{"id":33702,"date":"2022-10-04T13:16:52","date_gmt":"2022-10-04T11:16:52","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=33702"},"modified":"2022-10-04T13:16:52","modified_gmt":"2022-10-04T11:16:52","slug":"recyceln-ist-sehr-wohl-wirtschaftlich-machbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=33702","title":{"rendered":"Recyceln ist sehr wohl wirtschaftlich machbar"},"content":{"rendered":"<p><strong>Way2K: Branchen-Interviews auf dem Weg zur K-Messe 2022<\/strong><\/p>\n<p><strong>Interview mit\u00a0<\/strong><strong>Jochen Hirdina, Head of Plastics Technology bei der Krones AG<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herr Hirdina, Krones verfolgt eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie. Was sind die Eckpunkte?<\/strong><br \/>\nKrones hat sich bis 2030 sehr ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Als Unternehmen werden wir unseren CO2-Fu\u00dfabdruck bis dahin um 80 Prozent gesenkt haben. F\u00fcr unsere Produkte ist eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 25 Prozent geplant. Au\u00dferdem werden wir Sonderabf\u00e4lle und den Trinkwasserverbrauch um zehn Prozent verringern. Ein weiterer wichtiger Baustein in unserer Nachhaltigkeitsstrategie ist es, unseren Teil zu einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft beizutragen. Wir wollen dabei mithelfen, Plastik in Form von M\u00fcll zu vermeiden. In der Getr\u00e4nkeindustrie in Deutschland sind wir auf dem besten Weg, den Kreislauf mit PET-Flaschen komplett zu schlie\u00dfen. Und auch in Europa bewegt sich einiges. Grund hierf\u00fcr ist, dass die Europ\u00e4ische Union Vorgaben f\u00fcr Rezyklate eingef\u00fchrt hat, die einen Handlungszwang bei unseren Kunden und in der Branche ausl\u00f6sen. Da sehe ich gerade ganz viel Bewegung.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie ein Beispiel geben?<\/strong><br \/>\nZun\u00e4chst muss man sich vor Augen f\u00fchren, wie der Kreislauf funktioniert. Es werden Produkte hergestellt, die nach Anwendung zur\u00fcckgenommen und wieder zu einem neuen Produkt verarbeitet werden. Das Einsammeln ist dabei nat\u00fcrlich die Grundvoraussetzung, damit ein Kreislauf funktioniert. Aber man muss auch wissen, was mit dem Material geschieht und wo man es wieder einsetzt. Der Idealfall ist: wieder genau in dem Anwendungsfall, aus dem es kommt. Das geht bei kurzlebigen Produkten, wie Flaschen, relativ gut, denn man hat hier eine hohe Umschlagh\u00e4ufigkeit. In anderen Bereichen wird es vermutlich deutlich schwieriger. Ein gro\u00dfer Discounter in Deutschland hat begonnen, seine eigene Wertsch\u00f6pfungskette f\u00fcr einen Kreislauf aufzubauen. F\u00fcr mich ist das eine Art Blue Print, wie das Ganze funktionieren kann.<\/p>\n<p>Wenn wir die Situation in Deutschland betrachten, hat sich in den vergangenen Jahren auch einiges getan. Im Getr\u00e4nkebereich waren in Deutschland bislang nicht alle PET-Flaschen in den Kreislauf einbezogen. Flaschen mit Fruchts\u00e4ften, beispielsweise, geh\u00f6rten nicht dazu. Das ist mittlerweile vereinheitlicht worden und jetzt gilt das Flaschenpfand auf das gesamte Getr\u00e4nkesortiment. Wir haben Sammelquoten von 98 Prozent f\u00fcr PET-Flaschen. Und es zeigt sich, dass die eingesammelten PET-Mengen tats\u00e4chlich wieder dazu benutzt werden, neue PET-Flaschen herzustellen. Somit steht Deutschland bei dem geschlossenen Kreislauf schon sehr gut da.<\/p>\n<p><strong>Aber wenn einige Gro\u00dfe, wie Lidl, so etwas machen, bleibt nicht mehr genug f\u00fcr die vielen Kleinen.<\/strong><br \/>\nDas ist Stand heute tats\u00e4chlich die Realit\u00e4t. Das liegt aber daran, dass wir noch zu wenig Recyclingkapazit\u00e4t zur Verf\u00fcgung haben. Die muss nat\u00fcrlich steigen, damit die R\u00fcckl\u00e4ufe wieder vollst\u00e4ndig in neues Rezyklat umwandelt werden k\u00f6nnen. Weltweit betrachtet ist die derzeit noch geringe Kapazit\u00e4t eine Folge der bisher fehlenden Wirtschaftlichkeit der Rezyklate. In den letzten Jahren war es einfach wegen des niedrigen \u00d6lpreises g\u00fcnstiger, Virgin-Material einzukaufen. Mittlerweise haben wir sehr hohe Energiepreise und wir haben eine gesetzliche Regelung f\u00fcr den Einsatz von Rezyklaten. Wegen der Preisentwicklung und der gestiegenen Nachfrage kann das Recyceln mittlerweile wirtschaftlich umgesetzt werden. Wir werden deshalb in den n\u00e4chsten Jahren einen Ausbau der Recyclingkapazit\u00e4ten sehen. Hinzu kommt nat\u00fcrlich auch das gestiegene Nachhaltigkeitsbewusstsein in der Branche. So hat ein gro\u00dfer US-amerikanischer Getr\u00e4nkekonzern bekanntgegeben, bei einigen seiner Produkte nur PET einzusetzen.<\/p>\n<p><strong>Neben dem Kerngesch\u00e4ft Abf\u00fcllanlagen hat Krones auch Recyclinganlagen. Wie ist es dazu gekommen?<\/strong><br \/>\nWir besch\u00e4ftigen uns im Grunde schon sehr lange mit Recycling. Die ersten Erfahrungen in dem Bereich konnten wir im Jahr 2000 sammeln, als wir gemeinsam mit einem weiteren Unternehmen die erste PET-Recyclinganlage in der Schweiz gebaut haben. Hinzu kommt, dass wir jahrzehntelange Erfahrung mit dem Bau von Reinigungsmaschinen f\u00fcr Flaschen haben. Denn jedes Recyclingwerk braucht Reinigungsmaschinen, um beispielsweise die Etiketten- und Produktreste zu entfernen. Und uns war schon fr\u00fch bewusst, dass im Kunststoffrecycling die Zukunft liegt. Aus diesen und auch weiteren Gr\u00fcnden sind wir 2009 in den Bereich Recycling eingestiegen.<\/p>\n<p>Wir \u00fcbernehmen komplette Projektierungen f\u00fcr Recyclinganlagen, das ist eine Kernkompetenz f\u00fcr uns als Anlagenbauer. Dazu bieten wir eigene Kernmodule an. Zum Beispiel mit MetaPure W ein Waschmodul f\u00fcr Kunststoffe. Und um Kunststoffe wieder auf die gew\u00fcnschten Produkteigenschaften zu bringen, bieten wir mit MetaPure S ein entsprechendes System an. Unser Recycling-Gesch\u00e4ft ist f\u00fcr uns sehr wichtig, auch wenn wir dort nicht, wie bei den Getr\u00e4nkeanlagen, Marktf\u00fchrer sind. Unsere Recyclingtechnologie kommt bei unseren Kunden aber sehr gut an.<\/p>\n<p><strong>Ist es sinnvoll, solche Recyclinganlagen mit einer Anwendung, etwa einer Getr\u00e4nkeabf\u00fcllanlage, zu verkn\u00fcpfen?<\/strong><br \/>\nGrunds\u00e4tzlich ist es nat\u00fcrlich m\u00f6glich, das Material aus einem Recyclingwerk als Ausgangsmaterial zur Herstellung neuer Preforms zu nutzen. Man kann die Schnittstelle auch in ein Getr\u00e4nkewerk setzen und mit dem Rezyklat neue Flaschen machen. Aber prozessintegriert wird es das nicht geben. Warum das so ist, l\u00e4sst sich leicht erkl\u00e4ren: Eine Recyclinganlage l\u00e4uft idealerweise 365 Tage im Jahr. Dann ist sie am effizientesten. In einer Getr\u00e4nkelinie hat man dagegen Schwankungen. Im Sommer wird mehr getrunken als im Winter. Entsprechend werden mehr Flaschen bef\u00fcllt. Im Sommer m\u00fcssen die Anlagen rund um die Uhr laufen, im Winter kann man die eine oder andere Schicht einsparen. Eine Eins-zu-eins-Verblockung w\u00fcrde nicht funktionieren und w\u00e4re auch nicht wirtschaftlich sinnvoll.<\/p>\n<p><strong>Wie wichtig ist der unternehmens\u00fcbergreifende Austausch in der Kreislaufwirtschaft?<\/strong><br \/>\nDer ist angesichts der Komplexit\u00e4t der Kreislaufwirtschaft und der vielen daran beteiligten Branchen unverzichtbar. In der Vergangenheit haben diese unterschiedlichen Branchen wenige Ber\u00fchrungspunkte gehabt. Wenn wir das gemeinsame Problem des Plastikm\u00fclls in den Griff bekommen wollen, ist ein Austausch unabdingbar. Da gibt es derzeit noch Verbesserungspotential. Jeder muss offen im Umgang mit den Partnern sein, sonst wird die Umsetzung einer durchg\u00e4ngigen Kreislaufwirtschaft schwierig. Vor 15 oder 20 Jahren waren die Unternehmen untereinander noch extrem verschlossen. Das hat sich zum Gl\u00fcck gebessert, denn wenn wir den nachkommenden Generationen einen lebenswerten Planeten hinterlassen m\u00f6chten, dann m\u00fcssen wir alle an einem Strang ziehen und zusammenarbeiten. Und die Zeit arbeitet da aktuell gegen uns.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krones hat sich bis 2030 sehr ehrgeizige Klimaziele gesetzt. 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