{"id":40730,"date":"2025-02-04T07:41:50","date_gmt":"2025-02-04T06:41:50","guid":{"rendered":"https:\/\/plas.tv\/?p=40730"},"modified":"2025-02-02T12:44:20","modified_gmt":"2025-02-02T11:44:20","slug":"das-design-for-recycling-ist-der-schluessel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=40730","title":{"rendered":"\u201cDas Design for Recycling ist der Schl\u00fcssel\u201d"},"content":{"rendered":"<p><strong>Way2K 2025<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong>Interview auf dem Weg zur K 2025 mit Dr. Stephan Gneuss, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Gneuss Kunststofftechnik GmbH<\/p>\n<p><strong>Herr Dr. Gneuss, wie hat sich das Recycling in den vergangenen Jahren entwickelt?<\/strong><br \/>\nInzwischen haben viele Inverkehrbringer von Kunststoffprodukten erkannt, dass sie auch Recyclingwege f\u00fcr Produkte aufzeigen m\u00fcssen. Daher wurden in den letzten Jahren Recyclingprozesse entwickelt, die es fr\u00fcher noch nicht gab. Man will zeigen, dass man die Produkte im Kreis f\u00fchren kann oder sie zumindest erst einmal recyclingf\u00e4hig machen kann. Sehr viele neue Applikationen wurden mit Recyclingkonzepten unterlegt, die zumindest technisch funktionieren. Ob das in der Praxis funktioniert, ist eine andere Frage. Daf\u00fcr muss man die Sammelwege verbessern. Die sind noch lange nicht perfekt.<\/p>\n<p><strong>Ist die Lebensmitteltauglichkeit von rezykliertem Material schon erreicht?\u00a0<\/strong><br \/>\nHier hat es einige Erfolge gegeben, getrieben durch die Amerikaner. Die dortige Zulassungsbeh\u00f6rde FDA geht viel flexibler vor, als ihr EU-Pendant, die EFSA. In den USA ist die Bandbreite von zugelassenen Kunststoffmaterialien mittlerweile signifikant gr\u00f6\u00dfer geworden. In Europa hat sich zwar auch einiges getan. Allerdings ist das alles bisher sehr unzufriedenstellend gel\u00f6st. Grunds\u00e4tzlich ist es so, dass sich die Lebensmitteltauglichkeit f\u00fcr die allermeisten rezyklierten Kunststoffmaterialien umsetzen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Ist der Einsatz von Rezyklaten inzwischen wirtschaftlich?<\/strong><br \/>\nEs gibt Phasen, in denen Neuware teurer ist, aber es gibt auch Phasen, in denen Rezyklate teurer sind. Der gro\u00dfe Boom beim Recycling von PET Bottle Flakes kam ja dadurch, dass sie eben nicht teurer waren. Im Moment hat sich die Situation wieder gedreht. Neuware ist aktuell sehr g\u00fcnstig und das setzt die Rezyklate extrem unter Druck. Denn deren Produktionskosten sind aufgrund hoher Energiekosten, hoher Kosten f\u00fcr das Sammeln, Sortieren und Reinigen sehr hoch. Diese Situation bereitet vor allem den Recyclern Sorgen und reduziert nat\u00fcrlich auch den Anreiz von Unternehmen, \u00fcberhaupt Rezyklate einzusetzen. Kurzum: Wer heute Rezyklate einsetzt, macht das, weil er es muss, weil er entweder gesetzliche Vorgaben hat oder weil seine Kunden das von ihm verlangen. Aber wenn man es nicht machen muss, tut es auch keiner, weil es einfach mehr Geld kostet.<\/p>\n<p><strong>Was m\u00fcsste passieren, damit sich diese Situation \u00e4ndert?\u00a0<\/strong><br \/>\nIn Europa wird schon seit langem dar\u00fcber geredet, verbindliche Quotenvorgaben einzuf\u00fchren. Die machen nat\u00fcrlich nur Sinn, wenn es auch das gesetzliche Rahmenwerk daf\u00fcr gibt. Da hakt alles noch sehr. Die Quotenvorgaben sollen wohl recht bald in Kraft treten. Aber die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind noch nicht in Sicht. Es m\u00fcsste beispielsweise festgelegt werden, welche Prozesse zugelassen werden, damit man Rezyklat im Lebensmittelbereich einsetzen kann. Die EU hat jetzt eine Art Zwischenl\u00f6sung gefunden. Sie erteilt entsprechende Genehmigungen unter Vorbehalt. Das ist aber f\u00fcr Maschinenbauer wie Gneuss schlicht katastrophal. Wer investiert denn unter Vorbehalt in eine neue Maschine, die er dann sp\u00e4ter vielleicht doch nicht verwenden darf.<\/p>\n<p><strong>Was halten Sie denn von Quotenvorgaben?<\/strong><br \/>\nIch sehe sie durchaus positiv. Und zwar Quotenvorgaben als Content-Vorgaben, wo dies sinnvoll ist, und ansonsten als Verwendungsvorgaben. Denn dann w\u00fcrde sich das Design for Recycling durchsetzen. Das ist der Schl\u00fcssel. Im Moment geht es beim Design meist um optische oder um Kostenoptimierung. Dadurch werden die Recycling-F\u00e4higkeiten meist nicht besser. Ich glaube, dass wir dort noch viel Potenzial haben, zu einfacheren und kostenaktiveren Recyclingprozessen zu kommen. Closed-loop Recycling macht nicht bei allen Produkten \u00f6konomisch und \u00f6kologisch Sinn, ausschlaggebend ist aus meiner Sicht, dass so viel Kunststoff wie m\u00f6glich \u00fcberhaupt recycelt wird.<\/p>\n<p><strong>Wie sieht es anderswo auf der Welt mit dem Recycling aus?<\/strong><br \/>\nWir sehen einige vielversprechende Regionen. Zum Beispiel Indien. Dort gibt es schon gesetzliche Quotenvorgaben und auch die entsprechenden Regelungen. Das l\u00f6st gerade einen Nachfrageboom nach Recyclingmaschinen im Kunststoffbereich aus. Wenn sich andere asiatische L\u00e4nder Indien zum Vorbild nehmen, k\u00f6nnte der Markt riesig werden. Auch aus Nord- und S\u00fcdamerika kommen gr\u00f6\u00dfere Nachfrageimpulse. In den USA gibt es zwar noch wenig gesetzlichen Druck. Aber grunds\u00e4tzlich glauben wir, dass das Recyclingsegment sein Potenzial in den USA bisher nicht ausgesch\u00f6pft hat. Demgegen\u00fcber ist die wirtschaftliche Situation in Europa nicht gut. In Deutschland ist sie besonders schlecht.<\/p>\n<p><strong>Gibt es dennoch neue Wettbewerber f\u00fcr Gneuss?\u00a0<\/strong><br \/>\nJa, die gibt es und die meisten kommen aus China. Das ist ein gro\u00dfer, dynamischer Markt. China hat auch ein paar regulatorische Ma\u00dfnahmen getroffen, die das Recycling unterst\u00fctzen. Und deshalb gibt es viele neue Maschinenbauer in diesem Bereich. Die werden \u00fcber kurz oder lang auch andere M\u00e4rkte bedienen wollen. Zuerst vielleicht die asiatischen, aber irgendwann auch die in Europa und den USA. Wir werden aber L\u00f6sungen finden, mit denen wir uns weiterhin technologisch absetzen. Es ist einfach unsere Aufgabe, immer eine Nasenl\u00e4nge voraus zu sein.<\/p>\n<p><strong>Sehen Sie noch Standortvorteile in Deutschland?<\/strong><br \/>\nTraditionell hat Deutschland einen Wettbewerbsvorteil im Bereich der beruflichen Bildung. Durch das duale System, das es in den wenigsten L\u00e4ndern in vergleichbarer Form gibt, haben wir noch relativ gut ausgebildete Facharbeiter. Die USA, zum Beispiel, sind als Standort zwar steuerlich attraktiver. Aber der Mangel an Facharbeitern ist dort noch viel schlimmer als bei uns. Bei uns in Deutschland wird die Situation aber auch schlechter, bedingt durch den demografischen Wandel ebenso wie durch eine um sich greifende Technikfeindlichkeit.<\/p>\n<p><strong>Was wollen Sie auf der K vermitteln?<\/strong><br \/>\nWir wollen verdeutlichen, dass Kunststoff etwas Positives und Leistungsstarkes ist und ein erhebliches \u00f6kologisches Potenzial birgt. Nat\u00fcrlich sollte er recycelt werden. Daran arbeiten wir. Insofern finde ich das Motto der K \u201cThe Power of Plastics \u2013 Green \u2013 Smart &#8211; Responsible\u201d gut gew\u00e4hlt. Der Gneuss-Slogan f\u00fcr die K steht noch nicht fest. Er wird aber in dieselbe Richtung gehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inzwischen haben viele Inverkehrbringer von Kunststoffprodukten erkannt, dass sie auch Recyclingwege f\u00fcr Produkte aufzeigen m\u00fcssen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":40731,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-40730","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40730","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40730"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40730\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":40732,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40730\/revisions\/40732"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/40731"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40730"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=40730"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=40730"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=40730"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}