitenden Unternehmen, l\u00e4uten wegen der Energiepreise die Alarmglocken. \u201eDie Krise bei den Energiepreisen hat schwerwiegende Auswirkungen auf eine Branche mit \u00fcber 5.000 Unternehmen und mehr als 100.000 Besch\u00e4ftigten\u201c, sagt Marco Bergaglio, Pr\u00e4sident des Verbandes.<\/p>\n<p>\u201eDer unkontrollierte Anstieg der Energiekosten und die zunehmenden Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Rohstoffen sind eine t\u00f6dliche Mischung f\u00fcr unsere Branche und bergen die Gefahr, dass wir die Anforderungen unserer Kunden tats\u00e4chlich nicht erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Diese Situation hat unweigerlich auch Auswirkungen auf die Preise unserer Produkte.\u201c<\/p>\n<p><strong>Europ\u00e4ische Maschinenbauer in guter Verfassung<\/strong><\/p>\n<p>Bei den europ\u00e4ischen Kunststoffmaschinenherstellern sieht es besser aus. Thorsten K\u00fchmann, Generalsekret\u00e4r von EUROMAP, dem europ\u00e4ischen Verband der Hersteller von Kunststoff- und Gummimaschinen, erkl\u00e4rte im M\u00e4rz, dass die Auftragsb\u00fccher der Mitgliedsunternehmen \u201ebis zum Rand gef\u00fcllt seien. Das laufende Jahr wird daher wieder ein sehr gutes Jahr werden. Wir erwarten eine Umsatzsteigerung von 5 bis 10 %.\u201c Allerdings sorgen auch hier steigende Preise und jetzt der Krieg in der Ukraine f\u00fcr Unsicherheit.<\/p>\n<p>Dario Previero ist Pr\u00e4sident von Amaplast, dem Verband der italienischen Hersteller von Kunststoff- und Gummimaschinen und -formen. Ende des letzten Jahres sagte er: \u201eUnseren Sch\u00e4tzungen zufolge d\u00fcrfte die Produktion Ende 2021 nur noch um Haaresbreite von den Werten vor der Pandemie entfernt sein und gegen\u00fcber 2020 um 11,5 % steigen. Die deutliche Erholung im Jahr 2021 l\u00e4sst uns f\u00fcr 2022 eine Leistung erwarten, die \u00fcber dem Vorkrisenniveau liegt\u201c.<\/p>\n<p>Ulrich Reifenh\u00e4user, CSO der Reifenh\u00e4user-Gruppe und zugleich Vorsitzender des K-Ausstellerbeirats, spricht von einem \u201eau\u00dferordentlich positiven\u201c Auftragsbestand f\u00fcr das laufende Jahr. \u201eWesentlich dazu beigetragen hat die extrem hohe Nachfrage nach unseren Meltblown-Vliesstoffanlagen, die weltweit entscheidend dazu beigetragen haben, dass ausreichend medizinische Schutzmasken zur Pandemiebek\u00e4mpfung produziert werden k\u00f6nnen &#8211; insbesondere in Europa mit lokalen Produktionskapazit\u00e4ten.\u201c<\/p>\n<p>R\u00fcckblickend auf das abgelaufene Gesch\u00e4ftsjahr des Spritzgie\u00dftechnikunternehmens Engel sagte Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Stefan Engleder Mitte M\u00e4rz: \u201eWir beenden ein Jahr mit gro\u00dfen Herausforderungen, aber auch gro\u00dfen Chancen. Wir werden das Gesch\u00e4ftsjahr 2021\/2022 mit einer deutlichen Steigerung gegen\u00fcber dem Vorjahr abschlie\u00dfen. Materialengp\u00e4sse sind derzeit eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen. Bisher ist es uns gelungen, Lieferverz\u00f6gerungen so weit wie m\u00f6glich zu vermeiden.\u201c<\/p>\n<p>Gerd Liebig, CEO eines anderen gro\u00dfen Herstellers von Spritzgie\u00dftechnik, Sumitomo (SHI) Demag, sagt, dass die Verbrauchszahlen insgesamt gut seien. \u201eDennoch hat sich die Coronavirus-Situation deutlich auf die Nachfrage ausgewirkt. Wir rechnen aber aufgrund unserer starken Gesch\u00e4ftsstrategie mit einer schnellen Erholung.\u201c Auch bei diesem Unternehmen sind die Maschinenverk\u00e4ufe auf dem besten Weg, das Niveau vor der Pandemie zu \u00fcbertreffen. \u201eDie Nachfrage nach vollelektrischen Modellen nimmt weiter zu, und wir gehen davon aus, dass dieser Anteil weiter steigen wird\u201c, so Liebig.<\/p>\n<p>Und bei Arburg berichtet Gerhard B\u00f6hm, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Vertrieb und Service: \u201eWir haben 2021 so viele Maschinen verkauft wie nie zuvor &#8211; und auch in diesem Jahr haben wir einen guten Auftragseingang.\u201c Er weist aber auch darauf hin, dass die Materialpreise und Lieferzeiten Anlass zur Sorge geben. \u201eEs ist klar, dass die Lieferengp\u00e4sse unsere Kunden in einigen F\u00e4llen von Investitionen abhalten, aber die Nachfrage ist sicherlich vorhanden\u201c, meint er.<\/p>\n<p><strong>Herausforderungen bei der Verpackung<\/strong><\/p>\n<p>Die weltweit hohen und steigenden Preise f\u00fcr Kunststoffe bedeuten, dass der Verpackungsmarkt weiterhin unter Druck steht, sagt Liebig. \u201eIn Anbetracht der Tatsache, dass Recycling-Granulat jetzt den gleichen Preis hat wie neues Polymer vor 12 Monaten, besteht der Anreiz zum Leichtbau jetzt bei allen Verpackungsmaterialsubstraten, nicht nur bei neuen Polymeren. Wir konzentrieren uns weiterhin auf die Reduzierung des Materialverbrauchs, indem wir den Prozess verbessern und unseren Kunden erm\u00f6glichen, immer d\u00fcnnwandigere Teile herzustellen.\u201c<\/p>\n<p>Der \u00dcbergang zu fest verbundenen Verschl\u00fcssen (verpflichtend ab 2024 im Rahmen der Einweg-Plastik-Richtlinie, SUPD = Single-Use Plastics Directive) und die Ausweitung der erweiterten Herstellerverantwortung (ab 2023) werden unweigerlich einen starken Einfluss haben, ebenso wie die neue EU-Verpackungsabgabe auf nicht recycelte Verpackungsabf\u00e4lle, so Liebig. (Seit dem 1. Januar 2021 erhebt die EU von den Mitgliedstaaten eine Abgabe von 0,80 \u20ac\/kg Kunststoffverpackungsabfall, der nicht recycelt wird. Die Staaten k\u00f6nnen frei entscheiden, wie sie die Abgabe finanzieren wollen.)<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ische Kunststoffindustrie muss sich tats\u00e4chlich mit verschiedenen Rechtsvorschriften zum Thema Kunststoffabf\u00e4lle auseinandersetzen. So gibt es beispielsweise die Vorgabe, dass bis 2030 55 % aller Kunststoffverpackungen in der EU wiederverwertbar sein m\u00fcssen, sowie die Abgabe auf nicht recycelte Kunststoffverpackungsabf\u00e4lle. Einige L\u00e4nder f\u00fchren auch lokale Rechtsvorschriften ein (z. B. Spanien und Frankreich), so dass die Wettbewerbsbedingungen nicht so einheitlich sind, wie sie sein sollten.<\/p>\n<p>Die Industrie muss bereits heute mit den Folgen der SUP-Richtlinie leben, von der einige Elemente am 3. Juli 2021 in den meisten EU-L\u00e4ndern in Kraft getreten sind &#8211; obwohl die Einf\u00fchrung der Rechtsvorschriften nicht ganz reibungslos verlaufen ist. In Italien beispielsweise trat sie erst im Januar in Kraft, so dass sich die endg\u00fcltige Umsetzung verz\u00f6gerte. Au\u00dferdem sind die Definitionen von Kunststoffprodukten flexibler als urspr\u00fcnglich von Br\u00fcssel beabsichtigt, denn w\u00e4hrend die SUP-Richtlinie bestimmte biologisch abbaubare Kunststoffe nicht ausnimmt, ist dies in den italienischen Rechtsvorschriften der Fall.<\/p>\n<p>Zum Thema Biokunststoffe sagt der Fachverband European Bioplastics: \u201eLeider erhalten Biokunststoffe in Europa immer noch nicht so viel Unterst\u00fctzung, wie andere innovative Industrien von den politischen Entscheidungstr\u00e4gern der EU erhalten. Die EU-Kommission hat teilweise widerspr\u00fcchliche Positionen zu Biokunststoffen. Auch die Positionen der Mitgliedstaaten zu Biokunststoffen sind sehr unterschiedlich, das regulatorische Umfeld ist alles andere als harmonisiert. Dies schreckt von Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in Produktionskapazit\u00e4ten ab\u201c, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>Trotz dieser Herausforderungen ist die Entwicklung der europ\u00e4ischen Biokunststoffe \u201esehr positiv. Die weltweiten Produktionskapazit\u00e4ten machen noch immer weniger als 1 % der mehr als 367 Millionen Tonnen aller Kunststoffe aus, aber bis 2026 wird die Produktion von Biokunststoffen erstmals die 2 %-Marke \u00fcberschreiten.\u201c Die Produktionskapazit\u00e4ten f\u00fcr Biokunststoffe in Europa lagen im Jahr 2021 bei knapp 600.000 Tonnen und werden in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren voraussichtlich auf rund 1.000.000 Tonnen ansteigen.<\/p>\n<p>Im Vereinigten K\u00f6nigreich, das inzwischen aus der EU ausgetreten ist, trat am 1. April dieses Jahres eine neue Steuer auf Kunststoffverpackungen in Kraft. Die Steuer gilt f\u00fcr Kunststoffverpackungen, die nicht mindestens 30 % recycelten Kunststoff enthalten und die entweder im Vereinigten K\u00f6nigreich hergestellt oder in das Vereinigte K\u00f6nigreich eingef\u00fchrt werden (auch hier gibt es Ausnahmen). Die Steuer wird mit einem Satz von 200 Pfund pro Tonne (ca. 235 Euro pro Tonne) erhoben.<\/p>\n<p>Bei der British Plastics Federation blickt Generaldirektor Philip Law entschlossen auf die positive Seite. \u201eDie Kunststoffverpackungssteuer k\u00f6nnte letztlich eine Plattform f\u00fcr Innovationen sein und dazu beitragen, die \u00f6ffentliche Debatte zu entsch\u00e4rfen\u201c, sagt er.<\/p>\n<p><strong>Recycling auf dem Vormarsch<\/strong><\/p>\n<p>\u201eNeue Gesetze und Zielvorgaben f\u00fcr das Recycling von Kunststoffen und die Verwendung von Recyclat ver\u00e4ndern die Art und Weise, wie die gesamte Kunststoffindustrie arbeiten muss\u201c, sagt Elizabeth Carroll, Beraterin f\u00fcr Recycling und Nachhaltigkeit bei AMI Consulting in Bristol, Gro\u00dfbritannien, der Beratungsfirma, die einen neuen Bericht \u00fcber mechanisches Recycling in Europa herausgegeben hat. \u201eDie Branche des werkstofflichen Kunststoffrecyclings ist daher zum Brennpunkt f\u00fcr Investitionen, \u00dcbernahmen und Expansion geworden\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p>2021 belief sich die Produktion von Kunststoff-Recyclaten in Europa auf 8,2 Millionen Tonnen und wird den Prognosen zufolge bis 2030 um 5,6 % pro Jahr zunehmen. Dem stehen 35,6 Millionen Tonnen Standardkunststoffe gegen\u00fcber, die im Jahr 2021 in den Abfallstrom gelangten. \u201eDies bedeutet, dass Europa insgesamt eine Kunststoffrecyclingrate von 23,1 % erreicht hat\u201c, sagt Carroll. Diese Zahl wird h\u00f6chstwahrscheinlich noch steigen, da die Kunststoffindustrie umfangreiche Investitionen in verschiedene Recyclingtechnologien t\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Das Bild, wie sich recycelte Kunststoffe in hochwertige Produkte umwandeln lassen, hellt sich auf. Dazu Engel Engleder: \u201eDank der horizontalen Vernetzung entlang der Wertsch\u00f6pfungskette m\u00fcssen wir in Zukunft keine Materialien mehr downcyceln, sondern k\u00f6nnen sie sogar re- oder upcyceln. Wenn wir Informationen und Daten unternehmens\u00fcbergreifend austauschen, k\u00f6nnen wir Kunststoffabf\u00e4lle recyceln und daraus wieder hochwertige Kunststoffprodukte herstellen. Die digitale Transformation ist die Voraussetzung, um das Thema Nachhaltigkeit schnell voranzubringen.\u201c<\/p>\n<p>Bei Sumitomo (SHI) Demag stimmt CEO Liebig zu, dass die Recyclatverarbeitung an sich keine un\u00fcberwindbare technologische Herausforderung darstellt. \u201eDie gr\u00f6\u00dfte Herausforderung besteht darin, eine vergleichbare Bauteilleistung zu erreichen und schwankende Materialeigenschaften durch intelligente Prozess\u00fcberwachung zu stabilisieren\u201c, erl\u00e4utert er. \u201eEs gibt viele vielversprechende Projekte, obwohl die Leistung von Rezyklaten immer noch von der Reinheit abh\u00e4ngt.\u201c<\/p>\n<p>Michael Ruf, CEO von KraussMaffei, das \u00fcber Erfahrung bei Spritzgie\u00dfen und Extrusion verf\u00fcgt, sagt: \u201eDie Kreislaufwirtschaft ist nicht nur \u00f6kologisch aber auch \u00f6konomisch ein \u201eMuss\u201c. Sie ist daher eine tragende S\u00e4ule der Produktstrategie von KraussMaffei. Unsere Kunden haben bereits mehr als eine Million Tonnen Kunststoff mit unseren Anlagen recycelt.\u201c<\/p>\n<p>Manchmal ist es allerdings ein harter Kampf wie Guido Frohnhaus, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Technik &amp; Engineering bei Arburg, zugibt: \u201eSolange Rezyklate teurer sind als Neuware, stellt sich f\u00fcr jedes mittelst\u00e4ndische Unternehmen die Frage, warum es diese auf Kosten der eigenen Wirtschaftlichkeit einsetzen soll. Die Politik muss hier klare gesetzliche Vorgaben machen und die EU muss nicht nur einzelne Kunststoffprodukte verbieten, sondern auch die Kreislaufwirtschaft konsequent unterst\u00fctzen.\u201c<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise macht die Recyclingtechnologie in Europa gro\u00dfe Fortschritte. \u00d6sterreichische Unternehmen wie Erema und Starlinger geh\u00f6ren beispielsweise zu den f\u00fchrenden Unternehmen in diesem Bereich, w\u00e4hrend Amut und Bandera zu den italienischen Extrusionsspezialisten geh\u00f6ren, die Systeme f\u00fcr die Behandlung von Folienabf\u00e4llen entwickeln. Die Spezialisten f\u00fcr PET-Flaschentechnologien Sipa haben in Zusammenarbeit mit Erema das erste vollst\u00e4ndig integrierte System f\u00fcr die R\u00fcckf\u00fchrung von Post-Consumer-Flakes zu Flaschen f\u00fcr Anwendungen mit Lebensmittelkontakt entwickelt. Automatische Sortiertechnologien f\u00fcr gemischte PCR machen ebenfalls gro\u00dfe Fortschritte, wobei das norwegische Unternehmen Tomra eine wichtige Rolle spielt.<\/p>\n<p>Dazu Marina Matta, Team Leader Process Technology Engineering Plastics beim Compoundieranlagen-Hersteller Coperion: \u201eWir beobachten viele bahnbrechende Entwicklungen, die die Sortier- und Waschqualit\u00e4t von Abf\u00e4llen deutlich verbessern. Auch der Pyrolyseprozess wurde in letzter Zeit deutlich verbessert, so dass dieser Recyclingprozess wesentlich energieeffizienter durchgef\u00fchrt werden kann.\u201c<\/p>\n<p><strong>Polymeranbieter werden gr\u00fcn<\/strong><\/p>\n<p>Die europ\u00e4ischen Polymerhersteller unternehmen gro\u00dfe Anstrengungen, um die Nachhaltigkeit ihrer Produkte zu verbessern. Richard Roudeix, Senior Vice President &#8211; Olefins &amp; Polyolefins Europe, Middle East, Africa and India bei LyondellBasell, einem der gr\u00f6\u00dften Hersteller von Polyolefinen und Compounds, erkl\u00e4rt dazu: \u201eUm bis 2050 klimaneutral zu werden, muss die Branche in relativ kurzer Zeit einen tiefgreifenden Wandel vollziehen, vor allem wenn man bedenkt, dass sich einige Technologien zur vollst\u00e4ndigen Dekarbonisierung unserer Prozesse noch in fr\u00fchen Entwicklungsphasen befinden. Derzeit dr\u00fccken die hohen Energiekosten die Gewinne der Industrie genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Branche zus\u00e4tzliche Mittel f\u00fcr Investitionen in die Dekarbonisierung ben\u00f6tigt.\u201c<\/p>\n<p>Die Polymerlieferanten sind nicht ganz einer Meinung mit den europ\u00e4ischen Politikern, was den \u00dcbergang zu einer gr\u00fcnen Wirtschaft angeht, aber die Meinungen n\u00e4hern sich an. \u201eLyondellBasell ist der Ansicht, dass alternative staatliche Strategien und freiwillige Ma\u00dfnahmen effektiver sind als die alleinige Verfolgung von Umweltzielen durch nationale Steuern\u201c, sagt Roudeix. Er schl\u00e4gt vor, eine von der Recyclingf\u00e4higkeit des Produkts abh\u00e4ngige Geb\u00fchr zur Finanzierung von Verbesserungen der Infrastruktur und von Programmen f\u00fcr das Kunststoffrecycling zu verwenden.<\/p>\n<p>LyondellBasell hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 j\u00e4hrlich zwei Millionen Tonnen recycelte und erneuerbare Polymere zu produzieren und zu vermarkten. Das Unternehmen hat bereits Kunststoffe auf den Markt gebracht, die aus mechanisch und chemisch recycelten Kunststoffabf\u00e4llen sowie aus biobasierten Rohstoffen hergestellt werden.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich \u00e4u\u00dferte sich auch SABIC. Das Unternehmen brachte 2019 zertifizierte Kreislauf-Polymere auf den Markt, die durch Upcycling von Altkunststoffen hergestellt werden. \u201eTats\u00e4chlich ist die Nachfrage nach recycelten Kunststoffen jedoch aktuell gr\u00f6\u00dfer ist als das Angebot\u201c, sagt ein Vertreter und erg\u00e4nzt: \u201eDie Hersteller m\u00fcssen einen Weg finden, das Angebot zu erweitern, um einen echten Wandel herbeizuf\u00fchren.\u201c<\/p>\n<p>Laut SABIC ist eine st\u00e4rkere regulatorische Unterst\u00fctzung durch die Regierungen erforderlich, um den Akteuren der Branche bei der Skalierung neuer Techniken wie dem chemischen Recycling zu helfen. \u201eEs ist zum Beispiel wichtig, dass der europ\u00e4ische Rechtsrahmen chemisch recyceltes Harz als gleichwertig mit neuem, aus fossilen Rohstoffen hergestelltem Harz anerkennt, um die Verf\u00fcgbarkeit zu erh\u00f6hen und die Skalierbarkeit zu f\u00f6rdern.\u201c<\/p>\n<p>Bei der BASF, die wie SABIC eine breite Palette von Kunststoffen f\u00fcr verschiedene M\u00e4rkte anbietet, sagt ein Vertreter: \u201eWir gehen davon aus, dass Kunststoffe eine wichtige Rolle bei der Erreichung der Netto-Null-Emissionsziele der EU spielen werden, indem sie in Schl\u00fcsselsektoren wie dem Baugewerbe, der Automobilindustrie oder der Lebensmittelverpackung zu Emissionseinsparungen beitragen. Wir streben weltweit an, bis 2050 Netto Null CO<sub>2<\/sub> Emissionen zu erreichen. Dar\u00fcber hinaus wollen wir unsere Treibhausgasemissionen bis 2030 weltweit um 25 % gegen\u00fcber 2018 senken.\u201c<\/p>\n<p>Polycarbonat- und Polyurethanhersteller Covestro verfolgt eine der k\u00fchnsten Strategien unter den Polymeranbietern. Ziel ist es, bis 2035 Netto-Null-Emissionen f\u00fcr Scope 1 und 2 (bezogen auf die eigene Produktion und externe Energiequellen) zu erreichen.<\/p>\n<p>Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von Plastics Europe, Virginia Janssens, erkl\u00e4rt, dass die Mitglieder von Plastics Europe das verbindliche EU-Ziel von 30 % Recyclinganteil in Kunststoffverpackungen bis 2030 unterst\u00fctzen und k\u00fcrzlich Investitionen in H\u00f6he von 7,2 Milliarden Euro in das chemische Recycling bis 2030 in Europa angek\u00fcndigt haben.<\/p>\n<p>Auch w\u00e4hrend und nach den hoffentlich vor\u00fcbergehenden COVID- und Ukraine-Krisen \u201ehat die Welt die Kreislaufwirtschaft, Kunststoffverschmutzung und Umweltverschmutzung nicht aus dem Blick verloren\u201c, bekr\u00e4ftigt Wiesweg von IHS Markit. \u201eDas Streben nach Kreislaufwirtschaft wird Innovationen im Bereich des chemischen Recyclings vorantreiben und dazu beitragen, dass es weltweit rentabel und zusammen mit dem mechanischen Recycling Prim\u00e4r-Kunststoffe verdr\u00e4ngen wird.\u201c<\/p>\n<p><strong>K 2022 \u2013 weltweit wichtigste Fachmesse der Branche<\/strong><\/p>\n<p>Die K in D\u00fcsseldorf wird auch in 2022, wie alle drei Jahre, wieder die wichtigste Informations- und Businessplattform der weltweiten Kunststoff- und Kautschukindustrie sein. Nirgendwo ist die Internationalit\u00e4t derart hoch wie in D\u00fcsseldorf. Aussteller und Besucher aus der ganzen Welt\u00a0 kommen zusammen und nutzen die M\u00f6glichkeiten vom 19. bis 26. Oktober dieses Jahres nicht nur die Leistungsf\u00e4higkeit der Branche zu demonstrieren und Innovationen zu pr\u00e4sentieren, sondern sich auch \u00fcber die Situation der Kunststoff- und Kautschukbranche in den unterschiedlichen Regionen der Welt auszutauschen, aktuelle Trends zu diskutieren und gemeinsam die Weichen f\u00fcr die Zukunft zu stellen.<\/p>\n<p>N\u00e4here Informationen zur K 2022 unter: <a href=\"http:\/\/www.k-online.de\">www.k-online.de<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die europ\u00e4ische Kunststoffindustrie steht an etlichen Fronten vor Herausforderungen. 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