{"id":41232,"date":"2025-04-29T07:29:41","date_gmt":"2025-04-29T05:29:41","guid":{"rendered":"https:\/\/plas.tv\/?p=41232"},"modified":"2025-04-24T14:32:21","modified_gmt":"2025-04-24T12:32:21","slug":"way2k-2025-wir-stehen-in-der-kreislaufwirtschaft-oft-noch-am-anfang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=41232","title":{"rendered":"Way2K 2025: \u201cWir stehen in der Kreislaufwirtschaft oft noch am Anfang\u201d"},"content":{"rendered":"<p>Interview auf dem Weg zur K 2025 mit Sebastian Rust, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bei ENTEX<\/p>\n<p><strong>Herr Rust, welchen Vorteil bringt der Planetwalzenextruder f\u00fcr das Kunststoffrecycling?<\/strong><\/p>\n<p>Die Kunststoffe, die recycelt werden, haben alle schon einmal eine thermische Verletzung erfahren. Sie wurden massiv beansprucht. Unser System hat den Vorteil, dass wir mechanisch sehr wenig Energie in das Extrudat eintragen. Bei Doppelschnecken- und Einschneckenextrudern wird das Material haupts\u00e4chlich \u00fcber den mechanischen Energieeintrag des Hauptantriebs plastifiziert. Wir dagegen schmelzen das Material im Planetwalzenextruder \u00fcber thermische Energiezuf\u00fchrungen materialschonend auf. Wir brauchen dadurch eigentlich nie die volle Antriebsleistung des Extruders, entsprechend geringer f\u00e4llt der Energieverbrauch aus. Das spart in erheblichen Ma\u00dfen Kosten ein und verringert letztlich auch den CO2-Fu\u00dfabdruck.<\/p>\n<p><strong>Ein weiterer Beitrag zur Nachhaltigkeit w\u00e4re das Devulkanisieren von Altreifen. Wie weit ist ENTEX hier?<\/strong><br \/>\nDas Recyceln von Altreifen galt lange als technisch unm\u00f6glich. Altreifen, egal von welcher Fahrzeugart, werden heutzutage thermisch verwertet. Sie werden zum Beispiel in Zementwerken als Brennstoff f\u00fcr die Energieerzeugung eingesetzt. Wir bei ENTEX haben den Devulkanisationsprozess wesentlich mitgepr\u00e4gt. Wir sind mittlerweile so weit, dass wir es schaffen, die Kohlenstoffketten durch gezielten Energieeintrag von den Schwefelketten zu trennen und damit die Vulkanisation r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Dadurch sind wir in der Lage, den Naturkautschuk zum Gro\u00dfteil zur\u00fcckzugewinnen und dieser kann dann wieder als Rezyklat in neue Reifen und vielf\u00e4ltige andere Gummianwendungen eingebracht werden.<\/p>\n<p><strong>Die Zeit des Altreifenrecyclings hat also begonnen?<\/strong><br \/>\nDie Reifenbranche ist sehr konservativ und h\u00e4lt gerne an etablierten und traditionellen Prozessketten fest. Bei der Reifenherstellung sind die Rezepturen oft sehr alt. Jede kleine \u00c4nderung einer Reifenrezeptur zieht immer eine Produktionsumstellung und gro\u00dfen Aufwand nach sich. Deshalb setzen sich Neuerungen dort nicht so leicht durch. Das wird sich aber voraussichtlich in absehbarer Zeit \u00e4ndern. Denn die Politik macht Druck und schreibt vor, dass neue Produkte bald einen gewissen Anteil an Rezyklat enthalten m\u00fcssen. Dadurch wird das Ganze f\u00fcr uns immer interessanter. Letztendlich muss man sich ja weiterentwickeln und wir hoffen daher darauf, dass sich im Zuge der Transformation zu einer Kreislaufwirtschaft auch neue Technologien, wie beispielsweise die Devulkanisierung, etablieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Kann ein neuer Reifen zu 100 Prozent aus Rezyklat hergestellt werden?<\/strong><br \/>\nEs ist eine realistische Annahme, dass es in Zukunft m\u00f6glich sein wird, dem Naturkautschuk 40 bis 50 Prozent des devulkanisierten Rezyklats beizuf\u00fcgen. Es gibt bereits eine Reihe von Studien und Versuchen hierzu. Die sehen alle sehr vielversprechend aus.<\/p>\n<p><strong>Wo stehen wir in der Kreislaufwirtschaft heute?\u00a0<\/strong><br \/>\nWir stehen da aus meiner Sicht in vielen Bereichen noch am Anfang. Die meisten der Kunststoffe, die heute verbraucht werden, gelten als nicht-recycelbar und werden daher immer noch auf petrochemischer Basis hergestellt. Unsere Aufgabe ist es, Wege zu finden, auch die aktuell nicht oder nur aufw\u00e4ndig recycelbaren Kunststoffe, wie zum Beispiel PVC, f\u00fcr die Kreislaufwirtschaft nutzbar zu machen.<\/p>\n<p><strong>Wird man irgendwann einmal sagen k\u00f6nnen, das Problem des Kunststoffabfalls sei erledigt, weil man den Kreislauf geschlossen hat?\u00a0<\/strong><br \/>\nWir sind eine sehr innovative Generation und entwickeln permanent weiter. Wir haben zum Beispiel einen Kunden, der sich intensiv damit besch\u00e4ftigt, die Windfl\u00fcgel von Windkraftwerken zu recyceln. Die Glasfaser der Fl\u00fcgel gilt zwar immer noch als nicht-recycelbar, aber der Kunde hat sie wieder nutzbar gemacht und kann sie als F\u00fcllstoff f\u00fcr andere Produkte einsetzen. Auf jeden Fall braucht das alles noch viel Zeit, so wie in anderen F\u00e4llen auch. Von der Entwicklung der ersten Nylonfaser bis hin zur Strumpfhose sind 100 Jahre vergangen. Bis wir den Punkt erreichen, an dem wir sagen k\u00f6nnen, wir h\u00e4tten das Recycling in der Kunststoffindustrie komplett im Griff, vergeht aus meiner Sicht wohl auch noch ein recht langer Zeitraum.<\/p>\n<p><strong>Wie gro\u00df ist denn das wirtschaftliche Potenzial?<\/strong><br \/>\nWir sind inzwischen \u00fcber acht Milliarden Menschen auf der Erde. Die Weltbev\u00f6lkerung steigt weiter. Da stellt sich nat\u00fcrlich die Frage, wohin mit den Materialien, die wir alle verbrauchen. Wenn Materialien nicht recycelbar sind, dann schaden wir uns selbst angesichts der Massen erheblich. Deshalb werden irgendwann alle nach L\u00f6sungen suchen und in die Kreislaufwirtschaft einsteigen m\u00fcssen. Wir in Europa haben hier einen wirtschaftlichen Vorteil, weil wir in vielen Bereichen des Recyclings Vorreiter sind und unsere innovativen Technologien in andere L\u00e4nder tragen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Rust, welchen Vorteil bringt der Planetwalzenextruder f\u00fcr das Kunststoffrecycling? 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