{"id":41979,"date":"2025-09-01T07:55:00","date_gmt":"2025-09-01T05:55:00","guid":{"rendered":"https:\/\/plas.tv\/?p=41979"},"modified":"2025-10-31T11:47:21","modified_gmt":"2025-10-31T10:47:21","slug":"strategische-personalentwicklung-in-der-kunststoffindustrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=41979","title":{"rendered":"Strategische Personalentwicklung in der Kunststoffindustrie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zukunft gestalten statt Mangel verwalten<\/strong><br \/>\nDie Branche steht vor einer besonderen Herausforderung: W\u00e4hrend sie eine zentrale Rolle beim \u00dcbergang zur Kreislaufwirtschaft spielt, k\u00e4mpft sie gleichzeitig mit einem Fachkr\u00e4ftemangel \u2013 das zeigen Daten der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (BA) f\u00fcr 2024. Anhand der sogenannten Engpassanalyse der BA kann eine Analyse der Fachkr\u00e4ftesituation f\u00fcr die Berufsgruppe 2210 Kunststoff- und Kautschukherstellung1 erfolgen. Neben der R\u00fcckschau auf die Arbeitskr\u00e4ftesituation im vergangenen Jahr wird eine vorsichtige Prognose f\u00fcr 2025 bis 2035 anhand der Daten des europ\u00e4ischen Zentrums f\u00fcr die Entwicklung der Berufsbildung (CEDEFOP) angestellt.<\/p>\n<p>Die Analyse zeigt erhebliche Herausforderungen, er\u00f6ffnet aber gleichzeitig strategische Handlungsfelder f\u00fcr Unternehmen, die proaktiv agieren.<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckblick 2024: Kritische Versch\u00e4rfung der Arbeitskr\u00e4fteverf\u00fcgbarkeit<\/strong><br \/>\nDie Berufsgruppe 2210 Kunststoff- und Kautschukherstellung wird von der BA als Engpassberuf eingestuft. Ein klares Signal f\u00fcr Unternehmen, Politik und Bildungstr\u00e4ger, gezielt in Ausbildung, Weiterbildung und Personalgewinnung zu investieren. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache:<br \/>\n\u2022 136 Tage ben\u00f6tigten Unternehmen durchschnittlich zur Stellenbesetzung<br \/>\n\u2022 1,7 Prozent betrug die berufsspezifische Arbeitslosenquote \u2013 ein praktisch leergefegter Arbeitsmarkt3<br \/>\n\u2022 2,3 Arbeitsuchende kamen auf jede offene Stelle, was einen intensiven Wettbewerb um verf\u00fcgbare Fachkr\u00e4fte verdeutlicht<br \/>\n\u2022 26 Prozent der Besch\u00e4ftigten sind \u00e4lter als 55 Jahre<\/p>\n<p><strong>Nachwuchsmangel versch\u00e4rft Verf\u00fcgbarkeitssituation<\/strong><br \/>\nBesonders alarmierend: 16,7 Prozent der gemeldeten Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt \u2013 das bedeutet, dass etwa jede sechste Ausbildungsstelle nicht besetzt werden kann. Die BA bewertet diesen Wert mit 2 Punkten und signalisiert damit ein erh\u00f6htes Risiko, dass der Nachwuchsmangel die Engpasssituation k\u00fcnftig erheblich versch\u00e4rfen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Die Entwicklungen in den letzten Monaten zeigen jedoch eine leichte Entspannung<\/strong><br \/>\nDie GKV-Umfrage zur Konjunktur- und Wirtschaftslage 2024\/2025 dokumentiert eine moderate Verbesserung der angespannten Personalsituation in der deutschen<br \/>\nKunststoffindustrie: Der Anteil der Unternehmen mit Fachkr\u00e4fteengpass sank von 72 Prozent im Vorjahr auf 66 Prozent in 2025. Diese Entspannung ist jedoch nur oberfl\u00e4chlich, denn<br \/>\nstrukturelle Probleme bleiben bestehen \u2013 so stellt die Personalsuche nach wie vor f\u00fcr 58 Prozent der Kunststoffverpackungshersteller eine gro\u00dfe Herausforderung dar, wie die 49. KI-<br \/>\nKonjunkturumfrage best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Die Ursachen f\u00fcr diese ambivalente Entwicklung liegen in zwei gegens\u00e4tzlichen Marktdynamiken: Einerseits hat der Stellenabbau 2024 das Verh\u00e4ltnis von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt leicht entspannt. Andererseits schw\u00e4cht die anhaltend angespannte Lage der deutschen Industrie die Nachfrage nach neuen Arbeitskr\u00e4ften \u2013 ein Umstand, der sich in der zur\u00fcckhaltenden Personalpolitik widerspiegelt: Die Mehrheit der kunststoffverarbeitenden Unternehmen plant f\u00fcr die zweite Jahresh\u00e4lfte 2025 keine Personalver\u00e4nderungen. Besonders kritisch zeigt sich die Situation bei spezifischen Berufsgruppen.<\/p>\n<p>Die GKV-Umfrage identifiziert zwei Top-Engpassberufe f\u00fcr 2025:<br \/>\n\u2022 Kunststofftechniker\/-technologen: 79 Prozent der Unternehmen verzeichnen hier einen Mangel<br \/>\n\u2022 Auszubildende im technischen Bereich: 65 Prozent der Unternehmen geben hier einen Engpass an<\/p>\n<p><strong>Langfristprognose zeigt Herausforderung<\/strong><br \/>\nDie aktuellen CEDEFOP-Prognosen bis 2035 verdeutlichen die komplexe Situation in Deutschland in der Branche \u201eHerstellung von Gummi- und Kunststoffwaren\u201c: W\u00e4hrend aufgrund des demografischen Wandels etwa 1,1 Millionen neue Stellen f\u00fcr Anlagen- und Maschinenbediener entstehen werden, schrumpft gleichzeitig die Besch\u00e4ftigung in diesem Berufsbereich um -0,6 Prozent j\u00e4hrlich \u2013 ein R\u00fcckgang von 64.301 Arbeitskr\u00e4ften.<\/p>\n<p>Die Zahlen offenbaren eine besorgniserregende Entwicklung: W\u00e4hrend der Bereich \u201eAnlagen- und Maschinenbediener\u201c EU-weit um 0,1 Prozent w\u00e4chst und die Branche \u201eHerstellung von<br \/>\nGummi- und Kunststoffwaren\u201c europaweit j\u00e4hrlich Zuw\u00e4chse von 0,2 Prozent verzeichnet, wird f\u00fcr Deutschland einen R\u00fcckgang von 0,5 Prozent pro Jahr prognostiziert. Diese Diskrepanz<br \/>\nist haupts\u00e4chlich auf strukturelle Nachteile am Standort Deutschland zur\u00fcckzuf\u00fchren. Auch im Bereich \u201eWissenschaft und Engineering\u201c \u2013 der mechanische, chemische und<br \/>\numwelttechnische Ingenieure umfasst \u2013 zeigt sich Deutschlands unterdurchschnittliche Position. W\u00e4hrend EU-weit j\u00e4hrlich 1,7 Prozent neue Arbeitspl\u00e4tze bis 2035 entstehen, erreicht<br \/>\nDeutschland nur 0,7 Prozent Wachstum pro Jahr, was absolut 134.566 Personen entspricht.<\/p>\n<p>Die Branche steht damit vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits muss sie den massiven Ersatzbedarf durch altersbedingte Abg\u00e4nge decken, andererseits erfordert die strukturelle Schrumpfung eine strategische Neuausrichtung hin zu h\u00f6herer Produktivit\u00e4t und technologischer Modernisierung.<\/p>\n<p><strong>Europ\u00e4ische Wachstumsregionen als Chance<br \/>\n<\/strong>W\u00e4hrend Deutschland schrumpft, entwickeln andere EU-L\u00e4nder ein erhebliches Arbeitskr\u00e4ftepotenzial im Bereich \u201eAnlagen- und Maschinenbediener\u201c. Spitzenreiter sind Zypern mit einem j\u00e4hrlichen Besch\u00e4ftigungswachstum von 4,5 Prozent bis 2035 und Irland mit 3,4 Prozent Zuwachs. Weitere relevante L\u00e4nder f\u00fcr die k\u00fcnftige Arbeitskr\u00e4fteakquise sind Malta, Portugal, Rum\u00e4nien, die Slowakei und Spanien. Deutlich bessere Perspektiven im Berufsbereich \u201eWissenschaft und Engineering\u201c bieten Malta mit 5,6 Prozent Wachstum pro Jahr und \u00d6sterreich mit 3,2 Prozent j\u00e4hrlichem Zuwachs bis 2035. \u00dcber zwei Prozent j\u00e4hrlichen Arbeitskr\u00e4ftezuwachs in diesem Segment erwarten auch Kroatien, Tschechien, Estland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Polen, die Slowakei, Slowenien und die T\u00fcrkei.<\/p>\n<p>Angesichts der demografischen Entwicklungen und des prognostizierten Arbeitskr\u00e4ftewachstums sollten deutsche Branchenunternehmen gezielt Rekrutierungsstrategien in den wachstumsstarken EU-L\u00e4ndern entwickeln.<\/p>\n<p><strong>Unternehmen reagieren bereits jetzt<br \/>\n<\/strong>Die demografische Entwicklung sowie der fortschreitende technologische Wandel und der Fachkr\u00e4ftemangel fordern Unternehmen dazu auf, den Wissenstransfer und die Nachfolgeplanung systematisch anzugehen. Digitale Werkzeuge und Automatisierung erm\u00f6glichen es, Arbeitspl\u00e4tze effizienter zu gestalten und den Ersatz ausscheidender Mitarbeitender bedarfsgerecht anzupassen11. Ein hohes Substituierbarkeitspotenzial erlaubt es, Mitarbeitende gezielt weiterzubilden, etwa durch ma\u00dfgeschneiderte Weiterbildungsprogramme, modulare Lernformate und Mentoring, um sie f\u00fcr vielf\u00e4ltige T\u00e4tigkeiten zu qualifizieren.<\/p>\n<p>Gleichzeitig adressieren Unternehmen den Fachkr\u00e4ftemangel durch attraktivere Verg\u00fctung (Medianentgelte stiegen um 10,8 % zwischen 2020 und 2023),<br \/>\nverst\u00e4rkte internationale Rekrutierung (+ 3,2 % ausl\u00e4ndische Besch\u00e4ftigte) und innovative Personalgewinnung, etwa \u00fcber digitale Plattformen (72 % setzen neue Recruiting-Kan\u00e4le<br \/>\nein). Moderne F\u00fchrung, flexible Arbeitsmodelle und Engagement f\u00fcr Nachhaltigkeit werden zunehmend zu Differenzierungsmerkmalen im Wettbewerb um Talente. Damit schaffen<br \/>\nUnternehmen nicht nur Voraussetzungen f\u00fcr Innovation und kulturelle Vielfalt, sondern auch ein attraktives Arbeitsumfeld, das insbesondere f\u00fcr j\u00fcngere Fachkr\u00e4fte entscheidend ist.<\/p>\n<p>Die Nachwuchsf\u00f6rderung ist ein zentrales Thema f\u00fcr die Zukunft der Branche und spielt auch auf der K 2025 eine gro\u00dfe Rolle. So unterst\u00fctzt die Young Talents-Lounge am GKV-Stand junge Talente bei der Berufsorientierung: Experten geben Infos zu spannenden Ausbildungswegen, Studienm\u00f6glichkeiten und nachhaltigen Karrierechancen in der Kunststoffindustrie. Die Kunststoffverpackungsbranche steht vor gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen. Um diese zu meistern, braucht es mutige Nachwuchskr\u00e4fte, die bereit sind, neue Wege zu gehen und den Wandel hin zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft konsequent vorantreiben.<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/sicherverpackt.de\/\">IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen<\/a> bringt mit ihrer Veranstaltung NextGen Plastics am 18. Juni 2026 in D\u00fcsseldorf die Menschen zusammen, die die Zukunft der Kunststoffverpackungsbranche ma\u00dfgeblich pr\u00e4gen werden: junge Vordenkerinnen und Vordenker, die Verpackungen nachhaltig denken und<br \/>\nmutig und engagiert weiterentwickeln. Der Austausch auf Augenh\u00f6he und die Vernetzung unter Gleichgesinnten in der Branche sollen dabei gezielt gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Branche steht vor einer besonderen Herausforderung: W\u00e4hrend sie eine zentrale Rolle beim \u00dcbergang zur Kreislaufwirtschaft&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7017,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,16],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-41979","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-plas-tv-meldungen-auf-der-startseite-unterhalb-slider","category-plast-tv-textmeldungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41979","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=41979"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41979\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":42495,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41979\/revisions\/42495"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7017"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=41979"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=41979"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=41979"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/plas.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fseries&post=41979"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}