{"id":34614,"date":"2022-11-09T14:18:45","date_gmt":"2022-11-09T13:18:45","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=34614"},"modified":"2022-11-09T14:18:55","modified_gmt":"2022-11-09T13:18:55","slug":"rezyklateinsatzquoten-bei-lebensmittelverpackungen-sind-kontraproduktiv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=34614","title":{"rendered":"Rezyklateinsatzquoten bei Lebensmittelverpackungen sind kontraproduktiv"},"content":{"rendered":"<p>Ein Standpunkt von<\/p>\n<p>Dr. habil. Thomas Probst<br \/>\nFachreferent Kunststoffrecycling<\/p>\n<p>Dr. Dirk Textor<br \/>\nVorsitzender FV-Vorstand Kunststoffrecycling<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aufgrund seines geringen Energieverbrauchs ist das werkstoffliche Recycling die effizienteste Methode der Kreislauff\u00fchrung f\u00fcr gebrauchte Kunststoffverpackungen. Neue gesetzgeberische Ma\u00dfnahmen haben das Ziel, dies zu unterst\u00fctzen. Die Einf\u00fchrung von Mindesteinsatzquoten f\u00fcr PE-, PP- und PS-Rezyklate im Lebensmittelkontakt lehnen wir jedoch ab. Bisher werden keine PE-, PP- und PS-Rezyklate aus offenen Sammelsystemen (z. B. gelber Sack) f\u00fcr Verpackungen mit Lebensmittelkontakt verwendet \u2013 und das aus gutem Grund.<\/p>\n<p>Selbst wenn die regulatorischen Bedingungen der EFSA \u2013 European Food Safety Authority durch sehr (energie-)intensives Sortieren unter Verwendung von digitalen Markern erf\u00fcllt w\u00fcrden, ist deren Einsatz im Rahmen der notwendigen Risikoabsch\u00e4tzung nicht empfehlenswert. Erfahrungsgem\u00e4\u00df f\u00fchren Druckfarben, das F\u00fcllgut und die im offenen Sammelsystem stattfindenden Querverschmutzungen mit anderen Verpackungen zu kritischen Kontaminationen der Rezyklate durch Migrationen.<\/p>\n<p>Wir pl\u00e4dieren deshalb daf\u00fcr, diese Rezyklate f\u00fcr Non-Food Verpackungsarten zu verwenden, denn auch so kann das Ziel der Vermeidung von Kohlenstoffemissionen gem\u00e4\u00df LCA \u2013 Life Cycle Analysis erreicht werden. Entscheidend ist schlie\u00dflich, dass die Rezyklate Neukunststoffe ersetzen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr gibt es mehr als gen\u00fcgend M\u00f6glichkeiten: So k\u00f6nnen beispielsweise Non-Food Verpackungen aus den Bereichen Personal Care und Home Care, Anwendungen in der Bauindustrie, im Fahrzeugbau oder f\u00fcr Elektro-, Haushalts-, Baumarktprodukte, M\u00f6bel und Logistikanwendungen gro\u00dfe Mengen an Rezyklaten \u00f6kologisch vorteilhaft aufnehmen und Neuware ersetzen.<\/p>\n<p>Das h\u00e4tte auch den Vorteil, dass die vorhandenen Kunststoffabf\u00e4lle aus offenen Sammelsystemen nicht energieaufw\u00e4ndigen, chemischen Aufbereitungsverfahren zugef\u00fchrt werden m\u00fcssten. Es kann ja nicht darum gehen, unbedingt Rezyklate f\u00fcr Verpackungen mit Lebensmittelkontakt einzusetzen, sondern es muss darum gehen, aus den vorhandenen Kunststoffabf\u00e4llen so viel einsatzf\u00e4higes Rezyklat wie m\u00f6glich herzustellen, mit dem Neuware ersetzt werden kann.<\/p>\n<p>Sollten die Non-Food Anwendungen f\u00fcr die Aufnahme von Rezyklaten nicht ausreichen, so k\u00f6nnen Alternativen, wie beispielsweise Bauteile f\u00fcr den Hochbau und Tiefbau, \u00f6kologisch vorteilhaft genutzt werden. Gerade im Bausektor finden Kunststoffbauteile (Rohre, Leitungen, Isoliermaterial, Paneele, Paletten, Rasengitter) zunehmend ihren Einsatz.<\/p>\n<p>Die chemischen Aufbereitungsverfahren sind momentan allesamt nicht industrietauglich und in jedem Falle deutlich energieaufw\u00e4ndiger als die werkstofflichen Recyclingverfahren. Es gibt also keinen Grund, die chemischen Verfahren quasi durch staatliche Regelungen am Markt vorbei zu protegieren.<\/p>\n<p>Die mittelst\u00e4ndischen Strukturen im werkstofflichen Recycling w\u00fcrden geschw\u00e4cht zugunsten der chemischen Industrie. Da das chemische Recycling \u00fcberwiegend durch die kunststoffherstellende Industrie stattfindet, schwindet auch der intrinsische Wettbewerb zwischen Neukunststoff- und Rezyklatproduktion. In der Konsequenz wird die dominierende Stellung der kunststoffherstellenden Industrie auf das Recycling ausgeweitet.<\/p>\n<p>Beim PET werden heute vor allem transparente Getr\u00e4nkeflaschen im industriellen Ma\u00dfstab recycelt. Die bei einer Substitution von Verpackungen aus PE, PP oder PS anfallenden PET-Schalen, PET-Becher oder opaken PET-Flaschen erweisen sich als kaum recyclingf\u00e4hig. [1][2] Zur Erf\u00fcllung der Mindesteinsatzquote bei allen Lebensmittelverpackungen m\u00fcssten also Flaschenrezyklate genutzt werden, die jedoch schon dringend f\u00fcr den geschlossenen Flaschenkreislauf ben\u00f6tigt werden. Schon jetzt stehen nicht gen\u00fcgend PET-Flaschen zur Verf\u00fcgung f\u00fcr das bottle-to-bottle-Recycling.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus w\u00fcrde sich durch Ausweiten des Einsatzes von PET-Lebensmittelverpackungen die Rezyklierbarkeit der verbleibenden Sammelgemische (LVP aus dem gelben Sack oder der gelben Tonne) deutlich verschlechtern. Des Weiteren w\u00e4ren die Sammelmengen von PE, PP oder PS stark r\u00fcckl\u00e4ufig.<\/p>\n<p>Im Sinne einer F\u00f6rderung niedriger Energieverbr\u00e4uche und niedriger Kohlenstoffemissionen und im Sinne der F\u00f6rderung des Wettbewerbs im Kunststoffrecycling ist also jede Mindesteinsatzquote von PE-, PP- oder PS-Rezyklaten f\u00fcr den Lebensmittelkontakt zu vermeiden.<\/p>\n[1] \u201eMindeststandard f\u00fcr die Bemessung der Recyclingf\u00e4higkeit von systembeteiligungspflichtigen Verpackungen gem\u00e4\u00df \u00a721 Abs. 3 VerpackG\u201c, Zentrale Stelle Verpackungsregister, Aug. 2022<\/p>\n[2] \u201cHow circular is PET?\u201d, Eunomia, Feb. 2022<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufgrund seines geringen Energieverbrauchs ist das werkstoffliche Recycling die effizienteste Methode der Kreislauff\u00fchrung&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6837,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-34614","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34614","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=34614"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34614\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34615,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34614\/revisions\/34615"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6837"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=34614"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=34614"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=34614"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=34614"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}