{"id":38234,"date":"2023-12-13T14:23:41","date_gmt":"2023-12-13T13:23:41","guid":{"rendered":"https:\/\/plas.tv\/?p=38234"},"modified":"2023-12-13T14:23:41","modified_gmt":"2023-12-13T13:23:41","slug":"maschinen-und-anlagenbau-wartet-auf-die-trendwende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=38234","title":{"rendered":"Maschinen- und Anlagenbau wartet auf die Trendwende"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Auftragsbestand kann Produktion immer weniger st\u00fctzen<\/strong><\/li>\n<li><strong>VDMA senkt Produktionsprognose 2024 auf real minus 4 Prozent<\/strong><\/li>\n<li><strong>Digitalisierung und Dekarbonisierung bieten Wachstumschancen \u00a0<\/strong><\/li>\n<li><strong>Standortpolitik in Deutschland und Europa muss industriefreundlicher werden<\/strong><\/li>\n<li><strong>Reform des Binnenmarkts zwingend, um Europas Wettbewerbsst\u00e4rke zu erhalten<\/strong><\/li>\n<li><strong>F\u00f6derativer Datenraum \u201eManufacturing-X\u201c setzt auf umati und die Weltsprache der Produktion (OPC UA) auf<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Die anhaltende Flaute der globalen Konjunktur hinterl\u00e4sst auch im Maschinen- und Anlagenbau zunehmend deutlichere Spuren. Zwar lief die Produktion in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres dank hoher Auftragsbest\u00e4nde und weniger Engp\u00e4sse in den Lieferketten vergleichsweise gut. Sie erreichte bis einschlie\u00dflich Oktober ein reales Plus von 0,9 Prozent. \u201eAber nachdem die ersten beiden Quartale noch Wachstumsbeitr\u00e4ge lieferten, verfehlte die Maschinenproduktion im dritten Quartal ihr Vorjahresniveau bereits um 1,6 Prozent. Auch das vierte Quartal wird schwach ausfallen\u201c, sagte VDMA-Pr\u00e4sident Karl Haeusgen auf der Jahrespressekonferenz des Verbands in Frankfurt. \u201eDie bis zum Sommer gute Produktion sorgt zwar daf\u00fcr, dass wir unsere Sch\u00e4tzung f\u00fcr 2023 anheben. Wir rechnen nur noch mit einem Produktionsr\u00fcckgang von real 1 Prozent. Anders als vor einem Jahr kann der sinkende Auftragsbestand die Produktion aber immer weniger st\u00fctzen. Daher passen wir die Prognose f\u00fcr 2024 nach unten an: von bisher minus 2 auf nun minus 4 Prozent\u201c, erl\u00e4uterte Haeusgen.<\/p>\n<p><strong>Auftragspolster sinken<\/strong><br \/>\nDenn Auftragseing\u00e4nge im Maschinen- und Anlagenbau bleiben seit Jahresbeginn Monat f\u00fcr Monat hinter dem Vorjahr zur\u00fcck \u2013 in Summe um real 13 Prozent in den ersten zehn Monaten 2023. Damit sinken auch die Auftragspolster. Laut einer aktuellen VDMA-Umfrage (Ende Oktober) lag die Auftragsreichweite in 60 Prozent der Unternehmen bereits unter ihrem jeweiligen langj\u00e4hrigen Durchschnitt. \u201eEine echte Trendwende ist trotz erster zaghafter Signale einer Bodenbildung vorerst nicht in Sicht\u201c, sagte der VDMA-Pr\u00e4sident. Denn auch in den USA k\u00f6nnte die Investitionst\u00e4tigkeit konjunkturell bedingt nachlassen, w\u00e4hrend sie in China wohl schwach bleiben wird. \u201eL\u00e4ndern wie Indien oder auch Mexiko trauen wir zwar ein weiteres Wachstum zu \u2013 doch sind diese M\u00e4rkte f\u00fcr sich genommen nicht gro\u00df genug, um R\u00fcckg\u00e4nge auf anderen M\u00e4rkten kompensieren zu k\u00f6nnen\u201c, sagte Haeusgen.<\/p>\n<p><strong>Erwartungen im Inland bleiben schwach<\/strong><br \/>\nAuch in Deutschland wird die Investitionst\u00e4tigkeit vorerst wohl schwach bleiben. Nach Ergebnissen einer exklusiven Befragung des IW f\u00fcr den VDMA haben sich die Wirtschaftsperspektiven im Inland erneut eingetr\u00fcbt und liegen wieder auf dem niedrigen Niveau vom Herbst 2022. Auch die Investitionserwartungen f\u00fcr 2024 haben sich deutlich verschlechtert. Hier ist der Anteil der Pessimisten aktuell um 9 Prozentpunkte h\u00f6her als derjenige der Optimisten. \u201eDabei gibt es durchaus Investitionsanreize. Laut Befragung des IW rechnet sich die gesamte Wirtschaft Chancen aus bei den Trends Digitalisierung\/Automatisierung, Aufbau resilienter Lieferketten und der Dekarbonisierung. Aber wir gehen nicht davon aus, dass diese expansiven Effekte, die auch auf den Maschinenbau ausstrahlen sollten, bereits im kommenden Jahr alle belastenden Faktoren kompensieren k\u00f6nnen\u201c, sagte Haeusgen.<\/p>\n<p><strong>Industriefreundliche Standortpolitik n\u00f6tig<\/strong><br \/>\nAls sehr erfreulich wertet der Verband, dass sich die Besch\u00e4ftigung in den Betrieben im Inland 2023 nochmals leicht auf knapp 1,03 Millionen Menschen in den Stammbelegschaften erh\u00f6ht hat. Als entscheidenden Faktor, um Investitionen nun wieder anzukurbeln, bezeichnete der VDMA-Pr\u00e4sident eine industriefreundliche, langfristig verl\u00e4ssliche Standortpolitik in der EU und in Deutschland. \u201eEine Politik jedoch, die alles regulieren und finanzieren will, l\u00e4uft gegen die Wand. Es ist allerh\u00f6chste Zeit daf\u00fcr, der sozialen Marktwirtschaft wieder mehr zu vertrauen, Regulierung und B\u00fcrokratie zur\u00fcckzudr\u00e4ngen, den Unternehmen wieder mehr Freir\u00e4ume f\u00fcr ihre Innovationen und auch den einzelnen B\u00fcrgern wieder mehr Freiheit und Verantwortung zu geben\u201c, forderte der VDMA-Pr\u00e4sident.<\/p>\n<p>Mit Blick auf die aktuelle Haushaltsdebatte erg\u00e4nzte er: \u201eGrunds\u00e4tzlich sollte nun alles das forciert werden, was Kr\u00e4fte freisetzt, ohne zus\u00e4tzliche Belastungen f\u00fcr den Haushalt auszul\u00f6sen. Darunter fallen die Ma\u00dfnahmen zum B\u00fcrokratieabbau oder auch der dringend notwendige Abschluss von Freihandelsabkommen, zum Beispiel mit den Mercosur-Staaten.\u201c Zudem sollte alles unterlassen werden, was zus\u00e4tzliche Investitionen und Innovationen unwahrscheinlicher macht oder bestehende sogar einschr\u00e4nkt. \u201eHierunter z\u00e4hle ich die Blockade des Wachstumschancengesetzes mit der Erweiterung der Forschungszulage, der Wiedereinf\u00fchrung der degressiven Abschreibung und der Ausweitung der steuerlichen Verlustverrechnung\u201c, sagte Haeusgen.<\/p>\n<p><strong>Freihandelsabkommen nicht \u00fcberfrachten, Binnenmarkt reformieren<\/strong><br \/>\nAuch die Europ\u00e4ische Union droht im globalen Handel immer mehr ins Hintertreffen zu geraten. \u201eWir erleben, dass andere L\u00e4nder immer seltener mit Europa ein Freihandelsabkommen schlie\u00dfen wollen, obwohl hier ein gro\u00dfer, attraktiver Markt winkt\u201c, analysierte Haeusgen. Die EU m\u00fcsse sich endlich von der Vorstellung verabschieden, diese Abkommen mit sozialen und Umweltbelangen zu \u00fcberfrachten. \u201eAndere L\u00e4nder werden sich von uns nicht vorschreiben lassen, wie sie zu wirtschaften haben\u201c, betonte der VDMA-Pr\u00e4sident. Wirtschaftlicher Erfolg lasse sich in Europa angesichts der Unw\u00e4gbarkeiten im internationalen Handel aber nur erreichen, wenn zudem endlich der Binnenmarkt gest\u00e4rkt, ausgebaut und reformiert werde. \u201eInsbesondere die B\u00fcrokratie und teilweise absurden Anforderung bei der Entsendung von Mitarbeitern in Europa sind das beste Beispiel daf\u00fcr, dass nicht mehr der Binnenmarkt, sondern fehlgeleitet nationale Schutzinteressen politisch die Oberhand gewonnen haben. Das muss sich \u00e4ndern. Wer Resilienz will, muss die Hindernisse im Binnenmarkt aktiv beseitigen\u201c, forderte Haeusgen.<\/p>\n<p><strong>EU-Lieferkettengesetz als abschreckendes Beispiel<\/strong><br \/>\nDie Unternehmen in der EU wurden in der laufenden Legislaturperiode mit einer F\u00fclle von neuen Vorschriften \u00fcberflutet. Allein f\u00fcr den Bereich des Green Deals hatte die Kommission insgesamt 90 Initiativen f\u00fcr diese Legislatur angek\u00fcndigt und f\u00fcr den Digitalbereich weitere 73. Viele von diesen Initiativen haben auch Auswirkungen auf den Maschinen- und Anlagenbau. \u201eDer EU-Binnenmarkt braucht sinnvolle und handhabbare Regulierungen, die zum Ziel haben, die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der europ\u00e4ischen Industrie zu st\u00e4rken\u201c, betonte der VDMA-Pr\u00e4sident. Stattdessen erweisen sich die bereits verabschiedeten oder geplanten Regulierungen immer mehr als Belastung oder Bedrohung. Bestes Beispiel hierf\u00fcr ist das Europ\u00e4ische Lieferkettengesetz, das \u2013 wenn sich der Vorschlag des Parlaments durchsetzt \u2013 nicht nur eine Kontrolle der Lieferanten und deren Lieferanten vorsieht, sondern auch der Kunden. \u201eNiemand kann jedoch seinem Kunden vorschreiben, wie und wo er eine Maschine einsetzen darf. Und das ist nur einer von vielen Exzessen in einem Gesetz, das kleinen und mittleren Firmen eine Verantwortung auflastet, die sie aufgrund ihrer fehlenden Marktmacht \u00fcberhaupt nicht erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Das Gesetz ist daher reines Wunschdenken \u2013 und am Ende bedanken sich Wettbewerber aus Nicht-EU-L\u00e4ndern, dass wir uns selbst so ins Aus schie\u00dfen\u201c, beklagte der VDMA-Pr\u00e4sident.<\/p>\n<p><strong>Weiteren Rechtsruck in der Europawahl verhindern<\/strong><br \/>\nEine starke, wettbewerbsf\u00e4hige Europ\u00e4ische Union ist f\u00fcr den Maschinen- und Anlagenbau auch angesichts des Aufschwungs von wirtschafts- und demokratiefeindlichen rechten Parteien in Europa von gro\u00dfer Bedeutung. \u201eParteien, die f\u00fcr Nationalismus und Abschottung eintreten, gef\u00e4hrden Wohlstand, Wettbewerbsf\u00e4higkeit und unsere gesellschaftliche Konsenskultur. Deshalb muss es unser aller Anliegen sein, einen weiteren Rechtsruck bei den anstehenden Parlamentswahlen zu verhindern\u201c, betonte der VDMA-Pr\u00e4sident.<\/p>\n<p>Als Kernbranche der deutschen und europ\u00e4ischen Industrie mit rund 3 Millionen Besch\u00e4ftigten in der EU hat der Maschinen- und Anlagenbau viele Tr\u00fcmpfe in der Hand, um auf dem Weltmarkt auch weiterhin eine f\u00fchrende Rolle zu spielen \u2013 wenn er nicht ausgebremst wird. Ganz entscheidend f\u00fcr den weiteren Erfolg ist die Innovationskraft der Branche, die sich j\u00fcngst in den Zahlen zu den Ausgaben f\u00fcr Forschung und Entwicklung wieder gezeigt hat. Mit rund 8,7 Milliarden Euro (plus 6 Prozent zum Vorjahr) wurde ein Rekordwert investiert, \u201eder zeigt, dass wir an die St\u00e4rke und Zukunftsf\u00e4higkeit unserer Industrie glauben\u201c, sagte Haeusgen.<\/p>\n<p><strong>N\u00e4chste Stufe der Digitalisierung<\/strong><br \/>\nWachstumschancen liegen dabei vor allem in der Digitalisierung. Zu den wichtigsten Aufgaben z\u00e4hlt hier, dass die Unternehmen in der digitalen Welt ihr Domainwissen sicher einbringen k\u00f6nnen. Dazu sind f\u00f6derative Datenr\u00e4ume notwendig, die auch vom industriellen Mittelstand genutzt werden. Daf\u00fcr steht das Programm Manufacturing-X, das daf\u00fcr sorgen soll, dass die Standards f\u00fcr Produktionsinformationen des Maschinen- und Anlagenbaus st\u00e4rker adaptiert und genutzt werden. \u201eWir setzen damit direkt auf die erfolgreiche Einf\u00fchrung der Weltsprache der Produktion, OPC UA, mit Hilfe der globalen Umsetzungs-Initiative umati auf\u201c, erl\u00e4uterte Haeusgen. \u201eHeute werden im Maschinenbau immer mehr Funktionalit\u00e4ten von Maschinen und Anlagen in die Softwarewelt verlagert. Das hei\u00dft, dass parallel zur physischen Welt des Shopfloors ein digitales \u00d6kosystem entsteht, in dem Prozesse digital abgebildet werden. Hier er\u00f6ffnen sich dem Maschinenbau vielf\u00e4ltige Umsatzoptionen jenseits des eigentlichen Kerngesch\u00e4fts\u201c, res\u00fcmierte er.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die anhaltende Flaute der globalen Konjunktur hinterl\u00e4sst auch im Maschinen- und Anlagenbau zunehmend deutlichere&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6409,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-38234","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38234","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=38234"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38234\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":38235,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38234\/revisions\/38235"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6409"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=38234"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=38234"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=38234"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=38234"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}