{"id":34650,"date":"2022-11-10T11:19:36","date_gmt":"2022-11-10T10:19:36","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=34650"},"modified":"2022-11-10T11:19:36","modified_gmt":"2022-11-10T10:19:36","slug":"wir-brauchen-eine-konzertierte-aktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=34650","title":{"rendered":"Wir brauchen eine konzertierte Aktion"},"content":{"rendered":"<p class=\"zwischentitel\" style=\"margin-right: -63.8pt;\"><strong><span style=\"font-family: 'Calibri',sans-serif;\">Nachwuchsprobleme in der Kunststoff- und Gummimaschinenindustrie<\/span><\/strong><\/p>\n<p><b>Der Personalmangel macht sich in der Kunststoff- und Gummimaschinenindustrie immer st\u00e4rker bemerkbar. In einem Interview beschreibt Thorsten K\u00fchmann, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Fachverbands Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA, die Situation und zeigt m\u00f6gliche Auswege auf.<\/b><\/p>\n<p><b>Herr K\u00fchmann, die Hersteller von Kunststoff- und Gummimaschinen klagen \u00fcber Personalmangel. K\u00f6nnen Sie den quantifizieren?<\/b><br \/>\nIn einer aktuellen Blitzumfrage des VDMA geben 77 Prozent der Unternehmen an, Fachkr\u00e4fte zu suchen. 27 Prozent davon bezeichnen ihren Fachkr\u00e4ftemangel sogar schon als sehr ernstes Problem. Und knapp ein Drittel bef\u00fcrchtet, dass die Lage in den n\u00e4chsten Monaten schlimmer werden wird. Die Situation spitzt sich also immer mehr zu.<\/p>\n<p><b>Was sind die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Mangel an qualifiziertem Personal?<\/b><i> <\/i><br \/>\nEin Grund ist der demographische Wandel. Man hat das schon l\u00e4nger kommen sehen. Jetzt schl\u00e4gt er durch. Es gehen mehr Menschen in Rente, als junge Menschen ins Berufsleben einsteigen. Der Maschinenbau ist au\u00dferdem in den letzten Jahren dank gestiegener Nachfrage gewachsen, daraus ergibt sich ein zus\u00e4tzlicher Bedarf an Fachkr\u00e4ften. Ein weiterer Grund ist, dass sich junge Leute leider zu wenig von der Kunststoffindustrie angesprochen f\u00fchlen. Die jungen Menschen haben oft ein schlechtes Bild von Kunststoff. Offenbar haben wir es bisher nicht geschafft deutlich zu machen, dass wir die Industrie sind, die jetzt alle Weichen f\u00fcr die Zirkularit\u00e4t stellt. Sprich, wer sich in der Kunststoffindustrie engagiert, kann einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Wir sind eine Industrie, die\u00a0sich mitten im \u00f6kologischen Wandel befindet und die in der Digitalisierung weit vorne ist. Das sind zwei Themen, die junge Leute heute ansprechen.<\/p>\n<p><b>Was kann der Kunststoffmaschinenbau tun?<\/b><br \/>\nWir brauchen in unserer Industrie\u00a0eine konzertierte Aktion, um unser Image bei den jungen Menschen zu verbessern. Und zwar nicht nur im Maschinenbau. Es m\u00fcssen alle Glieder der Wertsch\u00f6pfungskette Kunststoff mitmachen, von den Herstellern \u00fcber den Maschinenbau, die Recycler bis hin zu den Verwendern. Wenn wir dadurch zeigen, wof\u00fcr wir wirklich stehen, werden wir auch f\u00fcr die jungen Menschen interessant\u00a0Bislang agieren die Unternehmen weitgehend f\u00fcr sich, wenn es um ihr Bild in der \u00d6ffentlichkeit und um Nachwuchsf\u00f6rderung geht. Ich sehe aber ein gro\u00dfes Potenzial, wenn wir versuchen, diese Anstrengungen zu kanalisieren. Die Unternehmen sehen den Handlungsbedarf auch und zeigen sich zunehmend offen daf\u00fcr, \u00fcber die eigenen Initiativen hinaus eine gemeinsame Klammer zu schaffen. Wie das genau aussehen wird, ist noch offen. Denkbar w\u00e4re zum Beispiel ein gemeinsamer Tag, an dem sich die gesamte Kunststoffindustrie dem Nachwuchs stellt. In den USA gibt es etwas \u00e4hnliches schon. Davon k\u00f6nnen wir lernen.<\/p>\n<p><b>L\u00e4sst sich mit immer besserer Technologie die Personall\u00fccke verkleinern?<\/b><br \/>\nIn der Zukunft ganz bestimmt. Wir arbeiten derzeit daran, Intelligenz in die Maschinen, aber auch in ganze Anlagen und Systeme zu bringen. Wir werden Maschinen haben, die sich weitgehend selbst fahren und sogar optimieren k\u00f6nnen, weil sie mit K\u00fcnstlicher Intelligenz ausgestattet sind. Das ist unser langfristiges Ziel, davon sind wir heute noch weit entfernt. Wenn wir das aber erreicht haben, wird sich das Fachkr\u00e4fteproblem etwa im Bereich der Maschinenf\u00fchrer etwas entspannen. Aber das wird das grunds\u00e4tzliche Problem des Fachkr\u00e4ftemangels nicht entscheidend verbessern. Wir brauchen keine L\u00fcckenb\u00fc\u00dfer. Wir brauchen gut ausgebildete Menschen auf allen Ebenen, auf der Ausbildungsseite ebenso wie in der Entwicklung oder im IT-Bereich. Denn schlie\u00dflich m\u00fcssen wir auch noch die Transformation unserer Industrie zu einer wirklichen Zirkularit\u00e4t bewerkstelligen. F\u00fcr alles brauchen wir dringend gute Fachkr\u00e4fte.<\/p>\n<p><b>Was passierte, wenn der Fachkr\u00e4ftemangel nicht behoben w\u00fcrde?<\/b><br \/>\nDann w\u00fcrde das Wachstum in unserer Industrie unm\u00f6glich werden. Viele Stellen w\u00fcrden unbesetzt bleiben. Auftr\u00e4ge k\u00f6nnten nicht mehr angenommen werden. Das w\u00e4re der schlimmste Fall und den gilt es unbedingt zu verhindern. Noch ist es zum Gl\u00fcck nicht so weit. Wir sind eine wachsende Industrie, eine Zukunftsindustrie. Die Kunststoffproduktion wird in den n\u00e4chsten Jahren weltweit noch deutlich zunehmen. Wir haben jetzt noch die M\u00f6glichkeit zu handeln und das m\u00fcssen wir auch tun.<\/p>\n<p><b>Ende Oktober hat eine Umfrage des Ifo-Instituts unter deutschen Familienunternehmen ergeben, dass ein Viertel wegen der Energiekrise Jobs abbauen will. Wie ordnen Sie das ein?<\/b><br \/>\nDie Energiekrise gibt es, das ist unbestritten. Es ist daher nicht auszuschlie\u00dfen, dass einige Unternehmen Personal abbauen werden. Man darf aus einer kurzfristigen Krise jedoch keinen langfristigen Trend ableiten. Viele Unternehmen stellen ihre Energieversorgung bereits nach allen Kr\u00e4ften um und suchen nach Alternativen zu \u00d6l sowie Gas. Das geht nicht von jetzt auf gleich, doch der Prozess l\u00e4uft. Der Bedarf an Spitzentechnologie im Bereich Gummi- und Kunststoffmaschinen ist mit Blick auf die Kreislaufwirtschaft und Recycling jedenfalls dar, damit verbunden sind auch attraktive Jobs.<\/p>\n<p><b>Wie wichtig w\u00e4re ein Einwanderungsgesetz?<\/b><br \/>\nSehr wichtig. Die Einwanderung von Fachkr\u00e4ften aus Drittstaaten kann den Fachkr\u00e4ftemangel lindern. Deshalb unterst\u00fctzt der VDMA jede Ma\u00dfnahme, die die Einwanderung qualifizierter Arbeitskr\u00e4fte erleichtert. Allerdings n\u00fctzt das beste Gesetz nicht viel, wenn die praktische Vermittlung von einwanderungswilligen Fachkr\u00e4ften an unsere Firmen, die Fachkr\u00e4fte dringend brauchen, nicht funktioniert. Hierbei k\u00f6nnten Personalvermittler aus der Zeitarbeit aufgrund ihrer Expertise, die sie bereits bei der Integration von Fl\u00fcchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt bewiesen haben, eine entscheidende Rolle spielen. Hierzu muss die Politik die notwendige Reform des Fachkr\u00e4fteeinwanderungsgesetzes in Angriff zu nehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Personalmangel macht sich in der Kunststoff- und Gummimaschinenindustrie immer st\u00e4rker bemerkbar. 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