{"id":34017,"date":"2022-10-17T10:27:28","date_gmt":"2022-10-17T08:27:28","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=34017"},"modified":"2022-10-17T10:27:28","modified_gmt":"2022-10-17T08:27:28","slug":"das-image-von-kunststoff-muss-besser-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=34017","title":{"rendered":"Das Image von Kunststoff muss besser werden"},"content":{"rendered":"<p><strong>Way2K: Branchen-Interviews auf dem Weg zur K-Messe 2022<\/strong><br \/>\n<strong><br \/>\nInterview mit Dr.\u00a0Stefan Engleder, CEO der Engel Austria GmbH<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herr Dr. Engleder, welche M\u00f6glichkeiten hat ein Spritzgie\u00dfmaschinenbauer, den CO<sub>2<\/sub>-Footprint zu verringern?<\/strong><br \/>\nAls Maschinenbauunternehmen setzen wir zun\u00e4chst im eigenen Unternehmen an, den CO<sub>2<\/sub>-Footprint zu verringern. Das bedeutet zum Beispiel, dass wir Gr\u00fcnstrom einkaufen, PV-Anlagen installieren und den Anteil an fossilen Brennstoffen reduzieren. Unsere Nachhaltigkeitsstrategie zielt darauf ab, an allen Standorten weltweit m\u00f6glichst klimaneutral zu produzieren.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus haben wir die Produktion unserer Kunden im Blick und verringern kontinuierlich den CO<sub>2<\/sub>-Footprint unserer Produkte, der Spitzgie\u00dfmaschinen. Sehr effiziente Antriebstechnologien haben hier bereits zu einer Halbierung des Energiebedarfs gef\u00fchrt. Durch optimierte Prozesse und auf die Anwendung abgestimmte Temperierl\u00f6sungen kann man den Energiebedarf noch weiter reduzieren. Au\u00dferdem nutzen wir die Digitalisierung, etwa Assistenzsysteme. F\u00fcr den Klimaschutz ist es aber nicht nur wichtig, neue, effiziente Maschinen zu haben. Mindestens ebenso wichtig ist es, dass die installierte Basis umgestellt wird, zum Beispiel mit Retrofit-L\u00f6sungen oder Assistenzsystemen, die ebenfalls nachger\u00fcstet werden k\u00f6nnen. Hier muss schneller gehandelt werden, denn eine Spritzgie\u00dfmaschine h\u00e4lt 20 Jahre und l\u00e4nger.<\/p>\n<p><strong>Angesichts aktueller Probleme wie Krieg und hoher Energiepreise bef\u00fcrchten viele, dass der Klimaschutz und auch die Kreislaufwirtschaft aus dem Blick geraten. Wie sehen Sie das?<\/strong><br \/>\nDas Hauptthema ist derzeit sicherlich das Einsparen von Energie, denn Energie ist knapp und teuer. Aber letztlich dient diese Entwicklung ja auch dem Ziel der CO<sub>2<\/sub>-Minderung. Unsere Kunden betrachten zunehmend die Total-Cost-of-Ownership. Und darin spielt Energie eine ma\u00dfgebliche Rolle, sowohl beim Verbrauch der Maschine selbst, als auch beim Rohmaterial. Die Kreislaufwirtschaft steht weiterhin im Fokus, auch wenn vielleicht im Moment angesichts der Krisen weniger dar\u00fcber gesprochen wird. Das Schlie\u00dfen der Wertstoffkreisl\u00e4ufe ist ein mehrj\u00e4hriges Unterfangen, und es wird in Europa unver\u00e4ndert viel daran gearbeitet. In anderen Teilen der Welt, in Asien oder in den USA, wird sie nicht mit derselben Vehemenz vorangetrieben. Dennoch: die Kreislaufwirtschaft wird kommen.<\/p>\n<p><strong>Wird dies eher ein Wettbewerbsnachteil oder ein Wettbewerbsvorteil f\u00fcr die europ\u00e4ische Kunststoffindustrie sein?<\/strong><br \/>\nWenn wir die Kreislaufwirtschaft so hinbekommen, dass sie \u00f6kologisch und zugleich \u00f6konomisch ist, dann ist es ein Wettbewerbsvorteil. Und wenn wir zudem ressourcenschonend arbeiten, m\u00fcssen wir f\u00fcr Rohmaterial und Energie auch weniger zahlen. Vielleicht ist das am Anfang nicht der Fall, wenn das Ganze noch nicht skalierbar ist. Aber mittel- und langfristig wird es g\u00fcnstiger sein. Wichtig ist, dass insbesondere die europ\u00e4ische Politik die richtigen, erreichbaren Ziele setzt und sie konsequent verfolgt. Wenn wir aber alle gemeinsam das Richtige tun, bin ich sicher, dass die Kreislaufwirtschaft f\u00fcr unsere Industrie Vorteile gegen\u00fcber dem internationalen Wettbewerb bringt.<\/p>\n<p><strong>Digitalisierung ist ein Werkzeug in verschiedenen Prozessen. Wie gro\u00df ist ihr Nutzen f\u00fcr Engel?<\/strong><br \/>\nDie Digitalisierung hilft uns auf zwei Ebenen. Zum einen direkt an den Maschinen, Stichwort Assistenzsysteme. Die werden immer wichtiger, auch weil der Personalmangel immer eklatanter wird. Wir haben heute schon einen gro\u00dfen Mangel an ausgebildeten Maschinenf\u00fchrern. Die digitalen Assistenzsysteme erm\u00f6glichen es, dass die Maschinen relativ autonom funktionieren und sich auch selbst optimieren. Die Maschinen werden also viel leichter bedienbar. Der Personalmangel ist ein Thema, \u00fcber das noch nicht so viel gesprochen wird, wie \u00fcber das Thema CO<sub>2<\/sub>. Aber das wird sich in den n\u00e4chsten Jahren \u00e4ndern, und zwar in den meisten Teilen der Welt.<br \/>\nDie Digitalisierung hilft au\u00dferdem dabei, die einzelnen Teile der Wertsch\u00f6pfungskette horizontal zu verbinden. Die Kunststoffverarbeitung ist ein sehr arbeitsteiliger Prozess mit vielen verschiedenen Wertsch\u00f6pfungsstufen. Da ist es sinnvoll und f\u00fcr eine Kreislaufwirtschaft auch notwendig, gemeinsame Daten zu verwenden und gemeinsame Schnittstellen zu etablieren. Das f\u00e4ngt beim Recycler an, der das Material aufbereitet, geht dann \u00fcber die Produzenten und Verpacker bis hin zum Handel und zu den Konsumenten.<\/p>\n<p><strong>Viele tun sich mit dem Austausch von Information aber schwer&#8230;<\/strong><br \/>\nSo ist es. Und durch den Trend der Entkopplung \u2013 auch eine Folge der Corona-Pandemie \u2013 ist es noch schwerer geworden. Dennoch ist der horizontale Austausch m\u00f6glich, wenn man ihn durchdacht angeht. Daten-Leaks m\u00fcssen verhindert werden, es d\u00fcrfen nur relevante Daten ausgetauscht werden. Das geht schon recht gut. Es hilft auch, dass gro\u00dfe Konsumg\u00fcterhersteller Druck auf die gesamte Herstellungskette aus\u00fcben, weil sie selber unter dem Druck der \u00d6ffentlichkeit stehen.<\/p>\n<p><strong>Weil gerade Verpackungen erheblich zum schlechten Image von Kunststoff beitragen&#8230;<\/strong><br \/>\nJa, Kunststoff hat kein gutes Image. Sobald sich die Menschen aber mehr damit besch\u00e4ftigen, erkennen sie seine Vorteile. Zum Beispiel, dass Verpackungen Lebensmittel l\u00e4nger haltbar machen und daher weniger weggeworfen werden. Oder dass Kunststoff Leichtbau erm\u00f6glicht, der wiederum zur CO<sub>2<\/sub>-Minderung beitr\u00e4gt. Selbstkritisch muss man sagen \u2013 und hier komme ich auf das Thema Kreislaufwirtschaft zur\u00fcck \u2013 dass es die Kunststoffindustrie noch nicht geschafft hat, die Kreisl\u00e4ufe f\u00fcr alle Materialien zu schlie\u00dfen. Das ist ihre wichtigste Aufgabe, daran arbeiten wir intensiv und das kommunizieren wir. Denn nur so k\u00f6nnen wir das Bild, das die Menschen von Kunststoff und der Kunststoffindustrie haben, korrigieren. Das ist schon deshalb n\u00f6tig, damit unsere Industrie gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Maschinenbauunternehmen setzen wir zun\u00e4chst im eigenen Unternehmen an, den CO2-Footprint zu verringern. 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