{"id":38815,"date":"2024-03-18T07:45:32","date_gmt":"2024-03-18T06:45:32","guid":{"rendered":"https:\/\/plas.tv\/?p=38815"},"modified":"2024-03-16T18:02:35","modified_gmt":"2024-03-16T17:02:35","slug":"es-ist-davon-auszugehen-dass-ein-verbot-kommt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=38815","title":{"rendered":"Es ist davon auszugehen, dass ein Verbot kommt"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Interview zur aktuellen PFAS-Debatte mit SKZ-Gruppenleiter Dr. Andreas K\u00f6ppel<\/strong><\/h4>\n<p><em><strong>Kaum etwas wird aktuell so intensiv diskutiert wie ein potenzielles PFAS-Verbot. Viele Kunststoffprodukte w\u00e4ren von einer solchen Regelung betroffen. Der Gruppenleiter Materialentwicklung am Kunststoff-Zentrum SKZ, Dr. Andreas K\u00f6ppel, erkl\u00e4rt im Interview, was PFAS ausmacht, welche Schwierigkeiten sie verursachen und was ein m\u00f6gliches Verbot f\u00fcr Unternehmen bedeutet.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>SKZ: Was genau sind PFAS und warum sollen sie verboten werden?<\/em><br \/>\nDr. Andreas K\u00f6ppel: PFAS ist eine Abk\u00fcrzung und steht f\u00fcr per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Im Endeffekt sind das organische Verbindungen, bei denen die Wasserstoffatome teilweise (polyfluoriert) oder vollst\u00e4ndig (perfluoriert) durch Fluoratome ersetzt sind. Von Gasen, Fl\u00fcssigkeiten bis hin zu fluorhaltigen Kunststoffen, wie beispielsweise Polytetrafluorethylen (PTFE), umfasst die gesamte Stoffgruppe der PFAS sch\u00e4tzungsweise mehr als 10.000 Substanzen. PFAS kommen nicht nat\u00fcrlich vor, sind menschgemacht und werden seit den 1940er Jahren industriell hergestellt. Der gro\u00dfe Vorteil der PFAS, die sehr starke chemische Verbindung von Fluor und Kohlenstoff, ist zugleich die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung. Aufgrund der hohen Stabilit\u00e4t sind PFAS sehr langlebig, zersetzen sich nicht und reichern sich daher in der Umwelt, im Menschen und weiteren Organismen an. Das ist besonders problematisch, da einige PFAS im Verdacht stehen, krebserregend zu sein und zu Erkrankungen der Schilddr\u00fcse zu f\u00fchren. Weiterhin werden Zusammenh\u00e4nge mit neurologischen Entwicklungsst\u00f6rungen und Einschr\u00e4nkungen der Fruchtbarkeit hergestellt. Aufgrund dieser Gefahren sollen PFAS verboten werden.<\/p>\n<p><em>SKZ: Wo kommen PFAS bei Kunststoffen \u00fcberhaupt zum Einsatz? Warum nutzt man sie dort? Und: Gibt es Alternativen?<\/em><br \/>\nK\u00f6ppel: PFAS zeichnen sich dadurch aus, dass sie wasser-, fett- und schmutzabweisend sowie chemisch und thermisch sehr stabil sind. G\u00e4ngige Einsatzgebiete kennt man aus dem Alltag wie beispielsweise teflonbeschichtete Pfannen, beschichtete Outdoorkleidung oder Einwegverpackungen, aber auch diverse Kosmetika. Hochleistungskunststoffe wie PTFE, PVDF oder FFKM kommen aufgrund ihrer besonders hohen Chemikalienbest\u00e4ndigkeit in Form von Ventilen, Dichtungen und Schl\u00e4uchen in industriellen Anwendungen bei Kontakt mit aggressiven Medien oder auch als Membranmaterialien f\u00fcr Brennstoffzellen zum Einsatz. Alternativen sind teilweise m\u00f6glich, vor allem da, wo auch Abstriche bei der Performance in Kauf genommen werden k\u00f6nnen wie bei Zahnseide zum Beispiel. Bei Verpackungen mit Lebensmittelkontakt ist das Risiko durch den direkten Eintrag in die Nahrungskette h\u00f6her als der Zusatznutzen. Hier muss man ehrlich sagen, dass Verbote sogar Sinn machen. Bei den Hochleistungskunststoffen ist es deutlich schwieriger, Alternativmaterialien zu finden. Hierbei muss man sich das Anforderungsprofil sehr genau anschauen und bewerten.<\/p>\n<p><em>SKZ: Wie ist der aktuelle Stand bez\u00fcglich eines Verbotes?<\/em><br \/>\nK\u00f6ppel: Es wurde ein zweiter Gesetzesentwurf erarbeitet, zu dem es bereits \u00f6ffentliche Konsultationen gab, um Informationen zur Verwendung von PFAS zu sammeln und potenzielle Gefahren und Nutzen zu bewerten. Es ist davon auszugehen, dass ein Verbot kommt. Die Frage ist nur, in welchem Umfang es umgesetzt wird. Bei einem vollumf\u00e4nglichen Verbot, mit dem wahrscheinlich erst fr\u00fchestens 2026 zu rechnen w\u00e4re, wird es f\u00fcr Unternehmen allerdings \u00dcbergangsfristen von eineinhalb bis dreizehneinhalb Jahren geben. Es macht also durchaus schon jetzt Sinn, sich Gedanken zu m\u00f6glichen Materialalternativen zu machen.<\/p>\n<p><em>SKZ: Du leitest die Gruppe Materialentwicklung am SKZ. Inwieweit seid ihr hier aktiv?<\/em><br \/>\nK\u00f6ppel: Wir besch\u00e4ftigen uns grunds\u00e4tzlich mit allen Kunststoffmaterialien und Zuschlagstoffen, da sind nat\u00fcrlich auch PFAS ein Thema. Hierzu stehen wir mit vielen Kunden bereits im Austausch bez\u00fcglich der Suche und Entwicklung von Alternativmaterialien. Die Anfragen nehmen stetig zu. Wir bieten deshalb auch Weiterbildungsangebote an und haben einen Kurs entwickelt, der das R\u00fcstzeug zur Suche nach Alternativmaterialien bereitstellt. Au\u00dferdem haben wir mehrere Online-Workshops im Angebot, um die aktuelle Rechtslage und potenzielle Konsequenzen eines Verbotes zu erarbeiten.<\/p>\n<p><em>Interview: Alexander Hefner, SKZ<\/em><\/p>\n<p>Mehr Informationen zum SKZ-Kurs <a href=\"https:\/\/www.skz.de\/bildung\/kurs\/pfas-verbot-und-substitutionsmaterialien\"><strong>PFAS-Verbot und Substitutionsmaterialien<\/strong><\/a><br \/>\nMehr Informationen zum SKZ-Online <a href=\"https:\/\/www.skz.de\/bildung\/kurs\/alternativmaterialien-und-second-source\"><strong>Kurs Alternativmaterialien und Second Source<\/strong><\/a><br \/>\nMehr Informationen zur <a href=\"https:\/\/www.skz.de\/forschung\/material\"><strong>Materialentwicklung<\/strong><\/a> am SKZ<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum etwas wird aktuell so intensiv diskutiert wie ein potenzielles PFAS-Verbot. 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