{"id":32944,"date":"2022-08-24T10:58:21","date_gmt":"2022-08-24T08:58:21","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=32944"},"modified":"2022-08-24T10:58:21","modified_gmt":"2022-08-24T08:58:21","slug":"grundsaetzlich-koennen-wir-100-prozentiges-rezyklat-verschweissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=32944","title":{"rendered":"Grunds\u00e4tzlich k\u00f6nnen wir 100-prozentiges Rezyklat verschwei\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Way2K: Branchen-Interviews auf dem Weg zur K-Messe 2022<\/strong><br \/>\n<strong><br \/>\nInterview mit Jochen Ochs, Abteilungsleiter Anwendungstechnik PLASTICS bei der Herrmann Ultraschalltechnik GmbH &amp; Co. KG<\/strong><\/p>\n<p>H<strong>err Ochs, k\u00f6nnen Rezyklate per Ultraschall verschwei\u00dft werden?<\/strong><br \/>\nOb und wie gut sich 100-prozentige Rezyklate verschwei\u00dfen lassen, h\u00e4ngt vom jeweiligen Material ab. Eine allgemeine Aussage ist schwierig, weil jedes Rezyklat anders ist und mehrfaches Aufschmelzen die Materialeigenschaften negativ beeinflussen kann. Wir haben f\u00fcr unser Labor aus einem Regranulat Probek\u00f6rper fertigen lassen und festgestellt, dass wir damit eine sehr gute Schwei\u00dfverbindung herstellen k\u00f6nnen. Grunds\u00e4tzlich k\u00f6nnen wir also auch 100-prozentiges Rezyklat mit Ultraschall verschwei\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Warum haben Sie diese Tests mit Kunststoffrezyklat gemacht?<\/strong><br \/>\nWir wollten ein Gef\u00fchl daf\u00fcr bekommen, was mit Ultraschall m\u00f6glich ist. Wird das Ergebnis mit Rezyklat tats\u00e4chlich schlechter als mit Standardware? M\u00fcssen wir unsere Technik anpassen? Diese Fragen haben wir uns vorher gestellt. Wir gehen damit f\u00fcr unsere Kunden in Vorleistung. Bevor wir eine Kundenanfrage mit der Verwendung von Rezyklat erhalten, wollten wir wissen, womit wir es zu tun bekommen. Jetzt muss man sehen, wie sich der Markt entwickelt und welche Anfragen tats\u00e4chlich in Zukunft an uns gestellt werden. Vor zwei Jahren haben wir die Versuche, die wir jetzt mit Rezyklaten gemacht haben, schon mit Biokunststoffen gemacht. Aus demselben Grund: Wir wollen vorbereitet sein.<\/p>\n<p><strong>Wie haben Sie das Rezyklat-Projekt aufgesetzt?<\/strong><br \/>\nZiel war es, ein Standard-Polyamid einem Rezyklat-PA gegen\u00fcberzustellen. Zun\u00e4chst einmal mussten wir daf\u00fcr einen Anbieter finden, der uns das Regranulat besorgt. Das war schwierig, denn normalerweise haben wir es im PLASTICS Labor mit Standardware ja mit Standardkunststoffen zu tun. Wir haben schlie\u00dflich einen Hersteller hochwertiger Kunststoff-Mahlg\u00fcter aus Baden-W\u00fcrttemberg ausfindig gemacht. Mit dessen Regranulat konnte unser Partner Barlog Probek\u00f6rper fertigen, die wir unseren Standard-PA-Probek\u00f6rper\u00a0gegen\u00fcberstellten. Anschlie\u00dfend haben wir eine statistische Versuchsplanung aufgesetzt, eine sogenannte DoE, mit 18 unterschiedlichen Parametergruppen. Diese haben wir dann in Zugproben getestet und gegen\u00fcbergestellt.<\/p>\n<p><strong>Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?<\/strong><br \/>\nWir haben nach jedem Schwei\u00dfvorgang Schnittbilder erstellt. Anfangs hat sich gezeigt, dass das Rezyklat im Schnittbild eher schlechter aussieht. Man konnte eine Trennebene zwischen Ober- und Unterteil erkennen. Das Standardmaterial zeigte anfangs eine wesentlich homogenere Verschwei\u00dfung, im Schnittbild sind dabei keine Trennebenen ersichtlich \u2013 das Bauteil sieht aus wie aus einem Guss. Durch Vorversuche haben wir einen Parametersatz gefunden, der f\u00fcr beide Materialien als Initialparameter passte. F\u00fcr diesen Parametersatz haben wir dann eine DoE erstellt und mit verschiedenen Parameterkonfigurationen jeweils f\u00fcnf Teile geschwei\u00dft. Zuletzt haben wir in der Zugpr\u00fcfung f\u00fcr beide Materialarten vergleichbare Ergebnisse erhalten. Tats\u00e4chlich hatten wir damit gerechnet, dass das Rezyklat schlechtere Werte erzielt, sowohl im Schnittbild als auch in der Zugpr\u00fcfung. Aber es gab einen Parametersatz, mit dem gleichwertig gute Ergebnisse erzielt werden konnten.<\/p>\n<p><strong>Wie wichtig ist es, dass man genau wei\u00df, welches Kunststoffrezyklat man hat?<\/strong><br \/>\nF\u00fcr uns ist es zun\u00e4chst einmal wichtig, dass es sich um einen thermoplastischen Kunststoff handelt. Aus dem Datenblatt des Regranulats kann man einige Dinge herauslesen, etwa \u00fcber mechanische und thermische Eigenschaften. Einen echten Indikator f\u00fcr die Qualit\u00e4t der Schwei\u00dfbarkeit kann man im Datenblatt aber nicht finden. Das zeigt erst der Versuch. Das ist auch der Grund, warum es die Ultraschall-Labore gibt. Die Kunden kommen zu uns, um in Schwei\u00dfversuchen die Prozesseigenschaften und das Erreichen ihrer Anforderungen zu pr\u00fcfen. Es gibt nat\u00fcrlich viel Erfahrung durch die vielen Jahre Ultraschall im Haus, sodass wir vieles vorher gut einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen. Aber bei der Verschwei\u00dfbarkeit von Rezyklaten haben wir in unserem PLASTICS Labor Neuland betreten.<\/p>\n<p><strong>Sie hatten Versuche mit Biokunststoffen angesprochen. Wie waren die Ergebnisse da?<\/strong><br \/>\nWie beim Rezyklat auch wollten wir damals nicht abwarten, bis ein Kunde ein solches Projekt an uns herantr\u00e4gt. Wir haben damals aus drei unterschiedlichen Biokunststoffen Probek\u00f6rper herstellen lassen. Zwei waren Blends, also keine reinen Biokunststoffe, und ein Material bestand zu einhundert Prozent aus Biopolymeren. Bei den Versuchen kam heraus, dass die Blends den Standardkunststoffen recht nahe kamen. Der reine Biokunststoff hat hinsichtlich der Zugkr\u00e4fte nur die H\u00e4lfte erreicht. Dennoch befanden sich diese in einem Bereich, die f\u00fcr viele Anwendungsarten ausreichend sind.<\/p>\n<p><strong>Welchen Impact h\u00e4tte es denn auf die Kreislaufwirtschaft, wenn man in Zukunft Rezyklate und Biokunststoffe in gro\u00dfem Stil bearbeiten k\u00f6nnte?<\/strong><br \/>\nDie blo\u00dfe Tatsache, dass wiederverwertet wird, hat ja einen enormen Impact. Es muss ein Umdenken geben von der Wegwerfmentalit\u00e4t und Neufertigung, hin zur Wiederverwertung. Die Welt hat ihre j\u00e4hrlichen Ressourcen nach aktuell knapp sieben Monaten verbraucht. Mit einer deutlich h\u00f6heren Recyclingquote lie\u00dfe sich das \u00e4ndern. Wenn wir vermehrt wiederverwerten oder gebraucht kaufen, kann man sich vorstellen, dass dies auch eine immense Auswirkung auf\u00a0die Wirtschaft hat. Wir leben auf zu gro\u00dfem Fu\u00df, das aktuelle Wirtschaftssystem basiert auf dem Prinzip take-make-waste und bringt unseren Planeten an die Belastungsgrenze. Die aktuelle Rohstoffknappheit zeigt ebenso eine gef\u00e4hrliche Abh\u00e4ngigkeit dieses Prinzips. Das Konzept der Kreislaufwirtschaft minimiert die Abh\u00e4ngigkeit von Rohstoffimporten, schont Ressourcen und ist eine deutliche Entlastung f\u00fcr die Umwelt. Die Industrie muss sich an diese Gegebenheiten anpassen, damit die Wirtschaftsleistung nicht nur erhalten bleibt, sondern sich das Einsparpotenzial der Kreislaufwirtschaft auch in einer h\u00f6heren Rentabilit\u00e4t niederschl\u00e4gt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob und wie gut sich 100-prozentige Rezyklate verschwei\u00dfen lassen, h\u00e4ngt vom jeweiligen Material ab. Eine allgemeine Aussage ist schwierig&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":32945,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-32944","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32944","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=32944"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32944\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32946,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32944\/revisions\/32946"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/32945"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=32944"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=32944"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=32944"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=32944"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}