{"id":35537,"date":"2023-02-22T07:52:06","date_gmt":"2023-02-22T06:52:06","guid":{"rendered":"https:\/\/php8.plastv.de\/?p=35537"},"modified":"2023-02-22T07:52:06","modified_gmt":"2023-02-22T06:52:06","slug":"unternehmer-statements-zu-den-lieferkettengesetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=35537","title":{"rendered":"Unternehmer-Statements zu den Lieferkettengesetzen"},"content":{"rendered":"<p><strong><br \/>\n<\/strong><strong>\u201eEine politische M\u00e4r, dass mittelst\u00e4ndische Firmen nicht belastet werden\u201c<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das seit Jahresbeginn in Deutschland g\u00fcltige Lieferkettengesetz verpflichtet Unternehmen, weltweit f\u00fcr die Einhaltung von Menschenrechten zu sorgen. Mit dem geplanten EU-Lieferkettengesetz sollen diese Verpflichtungen noch deutlich ausgeweitet werden; Unternehmen w\u00e4ren dann auch f\u00fcr die globale Einhaltung von Umwelt-, Arbeits- oder Sozialstandards verantwortlich. Eine Herkulesaufgabe, die in dieser Tiefe insbesondere kleine und mittlere Firmen \u00fcberfordern wird.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Frankfurt, 20. Februar 2023 \u2013 <\/strong>Immer mehr Unternehmer im Maschinen- und Anlagenbau f\u00fchlen sich mit Blick auf das deutsche und das europ\u00e4ische Lieferkettengesetz von der Politik im Stich gelassen und ihrer Wettbewerbsf\u00e4higkeit beraubt, wie die nachfolgenden Statements von VDMA-Mitgliedsfirmen unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfenordnung zeigen. Sie beklagen zudem eine gewisse Scheinheiligkeit der Gesetzgebung. So wird von Seiten der Politik zum Beispiel immer wieder angef\u00fchrt, die Lieferkettengesetze erfassten nur gr\u00f6\u00dfere Unternehmen. Aber weil diese den Druck und die Verpflichtungen sofort an ihre Zulieferer weitergeben, m\u00fcssen de facto auch Unternehmen mit nur wenigen Besch\u00e4ftigten diese Standards in der Tiefe ihrer Lieferketten selbst in fernen L\u00e4ndern garantieren \u2013 oder sich aus vielen M\u00e4rkte zur\u00fcckziehen und diese der Konkurrenz aus L\u00e4ndern mit weniger Sorgfaltspflichten \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Die Entwicklung wird noch versch\u00e4rft durch die auf europ\u00e4ischer Ebene diskutierten Sorgfaltspflichten entlang der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette. Diese Standards wom\u00f6glich auch auf Kunden \u00fcbertragen zu m\u00fcssen, ist noch weniger realistisch. Ein Exportgesch\u00e4ft w\u00e4re dann mit vielen L\u00e4ndern schlicht unm\u00f6glich und europ\u00e4ische Mittelst\u00e4ndler w\u00fcrden durch \u2013 h\u00e4ufig staatlich gelenkte \u2013 Industrieunternehmen anderer Weltregionen ersetzt. Das politische Ziel, Lieferketten zu diversifizieren, um Europa resilienter zu machen, w\u00fcrde somit ins Gegenteil verkehrt.<\/p>\n<p><strong>Bundesregierung und Abgeordnete im EU-Rat gefordert<\/strong><br \/>\nDer VDMA fordert daher die Bundesregierung und die Abgeordneten des Europ\u00e4ischen Parlaments nachdr\u00fccklich auf, ihren Einfluss in Br\u00fcssel auf das laufende Verfahren zum EU-Lieferkettengesetz geltend zu machen. \u201eEs kann nicht sein, dass der Mittelstand in Sonntagsreden immer als Pfeiler f\u00fcr unseren Wohlstand gelobt wird und dann mit b\u00fcrokratischen Anforderungen \u00fcberzogen wird, die ihn im globalen Wettbewerb sp\u00fcrbar schw\u00e4chen\u201c, mahnt VDMA-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Thilo Brodtmann. \u201eDie Berliner Regierung muss im Rat verhindern, dass die Pl\u00e4ne des EU-Parlaments so umgesetzt werden, wie sie derzeit diskutiert werden, will sie nicht eine weitere schwere Belastung des industriellen Mittelstands sehenden Auges hinnehmen. Die europ\u00e4ische Regelung darf keinesfalls \u00fcber die Herausforderungen des deutschen Lieferkettengesetzes hinausgehen!\u201c<\/p>\n<p>Wie sehr gerade kleine und mittlere Unternehmen durch Lieferkettengesetze belastet werden, zeigen die folgenden Statements von VDMA-Mitgliedsfirmen:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>ESTA Apparatebau GmbH &amp; Co. KG (Senden, Bayern)<\/strong><strong><br \/>\nAlexander Kulitz, Mitglied der Gesch\u00e4ftsleitung und Gesellschafter:<\/strong><br \/>\n\u201eNat\u00fcrlich erwarten unsere Kunden, dass wir als mittelst\u00e4ndisches Familienunternehmen die vom Lieferkettengesetz f\u00fcr Gro\u00dfunternehmen vorgeschriebenen Dokumentationspflichten vorhalten. Der b\u00fcrokratische Aufwand ist dabei enorm, insbesondere da wir als Zulieferer gebeten werden, die Dokumentation an die jeweiligen \u201aBerichtssysteme\u2018 der Kunden anzupassen, die je nach Unternehmen durchaus unterschiedlich sein k\u00f6nnen.<br \/>\nDiese Mehrbelastung wird in den seltensten F\u00e4llen kompensiert oder kann beim Kunden eingepreist werden. Insoweit ist die politische M\u00e4r, dass das Gesetz nur Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern betrifft, schlicht falsch.\u00a0Mit Bu\u00dfgeldern wird nicht prim\u00e4r bestraft, wer Menschenrechtsverletzungen- oder Umwelts\u00fcnden in seinen Lieferketten duldet, sondern jene Unternehmen, welche die Dokumentations- und B\u00fcrokratiepflichten falsch, unzureichend oder nicht ordnungsgem\u00e4\u00df umsetzten. Eine neue Abmahnwelle gegen\u00fcber Unternehmen, welche fehlerhafte Formulierungen oder unzureichende Dokumentation vorhalten, ist daher weit wahrscheinlicher als die tats\u00e4chliche Ahndung von Menschenrechtsverletzungen, welche in der Lieferkettenb\u00fcrokratie untergehen werden.<br \/>\nIn Zeiten, in denen Inflation, Fachkr\u00e4ftemangel, Energiekriese und Lieferkettenstaus unsere Wirtschaft massiv herausfordern, ist es schlicht Wahnsinn, die b\u00fcrokratischen und wettbewerbssch\u00e4dlichen H\u00fcrden weiter aufzubauen. Der Mittelstand wird f\u00fcr seine Nachhaltigkeit und die \u00fcberzeugenden Werte im Familienunternehmertum gelobt, jedoch im gleichen Atemzug mit der n\u00e4chsten gutgemeinten Gesetzesinitiative St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck durch weitere Belastungen demontiert.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>HAHN Automation GmbH (Rheinb\u00f6llen, Rheinland-Pfalz)<\/strong><strong><br \/>\nFrank Konrad, CEO:<\/strong><br \/>\n\u201eAls global agierender Sondermaschinenbauer mit sowohl einem internationalen Kunden- als auch Lieferantennetzwerk werden wir ab 2024 unmittelbar vom EU-Lieferkettengesetz betroffen sein. F\u00fcr uns als mittelst\u00e4ndisches Unternehmen mit mehr als 1000 aktiven Lieferanten bedeutet dies einen erheblichen finanziellen und personellen Mehraufwand, um die vorgeschriebenen Sorgfaltspflichten erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen. Zudem k\u00f6nnen wir nicht beurteilen, ob alle globalen Lieferanten diesen geforderten Standards folgen k\u00f6nnen.<br \/>\nUnser Erfolg der letzten Jahre war es, Kunden weltweit mit Produktionsanlagen einheitlicher Qualit\u00e4tsstandards beliefern zu k\u00f6nnen. Durch die neuen globalen Vorgaben werden wir mittelfristig aufgefordert, Kontinent-spezifische Entwicklungen zu betreiben und damit unseren Wettbewerbsvorteil einzuschr\u00e4nken. Aufgrund der aufgef\u00fchrten Punkte werden wir unser Lieferantennetzwerk weltweit neu strukturieren und deutlich erweitern m\u00fcssen, was zur Folge hat, dass sowohl Lieferzeiten als auch Kosten ansteigen werden.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>P\u00f6ttinger Landtechnik GmbH (Grieskirchen, \u00d6sterreich)<\/strong><strong><br \/>\nDr. Markus Baldinger, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer:\u00a0<\/strong><br \/>\n\u201eAls mittelst\u00e4ndisches Unternehmen in der Landtechnik ist f\u00fcr uns der europ\u00e4ische Binnenmarkt einer der wesentlichsten Absatzm\u00e4rkte. Das gr\u00f6\u00dfte Problem des EU-Lieferkettengesetztes ist die Vorschrift der Sorgfaltsplichten nicht nur f\u00fcr unmittelbare Lieferanten (direkte Vertragspartner) sondern auch f\u00fcr mittelbare Lieferanten (Lieferanten unserer Lieferanten und wiederum deren Lieferanten). Dieser Sorgfaltspflicht nachzukommen, ist sehr schwierig, weil es beinahe unm\u00f6glich ist, alle Lieferanten ausfindig zu machen und Einfluss auf diese auszu\u00fcben.<br \/>\nDes Weiteren muss unbedingt verhindert werden, dass ein europ\u00e4isches Lieferkettengesetz zu einer Vielzahl an nationalen Einzelgesetzgebungen und dem damit verbundenen erheblichem Mehraufwand f\u00fchrt. Auch die zivilrechtliche Haftung muss vollkommen aus dem Gesetzesentwurf gestrichen werden. In Summe stellt die bisherige Planung des EU-Lieferkettengesetzes einen wesentlichen Mehraufwand f\u00fcr die Unternehmen dar, von der Risikoanalyse \u00fcber den b\u00fcrokratischen bis hin zum rechtlichen Aufwand.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>RENK Group (Augsburg, Bayern)\u00a0<\/strong><strong><br \/>\nSusanne Wiegand, CEO:<\/strong><br \/>\n\u201eAls global agierendes Unternehmen stellen wir bereits heute hohe ethische Anforderungen an unsere Lieferanten. Nat\u00fcrlich begr\u00fc\u00dfen wir alle internationalen Initiativen zur noch besseren Durchsetzung der universellen Menschenrechte. Jedoch sehen wir dieses Ziel mit dem Lieferkettengesetz eindeutig als nicht erreichbar an. Der Gesetzgeber b\u00fcrdet hier den Unternehmen in einer pauschalen Weise kaum zu erf\u00fcllende Aufgaben auf. F\u00fcr eine entsprechende Sicherstellung stellt er keine klaren Vorgaben, sondern erzeugt f\u00fcr die Unternehmen erhebliche Rechtsunsicherheiten. Das Lieferkettengesetz verliert sich leider in abstrakten Zuweisungen und unbestimmten Rechtsbegriffen. Eine echte Wahrnehmung von effektiver menschenrechtlicher Verantwortung wird so nicht funktionieren. Das geht besonders zulasten der kleinen und mittleren Unternehmen.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>Schulte Strathaus GmbH &amp; Co. KG (Werl, NRW)<\/strong><strong><br \/>\nDr. Michael Schulte Strathaus, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter:<\/strong><br \/>\n\u201eUnser Unternehmen ist Hersteller von Komponenten im Bereich Spillage Control bei Bandanlagen f\u00fcr den internationalen Sch\u00fcttgutbereich. Auch wir sind auf Chips und elektronische Komponenten aus dem asiatischen Raum angewiesen. Trotz unserer Besch\u00e4ftigtenzahl von weit unter 500 Mitarbeitern sind wir gezwungen, das Lieferkettengesetz mit seinen Forderungen umzusetzen, da die internationalen Anlagenbauer eine Einhaltung in den mit uns abgeschlossenen Liefervertr\u00e4gen zwingend einfordern. Mit den uns zur Verf\u00fcgung stehenden Kapazit\u00e4ten ist es uns unm\u00f6glich, die vollst\u00e4ndige Kontrolle bei unseren asiatischen Lieferquellen zu gew\u00e4hrleisten. Entweder m\u00fcssten wir zus\u00e4tzliche nicht-produktive Mitarbeiter f\u00fcr diese Kontrollarbeiten einsetzen oder externe Dienstleister beauftragen. Beides f\u00fchrt zu einer nicht tragbaren Kostenbelastung. Dar\u00fcber hinaus handelt es sich hier um eigentlich hoheitliche Aufgaben, die ein Staat durch geeignete Ma\u00dfnahmen selbst ausf\u00fchren m\u00fcsste.<br \/>\nNeben den Auswirkungen des Lieferkettengesetzes leiden Familienunternehmen dar\u00fcber hinaus unter einer enormen \u00dcberb\u00fcrokratisierung in Form \u00fcberbordender Meldungen an \u00f6ffentliche Dienststellen. Komplizierte Bauvorschriften und Bauverfahren erschweren bzw. verhindern Investitionen. Eine katastrophale Infrastruktur, speziell im Bereich Stra\u00dfenverkehr und Bahnverkehr, belasten den Standort Deutschland dar\u00fcber hinaus in unzumutbarer Weise.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>WIWA Wilhelm Wagner GmbH &amp; Co. KG (Lahnau, Hessen)<\/strong><strong><br \/>\nPeter Turczak, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter:<\/strong><br \/>\n\u201eAuch wir als Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern w\u00e4ren vom Lieferkettengesetz betroffen. Ein Beispiel aus der Praxis: Wir liefern unter anderem Brandschutzbeschichtungsanlagen an gro\u00dfe Bauunternehmen und deren Dienstleister. Eine solche Anlage besteht aus rund 1300 Teilen und Rohmaterialien die wir von \u00fcber 400 Lieferanten beziehen. Die Verantwortung f\u00fcr alle Stufen der Vorproduktion k\u00f6nnen wir einfach nicht \u00fcbernehmen. Dies w\u00fcrde bedeuten, dass wir sehr viele Mitarbeiter nur mit Nachweisen \u00fcber die Herkunft aller Teile besch\u00e4ftigen m\u00fcssten. Als Familienunternehmen mit 140 Mitarbeitern ist dies schlicht unm\u00f6glich.<br \/>\nWir setzen bereits seit Jahren auf lokale Lieferanten und zahlen faire Preise f\u00fcr Waren &#8211; auch ohne gesetzliche Vorgaben. Aufgrund unserer Gr\u00f6\u00dfe haben wir nicht die M\u00f6glichkeiten Druck auf alle Lieferanten auszu\u00fcben, um die Dokumentation der geforderten Aspekte zu gew\u00e4hrleisten.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das seit Jahresbeginn in Deutschland g\u00fcltige Lieferkettengesetz verpflichtet Unternehmen, weltweit f\u00fcr die Einhaltung von&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6409,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-35537","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35537","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=35537"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35537\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35538,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35537\/revisions\/35538"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6409"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=35537"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=35537"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=35537"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=35537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}