{"id":38320,"date":"2024-01-08T08:31:32","date_gmt":"2024-01-08T07:31:32","guid":{"rendered":"https:\/\/plas.tv\/?p=38320"},"modified":"2024-01-06T13:36:33","modified_gmt":"2024-01-06T12:36:33","slug":"plastiksteuer-gefaehrdet-kreislaufwirtschaft-klimaschutz-und-mittelstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=38320","title":{"rendered":"Plastiksteuer gef\u00e4hrdet Kreislaufwirtschaft, Klimaschutz und Mittelstand"},"content":{"rendered":"<p>Die von der Bundesregierung am 13. Dezember 2023 angek\u00fcndigte Umlage der<br \/>\nsogenannten EU-Plastikabgabe auf die \u201eVerursacher\u201c ist ein herber R\u00fcckschlag f\u00fcr alle<br \/>\nUnternehmen, die sich als Kunststoffhersteller, Verpackungshersteller, H\u00e4ndler,<br \/>\nInverkehrbringer und Kunststoff-Recycler erfolgreich auf den Weg in eine Kreislaufwirtschaft<br \/>\nf\u00fcr Kunststoffverpackungen gemacht haben. Inmitten diese Transformation platzt der<br \/>\npopulistische Vorschlag einer Plastiksteuer \u2013 zum Schaden von Kreislaufwirtschaft,<br \/>\nKlimaschutz und Industriearbeitspl\u00e4tzen. Bereits deren Ank\u00fcndigung hat bei unseren<br \/>\nUnternehmen zu einer erheblichen Verunsicherung gef\u00fchrt und es zeichnen sich teilweise<br \/>\nkatastrophale Auswirkungen ab. Wir fordern daher die Bundesregierung auf, diesen<br \/>\nuntauglichen Vorschlag unverz\u00fcglich zur\u00fcckzuziehen, um weiteren Schaden f\u00fcr die<br \/>\nKreislaufwirtschaft von Verpackungen und die deutschen Unternehmen abzuwenden.<\/p>\n<p>Die Unternehmen der Wertsch\u00f6pfungskette Kunststoffverpackungen in Deutschland haben<br \/>\nden Weckruf bereits vor Jahren geh\u00f6rt und vor allem das Lebensende ihrer Produkte in den<br \/>\nFokus ger\u00fcckt. Mit Erfolg: Die Recyclingquote von Kunststoffverpackungen wurde von 42<br \/>\nProzent im Jahr 2018 auf \u00fcber 67 Prozent im Jahr 2022 gesteigert. Die Recycling- und<br \/>\nMehrwegf\u00e4higkeit von Haushaltsverpackungen aus Kunststoff liegt bereits bei 81 Prozent.<br \/>\nF\u00fcr den Rezyklateinsatz in Kunststoffverpackungen gelten ab 2030 aller Voraussicht nach<br \/>\nsehr ehrgeizige und verbindliche EU-Quoten.<\/p>\n<p>Das ehrgeizige Ziel einer Kreislaufwirtschaft f\u00fcr Verpackungen, das sich die EU und<br \/>\nDeutschland gesetzt haben, erfordert bis 2030 und dar\u00fcber hinaus Milliardeninvestitionen in<br \/>\nneue Verpackungsmaterialien, die verbesserte Recyclingf\u00e4higkeit von Verpackungen, eine<br \/>\nbessere Verarbeitung von recycelten Kunststoffen und den Aufbau von hochwertigen<br \/>\nRecyclinganlagen. In Deutschland leisten die Inverkehrbringer von Verpackungen bereits<br \/>\nheute im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung einen wesentlichen finanziellen<br \/>\nBeitrag zur Sammlung und Verwertung der Haushaltsverpackungsabf\u00e4lle. Hinzu kommen<br \/>\n\u00e4u\u00dferst effektive Pfandsysteme f\u00fcr Einweg- und Mehrweg-Getr\u00e4nkeflaschen, die weltweit<br \/>\nVorbildcharakter haben .<\/p>\n<p>Die notwendigen Investitionen in die Kreislaufwirtschaft werden jedoch zunehmend durch<br \/>\nstaatliche Abgaben, wie beispielsweise die Einweg-Kunststoff-Sonderabgabe oder<br \/>\nkommunale Verpackungssteuern ausgebremst. Die j\u00fcngste Ank\u00fcndigung einer Plastiksteuer<br \/>\nstellt eine weitere schwerwiegende Beeintr\u00e4chtigung dar: Investitionsentscheidungen wurden<br \/>\ngestoppt und stattdessen die Planungen f\u00fcr eine Verlagerung der Produktion ins Ausland<br \/>\nbeschleunigt. Denn f\u00fcr die zumeist mittelst\u00e4ndisch gepr\u00e4gten Unternehmen gibt es nach<br \/>\nEnergiekostenexplosion und inmitten einer Wirtschaftskrise keine M\u00f6glichkeit, weitere<br \/>\nKosten durch Einsparungen zu kompensieren. Die Produktion in Deutschland rechnet sich<br \/>\nf\u00fcr viele Unternehmen nicht mehr. Mit der Verlagerung der Produktion w\u00fcrden aber auch die<br \/>\nInvestitionen in die Kreislaufwirtschaft in anderen L\u00e4ndern stattfinden. Deutschland w\u00fcrde<br \/>\nbei der Kreislaufwirtschaft abgeh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Wir halten es f\u00fcr irref\u00fchrend, dass die Bundesregierung den Eindruck erweckt, als m\u00fcsste<br \/>\ndie sogenannte EU-Plastikabgabe auf die Unternehmen umgelegt werden. Denn bei der<br \/>\nEU-Plastikabgabe handelt es sich eben nicht um eine Steuer oder Abgabe, sondern lediglich<br \/>\num eine Berechnungsmethode f\u00fcr den EU-Mitgliedsbeitrag. Solche Mitgliedsbeitr\u00e4ge werden<br \/>\nvon s\u00e4mtlichen EU-Mitgliedstaaten aus dem nationalen Haushalt beglichen. Eine \u201eUmlage\u201c<br \/>\ndieses EU-Beitrags ist weder erforderlich noch sinnvoll. Insbesondere sehen wir keinen<br \/>\nGrund, warum Unternehmen der Wertsch\u00f6pfungskette Kunststoffverpackungen f\u00fcr die<br \/>\nFolgen des Brexit im EU-Haushalt und der verfassungswidrigen Haushaltsf\u00fchrung der<br \/>\nBundesregierung haften sollen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu einer Plastiksteuer h\u00e4tte eine materialneutrale Abgabe basierend auf<br \/>\n\u00f6kologischen Kriterien eine wesentlich bessere Lenkungswirkung. Zu diesem Schluss kommt<br \/>\nauch eine aktuelle Studie im Auftrag des Umweltbundesamts: Sie bewertet die<br \/>\nWahrscheinlichkeit einer \u00f6kologischen Fehllenkung durch eine Verringerung des<br \/>\nKunststoffeinsatzes infolge einer Plastiksteuer als hoch (Seite 25). \u00d6kologisch zielgerichteter<br \/>\nw\u00e4ren demgegen\u00fcber eine materialneutrale Lenkung zur Reduzierung des Materialeinsatzes<br \/>\nin Verpackungen, zur Verringerung der CO2-Emissionen oder zur Steigerung der<br \/>\nRecyclingf\u00e4higkeit. Wir fordern daher anstelle einer Plastiksteuer die schnelle Umsetzung<br \/>\ndes im Koalitionsvertrag vereinbarten Fondsmodells f\u00fcr st\u00e4rkere finanzielle Anreize f\u00fcr<br \/>\nhochgradig recyclingf\u00e4hige Verpackungen. Einen entsprechenden konkreten Vorschlag hatte<br \/>\nBranchenverb\u00e4nden bereits Anfang 2023 vorgelegt.<\/p>\n<p>Eine Plastiksteuer birgt schlie\u00dflich auch gro\u00dfen sozialen Sprengstoff, denn w\u00e4hrend bei<br \/>\neiner Finanzierung der EU-Plastikabgabe \u00fcber den Bundeshaushalt \u2013 also aus Steuermitteln<br \/>\nwie bisher \u2013 anteilig vor allem die oberen Einkommensschichten der Bev\u00f6lkerung in<br \/>\nAnspruch genommen werden, w\u00e4re es bei einer Plastiksteuer genau umgekehrt: Weil eine<br \/>\nPlastiksteuer von den Unternehmen auf die Produktpreise aufgeschlagen wird, trifft sie<br \/>\nanteilig vor allem die unteren Einkommensschichten, weil diese im Vergleich einen weitaus<br \/>\nh\u00f6heren Anteil ihres Einkommens f\u00fcr Konsumprodukte ausgeben. Mehrbelastungen der<br \/>\nVerbraucher in H\u00f6he von 1,4 Milliarden Euro pro Jahr w\u00e4ren die Folge. Gerade die Preise f\u00fcr<br \/>\nverpackte Lebensmittel w\u00fcrden durch die Steuer abermals unter Druck geraten, denn<br \/>\nVerpackungen aus Kunststoff sind hier oftmals unverzichtbar.<\/p>\n<p><strong>Peter Feller<\/strong>, Stellvertretender Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Bundesvereinigung der Deutschen Ern\u00e4hrungsindustrie e.V.<br \/>\n<strong>Dr. Oliver M\u00f6llenst\u00e4dt<\/strong>, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie e.V.<br \/>\n<strong>Dr. Martin Engelmann<\/strong>, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V.<br \/>\n<strong>Ingemar B\u00fchler<\/strong>, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer PlasticsEurope Deutschland e.V.<br \/>\n<strong>Thorsten K\u00fchmann<\/strong>, VDMA Kunststoff- und Gummimaschinen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die von der Bundesregierung am 13. 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