{"id":41427,"date":"2025-06-03T07:12:46","date_gmt":"2025-06-03T05:12:46","guid":{"rendered":"https:\/\/plas.tv\/?p=41427"},"modified":"2025-05-30T15:13:25","modified_gmt":"2025-05-30T13:13:25","slug":"die-entlastung-der-operator-wird-zunehmend-wichtiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=41427","title":{"rendered":"Die Entlastung der Operator wird zunehmend wichtiger"},"content":{"rendered":"<p><strong>Interview auf dem Weg zur K 2025 mit Dr. Henning Stieglitz, CEO und CTO bei der BC Extrusion Holding GmbH<\/strong><\/p>\n<p>Herr Dr. Stieglitz, wo kann man in der Kunststoffextrusion noch Effizienzen verbessern?<br \/>\nEs gibt f\u00fcr uns vier Stellschrauben. Der Materialeinsatz, die Liniengeschwindigkeit, der Energieeinsatz und der Einsatz von Rezyklaten. Der gr\u00f6\u00dfte Hebel ist der Materialeinsatz. Hier liegt auch der Schwerpunkt unserer Forschung. Es geht darum, die Toleranzen so gering wie m\u00f6glich zu halten, damit der Kunde an die unterste Grenze fahren kann und gleichzeitig die h\u00f6chsten Materialeinsparungen hat. Ideal w\u00e4re es, aus 100 kg Material, 100 kg Rohr oder Fensterprofil zu bekommen. In der Regel muss man immer ein bisschen mehr einsetzen, sei es, dass die Umr\u00fcstzeit Materialeinsatz erfordert, die Materialeigenschaft es nicht zul\u00e4sst oder man auch an Grenzen beim Werkzeug st\u00f6\u00dft. Der Rezyklateinsatz ist ein<br \/>\nvergleichsweise neues Thema. Er ist stark abh\u00e4ngig von der Applikation. Im Bereich Fensterprofile werden schon lange hohe Mengen eingesetzt. Im Rohrbereich kommt es so langsam in Gang und auch im Verpackungsbereich nimmt der Rezyklateinsatz seit Jahren zu.<\/p>\n<p><strong>Ist es schwierig, einerseits den Materialeinsatz m\u00f6glichst gering zu halten und zugleich Rezyklate einzusetzen?\u00a0<\/strong><br \/>\nJa, weil die Eigenschaften der Rezyklate in der Regel nicht so konstant sind wie bei Neuware. Das ist ein Thema, das uns die letzten Jahre immer st\u00e4rker besch\u00e4ftigt. Wie kann der Kunde aus dem Postconsumer-Material das bestm\u00f6gliche Produkt herstellen &#8211; unter einem m\u00f6glichst geringen Materialeinsatz und nat\u00fcrlich auch mit m\u00f6glichst geringem Energieeinsatz? Das ist eine Herausforderung, die in den letzten Jahren \u00fcberall immer st\u00e4rker geworden ist und worauf wir auch die Maschinenkonzepte immer st\u00e4rker abstellen.<\/p>\n<p><strong>Setzen Sie schon k\u00fcnstliche Intelligenz ein?<\/strong><br \/>\nBattenfeld-cincinnati m\u00f6chte KI insbesondere zur Unterst\u00fctzung der Operator einsetzen, um ihre t\u00e4gliche Arbeit zu erleichtern. Wir haben festgestellt, dass die Anforderungen an die Qualifikation im Laufe der Jahre gestiegen sind und wir k\u00f6nnen die Operator gezielt in ihrer t\u00e4glichen Arbeit entlasten. Eine KI, die dem Operator beim Auftritt eines Fehlers beispielsweise sagt, was die Ursache daf\u00fcr ist und wie man ihn beheben kann. Oder die zeigt, dass der Energieverbrauch im Betrieb gerade nicht optimal ist und Vorschl\u00e4ge macht, wie man das verbessern kann. Daf\u00fcr muss man bestimmte Fehlertypen erfassen und Abhilfema\u00dfnahmen hinterlegen, die dann am System aufgerufen werden k\u00f6nnen. Diese Operator-Unterst\u00fctzung wird zunehmend wichtiger. Wir streben danach, Systeme zur Verf\u00fcgung zu stellen, die vom Handling her sehr komfortabel und sehr unterst\u00fctzend sind. Dazu brauchen wir den Einsatz von KI.<\/p>\n<p><strong>Ein Schritt in Richtung \u201cmannlose Maschine\u201d?\u00a0<\/strong><br \/>\nUnbedingt. Unser Fast Dimension Change (FDC) System erm\u00f6glicht es beispielsweise, mit Hilfe der Steuerung und der dort eingebauten Komponenten die Dimension eines Rohres w\u00e4hrend laufender Fahrt zu verstellen. Im Prinzip gibt es eingespeicherte Rezepte. Man dr\u00fcckt auf einen Knopf und die Anlage ver\u00e4ndert die Wandst\u00e4rke, ver\u00e4ndert den Rohrdurchmesser. Das l\u00e4uft, ohne dass dort jemand h\u00e4ndisch eingreifen muss. Es braucht nur eine Person, die die Ver\u00e4nderung an der Steuerung vornimmt. Den Rest \u00fcbernimmt die Maschine. \u00c4hnliches gibt es bei einfachen T\u00e4tigkeiten in der Fertigung. Ob es jemals zu einer vollautomatischen Linie kommen wird, kann ich nicht sagen. Es wird sicherlich immer einen Supervisor geben m\u00fcssen. Aber es werden viele andere Arbeiten automatisiert werden.<\/p>\n<p><strong>Ist die Kreislaufwirtschaft angesichts wirtschaftlicher Probleme in den Hintergrund ger\u00fcckt?<\/strong><br \/>\nAls die Kreislaufwirtschaft vor ein paar Jahren in aller Munde war, h\u00e4tte man am liebsten alles zu 100 Prozent aus recycelten Materialien hergestellt. Damals hat man den Kostenaspekt oft zu wenig ber\u00fccksichtigt. Das ist heute anders. Nach wie vor ist es so: \u00a0Wenn man Post-Consumer-Material einsetzt, kostet das in der Regel mehr als der Einsatz von Neuware. Hier muss man sich fragen, wer die Mehrkosten am Ende bezahlen soll. Im Recycling gibt es schon sehr gute L\u00f6sungen. Bei PET-Flaschen ist der Kreislauf in Deutschland so gut wie geschlossen. Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass man noch f\u00fcr zwei oder drei weitere Massenkunststoffe ein \u00e4hnlich gutes System etabliert. In manchen Dingen ist man allerdings \u00fcber das Ziel hinausgeschlossen. Es ist wichtig, zu einem vern\u00fcnftigen Verst\u00e4ndnis zu kommen: Was macht wirklich Sinn und wo macht Wiederverwertung keinen Sinn? Beschichtetes Papier als Verpackung wurde in einigen Bereichen zuletzt stark promotet. Das Papier, welches hierbei zum Einsatz kommt, ist extrem hoch verarbeitet und der Verbund ist nahezu nicht zu recyceln.<\/p>\n<p><strong>Taugt die Kreislaufwirtschaft als Exportschlager?<\/strong><br \/>\nZumindest nicht \u00fcberall. Es ist einfach eine Kostenfrage. Wenn es bei uns schon schwierig ist, die h\u00f6heren Kosten des Recyclings auf die Produkte umzulegen, wie soll das erst in Entwicklungsl\u00e4ndern m\u00f6glich sein? Dort gibt es andere Priorit\u00e4ten. Da geht es darum, dass alle Menschen an Nahrungsmittel kommen, dass Nahrungsmittel durch den Transport nicht verderben. Einen kompletten Kreislauf f\u00fcr Post-Consumer-Kunststoffe wird es dort deshalb wohl auf absehbare Zeit nicht geben. Aber einzelne Aspekte der Kreislaufwirtschaft wird man schon angehen k\u00f6nnen. Sammelsysteme zum Beispiel. Selbst die kontrollierte Verbrennung des Abfalls inklusive einer Energiegewinnung w\u00e4re dann eine vergleichsweise geringere Belastung und w\u00fcrde zumindest nicht zur Verst\u00e4rkung des M\u00fcllproblems in den Meeren beitragen.<\/p>\n<p><strong>Was erwarten Sie von der kommenden K?<\/strong><br \/>\nIch glaube, dass die K sehr gut besucht werden wird. Unsere Branche hatte zuletzt schwierige Jahre, aber wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass 2021 und 2022 sehr gute Jahre waren. Bis zum Oktober erwarte ich mehr Klarheit \u00fcber die k\u00fcnftige Tarifierung mit den USA. Denn die Unsicherheit, wie es weitergeht, ist schlimmer als Z\u00f6lle. Sie bremst Investitionen. Ich denke, wenn die Verunsicherung zur\u00fcckgegangen ist, werden Besucher auch wieder Neues sehen wollen, Innovationen, in die man investieren will. Thematisch rechne ich damit, dass neben der Digitalisierung allgemein, Themen wie die Operatorunterst\u00fctzung \u00fcber die Steuerung ein Fokus sein werden. Und nat\u00fcrlich der effiziente Einsatz der Ressourcen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt f\u00fcr uns vier Stellschrauben. 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