{"id":32723,"date":"2022-08-03T08:49:49","date_gmt":"2022-08-03T06:49:49","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=32723"},"modified":"2022-08-02T12:47:42","modified_gmt":"2022-08-02T10:47:42","slug":"kreislaufwirtschaft-funktioniert-nicht-ohne-information","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=32723","title":{"rendered":"Kreislaufwirtschaft funktioniert nicht ohne Information"},"content":{"rendered":"<p><strong>Way2K: Branchen-Interviews auf dem Weg zur K-Messe 2022<\/strong><\/p>\n<p>Interview mit Dr. Benedikt Brenken, Direktor der Initiative R-Cycle<\/p>\n<p><strong>Herr Dr. Brenken, was ist R-Cycle und welche Ziele hat es?<\/strong><br \/>\nR-Cycle hat zwei Dimensionen. Es ist einerseits ein offener Standard zur Realisierung des digitalen Produktpasses f\u00fcr Kunststoffe. Au\u00dferdem ist es eine industrie\u00fcbergreifende Initiative, eine Vereinigung von Unternehmen, die den digitalen Produktpass mit entsprechenden Anwendungen vorantreiben und verbreiten wollen. Den Standard nutzen wir schon in ersten Projekten und konnten so seine Wirksamkeit unter Beweis stellen. Er wird zur K der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt.<\/p>\n<p><strong>Was ist das f\u00fcr ein Standard?<\/strong><br \/>\nWir arbeiten mit der GS1 zusammen. Das ist eine Non-Profit-Organisation, die weltweit offene Standards f\u00fcr unternehmens\u00fcbergreifende Prozesse entwickelt. Unter anderem auch die Global-Trade-Item-Numbers, die wir als Verbraucher als Barcodes mit Nummern auf den meisten Produkten kennen. Damit sind die Produkte weltweit identifizierbar. Wir haben uns anfangs gefragt, was uns f\u00fcr eine Kreislaufwirtschaft vor allem fehlt. Die Antwort lautete Informationen &#8211; f\u00fcr eine pr\u00e4zisere Sortierung und ein hochwertiges Recycling von Kunststoffprodukten. Diese Informationen m\u00fcssen wir \u00fcber den Lebenszyklus eines jeden Kunststoffprodukts bereitstellen. Wenn wir die Informationen austauschen wollen, brauchen wir einen Standard. GS1 hat schon entsprechende Standards, die wir auf den Anwendungsfall Kunststoffe anpassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Was sind kunststoffspezifische Anpassungen?<\/strong><br \/>\nTats\u00e4chlich ging es in der ersten Phase darum herauszufinden, welche Daten denn \u00fcberhaupt erhoben werden sollen und welche nicht. Man braucht gewisse Daten \u00fcber eine Verpackung, damit der Sortierer zum Beispiel wei\u00df, woraus diese besteht und wie er sie verwerten kann. Andererseits muss auch sichergestellt werden, dass keine Daten aufgenommen werden, die Betriebsgeheimnisse offenlegen, etwa Rezepturen. Wir haben das alles von Anfang an auch mit anderen Verb\u00e4nden und Initiativen diskutiert, denn es ist wichtig, die Interessen der unterschiedlichen Stakeholder zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p><strong>Wie muss man sich eine Kennung vorstellen?<\/strong><br \/>\nDer Produktpass besteht aus drei Dingen. Zum einen aus einer ID-Nummer, damit das Produkt identifizierbar ist. Zum Zweiten aus Daten, die dazu aufgenommen werden. Das haben wir in dem Standard definiert. Das Dritte ist die Markierung, die Produkt und ID-Nummer zusammenbringt &#8211; ein Barcode, ein QR-Code, ein digitales Wasserzeichen. Wir sind offen f\u00fcr alle Arten von Markierungstechnologien und arbeiten hier mit unterschiedlichen Anbietern und Initiativen, wie zum Beispiel der Digital Watermarks Initiative HolyGrail 2.0 zusammen. Unser Fokus bei R-Cycle ist die Datenerfassung- und bereitstellung entlang des Lebenszyklus. Je nach Anforderung k\u00f6nnen wir dann auf verschiedene Markierungstechnologien zur\u00fcckgreifen.<\/p>\n<p><strong>Wie ist die Idee zu R-Cycle entstanden?<\/strong><br \/>\nDie Idee ist bei Reifenh\u00e4user entstanden. Wir entwickeln dort Technologien f\u00fcr besser zu recycelnde Verpackungen. Dabei stellte sich ein Grundproblem heraus: Was n\u00fctzt es, wenn wir voll recyclingf\u00e4hige Verpackungen entwickeln und unsere Kunden sie in den Markt bringen, die Verpackung am Ende aber trotzdem in der thermischen Verwertung landet. Im Abfallsortierprozess werden heute Verpackungen nur sehr begrenzt als recyclingf\u00e4hig erkannt. Eine ausreichend pr\u00e4zise Sortierung findet nicht statt. Dabei liegen alle Informationen, die man f\u00fcr ein besseres Recycling ben\u00f6tigt, in unseren Maschinen und Anlagen vor. Wir nutzen sie bereits, um die Prozesse zu steuern. Warum sollte man diese Informationen nicht unternehmens\u00fcbergreifend f\u00fcr das Recycling nutzen k\u00f6nnen? Mit diesen Informationen kann man Kunststoffabfall besser sortieren und h\u00f6here Rezyklat-Qualit\u00e4ten erzielen. Diese recycling-relevanten Informationen sollten jedem Produkt mitgegeben werden. Das war der Anfang von R-Cycle.<\/p>\n<p><strong>Welche Pilotprojekte gibt es schon?<\/strong><br \/>\nWir haben zum Beispiel mit Exxon Mobil Rohstoffs\u00e4cke hergestellt, die wir immer im Kreis gefahren haben. Das hei\u00dft sie wurden produziert und direkt wieder recycelt. Dank des digitalen Produktpass von R-Cycle konnten die recycling-relevanten Verpackungseigenschaften im Recyclingprozess ausgelesen werden. Diese Informationen erm\u00f6glichen es, gebrauchte S\u00e4cke gezielt als Rohstoff dem Recyclingprozess zuzuf\u00fchren. Unser Partner Br\u00fcckner Maschinenbau hat mit weiteren Partnern eine Chipst\u00fcte produziert, die aus einer Folie mit Metallbeschichtung besteht und dennoch voll recyclingf\u00e4hig ist. Am Ende wurde aus dem Rezyklat wieder eine Folie. Das sind zwei von vielen Beispielen, die zeigen, wie der Einsatz des digitalen Produktpass ein datenbasiertes Sortieren und Recyceln erm\u00f6glicht.<br \/>\nDie Einsatzm\u00f6glichkeiten sind dabei nicht nur auf Verpackungen beschr\u00e4nkt. F\u00fcr ein Projekt mit der Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem chinesischen Agrarministerium haben wir Agrarfolie produziert, die einen digitalen Produktpass hat. Es wird gescannt, welcher Bauer auf welchem Feld welche Folie aufbringt. Beim Einsammeln wird auch wieder gescannt und man kann eine Mengenbilanz erstellen: Wieviel Folie wurde ausgebracht, wie viel wurde eingesammelt? Somit kann sichergestellt werden, dass die gesamte Folie wieder eingesammelt und recycelt wird.<\/p>\n<p><strong>Der digitale Produktpass n\u00fctzt also nicht nur der Kreislaufwirtschaft?<\/strong><br \/>\nEs gibt viel mehr Potenziale und die wollen wir weiterentwickeln. Das gro\u00dfe Ziel ist es nat\u00fcrlich, die Daten zu nutzen, um besser zu recyceln. Aber bis das wirklich im gro\u00dfen Ma\u00dfstab Anwendung findet und entsprechende Infrastrukturen aufgebaut sind, wird es noch etwas dauern. In der Zwischenzeit wollen wird aber schon Nutzen aus dem digitalen Produktpass ziehen. Damit l\u00e4sst sich zum Beispiel die Recyclingf\u00e4higkeit eines Produktes bewerten. Man kann mit den Daten zum Beispiel den CO2-Fu\u00dfabdruck eines Produktes berechnen oder Prozesse im Sinne von Industrie 4.0 optimieren. Das sind alles Anwendungen, die wir mit unterschiedlichen Partnern diskutieren und umsetzen. In unserer R-Cycle Community haben sich bereits \u00fcber 20 marktf\u00fchrende Unternehmen zusammengefunden, und wir suchen stetig weitere, um das Potenzial digitaler Produktp\u00e4sse in m\u00f6glichst vielen Anwendungen zu erproben.<\/p>\n<p><strong>Kann man sagen, der digitale Produktpass ist Voraussetzung f\u00fcr die Kreislaufwirtschaft?<\/strong><br \/>\nAbsolut. Kreislaufwirtschaft funktioniert nicht ohne das Teilen von relevanten Informationen zwischen den beteiligten Stakeholdern entlang des Lebenszyklus. Es gen\u00fcgt nicht, nur am Lebensende Informationen \u00fcber das Produkt bereitzustellen. Maschinen, die mit R-Cycle vernetzt sind, k\u00f6nnen aus dem digitalen Produktpass pr\u00e4zise Informationen zu den jeweiligen Vorprodukten beziehen und ihre eigenen Daten entsprechend erg\u00e4nzen, was einen Mehrwert f\u00fcr die Verarbeiter im nachgelagerten Prozess darstellt. Schlussendlich nutzen wir mit R-Cycle das Potenzial der Digitalisierung f\u00fcr nachhaltige Stoffkreisl\u00e4ufe, wie es unter anderem auch im Rahmen des Circular Economy Action Plan der Europ\u00e4ischen Union politisch gefordert wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R-Cycle hat zwei Dimensionen. Es ist einerseits ein offener Standard zur Realisierung des digitalen Produktpasses f\u00fcr Kunststoffe. Au\u00dferdem ist es&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":32724,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-32723","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32723","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=32723"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32723\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32726,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32723\/revisions\/32726"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/32724"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=32723"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=32723"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=32723"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=32723"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}