{"id":43058,"date":"2026-02-16T06:47:11","date_gmt":"2026-02-16T05:47:11","guid":{"rendered":"https:\/\/plas.tv\/?p=43058"},"modified":"2026-02-13T08:50:25","modified_gmt":"2026-02-13T07:50:25","slug":"industriegipfel-in-antwerpen-was-einmal-weg-ist-kommt-nicht-wieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plas.tv\/?p=43058","title":{"rendered":"Industriegipfel in Antwerpen \u2013 \u201eWas einmal weg ist, kommt nicht wieder\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Beim European Industry Summit in Antwerpen haben Vertreter aus Politik und Industrie am 11. Februar 2026 \u00fcber die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der europ\u00e4ischen Wirtschaft beraten. Thema waren unter anderem Energiepreise, Investitionsbedingungen und die Zukunft der industriellen Produktion in der EU.<\/p>\n<p>Im Anschluss wandte sich der Verband der Kunststofferzeuger, Plastics Europe, mit einem offenen Brief an die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten, darunter auch an Bundeskanzler Friedrich Merz.<\/p>\n<div class=\"wp-block-spacer is-style-small\" aria-hidden=\"true\"><\/div>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Europa stehe vor einer \u201estrategischen Entscheidung\u201c<\/strong><\/h2>\n<p>\u201eEntweder wir sch\u00fctzen unsere industrielle Basis. Oder wir \u00fcberlassen sie globalen Wettbewerbern\u201c, hei\u00dft es im Brief. Nach Angaben des Verbands ist der Anteil Europas an der weltweiten Kunststoffproduktion von 22 Prozent im Jahr 2006 auf 12 Prozent im Jahr 2024 gesunken. Ursache sei nicht eine sinkende Nachfrage, sondern die Verlagerung von Investitionen in Regionen, in denen die Wettbewerbsbedingungen besser seien.<\/p>\n<p>Plastics Europe sieht nun die EU-Mitgliedstaaten in der Verantwortung. Es brauche mehr Planungssicherheit f\u00fcr Investitionen, bezahlbare Energie und eine gezielte Nutzung der Einnahmen aus dem Emissionshandel, um Investitionen in Kreislaufwirtschaftstechnologien zu f\u00f6rdern, die zur Reduzierung von CO2-Emissionen beitragen.<\/p>\n<p>\u201eWenn in der Kunststoffproduktion Anlagen geschlossen werden, kommen sie meist nicht zur\u00fcck\u201c, betont Dr. Christine Bunte, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von Plastics Europe Deutschland. \u201eDaf\u00fcr sind gerade bei energieintensiven Gro\u00dfanlagen die Anlagenkosten zu hoch und die Investitionszyklen zu lang. Wir brauchen daher Rahmenbedingungen, die Investitionen und Arbeitspl\u00e4tze in Europa halten.\u201c<\/p>\n<p>Nach Angaben von Plastics Europe besch\u00e4ftigt die Kunststoffindustrie in Europa rund 1,5 Millionen Menschen und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von etwa 400 Milliarden Euro. Mehr als 50.000 Unternehmen sind entlang der Wertsch\u00f6pfungskette t\u00e4tig. In Deutschland ist die Branche besonders stark vertreten. Das Land ist im europ\u00e4ischen Vergleich Spitzenreiter bei Produktion, Verarbeitung und Maschinenbau f\u00fcr Kunststoffe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>Offener Brief der Kunststofferzeuger an Bundeskanzler Friedrich Merz<\/em><\/h2>\n<p><em>Br\u00fcssel, den 11. Februar 2026<\/em><br \/>\n<em>Europas strategische Autonomie und wirtschaftliche Sicherheit in Gefahr:<\/em><br \/>\n<em>Jetzt Kunststo\u01afproduktion, Innovation und Kreislaufwirtschaft in Europa sichern<\/em><br \/>\n<em>Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,<\/em><br \/>\n<em>im Vorfeld des informellen Tre\u01afens der EU-Staats- und Regierungschefs am 12. Februar<\/em><br \/>\n<em>appellieren Plastics Europe und seine Mitgliedsunternehmen an Sie, entschlossen<\/em><br \/>\n<em>politische Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um die Kunststo\u01afproduktion, Innovation und<\/em><br \/>\n<em>Kreislaufwirtschaft in Europa zu halten \u2013 bevor weitere Kapazit\u00e4ten, Investitionen und<\/em><br \/>\n<em>Know-how irreversibel verloren gehen.<\/em><br \/>\n<em>Wir stehen in Europa vor einer strategischen Entscheidung: Entweder wir sch\u00fctzen<\/em><br \/>\n<em>unsere industrielle Basis. Oder wir \u00fcberlassen sie globalen Wettbewerbern. Mit allen<\/em><br \/>\n<em>Folgen wachsender Importabh\u00e4ngigkeiten und einer Schw\u00e4chung der wirtschaftlichen<\/em><br \/>\n<em>Sicherheit Europas.<\/em><br \/>\n<em>Plastics Europe vertritt \u00fcber 90 Prozent der Kunststo\u01afproduzenten in Europa mit rund<\/em><br \/>\n<em>1,5 Millionen Arbeitspl\u00e4tzen entlang der Wertsch\u00f6pfungskette und einem j\u00e4hrlichen<\/em><br \/>\n<em>Branchenumsatz von 400 Milliarden Euro. Kunststo\u01afe sind f\u00fcr nahezu alle strategischen<\/em><br \/>\n<em>Sektoren der Industrie unverzichtbar \u2013 und damit Grundpfeiler der wirtschaftlichen<\/em><br \/>\n<em>Resilienz, der Transformation zur Klimaneutralit\u00e4t und der strategischen Autonomie<\/em><br \/>\n<em>Europas.<\/em><br \/>\n<em>Die europ\u00e4ische Kunststo\u01afindustrie befindet sich an einem Scheidepunkt. Europas<\/em><br \/>\n<em>Anteil an der weltweiten Kunststo\u01afproduktion ist von 22 Prozent im Jahr 2006 auf<\/em><br \/>\n<em>12 Prozent im Jahr 20241 gefallen, w\u00e4hrend die Produktion in anderen Weltregionen<\/em><br \/>\n<em>kontinuierlich w\u00e4chst. Diese Erosion ist nicht auf eine sinkende Nachfrage<\/em><br \/>\n<em>zur\u00fcckzuf\u00fchren, sondern auf eine Verlagerung von Investitionen in wettbewerbsf\u00e4higere<\/em><br \/>\n<em>Regionen.<\/em><br \/>\n<em>Die Folgen sind konkret und dauerhaft: Zunehmende Import-Abh\u00e4ngigkeiten setzen<\/em><br \/>\n<em>Europa gegen\u00fcber Lieferengp\u00e4ssen, geopolitischen Risiken und ungleichen globalen<br \/>\n<\/em><em>Standards aus. Und in einer kapitalintensiven Industrie wie der Kunststo\u01afindustrie gilt:<\/em><br \/>\n<em>Einmal geschlossene Anlagen und gesunkene Kapazit\u00e4ten kehren selten zur\u00fcck \u2013 und<\/em><br \/>\n<em>mit ihnen verschwinden auch die Innovations\u00f6kosysteme.<\/em><br \/>\n<em>Um Europas industrielle Widerstandsf\u00e4higkeit, Wettbewerbsf\u00e4higkeit und strategische<\/em><br \/>\n<em>Autonomie zu st\u00e4rken, braucht es jetzt z\u00fcgig politische Entscheidungen:<\/em><br \/>\n<em>&#8211; \u00dcberbr\u00fccken der Energie- und CO2-Kostenl\u00fccke in Europa, insbesondere mithilfe<\/em><br \/>\n<em>der gezielten Nutzung von ETS-Erl\u00f6sen, um die industrielle Produktion w\u00e4hrend der<\/em><br \/>\n<em>Transformation wirtschaftlich wettbewerbsf\u00e4hig zu halten.<\/em><br \/>\n<em>&#8211; Verl\u00e4sslicher, investitionsfreundlicher und technologieneutraler Rechtsrahmen,<\/em><br \/>\n<em>der langfristige Investitionsentscheidungen erm\u00f6glicht \u2013 unter anderem durch klare<\/em><br \/>\n<em>Kriterien f\u00fcr Rezyklat-Anforderungen.<\/em><br \/>\n<em>&#8211; Nachfrage nach zirkul\u00e4ren und CO2-reduzierten Kunststo\u01afen in Europa st\u00e4rken,<\/em><br \/>\n<em>mit Ma\u00dfnahmen wie freiwilliger \u00f6\u01afentlicher Bescha\u01afung und Anreizen im Rahmen<\/em><br \/>\n<em>der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR).<\/em><br \/>\n<em>&#8211; Funktionsf\u00e4higen Binnenmarkt f\u00fcr Zirkularit\u00e4t scha\u01afen, mit harmonisierten End-<\/em><br \/>\n<em>of-Waste-Kriterien sowie vereinfachten innereurop\u00e4ischen Abfallverbringungen und<\/em><br \/>\n<em>material- wie technologieneutralen Rahmenbedingungen f\u00fcr zirkul\u00e4re<\/em><br \/>\n<em>Wertsch\u00f6pfung im industriellen Ma\u00dfstab.<\/em><br \/>\n<em>&#8211; Fairen und konsequent durchgesetzten handelspolitischen Rahmen und<\/em><br \/>\n<em>Markttransparenz sichern, einschlie\u00dflich Schutz vor globalen \u00dcberkapazit\u00e4ten und<\/em><br \/>\n<em>Dumping sowie verl\u00e4ssliche \u00dcberwachung der Import- und Exportdaten f\u00fcr<\/em><br \/>\n<em>Kunststo\u01afabf\u00e4lle.<\/em><br \/>\n<em>Wettbewerbsf\u00e4higkeit, Innovation und Zirkularit\u00e4t sind untrennbar miteinander<\/em><br \/>\n<em>verbunden. F\u00fcr Innovationen bei Materialien, Prozessen und Recyclingtechnologien<\/em><br \/>\n<em>braucht es wettbewerbsf\u00e4hige Investitionsbedingungen. Zirkul\u00e4re Kunststo\u01afe st\u00e4rken<\/em><br \/>\n<em>Europas Rohsto\u01afsicherheit, senken Emissionen kostene\u01afizient und erm\u00f6glichen<\/em><br \/>\n<em>globale Wettbewerbsf\u00e4higkeit auf Basis von Qualit\u00e4t, R\u00fcckverfolgbarkeit und hohen<\/em><br \/>\n<em>Standards. Doch ohne stabile industrielle Basis riskiert Europa, sowohl die<\/em><br \/>\n<em>Wertsch\u00f6pfung der bisherigen Produktion als auch k\u00fcnftige Potenziale einer st\u00e4rker<\/em><br \/>\n<em>zirkul\u00e4ren Wirtschaft vor Ort zu verlieren \u2013 und an andere Teile der Welt abzugeben.<\/em><br \/>\n<em>Die aktuelle Entwicklung ist nicht unvermeidlich. Ob Europa auch k\u00fcnftig ein Standort<\/em><br \/>\n<em>bleibt, an dem Kunststo\u01afe im industriellen Ma\u00dfstab produziert, weiterentwickelt und<\/em><br \/>\n<em>recycelt werden, ist eine politische und strategische Entscheidung. Das Zeitfenster, in<\/em><br \/>\n<em>dem Europas industrielle Basis noch stabilisiert und zugleich die zirkul\u00e4re<\/em><br \/>\n<em>Transformation vorangebracht werden kann, schlie\u00dft sich.<\/em><br \/>\n<em>Deshalb gilt es nun, entschlossen zu handeln.<\/em><\/p>\n<p><em>Plastics Europe steht bereit, die EU-Institutionen und Mitgliedstaaten dabei zu<\/em><br \/>\n<em>unterst\u00fctzen, z\u00fcgig Ma\u00dfnahmen zu erarbeiten. F\u00fcr unser gemeinsames Ziel: eine<\/em><br \/>\n<em>Industrie mit Zukunft in Europa.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcber eine M\u00f6glichkeit zum Austausch mit Ihrem Haus w\u00fcrden wir uns au\u00dferordentlich<\/em><br \/>\n<em>freuen.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/em><br \/>\n<em>Rob Ingram<\/em><br \/>\n<em>CEO, INEOS Olefins &amp; Polymers Europe<\/em><br \/>\n<em>Pr\u00e4sident Plastics Europe<\/em><br \/>\n<em>Virginia Janssens<\/em><br \/>\n<em>Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Plastics Europe<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>1 Plastics the Fast Facts 2025 &#8211; Global and European plastics production and economic indicators. Source<\/em><br \/>\n<em>Plastics Europe<\/em><\/p>\n<div class=\"wp-block-spacer\" aria-hidden=\"true\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim European Industry Summit in Antwerpen haben Vertreter aus Politik und Industrie am 11. 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