{"id":34378,"date":"2022-10-25T14:02:44","date_gmt":"2022-10-25T12:02:44","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=34378"},"modified":"2022-10-25T14:02:44","modified_gmt":"2022-10-25T12:02:44","slug":"recycler-und-kunststoffverarbeiter-ruecken-zusammen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=34378","title":{"rendered":"Recycler und Kunststoffverarbeiter r\u00fccken zusammen"},"content":{"rendered":"<p><strong>K 2022 &#8211; Brancheninterview<\/strong><\/p>\n<p><strong>Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft braucht das nahtlose Zusammenspiel der Recycling- und der Verarbeiterseite. Auf der Messe\u00a0K 2022 spricht Thorsten K\u00fchmann, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Fachverbandes Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA, mit Ulrich Reifenh\u00e4user, Vorstandsvorsitzender dieses Fachverbands, und Michael Ludden, Vorstandsvorsitzender des VDMA-Fachverbands Abfall- und Recyclingtechnik, \u00fcber die aktuellen Entwicklungen.<\/strong><br \/>\n<strong>Thorsten K\u00fchmann: Welchen Stellenwert hat Kunststoffabfall und welche Bedeutung hat die Behandlung dieses Abfalls hier auf der <em>K<\/em> bekommen?<\/strong><br \/>\n<strong>Michael Ludden<\/strong>: Wir in der Abfall- und Recyclingtechnik sind heute in der Lage, sowohl aus dem Hausm\u00fcll, aber vor allem aus den Verpackungsabf\u00e4llen einen Stoffstrom zu erzeugen, der in Rezyklaten endet. Diese k\u00f6nnen dann weiterverarbeitet werden. Die Branche hat in den letzten 20 Jahren Ger\u00e4te entwickelt, die in der Lage sind, die Monomere des Kunststoffs, also etwa Polyethylen, Polypropylen, Polystyrol oder PET zu unterscheiden. Diese Ger\u00e4te sind heute wichtige Komponenten der Sortieranlagen. Der Wiedereinsatz dieses Rezyklates funktioniert ganz gut. Auf politischen Druck hin fordern die Verarbeiter jetzt gr\u00f6\u00dfere Mengen und bessere Qualit\u00e4ten, denn das Material soll m\u00f6glichst oft im Kreislauf gefahren werden. Deshalb die zunehmende N\u00e4he der Recycler zu den Verarbeitern, die hier auf der K versammelt sind. Diese wollen wissen, was geht und was noch nicht. Die Verarbeiter haben bislang meist Virgin-Material auf Erd\u00f6lbasis eingesetzt. Jetzt m\u00fcssen sie sich mit Rezyklaten besch\u00e4ftigen, die oft andere Eigenschaften haben als Virgin-Material.<\/p>\n<p><strong>Ihre Firma Sutco Recyclingtechnik ist Aussteller auf der IFAT und erstmals jetzt auch auf der K. Warum ist es so wichtig, dass diese beiden Messen inhaltlich zueinander finden?<\/strong><br \/>\n<strong>Ludden:<\/strong> Wenn wir eine hohe Qualit\u00e4t des Granulats erreichen wollen, sind Inputstr\u00f6me mit gleichbleibender Qualit\u00e4t wichtig. Die bekommt man, wenn man das Material aus einer Sortieranlage auf technologisch h\u00f6chstem Niveau kauft. Dann kann man sich auf die Qualit\u00e4ten verlassen. Und dann kann man auch die Aufbereitung auf diese Qualit\u00e4ten einstellen. Diese Diskussion zwischen dem, der sortiert und dem, der aufbereitet, findet jetzt statt &#8211; hier auf der K und auch auf der IFAT. Es ist wichtig zu wissen, was der eine kann und der andere braucht.<\/p>\n<p><strong>Herr Reifenh\u00e4user, ihre Firma stellt Maschinen her, mit denen man gro\u00dfe Mengen an Kunststofffolie herstellen kann. Setzten Sie Rezyklate ein und wenn ja, was ist da wichtig?<\/strong><br \/>\n<strong>Reifenh\u00e4user:<\/strong> Der Einsatz von Rezyklaten ist in unserer Prozesstechnik \u00fcberhaupt kein Problem. Das Problem ist vielmehr, dass es kaum Rezyklate gibt. Das Sammeln des Kunststoffabfalls funktioniert in einigen L\u00e4ndern schon sehr gut. Aber das Sortieren ist die Herausforderung. Zu bestimmen, was ist PE, was ist PP, was ist PET. Besonders bei Mehrschichtfolien ist die Sortierung schwierig. Manche sind recycelbar, manche nicht. Wie will man das erkennen? Aus meiner Sicht muss jede Kunststoffverpackung digitalisiert werden. Sie muss einem Sortierer sagen, woraus sie besteht. Es gibt da schon gute und nachhaltige Ans\u00e4tze. Die m\u00fcssen jetzt auf die Bahn gebracht werden. Ob sie schlussendlich die L\u00f6sung sind, l\u00e4sst sich heute noch nicht sagen. Aber man muss anfangen.<\/p>\n<p><strong>Welche Ans\u00e4tze gibt es?<br \/>\nReifenh\u00e4user:<\/strong> Es gibt R-Cycle und Holy Grail. R-Cycle ist ein offener Standard zur Realisierung des digitalen Produktpasses f\u00fcr Kunststoffe. Holy Grail ist eine Initiative zur Etablierung einer einheitlichen Markierung dieses Produktpasses mittels unsichtbarem Wasserzeichen. Beide Gruppen arbeiten schon zusammen. Das sind innovative Ans\u00e4tze, die aus meiner Sicht geeignet sind, das Sortierungsproblem zu l\u00f6sen. Aber daneben bem\u00fcht sich die Industrie nach Kr\u00e4ften, Rezyklate einzusetzen. Wir bei Reifenh\u00e4user haben eine Technologie entwickelt, mit der wir Post-Consumer-Kunststoffe in der Folienverarbeitung einsetzen k\u00f6nnen. Nicht f\u00fcr High-End-Folien, sondern f\u00fcr M\u00fcll- oder auch Posts\u00e4cke. Die finale L\u00f6sung muss es aber sein, die Sortierung insgesamt zu verbessern, indem wir Digitalisierung einsetzen.<\/p>\n<p><strong>Der Verbraucher ist bei allem au\u00dfen vor?<br \/>\nReifenh\u00e4user:<\/strong> Der Verbraucher kann die Sortierung in der Form, in der wir sie brauchen, nicht leisten. Dazu wei\u00df er einfach zu wenig. Er m\u00fcsste Spezialist auf diesem Gebiet sein. Deshalb hei\u00dft der richtige Ansatz: Technologie, Digitalisierung. Jedes Produkt braucht einen digitalen Zwilling.<br \/>\n<strong>Ludden:\u00a0<\/strong>Wir haben auf der Abfallseite in den letzten 20 Jahren gelernt, dass der Mensch nicht in der Lage ist, Polymere zu unterscheiden. Daf\u00fcr gibt es in modernen Sortieranlagen Nahinfrarotger\u00e4te. In einer modernen Sortieranlage, wie wir sie gerade in Schweden bauen, sind 30 dieser Nahinfrarotger\u00e4te verbaut. Damit k\u00f6nnen wir zw\u00f6lf gute Monomerfraktionen erzeugen. Die k\u00f6nnen wir auch noch nach Farben sortieren. Wir brauchen aber entsprechende Materialmengen, um das Material unterscheiden zu k\u00f6nnen und diese Mengen fehlen heute noch. Es gibt einen gro\u00dfen Druck im Markt, weil alle Rezyklate haben wollen. Aber der Verbraucher ist nicht au\u00dfen vor, denn alle Techniken basieren darauf, dass der Kunststoffstrom erst einmal erfasst worden ist. Deshalb bleibt es sehr wichtig, dass der Verbraucher seine Kunststoffverpackungen in die gelbe Tonne wirft.<\/p>\n<p><strong>Welche Rolle spielt das Produktdesign in dem Bem\u00fchen, mehr Rezyklate zu bekommen?<\/strong><br \/>\n<strong>Ludden<\/strong>: Bei einfachen Verpackungen gibt es im Produkt-Design sicherlich M\u00f6glichkeiten, den Materialmix zu verringern. Sobald eine Verpackung aber eine besondere Funktion hat, wird das schwieriger. Die Multilayer-Folie einer Fleischverpackung zum Beispiel bildet eine Oxydationssperrschicht, die die Haltbarkeit des Produktes gew\u00e4hrleistet. Man kann also nicht einfach sagen, wir nehmen nur drei Kunststoffsorten und daraus macht man alles.<br \/>\n<strong>Reifenh\u00e4user<\/strong>: Wenn wir \u00fcber Kreislaufwirtschaft reden, dann m\u00fcssen wir Produkte haben, die rezyklierbar sind. Dann m\u00fcssen wir eben weg von diesen Multilayers, die K\u00e4se neun Monate haltbar machen und akzeptieren, dass sie nur f\u00fcnf Wochen haltbar sind. Das w\u00e4re ein vern\u00fcnftiges Design. Wir m\u00fcssen die Produkte in Richtung Kreislaufwirtschaft re-designen.<\/p>\n<p><strong>Bitte vervollst\u00e4ndigen Sie beide diesen Satz: Kunststoffabfall ist\u2026<br \/>\nReifenh\u00e4user:<\/strong> \u2026ein enorm wichtiger Wertstoff.<br \/>\n<strong>Ludden<\/strong>: &#8230; eine\u00a0Ressource, die wiederverwertet werden muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft braucht das nahtlose Zusammenspiel der Recycling- und der Verarbeiterseite. 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