{"id":37677,"date":"2023-09-27T10:53:32","date_gmt":"2023-09-27T08:53:32","guid":{"rendered":"https:\/\/plas.tv\/?p=37677"},"modified":"2023-09-27T10:53:32","modified_gmt":"2023-09-27T08:53:32","slug":"pfas-verbot-gefaehrdet-europaeische-hightech-anwendungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=37677","title":{"rendered":"PFAS-Verbot gef\u00e4hrdet europ\u00e4ische Hightech-Anwendungen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das von der EU geplante Generalverbot der PFAS-Stoffgruppe w\u00e4re f\u00fcr High-Tech-Industrien wie die Medizin- oder Halbleitertechnik eine enorme Bedrohung. Am heutigen Montag, 25.9., geht die PFAS-Konsultationsphase der europ\u00e4ischen Chemikalienagentur (ECHA) zu Ende. Eine aktuelle Umfrage der beiden Branchenverb\u00e4nde SPECTARIS und VDMA zeigt die Defizite des gew\u00e4hlten Verfahrens.<\/strong><\/p>\n<p>Die Stoffgruppe der Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) ist f\u00fcr die industrielle Fertigung von enormer Bedeutung, weil diese Stoffe auch unter extremen Temperaturen oder in aggressiven Umgebungen \u2013 wie zum Beispiel S\u00e4ureprozessen \u2013 kaum Verschlei\u00df zeigen. Damit sind PFAS f\u00fcr viele Produktionsschritte etwa in der Herstellung medizintechnischer Ger\u00e4te, von Halbleitern oder in Reinr\u00e4umen quasi unverzichtbar, weil es keine alternativen Stoffe gibt, die \u00e4hnliche Qualit\u00e4t oder Sicherheit aufweisen.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich ist ein sehr sorgf\u00e4ltiger Umgang mit gef\u00e4hrlichen Stoffen notwendig, um Mensch und Umwelt bestm\u00f6glich zu sch\u00fctzen. Doch ebenso selbstverst\u00e4ndlich notwendig ist eine differenziertere Betrachtungs- und Vorgehensweise sowie eine genaue Abw\u00e4gung zwischen Nutzen und Risiken, die bei der Verwendung dieser Stoffe auftreten k\u00f6nnen. Die Hersteller medizintechnischer Produkte, Halbleiter oder anderer High-Tech-Ger\u00e4te sind auf den Einsatz von PFAS-Komponenten angewiesen \u2013 und entsprechend besorgt, dass ein von der EU geplantes Generalverbot aller rund 10.000 PFAS erheblichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schaden anrichten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die zust\u00e4ndige europ\u00e4ische Beh\u00f6rde ECHA hatte Unternehmen bis zum heutigen 25. September die M\u00f6glichkeit gegeben, ihre Bedenken zum geplanten Verbot zu \u00e4u\u00dfern. Diese M\u00f6glichkeit haben Firmen aus der Medizintechnik sowie dem Maschinen- und Anlagenbau in gro\u00dfer Zahl genutzt. Ungef\u00e4hr jede zweite Firma hat sich am Konsultationsverfahren beteiligt, wie eine aktuelle Umfrage der beiden Branchenverb\u00e4nde SPECTARIS und VDMA unter ihren Mitgliedsfirmen ergeben hat. Das zeigt die enorme Betroffenheit von einem solchen Verbot.<\/p>\n<p><strong>Konsultation erfasst nur einen Teil der Anwendungen<\/strong><\/p>\n<p>Die Umfrage zeigt aber auch, dass nur ein Teil der Anwendungen durch das Konsultationsverfahren erfasst worden sind. Etwa ein Drittel aller Firmen ist mit seinen Produkten zwar betroffen, sieht sich aber aufgrund der schwierigen Datenlage nicht in der Lage, Ausnahmen einzureichen. Auch f\u00fcr diese F\u00e4lle sieht die ECHA ein pauschales Sofortverbot analog zu Bratpfannen und Regenm\u00e4nteln vor, was die \u00dcberlebens- und Innovationsf\u00e4higkeit deutscher Hightech-Unternehmen massiv gef\u00e4hrdet, sich letztlich aber auch auf die Versorgung der Bev\u00f6lkerung mit essentiellen Produkten auswirkt.<\/p>\n<p>In einem Pressegespr\u00e4ch in Frankfurt erl\u00e4uterten die beiden Unternehmer <strong>Stefan Dr\u00e4ger, Vorstandsvorsitzender Dr\u00e4gerwerk<\/strong>, und <strong>Dr. Stefan Rinck, Vorstandsvorsitzender Singulus Technologies und Vorsitzender des Ausschusses f\u00fcr Forschung und Innovation im VDMA<\/strong>, die m\u00f6glichen Auswirkungen eines generellen PFAS-Verbots f\u00fcr ihre Unternehmen und Branchen.<\/p>\n<p><strong>Stefan Dr\u00e4ger:<\/strong> \u201eDie Best\u00e4ndigkeit, die als Argument f\u00fcr die breite Beschr\u00e4nkung herangezogen wird, ist genau die wesentliche Eigenschaft, welche diese Werkstoffe so unentbehrlich macht. Deswegen wird jeder Ersatzstoff das gleiche Problem bekommen. Zudem w\u00e4re die Entwicklung und Zulassung von Alternativen, wenn es sie denn \u00fcberhaupt g\u00e4be, in den vorgeschlagenen Fristen nicht machbar, weil deren klinische Validierung und Biokompatibilit\u00e4tspr\u00fcfung sehr zeitaufwendig sind, nicht zuletzt aufgrund der hohen regulatorischen Anforderungen an die Medizintechnik\u201c.<\/p>\n<p><strong>Dr. Stefan Rinck:<\/strong> \u201eDie Realisierung der Energiewende und der Aufbau einer heimischen Halbleiterindustrie sind ohne PFAS schlichtweg unrealistisch! Ein Gro\u00dfteil der Schl\u00fcsselindustrien in Europa sind auf den Einsatz von PFAS angewiesen. Wir sprechen uns keineswegs gegen die Regulierung gef\u00e4hrlicher Substanzen aus. Allerdings m\u00fcssen derartige Vorschriften die unterschiedlichen Anwendungen differenziert betrachten.\u201c<\/p>\n<p><strong>Fluorpolymere vom Verbot grunds\u00e4tzlich ausnehmen<\/strong><\/p>\n<p>Die ECHA will die Eingaben der Unternehmen in den kommenden Monaten pr\u00fcfen und dann mit einem konkreten Regulierungsvorschlag an das EU-Parlament und den Europ\u00e4ischen Rat herantreten. Obwohl die rahmengebende Chemikalienverordnung REACH einen risikobasierten Ansatz vorschreibt, wurde das PFAS-Beschr\u00e4nkungsverfahren ohne diese Ma\u00dfgabe auf den Weg gebracht. Der daraus resultierende Verwaltungsakt findet ohne angemessene politische G\u00fcterabw\u00e4gung statt. Die beiden Verb\u00e4nde fordern daher, dass zumindest Fluorpolymere \u2013 die sogenannten \u201ePolymers of low concern\u201c\u2013, die nachweislich keine Gefahr f\u00fcr Menschen und Umwelt darstellen, von dem geplanten Verbot grunds\u00e4tzlich und unbefristet ausgenommen werden. Der industriell-gewerbliche Einsatz von PFAS-Komponenten in geschlossenen Systemen ist au\u00dferdem gegen\u00fcber einfachen Verbrauchsartikeln besser zu stellen. Und essentielle Produkte f\u00fcr die Gesellschaft, die f\u00fcr die medizinische Versorgung, die Chip-Produktion oder die Energiewende ben\u00f6tigt werden, m\u00fcssen auch k\u00fcnftig in Europa hergestellt und in Verkehr gebracht werden k\u00f6nnen. Der von der ECHA empfohlene Weg \u00fcber Einzelausnahmen wird diesen Anforderungen angesichts komplexer Lieferketten, nicht vorhandener und unzul\u00e4ssiger Alternativen in keiner Weise gerecht. Im Gegenteil: Die europ\u00e4ische Industrie wendet sich vom heimischen Standort ab.<\/p>\n<p>Die beiden Verb\u00e4nde fordern nun schnelle Signale aus der deutschen und europ\u00e4ischen Politik: Hochleistungswerkstoffe aus und mit PFAS und insbesondere Fluorpolymeren m\u00fcssen unserer Gesellschaft auch k\u00fcnftig zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das von der EU geplante Generalverbot der PFAS-Stoffgruppe w\u00e4re f\u00fcr High-Tech-Industrien wie die Medizin- oder&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6409,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-37677","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37677","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=37677"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37677\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37678,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37677\/revisions\/37678"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6409"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=37677"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=37677"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=37677"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=37677"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}