{"id":33579,"date":"2022-09-28T08:43:08","date_gmt":"2022-09-28T06:43:08","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=33579"},"modified":"2022-09-27T10:45:25","modified_gmt":"2022-09-27T08:45:25","slug":"mechanisches-und-chemisches-recycling-sind-komplementaer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=33579","title":{"rendered":"Mechanisches und chemisches Recycling sind komplement\u00e4r"},"content":{"rendered":"<p><strong>Way2K: Branchen-Interviews auf dem Weg zur K-Messe 2022<\/strong><\/p>\n<p><strong>Interview mit Dr. Ralf D\u00fcssel, Vorsitzender des Kunststofferzeugerverbandes PlasticsEurope Deutschland e.V.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herr Dr. D\u00fcssel, bislang hat die kunststofferzeugende Industrie gut von einem linearen Wirtschaftsmodell gelebt. Wieso nun der Wandel in Richtung Kreislaufwirtschaft?<\/strong><br \/>\nDas ist der einzige Weg, die Ziele, die sich Europa und Deutschland hinsichtlich einer Treibhausgas-Verringerung und Klimaneutralit\u00e4t gesetzt haben, zu erreichen. Unsere Studie Reshaping Plastics \u2013 Pathways to a Circular, Climate Neutral Plastics System in Europe zeigt, dass wir schon einige Schritte in die richtige Richtung gemacht haben. Aber sie zeigt auch, dass wir noch zu langsam sind. Die Transformation zur Klimaneutralit\u00e4t muss schneller gehen und da ist Kreislaufwirtschaft ein wichtiger Beitrag. Sie hilft dabei, Abf\u00e4lle zu reduzieren und den Einsatz von fossilen Rohstoffen zu senken. Viele unserer Mitgliedsunternehmen setzen bereits verschiedene nachhaltige Rohstoffe ein. Es gibt auch schon erste Beispiele f\u00fcr geschlossene Materialstr\u00f6me. Aber wir m\u00fcssen an dieser Stelle noch schneller werden und deshalb unterst\u00fctzen wir als Verband den Wandel vom linearen zum zirkul\u00e4ren Wirtschaften sehr stark.<\/p>\n<p><strong>Chemisches Recycling kann einen Beitrag leisten. Wie weit ist man da technologisch?<\/strong><br \/>\nEs gibt erste Anlagen, die im kleineren industriellen Ma\u00dfstab Pyrolyse\u00f6le herstellen. Dar\u00fcber hinaus gibt es verschiedene Forschungsprojekte in Deutschland und Europa. Wir m\u00fcssen die Innovationen in diesem Bereich aber noch st\u00e4rker vorantreiben. Wir m\u00fcssen zum Beispiel verstehen, wie man mit unterschiedlichen Abfallstr\u00f6men umgeht. Daf\u00fcr brauchen wir aber ein innovationsfreundliches Umfeld. Als Wirtschaftsbranche haben wir klare Investitionszusagen gemacht. Wir werden 2025 etwa 2,6 Milliarden Euro investieren und diese Summe bis 2030 auf bis zu 7,2 Milliarden Euro steigern. Aber wir brauchen dabei die Sicherheit, dass die Produkte, die aus dem chemischen Recycling gewonnen werden, auch als Rezyklate regulatorisch anerkannt werden.<\/p>\n<p><strong>Derzeit \u00fcberlegt die EU, die Produkte aus chemischem Recycling anders zu klassifizieren als die aus mechanischem. Was w\u00fcrde das f\u00fcr Ihre Industrie bedeuten?<\/strong><br \/>\nDas w\u00e4re nicht gut. Wir unterst\u00fctzen Technologieoffenheit. Denn wir sind \u00fcberzeugt, weder wir in der Industrie noch die Regulierer in der EU und in Deutschland wissen, wie die Welt in zehn Jahren aussieht. Deshalb brauchen wir eine technologieoffene Einstufung des Recyclings. Nur dann k\u00f6nnen auch alle Investitionen und Innovationen vorangetrieben werden, so dass am Ende die beste Recycling-Methode f\u00fcr die jeweilige Anwendung etwa hinsichtlich ihres Klimaschutzpotenzials zum Einsatz kommt. Deshalb sind wir ausdr\u00fccklich kein Unterst\u00fctzer der unterschiedlichen Behandlung der verschiedenen Recyclingmethoden.<\/p>\n<p><strong>Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie sich mit Ihrer Verbandssicht durchsetzen?<\/strong><br \/>\nIch glaube, wir sind auf einem ganz guten Weg. Es freut mich sehr, dass das Thema im deutschen Koalitionsvertrag aufgegriffen wurde und dass das chemische Recycling demnach in der Verpackungsverordnung seinen Platz finden soll. Wir werden alles daf\u00fcr tun, dass das auch so kommt.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie einmal beschreiben, welche Methode wo k\u00fcnftig ihren Platz haben wird?<\/strong><br \/>\nEs wird oft behauptet, dass das chemische Recycling dem Mechanischen Marktanteile wegnimmt. Dieser Denkansatz ist falsch. Wir brauchen ganz klar noch mehr mechanisches Recycling, die Kapazit\u00e4ten m\u00fcssen hier deutlich ausgebaut werden. Das chemische Recycling setzt dort ein, wo das mechanische an seine Grenzen kommt. Zum Beispiel wenn zu oft rezykliert wurde und die Kunststoffketten deshalb immer k\u00fcrzer geworden sind oder aber wenn wir sehr gemischte Abf\u00e4lle haben. Ein gutes Beispiel sind die Rotorbl\u00e4tter von Windr\u00e4dern, die meist aus glasfaserverst\u00e4rktem Kunststoff bestehen. Hierf\u00fcr brauchen wir chemisches Recycling, weil durch das mechanische kein verwertbares Produkt herausbekommt. Mit chemischem Recycling k\u00f6nnen wir dort eine Qualit\u00e4t erreichen, die mit Neuware vergleichbar ist. Man kann dieses Material also etwa wieder in Medizinprodukten oder f\u00fcr Lebensmittelanwendungen einsetzen. Und genau deshalb sind beide Recyclingverfahren komplement\u00e4r und wir brauchen unbedingt beide.<\/p>\n<p><strong>Chemisches Recycling erfordert allerdings einen hohen Energieeinsatz.<\/strong><br \/>\nNeue Studien zeigen, dass man f\u00fcr den Prozess des chemischen Recyclings f\u00fcnf bis zehn Prozent des Energieinhaltes des Abfalls einsetzen muss. Man holt dann etwa 70 Prozent des Kohlenstoffatoms wieder zur\u00fcck. Das ist nicht schlecht. In anderen Studien wird der Energiebedarf von mechanischen mit chemischem Recycling verglichen. Auch da sieht das chemische Recycling gar nicht so schlecht aus. Wir arbeiten an weiteren Verbesserungen. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch das chemische Recycling auf ein gutes Niveau beim Energieverbrauch bringen werden, erst recht, wenn die Versorgung mit Strom und W\u00e4rme aus gr\u00fcnem Strom besteht.<\/p>\n<p><strong>Welche Rolle kommt dem Design-for-Recycling in dem Bem\u00fchen um Klimaneutralit\u00e4t zu?<\/strong><br \/>\nDas ist auch ein wichtiger Baustein f\u00fcr das Schlie\u00dfen des Kreislaufs und damit f\u00fcr die Erreichung von Treibhausgasneutralit\u00e4t. Da gibt es schon viele gute\u00a0Beispiele. Etwa eine recycling-f\u00e4hige Zahnb\u00fcrste oder ein Autositz aus nur einem Material \u2013 beides erh\u00f6ht die Chancen, aus ausgedienten Kunststoffprodukten wieder Rezyklate zu gewinnen. Wir werden auf der K sicher viele solcher Beispiele sehen. Man muss es nur konsequent umsetzen und die Kunden und Endverbraucher m\u00fcssen die Produkte akzeptieren. Vermeiden von Abfall, Abfallreduzierung, Wiederverwendung und dann erst Recycling, gef\u00f6rdert etwa durch Design-for-Recycling, das ist der richtige Weg.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen wir irgendwann ganz auf fossile Rohstoffe verzichten?<\/strong><br \/>\nWenn wir die Kreisl\u00e4ufe schlie\u00dfen, brauchen wir keine fossilen Rohstoffe mehr. Wenn wir das dann mit gr\u00fcner Energie kombinieren, ist das ein enormer Schritt, um Treibhausgasneutralit\u00e4t zu erreichen. Ohne Kreislaufwirtschaft wird es allerdings nicht gehen.<\/p>\n<p>Video-Statement Dr. Ralf D\u00fcssel:\u00a0<a href=\"https:\/\/vimeo.com\/732387545\">https:\/\/vimeo.com\/732387545<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist der einzige Weg, die Ziele, die sich Europa und Deutschland hinsichtlich einer Treibhausgas-Verringerung und Klimaneutralit\u00e4t gesetzt haben&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":33580,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-33579","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33579","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=33579"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33579\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":33581,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33579\/revisions\/33581"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/33580"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=33579"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=33579"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=33579"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=33579"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}